Neujahrsempfang des BFW Würzburg: Digitale Wahlfreiheit, gelebte Barrierefreiheit und ein starkes Gemeinschaftsprojekt
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Das Berufsförderungswerk Würzburg in Veitshöchheim nutzt digitale Chancen zur Integration
Beim Neujahrsempfang des Berufsförderungswerks ging es um Vielfalt und digitale Selbstbestimmung. Zahlreiche Redner würdigten die Arbeit der Einrichtung.
Link auf Mainpost-Online
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Mit einem stimmungsvollen Neujahrsempfang startete das Berufsförderungswerk Würzburg gGmbH in Veitshöchheim am 22. Januar 2026 im Casino ins neue Jahr. Zahlreiche Gäste aus Politik, Selbsthilfe, Verwaltung, Partnerorganisationen und der eigenen Belegschaft folgten der Einladung, um gemeinsam auf das vergangene Jahr zurückzublicken – und vor allem den Blick nach vorne zu richten. Zum Pressefoto versammelten sich die Ehrengäste v.r.n.l. vorne Bezirkstagspräsident Stefan Funk, Barbara Lehrieder (Fraktionsvorsitzende der Grünen im Würzburger Stadtrat), BFW-Geschäftsführern Judith Faltl, Dr. Marco Bambach (Aufsichtsratsvorsitzender des BFW Würzburg), Dr. Benedikt Schreiner (Direktor der Bezirksverwaltung des Bezirks Oberpfalz), hinten Landrat Thomas Eberth, Bürgermeister Jürgen Götz, MdL Björn Jungbauer und Johannes Spielmann (Vorstand der Blindeninstitutsstiftung).
Im Mittelpunkt des Abends stand das neue Projekt „NVDA Nachhaltig – Weiterentwicklung von NVDA für mehr digitale Teilhabe“, das eindrucksvoll zeigte, wie technologische Innovation, soziale Verantwortung und Wahlfreiheit für Menschen mit Behinderungen zusammenwirken können.
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Pünktlich um 17:20 Uhr eröffnete Judith Faltl, Geschäftsführerin des BFW Würzburg, den Abend. In ihrer persönlichen und zugleich gesellschaftspolitischen Begrüßungsrede stellte sie ein zentrales Motiv in den Mittelpunkt: die Freiheit, eine Wahl zu haben.
Sie erinnerte daran, dass alle Gäste an diesem Abend bereits eine bewusste Entscheidung getroffen hatten – für Begegnung, Austausch und gemeinsames Nachdenken über Teilhabe. Wahlfreiheit, so Faltl, sei keine Selbstverständlichkeit. Gerade mit Blick auf aktuelle politische Entwicklungen in Europa werde deutlich, wie wertvoll demokratische Stabilität und soziale Sicherheit seien.
Das BFW Würzburg beschrieb sie als einen Ort gelebter Vielfalt: Menschen mit Sehbehinderungen oder anderen Einschränkungen ebenso wie Menschen mit Fluchterfahrung aus vielen Teilen der Welt kämen hier zusammen, um neue berufliche Perspektiven zu entwickeln. Diese unterschiedlichen Lebenswege machten das BFW menschlich wie fachlich stark.
Besonders betonte Faltl die Bedeutung von Wahlfreiheit im Bereich digitaler Hilfsmittel. Auch blinde und sehbehinderte Menschen müssten zwischen unterschiedlichen technischen Lösungen wählen können. Monopole seien – in Wirtschaft wie Gesellschaft – nie gesund.
Der Neujahrsempfang des BFW Würzburg wurde von einer Reihe eindrucksvoller Grußworte begleitet, die eines deutlich machten: Barrierefreiheit, Teilhabe und berufliche Perspektiven für blinde und sehbehinderte Menschen genießen breite Unterstützung aus Politik, Selbsthilfe und Gesellschaft.
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Bezirkstagspräsident Stefan Funk betonte in seinem Grußwort die besondere Verantwortung der kommunalen Familie in bewegten Zeiten. Trotz globaler Unsicherheiten sei Unterfranken ein Ort des Zusammenhalts, in dem Bezirk, Landkreis und Kommunen gemeinsam dafür sorgen, dass niemand zurückgelassen werde. Der Bezirk Unterfranken verstehe sich ausdrücklich als Anwalt der Menschen, die auf Unterstützung angewiesen sind – insbesondere im Bereich der Eingliederungshilfe. Projekte wie „NVDA Nachhaltig“ zeigten eindrucksvoll, wie digitale Technologien und Künstliche Intelligenz konkrete Teilhabe ermöglichen und damit einen wichtigen Beitrag für Ausbildung, Beruf und gesellschaftliche Integration leisten.
