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Das Sportgelände des BFW soll umgenutzt werden als Wohnstätte für 32 Menschen mit komplexen Beeinträchtigungen und entweder für Barrierefreies Senioren-Wohnen oder für den Neubau der Rupert-Egenberger-Schule.

Veröffentlicht am von Dieter Gürz

Das Sportgelände des BFW soll künftig genutzt werden als Wohnstätte für 32 Menschen mit komplexen Beeinträchtigungen und entweder für  Barrierefreies Senioren-Wohnen oder für den Neubau der Rupert-Egenberger-Schule.

Beim letzten traditionellen Neujahrsempfang des Berufsförderungswerk Würzburg gGmbH (BFW) in Veitshöchheim vor zwei Jahren (siehe nachstehender Link) verdeutlichte Judith Faltl noch als BFW-Aufsichtsratsvorsitzende mit dem Zitat "Nichts ist so kontinuierlich wie der Wandel", dass das BFW  auch in der Zukunft vor großen Herausforderungen stehen werde.

In der Gemeinderatssitzung am Dienstag präsentierte sie nun dem Gremium die Planungsabsichten des seit 1. Juli 1980 in Veitshöchheim ansässigen BFW, die zu einschneidenden baulichen Veränderungen auf dem BFW-Areal in der Helen-Keller-Straße führen.

 Faltl, die ehrenamtlich seit 2003 Vorsitzende des Bayerischen Blindenbundes ist, trat nun nicht mehr als Aufsichtsratsvorsitzende, sondern als Geschäftsführerin des BFW auf. Diese Funktion hatte die gelernte IT-Kauffrau und seit über 25 Jahre in mittelständischen Unternehmen tätige Software-Ingenieurin am 1. Januar 2022  von Karsten Hohler nach dessen Eintritt in den Ruhestand übernommen.

Zusammen mit Dr. Thomas Heckner, dem Institutsleiter am Standort Würzburg der Blindeninstitutsstiftung bat sie den Gemeinderat einer vorhabenbezogenen Änderung des rechtsverbindlichen Bebauungsplanes „Schulzentrum Speckert“ im Bereich Helen-Keller-Straße 3 + 5 (BFW) Fl.Nr. 1300 Gemarkung Veitshöchheim zuzustimmen.

Die Blindeninstitutsstiftung, die einer der acht Gesellschafter der BFW gGmbH ist,  möchte nämlich möglichst bald, in Kooperation mit dem  Evangelischen Siedlungswerk (ESW) in Nürnberg, auf  dem an die Eichendorffstraße angrenzenden südlichen Teilbereich des bisherigen Sportgeländes des BFW eine Wohnstätte für 32 Menschen errichten und für diese die seit Jahren nicht mehr genutzte Schwimm- und Sporthalle als Arbeitsstätte umbauen.

Wie Blindeninstitutsleiter Heckner erläuterte, werden in Würzburg über 2000 mehrfach behinderte Blinde von 1100 Mitarbeitern betreut. In den Wohnheimen sind jeweils 32 Personen untergebracht. Sechs Wohnheime  müssen in den nächsten zwölf bis 15 Jahren dringend umfassend modernisiert und saniert werden. Sie entsprechen nicht den Anforderungen für Menschen mit so komplexen, auch körperlichen Behinderungen. Die Sanitäranlagen sind zum großen Teil nicht barrierefrei. Das Institut stehe auch rechtlich zum Abbau der Doppelzimmer und zur Ausstattung der Zimmer mit direktem Zugang zu einem Sanitärbereich in der Pflicht.

Während der anstehenden Sanierungen am Standort Würzburg der Blindeninstitutsstiftung müssen jeweils 32 Menschen mit komplexen Beeinträchtigungen in einem Ausweichquartier untergebracht werden. Diese Wohnstätte soll nun auf dem vom BFW nicht mehr benötigten Sportgelände errichtet werden und anschließend dauerhaft zur Wohnraumbedarfsdeckung genutzt werden.

