Veitshöchheimer Haushaltsvorberatung 2026: Rekorde bei Investitionen und Haushaltsdefizit - Erhöhung der Realsteuerhebesätze im Gespräch
/image%2F1394268%2F20260115%2Fob_33f6ff_20260115-baustand-2.jpg)
Gigantische Ausmaße hat der talseits viergeschossige, 19 Meter breite und 52 Meter lange Baukörper des 15,1 Millionen Euro teuren Neubaus des Hauses der Schulkindbetreuung, der mit 9,6 Millionen Euro mehr als die Hälfte des Investitionsvolumens des Veitshöchheimer Haushalts 2026 beansprucht. In vollem Gang ist der Innenausbau und die Fassadengestaltung. Zum Jahresende bietet das Haus Platz für 380 Schulkinder.
/https%3A%2F%2Fimages.mgpd.de%2Fimg%2F113176596%2Fcrop%2Fc16_9-w1200%2F238673343%2F708150605%2F20260115-baustand-1.jpg)
Großprojekte bringen Veitshöchheims Haushalt an seine Grenzen: Der Rotstift wird angesetzt
Rekorde bei Investitionen und Haushaltsdefizite bringen die Erhöhung der Realsteuerhebesätze bei den Haushaltsvorberatungen ins Gespräch. Wie die Lage ist.
Link auf Mainpost-Online
/image%2F1394268%2F20260114%2Fob_1db26d_antrag-investitionen-hoch-und-tiefbau.jpg)
Rekordzahlen bestimmten die Haushaltsvorberatung des Veitshöchheimer Gemeinderates in seiner Sitzung am 13. Januar 2026. Kämmerer Erich Müller präsentierte einen Haushaltsentwurf, in dem sämtliche Mittelanforderungen der Verwaltungsreferate vollständig eingearbeitet waren. Er erreicht im Investitionshaushals neue Höchststände: Im Hoch- und Tiefbau sind für 2026 18,5 Millionen Euro an investiven Maßnahmen sowie 3,2 Millionen Euro für Unterhaltungsaufwand vorgesehen. Letzterer dient ausschließlich der Erhaltung des bestehenden Standards – ohne qualitative Verbesserungen. Die Zahlen der Versorgungsbetriebe sind in diesen Zahlen nicht enthalten.
/image%2F1394268%2F20260114%2Fob_e932e4_groayprojekte-in-veitsha-chheim-2025ae.jpg)
Hauptursache für das außergewöhnlich hohe Investitionsvolumen sind mehrere Großprojekte. Dazu zählen insbesondere:
- 🏗 der Neubau des Kinderhorts,
- 🏗 umfangreiche Tiefbaumaßnahmen in der Lindentalstraße und an der Mainlände,
- 🏗 sowie die Sanierung des Feuerwehrhauses, für die im Investitionsprogramm bis 2029 bereits im Jahr 2026 eine Million Euro vorgesehen ist.
Diese Projekte binden erhebliche finanzielle Mittel und prägen den Haushalt weit über das Jahr 2026 hinaus.
/image%2F1394268%2F20260114%2Fob_8851f8_antrag-einzelne-investive-massnahmen.jpg)
/image%2F1394268%2F20260114%2Fob_565f8d_hochbau-invest.jpg)
/image%2F1394268%2F20260114%2Fob_23494c_tiefbau-invest.jpg)
Zur Finanzierung der investiven Ausgaben erläuterte Bürgermeister Jürgen Götz, dass der Gemeinde zum Jahresende 2025 noch 8,4 Millionen Euro an Kassenbestand zur Verfügung stehen.
/image%2F1394268%2F20260114%2Fob_36ba3c_schuldenentwicklung.jpg)
Dennoch werde es voraussichtlich notwendig sein, das bereits genehmigte und im Haushalt 2025 festgeschriebene Darlehen in Höhe von 4,6 Millionen Euro zu aktivieren.
Sollte dieses Darlehen vollständig in Anspruch genommen werden, würde der Schuldenstand der Gemeinde – nach Abzug der Tilgung – zum Jahresende 2026 auf 16,3 Millionen Euro ansteigen. Der Bürgermeister machte jedoch deutlich, dass eine Kreditaufnahme nur erfolgen solle, wenn sie unumgänglich sei.
Unabhängig davon bleibt selbst bei Aktivierung des Darlehens eine Finanzierungslücke von rund 5,5 Millionen Euro, die nur durch den rechtzeitigen Eingang staatlicher Fördermittel geschlossen werden kann.