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Der Aufsichtsratsvorsitzende des BFW Würzburg, Dr. Marco Bambach, wählte einen persönlichen und bildhaften Zugang mit einem Apfel in der Hand. Anhand der Metapher der Schwerkraft und der „Schwerelosigkeit“ machte er deutlich, dass das BFW keine einfachen Lösungen verspreche, sondern Struktur, Verlässlichkeit und neue Perspektiven biete. Die Mitarbeitenden nähmen den Teilnehmenden die Last nicht ab, stärkten jedoch ihre Schultern und eröffneten neue Wege.
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Zum Abschluss dankte Dr. Bambach dem gesamten Team ausdrücklich für Engagement und Zusammenhalt und überreichte Geschäftsführerin Judith Faltl stellvertretend ein inklusives Präsent: eine multisensorische Wein-Tasting-Box des Weinguts Markus Meier mit Braille-Beschriftung, QR-Code zur Sprachausgabe und Duftanhänger – die Genuss barrierefrei erlebbar macht – ein Symbol für die Werte und den Innovationsgeist des BFW Würzburg.
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Barbara Lehrieder, Fraktionsvorsitzende der Grünen im Würzburger Stadtrat, überbrachte die Grüße der Stadt Würzburg in Vertretung von Oberbürgermeister Martin Heilig. Sie unterstrich die große Bedeutung des BFW weit über Veitshöchheim hinaus und verwies auf den zweiten Kommunalen Aktionsplan Inklusion der Stadt Würzburg, der fraktionsübergreifend beschlossen wurde. Die enge Zusammenarbeit zwischen Stadt und BFW sei dabei ausdrücklich festgeschrieben. Besonders hob sie hervor, dass Umschüler des BFW für Verwaltung und IT gefragte Fachkräfte seien und gleichzeitig wichtige Impulse für barrierefreie Arbeitsplätze und inklusive Organisationskultur lieferten. Inklusion, so Lehrieder, sei nicht nur eine soziale Verpflichtung, sondern auch ein Innovationstreiber für Stadtgesellschaft und Verwaltung.
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Für den Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverband (DBSV) sprach dessen Präsident Hans-Werner Lange. Er ordnete die aktuellen gesellschaftlichen und sozialpolitischen Entwicklungen kritisch ein und machte deutlich, dass gerade in Zeiten möglicher Einschnitte im Sozialstaat die Interessen blinder und sehbehinderter Menschen konsequent vertreten werden müssten. Gleichzeitig würdigte er das BFW Würzburg als bundesweit anerkanntes Kompetenzzentrum für berufliche und soziale Teilhabe. Das Haus stehe für Innovation, individuelle Qualifizierung und für einen ganzheitlichen Ansatz, der Menschen nach einem einschneidenden Sehverlust nicht nur beruflich, sondern auch persönlich neue Perspektiven eröffnet. Der DBSV, so Lange, werde auch künftig eng an der Seite des BFW stehen.
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Nach dem offiziellen Teil eröffnete das Küchenteam um Küchenchef Thomas Lehrmann den kulinarischen Teil des Abends.
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Den Auftakt bildete eine nussige Pastinakencremesuppe mit Schnittlauchöl und gerösteten Haselnüssen, gefolgt von einer vielfältigen Auswahl an Vorspeisen – darunter violettes Rote-Beete-Carpaccio mit Ziegenkäsecreme, veredeltes Lachs-Tatar, Vitello Tonnato und weitere fein abgestimmte Kreationen.
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Die entspannte Atmosphäre bot reichlich Gelegenheit zum Austausch zwischen Gästen aus Politik, Selbsthilfe, Wirtschaft und Fachpraxis.
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Um 18:30 Uhr stellte Rainer Brell, zuständig für Forschung und Entwicklung im Bereich NVDA am BFW Würzburg, das Projekt „NVDA Nachhaltig“ vor. Brell, selbst blind und ehemaliger Teilnehmer des BFW, erläuterte eindrucksvoll die Idee hinter dem kostenfreien, quelloffenen Screenreader NVDA und die Ziele des dreijährigen Projekts.
