300 Jahre Bocksbeutel: Wie Veitshöchheims Heiner Bauer einer fränkischen Ikone ein Denkmal setzt
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300 Jahre Bocksbeutel: Heiner Bauer aus Veitshöchheim setzt der Flasche ein besonderes Denkmal
Sein außergewöhnlicher Garten wurde längst zu einer regionalen Sehenswürdigkeit und Anlaufpunkt für Führungen.
Link auf Mainpost-Online
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300 Jahre Bocksbeutel – eine Flasche feiert in diesem Jahr Geburtstag. 1726 erklärte der Würzburger Stadtrat den Bocksbeutel offiziell zur Flasche der besten fränkischen Weine. Die ersten Exemplare wurden damals in den Kellern des Bürgerspitals eingelagert – auch als Schutz gegen Weinfälschungen und Handelsmissbrauch.
Kaum einer hat eine so leidenschaftliche Verbindung mit dem Bocksbeutel, dem Markenzeichen des Frankenweins, wie der Veitshöchheimer Heiner Bauer. Denn für den heute 78-Jährigen ist der Bocksbeutel weit mehr als eine Flasche. „Der fränkische Bocksbeutel ist seit 65 Jahren mein Lebenselixier“, sagt Bauer mit einem Schmunzeln. Als Sohn einer Winzerfamilie im Weinort Thüngersheim aufgewachsen. lernte er nach dem Besuch der dortigen Volksschule ab 1961 Weingroßhandelskaufmann bei Gg. Geiger und Söhne in Thüngersheim und arbeitete dort bis Juni 1971, ehe er dann dem Ruf des Weinguts Bürgerspitals zum Heiligen Geist in der Theaterstraße in Würzburg folgte, um dort die verantwortliche Leitung der Weinabgabe und der Spitalschenke zu übernehmen.
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Fast 40 Jahre lang brachte er als legendäres „Hockerle“ des Bürgerspitals Würzburg täglich Hunderte Schoppen und Bocksbeutel unter die Leute, bis er im Sommer 2010 mit 63 Jahren in den Ruhestand ging.
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Diese Leidenschaft lebte er in seinem weithin bekannten Bocksbeutelgarten in der Herrnstraße in Veitshöchheim weiter.
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Rund um sein Haus in der Herrnstraße hat Heiner Bauer ein skurriles und zugleich beeindruckendes Gesamtkunstwerk geschaffen. Über 2500 leere Bocksbeutelflaschen hat er inzwischen in seinem Garten in 90 Objekten künstlerisch verarbeitet.
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Mal als leuchtende Skulpturen, mal als wasserspeiende Kunstobjekte, mal als Zäune, Raumteiler, Rankhilfen oder wie hier kombiniert als Vogeltränke.
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Viele der Flaschen sind auf langen Gewindestangen befestigt, kombiniert mit Natursteinen, Holzstelen und Rosen.
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Allein der außergewöhnliche Bocksbeutelzaun entlang des rückwärtigen Grundstücks umfasst in 25 Feldern rund 250 Flaschen. Insgesamt verbaute Bauer nach eigenen Schätzungen weit über 1000 Meter Gewindestangen, hunderte fränkische Lesesteine und unzählige Schrauben und Muttern.
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Besonders bei Dunkelheit entfaltet der Garten seine Wirkung, wenn zahlreiche der Bocksbeutel illuminiert sind und Wasser aus den Skulpturen plätschert.
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Immer wieder staunen Besucher über die ungewöhnlichen Kunstwerke, die hier im Bild die Olympiaringe darstellen. „Sind das wirklich 2500 Bocksbeutel?“, werde er oft gefragt, erzählt Bauer lachend. Die scherzhafte Anschlussfrage kenne er natürlich ebenfalls: „Haben Sie die alle selbst getrunken?“
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Mit seiner kreativen Leidenschaft wurde Bauer weit über Veitshöchheim hinaus bekannt. 2021 berichtete sogar das ARD-Morgenmagazin bundesweit über den „Bocksbeutel-Künstler“ aus Franken.
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Neben den Bocksbeuteln prägen inzwischen auch Rosen das Erscheinungsbild des außergewöhnlichen Gartens, wie hier auf dem Foto die demnächst aufblühende "Heilige Elisabeth" .
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Gemeinsam mit seiner Frau Gunda hat Heiner Bauer in den vergangenen Jahren eine große Leidenschaft für Rosen entwickelt.
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Heute sind zwischen den Bocksbeutel-Kunstwerken eine Vielzahl von Rosenstöcken anzutreffen.
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Immer wieder verschmelzen dabei florale Schönheit und fränkische Weinkultur zu neuen Ideen. So tragen manche seiner in letzter Zeit kunstvoll gestalteten Holz-Stelen die Aufschrift „Rose trifft Bocksbeutel“. Zwischen Rankhilfen, Wasserspielen und Bocksbeutel-Skulpturen blühen Sorten wie „Die schöne Veitshöchheimerin“, „Heilige Bilhildis“ oder „Heilige Elisabeth“, inzwischen überall auch bildlich dargestellt.
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Mit großem Engagement unterstützten Heiner und Gunda Bauer auch das Projekt des Verschönerungsvereins „Veitshöchheim soll ein Rosendorf werden“. In ihrem Garten wurden Rosen aus Ungarn überwintert, gepflegt und später für Pflanzaktionen im Ort vorbereitet, so auch wieder in diesem Jahr.
„Ohne die tatkräftige Unterstützung meiner Frau Gunda wäre das alles gar nicht möglich“, betont Bauer immer wieder.
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Sein Garten ist inzwischen regelmäßig Station bei Führungen der Tourist-Information sowie bei den „Tagen der offenen Gärten“ wie demnächst am 21. Juni 2026. Besucher erleben dort nicht nur fränkische Weinkultur und eine tolle Rosenpracht nebst Nutzgarten, sondern auch jede Menge Humor und Heimatverbundenheit.
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"Alles ist vergänglich, nur der Durst ist lebenslänglich"
Als Heiner Bauer 2010 nach fast vier Jahrzehnten im Bürgerspital verabschiedet wurde, schrieb ein Journalist in der Main-Post: „Damit geht eine Ära zu Ende.“ Bauer verkörpere wie kaum ein anderer den „echten, knorrigen fränkischen Charme“, wie auch die vielen Weisheiten und Sprüche auf seinen Kunstobjekten offenbaren.
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Diese Leidenschaft ist bis heute spürbar. Wer den Veitshöchheimer Bocksbeutelkünstler besucht, merkt schnell: Für Heiner Bauer ist der Bocksbeutel keine Flasche. Er ist ein Stück fränkische Seele – und in seinem Garten zugleich ein einzigartiges Kunstwerk aus mehr als 2500 leeren Bocksbeuteln.
Und der Künstler hat jedem Besucher verdeutlicht: "Mein Garten muss mir gefallen".
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"Fünf vor zwölf"
Fotos Dieter Gürz