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Seltene Orchideen im Hofgarten entdeckt – 93jähriger Josef Frank sorgt sich um ihren Schutz

Veröffentlicht am von Dieter Gürz

 Über 20 Rote Waldvögelein nahe der Afrika-Figur entdeckt

Eine bemerkenswerte Entdeckung machte der Veitshöchheimer Naturfreund Josef Frank im Hofgarten Veitshöchheim: In der Laubengangzone auf der Nordseite des Großen Rondells, in unmittelbarer Nähe der berühmten „Afrika“-Figur aus dem Zyklus der Erdteil-Allegorien von Ferdinand Tietz, entdeckte er mehr als 20 Exemplare des Roten Waldvögeleins. Die zwischen 1765 und 1768 geschaffenen Skulpturen zählen zu den bekanntesten Kunstwerken des Rokokogartens – und nun bildet ihr Umfeld auch die Kulisse für eine seltene botanische Besonderheit.

Auffällige Schönheit unter den heimischen Orchideen

Auch wenn der Name anderes vermuten lässt: Das Rote Waldvögelein wächst nicht in Baumkronen, sondern bevorzugt lichte Laub- und Mischwälder. Die heimische Wildorchidee gehört mit ihren bis zu vier Zentimeter großen weißrosa bis rotviolett gefärbten Blüten zu den attraktivsten Orchideenarten Deutschlands. Charakteristisch sind die weit geöffneten Blüten, deren äußere Blütenhüllblätter an einen roten Vogel erinnern und der Pflanze ihren poetischen Namen verliehen haben.

Die schlanke Pflanze erreicht eine Höhe von bis zu 60 Zentimetern. An einem Stängel können bis zu 15 Einzelblüten sitzen. Die Früchte reifen ab Oktober. Dann öffnen sich die Fruchtkapseln und die feinen Samen werden vom Wind verbreitet.

Das Verbreitungsgebiet des Roten Waldvögeleins reicht vom nördlichen Afrika über Mitteleuropa bis nach Vorderasien. In Deutschland kommt die Art vor allem in Mittelgebirgsregionen und im Alpenvorland vor.

Gefährdete Art wächst direkt an den Wegen

Als heimische Wildorchidee steht das Rote Waldvögelein unter strengem Schutz und wird in der Roten Liste Bayerns 2024 als gefährdet eingestuft. Im betreffenden Bereich des Hofgartens wächst die Pflanze nicht nur entlang der Hecken, sondern auch unmittelbar neben und untern den steinernen Sitzbänken sowie entlang der Fußwege durch die Heckenbogen.

Gerade dort sieht Josef Frank eine Gefahr. Spaziergänger könnten die Pflanzen leicht übersehen und unbeabsichtigt zertreten. Der Naturfreund hat deshalb besonders gefährdete Exemplare vorsichtig mit Steinen und Ästen markiert, um auf deren Standort aufmerksam zu machen.

Forderung: Mähen oder Jäten erst im Herbst

Auf die besonderen Ansprüche heimischer Orchideen weist auch der Vorsitzende der Veitshöchheimer Bund-Naturschutz-Ortsgruppe, Wolfgang Klopsch, hin. Der ausgewiesene Orchideenkenner, der erst im Oktober vergangenen Jahres mit der Bayerischen Umweltmedaille ausgezeichnet wurde, betont, dass die Pflanzen den gesamten Sommer zur Samenbildung benötigen. Erst im Spätsommer beziehungsweise Herbst öffnen sich die Fruchtkapseln und geben die feinen Samen zur Verbreitung durch den Wind frei.

„Wird eine Fläche bereits vor September gemäht, geht die Samenreife verloren und damit oft auch die nächste Generation der Orchideen“, erläutert Klopsch. Für den langfristigen Erhalt der Bestände sei deshalb ein an den Lebenszyklus der Pflanzen angepasster Pflegezeitpunkt von entscheidender Bedeutung.

"Leider stieß ich mit meinem Ansinnen, etwas zum Schutz der seltenen Orchidee zu tun, bei der Gärtnergruppe des Hofgartens auf taube Ohren“, bedauert Josef Frank. „Dafür haben wir keine Zeit!“ bekam er als Antwort auf sein Ansinnen.