Für 2026 sind staatliche Förderungen in Höhe von rund 7,0 Millionen Euro bewilligt. Allerdings verwies der Kämmerer darauf, dass diese Mittel in der Vergangenheit häufig verspätet ausgezahlt wurden. Dies führe zu einer Vorfinanzierung durch die Gemeinde und belaste die Liquidität erheblich.
Bürgermeister Götz formulierte daher eine klare Linie:
„Der Schwerpunkt muss eindeutig auf den Pflichtaufgaben liegen. Nicht zwingend notwendige Investitionen sollten – soweit möglich – verschoben werden, um finanzielle Spielräume zu erhalten.“
Der kommunale Finanzausgleich in Bayern wurde für 2026 um 846 Millionen Euro auf insgesamt 12,83 Milliarden Euro erhöht. Zusätzlich stellt der Bund über ein Sondervermögen Infrastruktur 3,9 Milliarden Euro bereit. Veitshöchheim profitiert hiervon mit rund 1,14 Millionen Euro, die gezielt für die Sanierung des Feuerwehrhauses eingesetzt werden sollen.
Götz machte jedoch deutlich, dass diese zusätzlichen Mittel die strukturellen Haushaltsprobleme nur begrenzt abfedern können.
/image%2F1394268%2F20260115%2Fob_867eeb_praesentation-gemeinde-neujahrsempfang.jpg)
Der Rückblick auf das Haushaltsjahr 2025 fiel vergleichsweise positiv aus. Zwar wurden statt der geplanten 16,75 Millionen Euro nur rund 9 Millionen Euro investiert, doch lagen die Einnahmen mit 31,5 Millionen Euro rund 1,5 Millionen Euro über dem Ansatz. Das Jahresergebnis schloss mit einem Plus von rund 1,4 Millionen Euro, nach Tilgung verbleibt eine freie Finanzspanne von etwa 1,0 Million Euro. Die Rücklagenentnahme fiel deutlich geringer aus als geplant, sodass die Gemeinde Ende 2025 über Liquiditätsreserven von rund 11,1 Millionen Euro (inklusive Eigenbetrieb) verfügte.
Bürgermeister Götz resümierte:
„Insgesamt können wir festhalten, dass wir 2025 – auch dank Sparmaßnahmen und Einnahmeverbesserungen – mit einem blauen Auge davongekommen sind.“
Ganz anders stellt sich die Lage für 2026 dar. Der Haushaltsentwurf weist derzeit ein Defizit von rund 2,78 Millionen Euro aus der laufenden Verwaltungstätigkeit aus.
„So hoch war das Minus noch nie“, betonte der Bürgermeister. Zum Vergleich:
- 💰 2025 lag das Defizit zu diesem Zeitpunkt bei rund 1,0 Million Euro,
- 💰 2024 bei 215.000 Euro.
/image%2F1394268%2F20260115%2Fob_0ce8d5_antrag-allgemeine-finanzwirtschaft.jpg)
Steigende Energiepreise, höhere Unterhaltskosten, zusätzliche Aufgaben und wachsende Personalkosten belasten den Verwaltungshaushalt massiv. Der Kapitaldienst für bestehende Darlehen in Höhe von rund 426.000 Euro kann aktuell nicht aus laufenden Erträgen erwirtschaftet werden.
/image%2F1394268%2F20260114%2Fob_3d65f6_umlagekraft.jpg)
Zusätzliche Belastungen entstehen durch die stark gestiegene Umlagekraft der Gemeinde, die 2026 bei 16,1 Millionen Euro liegt (Vorjahr: 13,6 Mio. Euro). Ursache sind vor allem die sehr guten Gewerbesteuereinnahmen des Jahres 2024.
/image%2F1394268%2F20260114%2Fob_e08105_kreisumlage-grafik.jpg)
Bleibt der Kreisumlagehebesatz bei rund 49 Prozent, muss Veitshöchheim rund 7,9 Millionen Euro an den Landkreis abführen – ein Plus von 1,24 Millionen Euro gegenüber 2025. Jede weitere Erhöhung des Hebesatzes um einen Prozentpunkt würde zusätzliche 161.000 Euro kosten.
/image%2F1394268%2F20260115%2Fob_f9f027_schluesselzuweisungen.jpg)
Parallel dazu sinken die Schlüsselzuweisungen drastisch: Für 2026 sind nur noch 579.000 Euro eingeplant, nach 1,76 Millionen Euro im Jahr 2025.