Dazu gehören der Ausbau deutschsprachiger Schulungsangebote, die Stärkung einer Entwickler-Community, der Wissenstransfer sowie die Förderung der Akzeptanz von NVDA in Ausbildung, Beruf und Verwaltung. Eine Live-Demonstration zeigte anschaulich, wie blinde Menschen mit Screenreader und Braillezeile souverän arbeiten. Für einen besonderen Moment sorgte der humorvolle NVDA-Song, der Technik und Kreativität verband (nachstehend weitere Infos)
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Beim Hauptgang konnten die Gäste zwischen Dry Aged Rinderfilet, Doradenfilet oder einem vegetarischen Dinkelrisotto wählen.
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Den süßen Abschluss bildeten Apfelkräpfle mit Tonkabohnenschaum und Amarettini-Crunch – ein würdiger Ausklang eines rundum gelungenen Abends.
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Der Neujahrsempfang des BFW Würzburg 2026 war weit mehr als ein festlicher Auftakt ins neue Jahr. Er war ein starkes Zeichen für Wahlfreiheit, Vielfalt und digitale Selbstbestimmung. Das Projekt „NVDA Nachhaltig“ zeigte eindrucksvoll, wie Barrierefreiheit gelingen kann, wenn Fachwissen, Engagement und gesellschaftliche Verantwortung zusammenkommen.
Mit dem Projekt „NVDA Nachhaltig“ setzt das BFW gemeinsam mit starken Partnern ein deutliches Zeichen für eine inklusive digitale Zukunft.
Fotos Dieter Gürz
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Wie kann digitale Teilhabe unabhängig vom Geldbeutel gelingen? Diese Frage stand im Mittelpunkt des Vortrags von Rainer Brell, Referent für Forschung und Entwicklung im Bereich NVDA am BFW Würzburg, beim Neujahrsempfang des Berufsförderungswerks (BFW) Würzburg gGmbH.
Im Fokus des Projekts „NVDA Nachhaltig – Weiterentwicklung von NVDA für mehr digitale Teilhabe“ steht der kostenlose, quelloffene Screenreader NVDA (NonVisual Desktop Access). Die Software ermöglicht blinden und sehbehinderten Menschen den Zugang zu Computern, Bildung und Beruf – ohne die hohen Kosten vieler kommerzieller Hilfsmittel.
Brell, selbst seit seinem 21. Lebensjahr blind, betonte:
„Digitale Selbstbestimmung darf keine Frage des Einkommens sein.“
NVDA unterstützt sowohl Sprachausgabe als auch Braillezeilen und lässt sich durch Add-ons an unterschiedliche Anforderungen im Alltag und Beruf anpassen.
Das Projekt wurde vom Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverband (DBSV) initiiert, von der Aktion Mensch gefördert und vom BFW Würzburg umgesetzt. Es verfolgt Ziele wie:
- Mehr Vielfalt im Hilfsmittelmarkt
- Unabhängigkeit von einzelnen Anbietern
- Ausbau deutschsprachiger Schulungs- und Informationsangebote
- Aufbau einer aktiven Entwickler-Community
Seit Projektstart im Oktober 2024 wurden bereits zahlreiche Maßnahmen umgesetzt, darunter:
- Bundesweite Nutzerumfrage
- Übersetzungen englischer NVDA-Dokumentationen
- Barrierefreier Python-Programmierkurs auf „BFW online“
- Praxisnahe Kurzanleitungen der Community („Erklärbären“)
- Stärkere Öffentlichkeitsarbeit: Newsletter, Foren, Messeauftritte, digitale Austauschformate
Ein Schwerpunkt liegt auf der Akzeptanz von NVDA in Unternehmen und Behörden. Brell erklärte, dass Open-Source-Software stabil, sicher und auch für professionelle IT-Umgebungen geeignet sei.
Abschließend rief Brell zur Beteiligung am Projekt auf:
„NVDA lebt vom Mitmachen.“
Ob als Nutzer, Multiplikator oder Entwickler – jede Form der Unterstützung stärke digitale Freiheit und Selbstbestimmung. Das Projekt zeige, wie technologische Innovation, soziale Verantwortung und gemeinschaftliches Engagement erfolgreich zusammenwirken können.
