30 Jahre St. Hedwig: Wie sich Pflege und Wohnen im Alter verändert haben
/https%3A%2F%2Fimages.mgpd.de%2Fimg%2F114481697%2Fcrop%2Fc16_9-w1200%2F1600581351%2F620524895%2Fpressefoto-mit-bender-und-auslaendischen-fachkraeften.jpg)
Jubel, Wandel, Fachkräftemangel: 30 Jahre Seniorenheim St. Hedwig und ein bewegender Abschied
Barbara Bender verlässt nach über vier Jahrzehnten als Einrichtungsleiterin bei der Caritas das Seniorenheim und blickt auf bewegte Zeiten zurück.
Link auf Mainpost-Online
Festwochenende zum Jubiläum Anfang Juli
/image%2F1394268%2F20260619%2Fob_9119e3_grafik-fest-1.jpg)
Das Caritas-Seniorenzentrum St. Hedwig in Veitshöchheim feiert Anfang Juli 2026 sein 30-jähriges Bestehen. Mit einem Festwochenende vom 3. bis 5. Juli blickt die Einrichtung auf drei Jahrzehnte Geschichte zurück – und zugleich auf einen tiefgreifenden Wandel in der Altenpflege.
30 Jahre Haus St. Hedwig in Veitshöchheim: Pflege im Wandel
/image%2F1394268%2F20260616%2Fob_a65d7d_pressefoto-mit-bender.jpg)
Wie sich das Leben und Arbeiten in St. Hedwig seit der Eröffnung 1996 verändert hat und welche Herausforderungen die Pflege heute prägen, darüber sprach die langjährige Einrichtungsleiterin Barbara Bender, die Ende Juni in den Ruhestand tritt.
Seit 2014 leitet Bender das Haus, insgesamt war sie seit 1981 für die Caritas tätig. Bei ihrer Verabschiedung wurde besonders hervorgehoben, dass sie St. Hedwig nicht nur fachlich geprägt, sondern als offenen Ort der Begegnung weiterentwickelt hat.
Vom Altenheim zum offenen Seniorenzentrum
Als St. Hedwig 1996 eröffnet wurde, stand die stationäre Versorgung älterer Menschen im Mittelpunkt. Heute präsentiert sich die Einrichtung mit 94 Einzelzimmern als modernes Seniorenzentrum, das Pflege, Betreuung, Wohnen und gesellschaftliche Teilhabe miteinander verbindet.
„Die Erwartungen an das Leben im Alter haben sich stark verändert“, sagt Barbara Bender. Viele Menschen wollten möglichst lange selbstbestimmt leben und aktiv am gesellschaftlichen Leben teilnehmen. Entsprechend habe sich auch das Verständnis von Pflege gewandelt. Neben der medizinischen und pflegerischen Versorgung stünden heute Aktivierung, Prävention und soziale Teilhabe im Vordergrund.
Das Haus war bereits bei seiner Planung auf Offenheit ausgelegt. Mehrere Ausgänge verbinden die Einrichtung direkt mit dem Ortsgeschehen.
Hinzu kommen regelmäßige Veranstaltungen wie Sommerfeste, musikalische Darbietungen, Besuche des Veitshöchheimer Carneval-Clubs (Foto) und der Tanzsportgarde sowie anderer örtlicher Gruppen gehören zum Jahresprogramm.
/image%2F1394268%2F20260616%2Fob_2579c7_02-st-hedwig-4-fronleichnam.jpg)
Die Lage nahe des Rokokogartens, Kooperationen mit Vereinen und Bildungseinrichtungen sowie zahlreiche Veranstaltungen, so auch zuletzt als Station bei der Fronleichnamsprozession (Foto) fördern Begegnungen zwischen den Generationen.
Lebensqualität statt reiner Versorgung
Während früher die Versorgung der Bewohner im Mittelpunkt stand, geht es heute verstärkt darum, Selbstständigkeit und Lebensqualität möglichst lange zu erhalten. Bewegungsangebote, Sturzprophylaxe, Gedächtnistraining und gemeinschaftliche Aktivitäten gehören inzwischen selbstverständlich zum Alltag.
Dieser Wandel spiegelt eine Entwicklung wider, die die gesamte Altenhilfe erfasst hat. Die Menschen werden älter, die Anforderungen an die Pflege steigen, gleichzeitig nehmen gesetzliche Vorgaben und Qualitätsanforderungen zu.
Hohe Nachfrage trifft auf Fachkräftemangel
Besonders deutlich zeigen sich die Veränderungen beim Personal. Obwohl die Nachfrage nach Pflegeplätzen ungebrochen ist, können viele Einrichtungen ihre Kapazitäten nicht vollständig ausschöpfen.
