Meilenstein der Inklusion: 50. Integrationskurs für Flüchtlinge am BFW Würzburg in Veitshöchheim gestartet
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Ein bedeutendes Jubiläum unterstreicht die nachhaltige Wirkung einer bundesweit einzigartigen Bildungsinitiative: Am 7. April 2026 hat das Berufsförderungswerk (BFW) Würzburg seinen 50. Integrationskurs für blinde und sehbehinderte Geflüchtete begonnen. Seit rund zehn Jahren begleitet das Kompetenzzentrum Menschen mit Migrationshintergrund auf ihrem Weg in ein selbstbestimmtes Leben in Deutschland.
„Der 50. Integrationskurs ist für uns weit mehr als eine Zahl – er steht für zehn Jahre gelebte Inklusion und für hunderte individuelle Erfolgsgeschichten“, betont Geschäftsführerin Judith Faltl.
In der aktuellen Kursgruppe bereiten sich neun Teilnehmende auf ihren Abschluss vor. Ihre Herkunftsländer – darunter Afghanistan, Syrien und die Ukraine – spiegeln die globalen Krisen unserer Zeit wider. Trotz unterschiedlicher kultureller Hintergründe ist die Atmosphäre im Kurs von Offenheit und gegenseitigem Respekt geprägt. Bereits nach wenigen Tagen lernen die Teilnehmenden, sich vorzustellen und über ihre Herkunft zu sprechen. Herkunft, Geschlecht und Religion spielen im Kursraum keine Rolle – Vielfalt wird am BFW Würzburg aktiv gelebt.
In den kommenden neun Monaten vermittelt Ausbilderin Frau Theiler die sprachlichen und alltagspraktischen Kompetenzen, die für die barrierefreie DTZ-Sprachprüfung erforderlich sind. Der Erfolg des Konzepts zeigt sich deutlich: Rund 75 Prozent aller sehbehindertengerechten Sprachprüfungen in Deutschland werden in Würzburg durchgeführt. Insgesamt haben bereits mehr als 350 Menschen die Integrationskurse durchlaufen – mit Ergebnissen auf Bundesdurchschnittsniveau.
„Blinde und sehbehinderte Geflüchtete stehen vor mehrfachen Herausforderungen. Unser Ansatz ist es, ihnen nicht nur Sprache zu vermitteln, sondern echte Teilhabe zu ermöglichen“, so Faltl.
Was 2016 als Pilotprojekt in Veitshöchheim begann, hat sich seit dem ersten regulären Kursstart 2017 zu einem festen Bestandteil der Bildungslandschaft entwickelt. Die Nachfrage ist ungebrochen: Neben dem Standort Würzburg werden seit 2019 auch in München entsprechende Kurse angeboten, seit 2025 zudem in Hamburg.
„Die konstant hohe Nachfrage zeigt uns, wie groß der Bedarf an spezialisierten Bildungsangeboten ist – und wie wichtig unsere Arbeit bundesweit geworden ist“, erklärt Faltl.
Ein besonderer Dank gilt Christine Haupt-Kreutzer und Robert Rosenhahn, die das Projekt von Beginn an mit großem Engagement und fachlicher Expertise geprägt haben.
Der ganzheitliche Ansatz ist ein zentraler Erfolgsfaktor: Neben dem Spracherwerb stehen auch Alltagskompetenzen wie das Erlernen der Brailleschrift sowie der Umgang mit assistiven Technologien im Fokus. Ziel ist die nachhaltige berufliche Integration – von der sprachlichen Grundlage über die blindentechnische Rehabilitation bis hin zur Qualifizierung für den Arbeitsmarkt.
„Spracherwerb allein reicht nicht aus. Erst durch die Verbindung mit blindentechnischer Rehabilitation und beruflicher Qualifizierung entsteht eine nachhaltige Perspektive“, unterstreicht Faltl.
Dass dieser Weg funktioniert, zeigt das Beispiel eines ehemaligen Teilnehmers: Mohammad S. arbeitet heute als Telefonist in einem Finanzamt. „Die Zeit am BFW hat mein Leben nachhaltig geprägt“, berichtet er. „Dank der Unterstützung konnte ich alle Herausforderungen meistern.“
Ein Projekt dieser Größenordnung basiert auf verlässlichen Kooperationen. Besonders hervor hebt das BFW Würzburg die Zusammenarbeit mit dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF). Seit 2019 begleitet die Regionalkoordinatorin Frau Wiedamann die Integrationskurse.
„Die enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit dem BAMF ist ein zentraler Baustein unseres Erfolgs. Gemeinsam schaffen wir verlässliche Strukturen für Integration“, betont Faltl.
Ergänzend bietet das BFW Berufssprachkurse mit dem Zielniveau B2 an, die ebenfalls vom BAMF betreut werden. Dieses weiterführende Angebot haben bereits über 200 Teilnehmende genutzt.
Auch im zehnten Jahr bleibt die Zielsetzung klar: Sprache ist der Schlüssel zur Integration und zur beruflichen Zukunft. Ob im IT-Bereich oder im Gesundheitswesen – das BFW Würzburg zeigt, dass Inklusion gelingt, wenn fachliche Kompetenz und menschliche Unterstützung zusammenwirken.
„Unser Ziel bleibt klar: Wir wollen Menschen befähigen, ihr Leben selbstbestimmt zu gestalten und ihren Platz im Arbeitsmarkt zu finden – unabhängig von Einschränkungen“, so Faltl.
Das Berufsförderungswerk Würzburg gGmbH mit Sitz in Veitshöchheim ist seit 1980 ein bundesweites Kompetenzzentrum für die berufliche Bildung und Rehabilitation blinder und sehbehinderter Menschen. Mit innovativen Konzepten unterstützt es Betroffene erfolgreich bei der (Re-)Integration in den Arbeitsmarkt.
Foto BFW