Links auf Information
Projektteam „NVDA Nachhaltig“ Berufsförderungswerk Würzburg E-Mail: nvda@bfw-wuerzburg.de
Webseite: www.bfw-wuerzburg.de (Projektinfos) / www.nvda-nachhaltig.de (im Aufbau)
Anmeldung an den NVDA-Infobrief: https://lists.bfw-wuerzburg.de/subscription/form
Youtube-Kanal: https://www.youtube.com/@nvda-nachhaltig
Podcast: https://nvda-nachhaltig.podigee.io/
NVDA herunterladen: Die Software erhalten Sie kostenfrei auf der Seite des australischen Entwicklers: www.nvaccess.org/download
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Selbstbestimmt und voller Lebensfreude meistern Sonja und Rainer Brell aus Veitshöchheim ihren Alltag und bereichern mit ihren sportlichen Aktivitäten nicht nur ihr eigenes, sondern auch das Lebe...
https://www.veitshoechheim-blog.de/2022/11/inclusionspreis.html
Link auf Bericht vom 28.12.2022
Persönliche Begrüßung und Dank
In seinem Grußwort machte Stefan Funk, Bezirkstagspräsident von Unterfranken, deutlich, warum er besonders gerne zum Neujahrsempfang des BFW Würzburg gekommen sei – und zwar erstmals persönlich vor Ort. Er wolle damit zu Beginn des neuen Jahres seinen Dank, seine Anerkennung und seine Wertschätzung gegenüber allen ausdrücken, die sich tagtäglich für Teilhabe, Bildung und soziale Verantwortung engagieren.
Gesellschaftlicher Kontext und Herausforderungen
Gleichzeitig ordnete Funk die Arbeit des BFW in den aktuellen gesellschaftlichen Kontext ein. Die Zeiten seien herausfordernd, politische und wirtschaftliche Rahmenbedingungen änderten sich rasant. Wer täglich Nachrichten verfolge, habe oft das Gefühl, dass selbst Meldungen vom Vortag schon wieder überholt seien.
Stabile Verhältnisse in Unterfranken
Umso dankbarer zeigte sich Funk für die vergleichsweise stabilen Verhältnisse in Unterfranken. Er hob die gute Zusammenarbeit innerhalb der kommunalen Familie hervor – zwischen Gemeinden, Landkreisen und dem Bezirk. Am Beispiel von Veitshöchheim machte er deutlich, wie wichtig dieses Zusammenspiel sei: Was ein Bürgermeister allein nicht leisten könne, werde durch den Landrat ergänzt – und wo es darüber hinaus Unterstützung brauche, bringe sich der Bezirk ein. Nur so könnten lebenswerte Bedingungen vor Ort gesichert werden.
Herausforderungen im Bereich Eingliederungshilfe
Der Bezirk Unterfranken stehe dabei vor wachsenden Herausforderungen, insbesondere im Bereich der Eingliederungshilfe und der Umsetzung des Bundesteilhabegesetzes (BTHG). Funk sprach offen an, dass die finanzielle Belastung für die kommunale Ebene zunehme und die Konnexität zwischen Gesetzgebung und Finanzierung nicht immer ausreichend gewährleistet sei. Dennoch machte er unmissverständlich klar:
Der Bezirk Unterfranken bleibe Anwalt der Menschen, die sich nicht selbst helfen können.
Verantwortung des Staates gegenüber Schwächsten
Ein Staat, so Funk, sei immer daran zu messen, wie er mit den Schwächsten umgehe. Diese Menschen lasse man nicht im Regen stehen – weder politisch noch gesellschaftlich. Genau darin liege auch der Wert einer funktionierenden Demokratie: Sie sehe nicht nur Probleme, sondern suche gemeinsam nach Lösungen.
Würdigung des BFW Würzburg und des Projekts „NVDA Nachhaltig“
In diesem Zusammenhang würdigte Funk ausdrücklich die Rolle des BFW Würzburg und das Projekt „NVDA Nachhaltig“. Was vor einigen Jahren vielleicht noch nach einem technischen Produkt geklungen hätte, zeige heute eindrucksvoll, wie Digitalisierung und Künstliche Intelligenz ganz konkret zur Teilhabe von Menschen mit Behinderungen beitragen können. Screenreader wie NVDA ermöglichten Arbeit, Bildung und gesellschaftliche Teilhabe – und seien damit ein wichtiger Baustein moderner Eingliederungshilfe.
