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Gemeinderat beschloss in nichtöffentlicher Sitzung: Standort für neue Veitshöchheimer Kindertagesstätte = nördlich der Tennishalle + Wald- oder Naturkindergartengruppe soll integriert werden

Veröffentlicht am von Dieter Gürz

In nichtöffentlicher Sitzung traf am Dienstagabend der Gemeinderat weitreichende Entscheidungen für einen Kindergartenneubau.  Bereits am 11. Mai 2021 hatte das Gremium beschlossen, im Grünkeil der Gartensiedlung für 1,5 Mio. Euro einen Kindergartenneubau mit Kinderkrippe im EG und Kindergartengruppe im OG als Ergänzung zum Kuratie-Kindergarten zu bauen. Gleichwohl ist laut Bedarfsplan noch ein weiterer Kindergarten mit 36 Krippenplätzen und 50 Plätzen für Kindergartenkinder im Alter von drei bis sechs Jahren erforderlich.

Wie Geschäftsleitender Beamter Daniel Stein nun auf Anfrage erklärte, beschloss das Gremium am Dienstagabend, unter Ausschluss der Öffentlichkeit, als Standort für diesen notwendigen neuen Kindergarten das laut Flächennutzungsplan im Außenbereich liegende Grundstück im Bereich hinter der Zweifeldtennishalle (Foto unten)

Das der Gemeinde gehörende Grundstück liegt unmittelbar am Rand des Waldgebietes "Gebranntes Hölzlein". Es soll dort, so der Geschäftsleiter, das Konzept eines Waldkindergartens bzw. einer naturnahen Pädagogik – neben dem Betrieb eines „gewöhnlichen“ Kindergartens – mitintegriert werden.

Der Tagesordnungspunkt sei nichtöffentlich behandelt worden, so Stein, weil auch ein Grundstück zur Auswahl stand, das sich nicht im Eigentum der Gemeinde befindet und deshalb auch ein möglicher Kaufpreis zur Diskussion stand.

Im Hintergrund ist das Dach der Zweifeldtennishalle zu sehen, links schließt der Wald "Gebranntes Hölzlein" an.

Zur Baureifmachung des stark bewachsenen Grundstückes bedarf es einer Änderung des Flächennutzungsplanes und der Aufstellung eines Bebauungsplanes im Parallelverfahren.

Mit dem Beschluss im nichtöffentlichen Teil der Sitzung geht ein Herzensanliegen des Veitshöchheimer Ortsvereins Bündnis 90/Die Grünen in Erfüllung, Eltern vielfältige konzeptionelle Ausrichtungen in der Tagesbetreuung von Kindern anzubieten.

Für ihr Anliegen hatten die Grünen am 17. Mai beantragt, beim anstehenden Kindergartenneubau zweigleisig zu verfahren und wie in Waldaschaff, Mainaschaff und Stockstadt geschehen, so zu planen, dass ein Teil des Bedarfs durch Waldkindergarten-/Naturkindergarten-Gruppen abgedeckt wird, um durch dieses zeitgemäße Angebot Eltern eine noch größere Wahlfreiheit zu ermöglichen. Dieser  Antrag stand nun auf der Tagesordnung des öffentlichen Teils der Sitzung, wurde jedoch nach längerer Diskussion vertagt.

Bürgermeister Jürgen Götz war in seiner Stellungnahme zum Antrag der Grünen nicht auf das von Feiler vorgeschlagene zweigleisige Konzept eingegangen, sondern beleuchtete ausführlich, welche Probleme ein Waldkindergarten verursache.

Es müsste für einen Waldkindergarten ein separater Raum vorgehalten werden, in welchem sich die Kinder bei Sperrung des Waldes aufhalten könnten. Die Kosten für die Beschaffung eines Bauwagens bezifferte er auf 70.000 Euro. Hinzu kämen weitere Kosten für eine Einzäunung und eine erhöhte Verkehrssicherung  ebenso auch eventuelle Betriebs-Defizite des Trägers.

Nicht zu vernachlässigen sei auch die Gefahr von möglichem Vandalismus. Schließlich sei auch zu bedenken, dass aufgrund der kürzeren Tage in den Wintermonaten die Nutzung des Waldes zeitlich eingeschränkt ist.

Aus den Wortmeldungen von Marlene Goßmann (SPD),  Stefan Oppmann (UWG) und Simon Kneitz (CSU) kristallisierte sich dann aber heraus,  dass alle gerne bei einer zukünftigen Einrichtung Waldpädagogik sehen würden, so Kneitz. Im Zuge eines Kindergartenneubaus könnte man deshalb eine tragfähig Gesamtlösung finde, der den Antrag der Grünen mit abdecke.