Aus Sorge um die im Hofgarten entdeckten Bestände wandte sich Josef Frank deshalb an Steffen Jodl, Diplom-Biologe und Geschäftsführer der Bund-Naturschutz-Kreisgruppe Würzburg. Frank bat ihn, Kontakt mit der Schlossverwaltung aufzunehmen, um sicherzustellen, dass die seltenen Orchideen vor der Samenreife weder ausgehackt noch abgemäht werden und soweit nötig etwas zu ihrem Schutz getan wird.

 Weitere Orchideenart entdeckt

Nur wenige Meter entfernt, auf einer Wiese im südlichen Heckensaal nahe der Orpheusgruppe, entdeckte Frank eine weitere heimische Orchideenart: das Große Zweiblatt (Listera ovata).

Diese Art zählt zu den häufigsten Orchideen Bayerns und gilt derzeit nicht als gefährdet. Ihren Namen verdankt sie den beiden großen, breit eiförmigen Blättern mit deutlich sichtbaren Längsnerven, die sich im unteren Bereich des Stängels gegenüberstehen.

Das Große Zweiblatt erreicht meist Wuchshöhen von über 50 Zentimetern, in Einzelfällen sogar bis zu 70 Zentimeter.

Doch o Schreck, tags darauf am Montagnachmittag war der Großteil des Zweiblatt-Vorkommens abgemäht.

Seit Jahrzehnten für die Natur im Einsatz

Josef Frank wird noch in diesem Monat 94 Jahre alt. Der gebürtige Veitshöchheimer wuchs in der Oberen Maingasse im Altort auf und ist seiner Heimatgemeinde bis heute eng verbunden geblieben. Mittlerweile lebt er im Bilhildishaus, dessen Gelände unmittelbar an den Hofgarten grenzt. Der historische Rokokogarten ist für ihn seit Jahren ein fester Bestandteil seines Alltags. Fast täglich unternimmt er dort seine Spaziergänge und beobachtet mit wachem Blick die Entwicklung der Pflanzenwelt. Dass ihm dabei die seltenen Orchideen ins Auge fielen, überrascht deshalb kaum – kennt er doch viele Bereiche des Hofgartens und auch die Namen fast aller Skulpturen  wie kaum ein anderer.

Seit mehr als 45 Jahren engagiert er sich in der Ortsgruppe Veitshöchheim des Bund Naturschutz und ist dort bis heute als Kassenprüfer tätig. Sein Einsatz für Natur- und Umweltschutz hat im Ort längst Bekanntheit erlangt.

Bereits 2019 berichtete die Frankenschau des Bayerischen Rundfunks (Screenshots) über den damals 86-Jährigen. Während der heißen Sommermonate schöpfte Frank zweimal pro Woche rund 300 Liter Wasser aus dem Main, um eine junge Linde zu versorgen. Der Baum hatte für ihn eine besondere Bedeutung: Es handelte sich um einen Sämling der mehr als 100 Jahre alten Linde am Aufgang zum Restaurant der Mainfrankensäle, die demnächst als Naturdenkmal ausgewiesen werden soll.

Der Sämling war 1999 in eine Blumenrabatte an seinem Haus in der Oberen Maingasse geweht worden und dort im Frühjahr 2000 aufgegangen. „Ich habe ihn wie ein Kind großgezogen“, sagte Frank damals dem BR.

Nachdem die Gemeinde die Linde später auf eine Wiese südlich der Mainfrankensäle umpflanzte, blieb er dem Baum treu und sorgte weiterhin für dessen Bewässerung.

Mit seinem unermüdlichen Einsatz für Bäume, Pflanzen und Tiere gilt Josef Frank in Veitshöchheim längst als Vorbild für gelebten Naturschutz – und dank seiner Aufmerksamkeit geraten nun auch die seltenen Orchideen des Hofgartens stärker in den Blick der Öffentlichkeit.

Fotos Dieter Gürz

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