Förderung von Teilhabe am Arbeitsleben
Der Bezirk Unterfranken wolle diese Entwicklung weiterhin unterstützen. Teilhabe am Arbeitsleben sei nicht nur eine soziale, sondern auch eine wirtschaftliche Aufgabe. Funk betonte: Eine funktionierende Wirtschaftspolitik sei die beste Sozialpolitik. Nur mit stabiler Infrastruktur, starken Kommunen und inklusiven Arbeitsmärkten könne Teilhabe für alle gelingen – für junge und ältere Menschen, mit und ohne Beeinträchtigungen.
Abschlussworte und Neujahrswünsche
Zum Abschluss dankte Stefan Funk für die Einladung und wünschte allen Gästen ein gutes, erfolgreiches – und auch ein wenig glückliches – neues Jahr 2026. Mit einem augenzwinkernden Zitat erinnerte er daran, dass Gesundheit allein nicht alles sei: Auch Glück gehöre dazu.
Judith Faltl, Geschäftsführerin des BFW Würzburg, bedankte sich herzlich für die wertschätzenden Worte. Das BFW stehe bereit, auch weiterhin seinen Beitrag für Gesellschaft und Wirtschaft zu leisten. Jährlich verließen rund 50 bis 60 Menschen das Gelände des BFW, die hier neue Berufe erlernt hätten und motiviert seien, aktiv zum Arbeitsmarkt und zum gesellschaftlichen Leben in Deutschland beizutragen.
Ein Apfel als Metapher für die Schwerkraft
Mit einer ebenso einfachen wie eindrucksvollen Metapher eröffnete Dr. Marco Bambach, Aufsichtsratsvorsitzender des BFW Würzburg, sein Grußwort: einem Apfel. Lässt man ihn los, fällt er – immer, ohne Ausnahme. Schon Isaac Newton sei durch einen fallenden Apfel auf die Schwerkraft aufmerksam geworden. Eine Kraft, die stets wirke – auf uns alle.
Begrüßung der Gäste und Blick auf den Jahresbeginn
Im Namen des Aufsichtsrats, gemeinsam mit seinen Kollegen Dieter Feser und Frank Schäfer, hieß Bambach die Gäste herzlich willkommen und schlug den Bogen zum Jahresbeginn: eine Zeit, in der viele Menschen die „Schwerkraft des Alltags“ besonders deutlich spürten. Aufgaben, Verantwortung, Erwartungen und Ziele kehrten zurück – und mit ihnen die Frage, was aus dem vergangenen Jahr geblieben sei und was vielleicht schwerer wiege, als es sollte.
Die zentrale Frage: Mehr Leichtigkeit trotz Schwere
In diesem Zusammenhang stellte Bambach die zentrale Frage seines Grußworts:
Wie gelingt es, trotz aller Schwere mehr Leichtigkeit zuzulassen?
Impulse dazu fand er unter anderem in der Begegnung mit Samuel Koch, der sich intensiv mit dem Begriff der „Schwerelosigkeit“ auseinandergesetzt hat. Schwerelosigkeit, so Bambach, bedeute nicht das Weglaufen vor der Realität oder das Fehlen von Belastungen. Vielmehr beschreibe sie einen anderen Umgang mit dem, was uns nach unten ziehe.
Parallelen zur Arbeit des BFW Würzburg
Genau hier zog er die Parallele zur Arbeit des BFW Würzburg. Auch im Berufsförderungswerk gehe es nicht darum, Schicksalsschläge, gesundheitliche Einschnitte oder berufliche Brüche ungeschehen zu machen. Diese Schwere sei real – für die Teilnehmenden ebenso wie für die Mitarbeitenden. Entscheidend sei nicht die Frage, wie man Schwere vermeide, sondern wie man mit ihr umgehe.
Schwerelosigkeit als Ergebnis engagierter Arbeit
Das BFW verspreche keine einfache Leichtigkeit nach dem Motto „Alles wird gut“, betonte Bambach. Stattdessen biete es etwas weitaus Wertvolleres: Struktur, Verlässlichkeit, professionelle Begleitung und die Erfahrung, nicht allein zu sein. Schwerelosigkeit entstehe hier nicht als Gefühl, sondern als Ergebnis engagierter Arbeit – wenn Menschen wieder Vertrauen in ihre eigenen Fähigkeiten entwickelten und aus Stillstand neue Bewegung werde.
Dank an die Mitarbeitenden
Die Mitarbeitenden könnten den Teilnehmenden die Last nicht abnehmen, so Bambach, aber sie stärkten ihre Schultern: durch Qualifizierung, durch neue Perspektiven und durch Gemeinschaft. Für dieses tägliche Engagement, den Zusammenhalt und die hohe Professionalität sprach er allen Mitarbeitenden seinen ausdrücklichen Dank aus.