Die verfügbare Geländefläche soll laut Faltl in jedem Fall mit einem sozialwirtschaftlichen Projekt geteilt werden. Eine Option ist die  Errichtung von barrierefreiem Wohnraum für Senioren. Mit dem Evangelischen Siedlungswerk (ESW) in Nürnberg, welches die Wohnstätte für die Blindeninstitutsstiftung errichten würde, habe  das BFW  auch im Bereich Seniorenwohnen einen erfahrenen und kompetenten Partner an der Seite. 

Vorhabensträger sowohl für die Wohnstätte als auch für das Seniorenprojekt wäre die ESW-Bauträger GmbH, die vom BFW das gesamte Sportgelände erwerben würde.

Nachdem der Kreistag vor kurzem von einer Generalsanierung der Außenstelle Veitshöchheim der Rupert-Egenberger-Schule Abstand genommen hat, brachte die Gemeinde das Sportgelände des BFW als einen möglichen Standort für einen Neubau der Außenstelle Nord ins Gespräch. Entsprechende Gespräche hat die Geschäftsführerin bereits mit Landrat Thomas Ebert geführt. Wie auf dem Luftbild zu sehen, ist die benötigte Fläche der Schule im nördlichen Bereich des Sportgeländes abbildbar. Das BFW stehe einem Verkauf der Teilfläche an den Landkreis positiv gegenüber.

Als Alternativen kommen für den Landkreis auch ein Neubau in Unterpleichfeld und ein Umzug in eine Rimparer Schule in Frage (siehe nachstehender Link auf Bericht von der Kreistagssitzung). Die Standortentscheidung soll laut Bürgermeister Jürgen Götz noch in der ersten Jahreshälfte getroffen werden.

Die Teilfläche sei auch für die Gemeinde eine Option für den geplanten neuen Kindergarten gewesen, so Götz. Der Gemeinderat habe sich jedoch für einen Standort nördlich der Tennishalle der TGV entschieden.

Wie Geschäftsführerin Faltl ausführte, ist Sport für die rund 220 Rehabilitanden des BFW nachwievor von großer Bedeutung. So errang das inklusive Fußballteam Veitshöchheim den mit 2.500 Euro dotierten Inklusionspreis des Bezirks Unterfranken 2020 im Bereich Freizeit/Sport, gehörten vor Coronadie inklusiven Tandemteams aus blinden und sehenden Begleitläufern des BFW zum Teilnehmerfeld des Würzburger Firmenlaufs, war das BFW vor wenigen Jahren noch stolz auf seine in der Bundesliga kickenden Blindenfußballer (siehe nachstehender Link auf Bericht zum 30jährigen Bestehen des BFW in Veitshöchheim im Jahr 2010).

Doch das  Sportgelände  wurde im Laufe der Zeit immer weniger genutzt, stand doch läuferisch gleich nebenan die große Freisportanlage der Gemeinde mit 400-Meter-Bahn zur Verfügung. Anstelle der maroden Sport- und Schwimmhalle wurde für die Rehabilitanden ein Fitnessstudio eingerichtet, kann Sport witterungsunabhängig jetzt in der Mehrzweckhalle (früher Werkstatt für Zerspanungstechniker-Ausbildung) stattfinden.

Alle Fraktionen des Gemeinderates standen der Planung des BFW sehr positiv gegenüber. Alle waren wie CSU-Sprecher Marc Zenner der Meinung, dass man bei der Förderschule den Standort Veitshöchheim nicht kampflos aufgeben sollte (siehe dazu auch nachstehend ein Link auf eine Presseerklärung der CSU Veitshöchheim vom 14.Oktober 2021).

Vom Gemeinderat gefasster Beschluss:

Der Gemeinderat der Gemeinde Veitshöchheim stimmte dem Antrag auf vorhabenbezogene Änderung des rechtsverbindlichen Bebauungsplanes „Schulzentrum Speckert“ im Bereich Helen-Keller-Straße 3 + 5 (BFW) Fl.Nr. 1300 Gemarkung Veitshöchheim zu.

Nach der Abstimmung des Vorhaben- und Erschließungsplanes zwischen Antragssteller und der Gemeinde Veitshöchheim erfolgt eine Entscheidung der Gemeinde über die Einleitung des Bebauungsverfahrens und der Aufstellungsbeschluss nach § 12 Abs. 2 BauGB.

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