So resümierte am Ende der  Bürgermeister, dass er verstanden habe, worauf es allen ankomme und was er auch für gut finde, nämlich alle Möglichkeiten zu nutzen, auch zukünftige Generationen mit der Natur vertraut zu machen und ihnen den sensiblen Umgang mit der Natur durch ein pädagogisches Konzept, in welcher Form auch immer, näher zu bringen.

Es bestanden somit keinerlei Einwendungen mit seinem  Vorschlag, den Antrag der Grünen zu vertagen und für den Fall, dass anschließend im nichtöffentlichen Teil der Sitzung kein entsprechender, für die Grünen tragbarer Konsens zustände kommt, der Antrag in der nächsten Sitzung erneut behandelt wird.

Hier verläuft entlang der Sträucher-Hecke (rechts) die Südgrenze des geplanten Kindergarten-Grundstückes (links die Tennishalle).

 

Fotos Dieter Gürz

Rückblick:

Ihr Anliegen hatten die Grünen erstmals im Januar 2021 im Gemeinderat bei der Vorberatung des Haushalts 2021 geltend gemacht. Nach kontroverser Diskussion bestand damals Konsens, im Haushalt 2021 dafür keinen Ansatz für Planungskosten einzustellen, nachdem Bürgermeister Jürgen Götz zugesichert hatte,  dass sich die Verwaltung im Zuge der Planung für einen neuen Kindergarten auch mit dem Thema "Waldkindergarten" auseinandersetzen und zusammmentragen werde, was die Grundvoraussetzungen sind, mögliche Kosten erurieren und wo es mögliche Standorte gibt (siehe nachstehender Link). Im März hatten die dann Grünen zu diesem Thema zu einem Online-Vortrag mit der erfahrenen Höchberger Waldkindergarten-Pädagogin Gisela Ursprung (siehe nachsehender Link).

Feiler hatte in der Begründung ihres neuerlichen Antrags vom 17. Mai als Vorteil herausgestellt, dass mit einer Waldkindergartenguppe flexibel auf eine fehlende Kindergarten-Kapazität reagiert werden könne. Sie brauche nur wenig Bau- und Installationseinrichtungen. So könne frühzeitig die erste Gruppe des neuen Kindergartens an den Start gehen. In Mainaschaff als auch in Höchberg hatten nach ihren Worten beide Teile eine getrennte Betriebserlaubnis, so dass sie unabhängig voneinander abgerechnet werden und starten konnten. Eine Waldkindergartenguppe, so Feier koste maximal 25 Prozent eines üblichen Kindergartenbaus. Zudem würden teure Spielgeräte wegfallen, da es im Wald eine Fülle an Spielmaterialien gebe.

Wortmeldungen bei Beratung im öffentlichen Teil der Sitzung vom 8. Juni 2021

Bürgermeister Jürgen Götz beleuchtete in seiner Stellungnahme zum Antrag der Grünen, welche Probleme ein Waldkindergarten verursache:

Ein neuer Kindergarten und ein Waldkindergarten würde auch bedeuten, dass in der Gemeinde Veitshöchheim dann sieben Kindergärten betrieben werden müssten.

Es müsste für den Waldkindergaren ein separater Raum vorgehalten werden, in welchem sich die Kinder bei Sperrung des Waldes (Sturm, extremes Schlechtwetter, Holzeinschlag, nicht gewährleistete Verkehrssicherung, etc.) aufhalten könnten. Dieser Raum müsste während der Öffnungszeiten des Waldkindergartens durchgängig freigehalten werden. Außerdem entstünden für diesen Raum Zusatzkosten. Laut Auskunft der Gemeinde Güntersleben würden sich die Kosten für die Beschaffung eines entsprechenden Bauwagens auf 70.000 Euro belaufen. Hinzu kämen weitere Kosten wie eine Einzäunung. Da die Errichtung und der Betrieb von Kindergärten eine gemeindliche Pflichtaufgabe darstelle, werde die erhöhte Verkehrssicherung wohl bei der Gemeinde hängenbleiben, ebenso auch eventuelle Betriebs-Defizite des Trägers.