Abschluss: Der Moment der Schwerelosigkeit
Zum Abschluss griff Dr. Bambach erneut den Apfel auf: Auch wenn man ihn hochwerfe, falle er wieder – die Schwerkraft bleibe bestehen. Doch dazwischen gebe es einen kurzen, oft übersehenen Moment: den Moment ganz oben. Einen Moment der Schwerelosigkeit.
Genau solche Augenblicke wünschte er allen Anwesenden für das Jahr 2026 – kleine Momente, in denen Sorgen, Krisen und Belastungen in den Hintergrund träten und Raum für Zuversicht, Freude und Glück entstünde.
Barbara Lehrieder überbrachte die Grüße der Stadt Würzburg und des verhinderten Oberbürgermeisters Martin Heilig und unterstrich gleich zu Beginn die besondere Bedeutung des Berufsförderungswerks Würzburg – weit über kommunale und geografische Grenzen hinaus. Inklusion, Bildung und Arbeitsmarkt, so Lehrieder, kennten keine Stadt- oder Landkreisgrenzen, sondern lebten von gemeinsamen Zielen und Verantwortung.
Besonders hob sie den 2. Kommunalen Aktionsplan Inklusion hervor, den der Würzburger Stadtrat im vergangenen Jahr einstimmig beschlossen hat. Dieses fraktionsübergreifende Votum sei ein starkes politisches Signal für Teilhabe, Barrierefreiheit und eine inklusive Stadtgesellschaft. Die Kooperation mit dem BFW Würzburg sei darin ausdrücklich verankert – nicht aus Symbolik, sondern aus Überzeugung und Weitsicht.
Angesichts des zunehmenden Fachkräftemangels betonte Lehrieder die hohe Qualität der Ausbildung im BFW Würzburg. Die Stadt Würzburg setze gezielt darauf, Absolventen des BFW – insbesondere in den Bereichen Verwaltung und IT – für den ersten Arbeitsmarkt zu gewinnen. Menschen, die hier ausgebildet werden, brächten nicht nur Fachwissen, sondern auch Resilienz, Durchhaltevermögen und soziale Kompetenz mit.
Gleichzeitig profitiere auch die Stadtverwaltung von dieser Zusammenarbeit: Durch blinde und sehbehinderte Mitarbeitende wachse die interne Kompetenz für barrierefreie Arbeitsplätze, inklusive Kommunikation und digitale Zugänglichkeit. Diese gegenseitige Lernbeziehung sei ein großer Gewinn für das gesamte Arbeitsklima im Rathaus.
Als gelungenes Beispiel für gelebte Innovation nannte Lehrieder die App „BFW SmartInfo“, die erstmals bei der Landesgartenschau 2018 eingesetzt wurde und heute unter anderem im Kulturspeicher-Museum sowie im Blindenleitsystem der Stadt Würzburg genutzt wird. Dieses Projekt zeige eindrucksvoll, dass Inklusion Innovation vorantreibt – und Lösungen entstehen lässt, die letztlich allen zugutekommen.
Abschließend betonte Barbara Lehrieder, dass berufliche Teilhabe immer auch gesellschaftliche Teilhabe voraussetze. Barrierefreier öffentlicher Nahverkehr, zugängliche Kultur- und Freizeitangebote sowie ein inklusiver öffentlicher Raum seien zentrale Voraussetzungen für ein selbstbestimmtes Leben. Das BFW Würzburg sei für die Stadt dabei weit mehr als eine Bildungseinrichtung: ein Innovationsmotor, Kompetenzzentrum und unverzichtbarer Partner auf dem Weg zu einer inklusiven Stadtgesellschaft.
Mit Blick auf das Jahr 2026 rief sie dazu auf, den eingeschlagenen Weg gemeinsam weiterzugehen – Barrieren nicht nur zu benennen, sondern sie konsequent abzubauen.
Die aktuelle gesellschaftliche Lage
In seinem Grußwort zeichnete Hans-Werner Lange, Präsident des Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverbandes (DBSV), ein eindrückliches Bild der aktuellen gesellschaftlichen und politischen Lage. Die Welt erlebe derzeit eine Turbulenz, wie sie viele in den vergangenen Jahrzehnten nicht gekannt hätten. Globale Machtverschiebungen, neue politische Blöcke und wachsende Unsicherheiten stellten auch Deutschland und Europa vor große Herausforderungen.