/image%2F1394268%2F20260114%2Fob_d20680_gewerbe-einkommensteuer.jpg)
Die Gewerbesteuer bleibt ein Unsicherheitsfaktor. Für 2025 wird ein Ist-Ergebnis von 6,65 Millionen Euro erwartet. Für 2026 ist vorsichtig ein Ansatz von 6,9 Millionen Euro vorgesehen – ausdrücklich unter dem Vorbehalt der wirtschaftlichen Entwicklung.
Weiterhin positiv entwickelt sich die Einkommensteuerbeteiligung. Für 2026 rechnet die Gemeinde mit rund 7,95 Millionen Euro.
Der Haushaltsentwurf sieht aktuell keine Erhöhung der Grund- und Gewerbesteuerhebesätze vor. Die letzte Anpassung erfolgte 2012. Dennoch brachte Bürgermeister Götz eine moderate Anpassung der Hebesätze als mögliches Instrument zur Haushaltsstabilisierung ins Gespräch – ein Vorschlag, der insbesondere von CSU und UWG unterstützt wird.
Die Kämmerei legte hierzu konkrete Berechnungen vor:
-
Grundsteuer B: zur Zeit gültiger Hebesatz 300 %
- 💰325 % → +104.000 €
- 💰350 % → +208.000 €
- 💰375 % → +312.000 €
-
Gewerbesteuer: zur Zeit gültiger Hebesatz 315 %
- 💰325 % → +219.000 €
- 💰350 % → +767.000 €
- 💰360 % → +986.000 €
- 💰380 % → über +1,4 Mio. €
In vier bis fünf Wochen soll über mögliche Anpassungen weiter beraten werden.
Alle Fraktionen – mit Ausnahme der Grünen – sprachen sich gegen neue Projekte aus und plädierten für die konsequente Umsetzung bereits begonnener Maßnahmen.
CSU/VM sieht „eine der schwierigsten Haushaltsberatungen der vergangenen Jahrzehnte“ und fordert strikte Priorisierung.
SPD legt den Fokus auf Kostentransparenz und zügige Fertigstellung laufender Projekte.
UWG befürwortet Steuererhöhungen als Beitrag zur Sicherung der kommunalen Handlungsfähigkeit.
/image%2F1394268%2F20260115%2Fob_0a8015_antrag-gruene.jpg)
Die Grünen reduzierten ihre Anträge, setzten aber Akzente bei Jugendangeboten, Barrierefreiheit und Aufenthaltsqualität. Für 2026 beantragen die Grünen Mittel für eine neue Skater- und Streetballanlage und fordern zugleich die Suche nach einem geeigneten Standort – genannt werden unter anderem die Fläche am alten Steg oder die Wiese hinter dem Abenteuerspielplatz. Die Verwaltung verwies darauf, dass im Haushalts- und Finanzplan bereits Mittel vorgesehen seien, allerdings erst ab 2027. Die Forderung der Grünen scheiterte bei Stimmengleichheit.
Für das Haus der Begegnung wünschten sich die Grünen ein Nutzungskonzept als offene Begegnungsstätte, entwickelt gemeinsam mit Bürgerschaft und Vereinen. Die Verwaltung hält den Zeitpunkt für verfrüht, da Umbau- und Sanierungsmaßnahmen noch laufen und zusätzliche Kosten für Aufsicht und Betrieb derzeit nicht tragbar seien. Der Antrag wurde daher als nicht haushaltsrelevant eingestuft und auf einen späteren Zeitpunkt verschoben. Es soll aber auf Anregung der SPD-Fraktion einem ehrenamtlich geführten Bürger- oder Ideenworkshop zur künftigen Nutzung des Hauses der Begegnung nähergetreten werden.
Andere Anliegen – etwa der barrierefreie Ausbau der Bushaltestelle Gartenstraße – sind bereits im Haushalt berücksichtigt.
Zum Abschluss rief Bürgermeister Götz zu einer konsequenten Haushaltskonsolidierung auf:
„Wir müssen uns auf unsere Pflichtaufgaben konzentrieren. Kreditaufnahmen dürfen nur das letzte Mittel sein.“
Ziel bleibe ein ausgeglichener Haushalt – erreichbar nur durch Sparsamkeit, klare Prioritäten und gemeinsame Verantwortung. Eine belastbare Gesamteinschätzung sei jedoch erst möglich, wenn weitere Zahlen vorliegen.
Mehr Klarheit erwartet die Verwaltung frühestens Ende Februar 2026.
Grafiken: Dieter Gürz