Auch St. Hedwig war davon betroffen. Anfang 2024 waren von 94 verfügbaren Pflegeplätzen lediglich 76 belegt – nicht wegen mangelnder Nachfrage, sondern aufgrund fehlender Pflegekräfte. Wartelisten und dringende Anfragen von Angehörigen gehörten zum Alltag. Selbst die Kurzzeitpflege konnte zeitweise nicht im gewünschten Umfang angeboten werden.
Die Situation entspricht einem bundesweiten Trend. Viele Pflegeeinrichtungen kämpfen mit Personalmangel und steigenden Kosten. Zahlreiche Heime und ambulante Dienste mussten in den vergangenen Jahren ihr Angebot einschränken oder den Betrieb aufgeben.
Internationale Fachkräfte als wichtige Stütze
/image%2F1394268%2F20260616%2Fob_26537b_pressefoto-mit-bender-und-auslaendisch.jpg)
Um die Versorgung langfristig zu sichern, setzt die Caritas verstärkt auf internationale Mitarbeitende. Im Haus St. Hedwig arbeiten inzwischen Pflegekräfte aus zahlreichen Ländern, darunter Afghanistan, Bosnien, China, Indien, Kenia, Mexiko und die Philippinen.
Insgesamt beschäftigt die Einrichtung derzeit 78 Mitarbeitende. Dadurch konnte die Zahl der belegbaren Pflegeplätze wieder deutlich erhöht werden. Aktuell werden 87 Bewohner versorgt, weitere Bewerberinnen befinden sich im Anerkennungsverfahren.
Der Weg bis zum Einsatz in Deutschland ist jedoch aufwendig. Zwischen Anwerbung, Sprachkursen und Anerkennung der Berufsabschlüsse vergehen häufig bis zu 20 Monate. Hinzu kommt die Herausforderung, geeigneten Wohnraum bereitzustellen. Nach Angaben der Heimleitung konnten bislang für alle internationalen Fachkräfte Wohnungen in Veitshöchheim gefunden werden.
Innovative Wohnlösung für den Pflegenachwuchs
Eine besondere Lösung entstand in der neuen Seniorenwohnanlage neben dem Seniorenzentrum. Dort wurde im Erdgeschoss eine Wohngemeinschaft für elf junge Menschen aus dem südindischen Bundesstaat Kerala eingerichtet, die bei der Caritas eine dreijährige Ausbildung zur Pflegefachkraft absolvieren.
Ursprünglich war an dieser Stelle eine Betreuungseinrichtung für Menschen mit Demenz vorgesehen. Angesichts des zunehmenden Fachkräftemangels wurde das Konzept angepasst. Die Wohnräume leisten nun einen wichtigen Beitrag dazu, Auszubildende für den Standort zu gewinnen, um sie dann als qualizierte Pflegefachkräfte dauerhaft in der Region zu halten.
Service-Wohnen als Meilenstein
Zu den wichtigsten Projekten während der Amtszeit von Barbara Bender zählt die Entstehung der benachbarten Seniorenresidenz. Die im September 2024 eröffnete Anlage mit 35 barrierefreien Wohnungen bietet älteren Menschen die Möglichkeit, selbstständig zu leben und gleichzeitig bei Bedarf auf professionelle Unterstützung zurückzugreifen.
Die Bewohner können zahlreiche Serviceleistungen der Caritas nutzen, bleiben aber in ihrer Lebensgestaltung weitgehend unabhängig. Das neue Wohnangebot schließt eine Lücke im örtlichen Angebot für Senioren und wird intensiv genutzt. Allein bei Veranstaltungen von St. Hedwig wurden im vergangenen Jahr mehr als 500 Besuche von Bewohnern der Seniorenresidenz gezählt.
Gut gerüstet für die Zukunft
Drei Jahrzehnte nach seiner Gründung steht das Caritas-Seniorenzentrum St. Hedwig beispielhaft für den Wandel der Altenpflege. Aus einer klassischen Pflegeeinrichtung ist ein offenes Seniorenzentrum geworden, das unterschiedliche Wohn- und Betreuungsformen anbietet und eng mit dem Gemeindeleben verbunden ist.
Die Herausforderungen sind größer geworden als vor 30 Jahren. Doch das Ziel sei unverändert geblieben, betont Barbara Bender: älteren Menschen ein würdevolles Leben, Sicherheit und möglichst viel Selbstständigkeit zu ermöglichen.
Das Jubiläum erinnert damit nicht nur an die Geschichte von St. Hedwig, sondern zeigt zugleich, wie sehr sich Pflege und Wohnen im Alter verändert haben – und wie wichtig engagierte Mitarbeitende bleiben, um diese Aufgaben auch künftig zu bewältigen.
Als Nachfolger wird Dominique Michel das Haus St. Hedwig in diesem Sinne weiterführen.
Text, Fotos und Grafik: Dieter Gürz