Herausforderungen für den Sozialstaat
Gerade vor diesem Hintergrund, so Lange, stehe auch der Sozialstaat vor tiefgreifenden Veränderungen. In Berlin sei deutlich zu spüren, dass soziale Sicherungssysteme zunehmend unter Druck gerieten und Forderungen nach Einsparungen lauter würden. Die Gefahr dabei sei offensichtlich: Umverteilung könne zulasten der Schwächeren in der Gesellschaft erfolgen.
Position des DBSV
Hier positionierte sich Lange unmissverständlich. Der DBSV und die Sozialverbände insgesamt würden eine klare Gegenstimme sein, wenn Einschnitte einseitig zulasten von Menschen mit Behinderungen gingen. Es brauche eine gerechte Neuorganisation des Sozialstaats – eine, bei der niemand auf der Strecke bleibe.
Eindruck vom BFW Würzburg
Umso mehr zeigte sich Lange beeindruckt von dem, was er beim Neujahrsempfang des BFW Würzburg erleben durfte. Nach mehreren Anläufen habe es nun endlich geklappt, persönlich vor Ort zu sein – und seine Erwartungen seien mehr als erfüllt worden. Das BFW Würzburg sei nicht nur regional, sondern weit darüber hinaus als innovative, zukunftsorientierte Einrichtung wahrnehmbar. Es stehe für technische Weiterentwicklung ebenso wie für berufliche und soziale Teilhabe blinder und sehbehinderter Menschen.
Dank an das Team
Sein ausdrücklicher Dank galt dem gesamten Haus: der Geschäftsführerin Judith Faltl, dem Leitungsteam, dem Aufsichtsrat – und vor allem den Mitarbeitenden, die täglich daran arbeiteten, Teilhabe praktisch möglich zu machen. Sie reagierten auf Veränderungen des Arbeitsmarktes, passten Qualifizierungsangebote an und gingen neue Wege – trotz bürokratischer Hürden.
Neue Wege in der beruflichen Rehabilitation
Lange betonte, dass berufliche Rehabilitation heute ein Umdenken erfordere: weg vom „Schubladendenken“, hin zu individuellen Ausbildungs- und Förderwegen. Gerade blinde und sehbehinderte Menschen verfügten über große Potenziale, die es zu erkennen und zu fördern gelte. Die Menschen wollten arbeiten, sie wollten ihren Beitrag leisten – kämen aber häufig in einer Phase großer persönlicher Verunsicherung ins BFW, etwa nach einer plötzlichen Erblindung.
Berufliche und soziale Teilhabe
Deshalb gehe es im BFW nicht nur um berufliche, sondern ebenso um soziale Teilhabe. Hier werde gemeinsam mit den Teams das Leben neu organisiert, neu gestaltet. Neben fachlicher Kompetenz seien dabei Zuwendung, Zuversicht und professionelle Begleitung entscheidend, um neue Perspektiven zu eröffnen.
Historische Verbindung zur Selbsthilfe
Besonders hob Lange hervor, dass das BFW Würzburg historisch eng mit der Selbsthilfe der blinden und sehbehinderten Menschen verbunden sei. Der DBSV und seine Landesverbände hätten gemeinsam Verantwortung übernommen – ein Zeichen dafür, dass Selbsthilfe bereit sei, aktiv an der Gestaltung der Gesellschaft mitzuwirken.
Stellungnahme zu möglichen Kürzungen
Mit Blick auf mögliche zukünftige Debatten über Kürzungen im Sozialbereich machte Lange deutlich: Der DBSV stehe fest an der Seite des BFW und aller Einrichtungen der beruflichen Rehabilitation. Einsparungen in diesem Bereich wären ein Armutszeugnis für Deutschland – dagegen werde man gemeinsam kämpfen.
Ausblick auf 2026
Zum Abschluss blickte Hans-Werner Lange auf das Jahr 2026, das sicher spannend und herausfordernd werde. Stillstand dürfe es dabei nicht geben. Er zeigte sich überzeugt, dass das BFW Würzburg unter der Leitung von Judith Faltl diesen Aufgaben gewachsen sei, und sicherte dem Haus die volle Unterstützung des DBSV zu.
Schlusswort
Sein Schlusswort war eindeutig:
„Bleibt so, wie ihr seid. Wir brauchen euch.“