Halbjahresbericht: Veitshöchheims finanzieller Spielraum wird enger
Der Ferienausschuss der Gemeinde Veitshöchheim hat am Dienstag den Halbjahresbericht zum Gesamthaushalt 2026 ohne Einwendungen zur Kenntnis genommen. Die Zahlen zeigen: Der Haushalt ist nach derzeitiger Einschätzung noch einhaltbar – doch der finanzielle Spielraum der Gemeinde wird kleiner.
Mehrere große Bauvorhaben binden derzeit erhebliche Mittel
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Der 15,1 Millionen Euro teure Neubau des Hauses der Kinderbetreuung an der Eichendorffschule soll Ende 2027 fertiggestellt werden – ein Jahr später als ursprünglich geplant. Für 2026 sind 6,0 Millionen Euro investiv veranschlagt, bei erwarteten Zuwendungen von 2,69 Millionen Euro.
Beim Haus VI sind laut Halbjahresbericht des Hochbaureferats die Rohbau-, Dachabdichtungs- und Fensterarbeiten abgeschlossen. Die Holzfassade wird derzeit fertiggestellt; anschließend soll die Pfosten-Riegel-Fassade im Erdgeschoss vervollständigt werden. Für Innenausbau und Haustechnik sind bereits mehrere Aufträge vergeben, weitere sollen im Herbst folgen. Auch die Freianlagen werden vorbereitet.
Die Technikplanung wurde umgestellt und abgeschlossen. Die ergänzende Erschließung des Geländes mit Trinkwasser und Kanal ist abgestimmt und soll kurzfristig erfolgen.
Auch die technische Vernetzung des gesamten Campus mit Neubau und Bestand wird vorbereitet. Dafür werden Räume unter Haus III und im Fahrradkeller hergerichtet. Erste Aufträge sind vergeben, mit Rückbau- und Entsorgungsarbeiten soll noch im August begonnen werden.
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Die 7,8 Millionen Euro teure Generalsanierung der Lindentalstraße läuft über mehr als vier Jahre und soll ebenfalls Ende 2027 abgeschlossen sein. Der Kanalbau steht derzeit kurz vor der Heinestraße.
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Beim Projekt „Neue Lände“ am Mainsteg läuft im ersten Bauabschnitt der Ausbau des Radweges von der Rampe bis zur Tiergartenstraße.
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Im zweiten Bauabschnitt soll der Bereich von der Parkstraße bis zur Oberen Maingasse umgestaltet werden. Dafür sind rund 4,5 Millionen Euro vorgesehen. Als erste Maßnahme wird derzeit die Uferbefestigung vorbereitet.
Für Lindentalstraße und „Neue Lände“ sind im Tiefbau 2026 insgesamt 3,5 Millionen Euro investiv veranschlagt.
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Bei der 5,1 Millionen Euro teuren Sanierung des Feuerwehrgerätehauses mit neuen Stellplätzen und einer Kalthalle wurde inzwischen die Bautafel aufgestellt. Baugenehmigung und Förderzusage liegen vor.
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Der Baubeginn ist noch für August 2026 vorgesehen. Den Auftakt bildet die neue Kalthalle. Für 2026 sind 225.000 Euro eingeplant. Die Maßnahme wird zunächst über BayernGrund als Bauträger außerhalb des Gemeindehaushalts abgewickelt.
Nach aktueller Einschätzung der Kämmerei werden die Haushaltsansätze im Tief- und Hochbau bis Jahresende voraussichtlich nicht vollständig ausgeschöpft.
Halbjahreszahlen deutlich im Minus
Bürgermeister Jürgen Götz erläuterte, dass der Halbjahresbericht auf einem Soll-Ist-Vergleich der Finanzrechnung beruht. Die negativen Salden zum 30. Juni seien grundsätzlich nicht ungewöhnlich, da wesentliche Einnahmen erst im zweiten Halbjahr zufließen.
Die drei Finanzrechnungssalden stellen sich zum Halbjahr gerundet wie folgt dar:
- 💶 laufende Verwaltungstätigkeit: –2,836 Millionen Euro
- 💶 Investitionstätigkeit: –1,258 Millionen Euro
- 💶 Finanzierungstätigkeit: –124.000 Euro
Besonders deutlich ist die Abweichung bei der laufenden Verwaltungstätigkeit. Für das Gesamtjahr ist ein negativer Saldo von rund 687.000 Euro eingeplant.
Gleichzeitig stehen im zweiten Halbjahr erhebliche Einnahmen aus. Allein vom veranschlagten Einkommensteueranteil von rund 8 Millionen Euro fließen drei Viertel erst in den letzten fünf Monaten des Jahres zu.
Die Kämmerei erwartet deshalb eine deutliche Verbesserung des aktuellen Fehlbetrags. Ziel müsse allerdings sein, den geplanten Fehlbetrag von 687.000 Euro bei der laufenden Verwaltungstätigkeit möglichst zu unterschreiten.
Kämmerer: Problem liegt vor allem im Cashflow
In der Diskussion fragte Bernd Schäfer (UWG), ob die große Lücke zwischen Haushaltsplan und tatsächlichem Ergebnis vor allem auf noch ausstehende Fördermittel zurückzuführen sei.
Kämmerer Erich Müller verwies auf den Unterschied zwischen Ergebnis- und Finanzhaushalt. Das aktuelle Problem liege vor allem bei der laufenden Liquidität beziehungsweise beim Cashflow.