Nicht zu vernachlässigen sei auch die Gefahr von möglichem Vandalismus, wie zuletzt die Main-Post am 18. Mai  vom durch Vandalismus völlig zerstörten Waldkindergarten in Oberdürrbach berichtete. Schließlich sei auch zu bedenken, dass aufgrund der kürzeren Tage in den Wintermonaten die Nutzung des Waldes zeitlich eingeschränkt ist.

Günther Thein (Grüne) stellte die Kosten einer Kindergartengruppe mit Kosten von 700.000 Euro beim Kuratiekindergartenneubau zu den Kosten eines Bauwagens von 70.000 Euro zn Relation. Der Bürgermeister führte dazu aus, dass hier aber auch noch die Kosten für die Vorhaltung eines Raumes und die Kosten für eine dauerhaft Verkehrssicherung hinzukämen.

Zum Einwand von Thein, dass andere Gemeinden keine großen Problem mit der Verkehrssicherungspflicht haben und dies dort sehr gut klappe, entgegnete der Bürgermeister, er lade den Gemeinderat zu einer Waldbegehung am 17. Juni ein. Da könne sich ein jeder selber vom Zustand des Waldes und den massiven Problemen mit dem Bestand durch herabstürzende Äste um umfallende Bäume überzeugen. Erst kürzlich habe es fast einen Unfall bei einem Waldtag einer Kindergartengruppe gegeben.

Auf den Einwand von Josefine Feiler, dass die Verkehrssicherungspflicht ohnehin im Wald für Naherholungssuchende bestehe und auch bei Waldtagen von Kitas, sagte Götz, es sei schon ein großer Unterschied, wenn man tagtäglich während der Betreuungszeiten  im Wald sei, ein Bauwagen im eingefriedeten Bereich steht und auch die Zuwegungen freigehalten werden müssen.

Marlene Goßmann (SPD) sagte, sie tue sich schwer, weil im nichtöffentlichen Teil eine entsprechende Grundstücksauswahl für den Bau eines weiteren Kindergartens im nichtöffentlichen Teil dieser Sitzung behandelt werde. Weil hier Alternativen aufgezeigt seien, wofür sich die Fraktionen intern abgesprochen hätten, könnte man die Diskussion abkürzen. Dies sei jedoch, so der Bürgermeister, ohne Belange Dritter zu berühren, nicht möglich.

Auch Stefan Oppmann (UWG) berief sich wie Goßmann auf eine gute Variante, die im nichtöffentlichen Teil zur Beratung anstehe, die den Belangen der Grünen Rechnung trage und wo seine Fraktion mitgehen könnte. Er fragte deshalb die Grünen, ob sie ihren Antrag laut Tagesordnung aufrechterhalten wollen.

Der Bürgermeister stellte daraufhin fest, dass er verstanden habe, worauf es allen ankomme und was er auch für gut finde, nämlich alle Möglichkeiten zu nutzen, auch zukünftige Generationen mit der Natur vertraut zu machen und ihnen den sensiblen Umgang mit der Natur durch ein pädagogisches Konzept, in welcher Form auch immer, näher zu bringen.

Simon Kneitz (CSU) stellte fest, dass alle gerne bei einer zukünftigen Einrichtung Waldpädagogik sehen würden. Seine Fraktion habe deshalb überlegt, wie man dies zusammenbringen kann. Dabei sei die Idee entstanden, dass es kein eigenständiger Waldkindergarten sein muss, sondern man im Zuge eines Kindergartenbaus eine tragfähig Gesamtlösung finden könnte, der den Antrag der Grünen mit abdecken kann.

Josefine Feiler (Grüne) meldete sich darauf zu Wort und stellte fast, dass genau der von Simon Kneitz gemachte Vorschlag dem Grünen-Antrag entspreche, die neu zu errichtende Kindertagesstätte mit einem zweigleisigen Konzept, wie beispielsweise in Waldaschaff, Mainaschaff und Stockstadt so zu planen, dass ein Teil des Bedarfs durch Waldkindergarten-/Naturkindergarten-Gruppen abgedeckt wird.

Es bestanden somit keinerlei Einwendungen zum Vorschlag des Bürgermeisters, den Antrag der Grünen zu vertagen und für den Fall, dass anschließend im nichtöffentlichen Teil der Sitzung kein entsprechender, für die Grünen tragbarer Konsens zustände kommt, der Antrag in der nächsten Sitzung erneut behandelt wird.

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Bernd 06/11/2021 13:30

Vorbei ist's mit der Ruhe "Am Hölzlein". Es wurde zugleich eine massive Abwertung der Grundstücke beschlossen. Ich hoffe die Anwohner klagen. Sowas geht nicht.