Die wirtschaftliche Entwicklung wirke sich insbesondere über die Gewerbesteuer aus. Deren Entwicklung beeinflusse wiederum zeitversetzt die Höhe der Kreisumlage. Für 2026 sei diese Belastung besonders hoch. Die Gemeinde müsse deshalb darauf achten, möglichst viele laufende Ausgaben aus laufenden Einnahmen zu finanzieren.
Beim Ergebnishaushalt sieht Müller dagegen derzeit kein grundlegendes Problem. Dort stünden ausreichende angesparte Mittel zur Verfügung, um den Ergebnishaushalt auszugleichen.
Anders sei die Situation beim Finanzhaushalt: Rechnungen und sonstige Zahlungsverpflichtungen müssen tatsächlich bezahlt werden können. Deshalb müsse die Gemeinde in den kommenden zwei bis drei Jahren laufende Ausgaben begrenzen und Einnahmen möglichst vollständig ausschöpfen. Zusätzliche Ausgaben würden sonst bei der Finanzierung der anstehenden Großprojekte fehlen.
Liquidität wird laufend überwacht
Aktuell besteht nach Angaben der Verwaltung kein Liquiditätsproblem. Auch für die Zukunft sieht die Kämmerei grundsätzlich keine Gefahr, dass Zahlungsverpflichtungen nicht erfüllt werden können.
Für kurzfristige Engpässe kann die Gemeinde bis zu fünf Millionen Euro Kassenkredite aufnehmen. Wegen der damit verbundenen Zinsen sollen diese jedoch möglichst vermieden werden.
Um die Zahlungsfähigkeit während der drei parallel laufenden Großprojekte besser zu steuern, wurde inzwischen ein Cashflow-Überwachungssystem eingeführt. Damit soll frühzeitig erkennbar werden, wann größere Rechnungen fällig werden und wann Einnahmen oder Fördermittel eingehen.
Fördermittel müssen vorfinanziert werden
Zusätzlichen Druck auf die Liquidität verursacht die Vorfinanzierung von Fördermaßnahmen. Die Gemeinde muss Ausgaben zunächst leisten und kann Fördermittel erst anschließend beziehungsweise auf Grundlage vorliegender Rechnungen abrufen.
Gerade bei den Großprojekten entstehen dadurch zeitweise erhebliche Vorfinanzierungen. Beim Projekt „Neue Lände“ wurde nach Angaben des Bürgermeisters am Sitzungstag erneut ein Fördermittelabruf gestellt. Dadurch dürfte sich die Liquidität wieder verbessern.
Großprojekte stärker auf den Prüfstand
Vor dem Hintergrund der zahlreichen laufenden und geplanten Investitionen will die Verwaltung investive Maßnahmen künftig stärker begrenzen und auf ihre Wirtschaftlichkeit überprüfen.
Bei jedem Projekt müsse geprüft werden, ob das angestrebte Ergebnis auch mit deutlich weniger Haushaltsmitteln erreicht werden könne. Ziel sei, trotz notwendiger Investitionen den finanziellen Handlungsspielraum der Gemeinde zu erhalten.
Bürgermeister und Kämmerer betonten zudem, nicht zwingend erforderliche Ausgaben zu vermeiden. Neue, nicht im Haushaltsplan vorgesehene Projekte sollten möglichst nicht begonnen werden. Auch bereits eingeplante, aber nicht zwingend notwendige Maßnahmen müssten kritisch hinterfragt werden.
Finanzmittelfehlbetrag erreicht 4,22 Millionen Euro
Besonders deutlich zeigt sich die angespannte Lage beim Finanzmittelfehlbetrag. Mit rund 4,22 Millionen Euro, erreichte er zum 30. Juni den höchsten Stand in diesem Jahr.
Bürgermeister Götz führte dies auch darauf zurück, dass derzeit drei große Projekte gleichzeitig laufen: „Neue Lände“, Lindentalstraße und Haus VI der Kinderbetreuung. Gleichzeitig werden für die Vorhaben noch Fördermittel erwartet, die sich nach ihrem Eingang positiv auf die Liquidität auswirken.
Die Kämmerei rechnet daher mit einer Verbesserung im weiteren Jahresverlauf. Der aktuelle Stand bleibt jedoch ein Warnsignal.
Haushalt 2026 noch einhaltbar – aber kaum Spielraum
Das zentrale Ergebnis des Halbjahresberichts lautet: Der Haushalt 2026 ist nach derzeitiger Einschätzung noch einhaltbar. Der finanzielle Handlungsspielraum der Gemeinde wird jedoch zunehmend kleiner.
Die Verwaltung muss deshalb Einnahmen konsequent ausschöpfen, Ausgaben eng kontrollieren und die Liquidität laufend überwachen. Sollte das Ausgabenniveau unverändert hoch bleiben, könnte im weiteren Jahresverlauf eine Entnahme aus der Rücklage notwendig werden.
Für die kommenden Jahre dürfte die finanzielle Ausgangslage schwieriger werden. Entscheidend wird sein, dass die laufende Verwaltungstätigkeit wieder ausreichend Mittel erwirtschaftet, um notwendige Investitionen mitfinanzieren zu können,
(Anmerkung: Das veranschlagte Rekord-Defizit im Jahr 2026 von 587.000 Euro scheint aber eine Ausnahme zu sein, denn bei der Verabschiedung des Haushalts im März 2026 lag der Saldo aus laufender Verwaltungstätigkeit in den Finanzplanungsjahren 2027 bis 2029 wieder deutlich im Plus bei jeweils weit über einer Million Euro.)
Fotos Dieter Gürz