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Nachtrag zur Debatte um den „Erich-Steppert-Platz“: Was Steppert 2012 selbst über seine Jugend- und Kriegszeit berichtete

Veröffentlicht am von Dieter Gürz

Das Vorbringen von Bündnis 90/Die Grünen über die NSDAP-Mitgliedschaft des früheren Veitshöchheimer Bürgermeisters Erich Steppert hatte vor zwei Wochen im Gemeinderat eine Debatte ausgelöst. Anlass war der Antrag der CSU-Fraktion, den sogenannten Dreschplatz gegenüber den Mainfrankensälen in „Erich-Steppert-Platz“ umzubenennen.

Die Grünen hatten im Vorfeld zur Person Stepperts recherchiert und dabei auf dessen NSDAP-Mitgliedschaft hingewiesen. In der Gemeinderatssitzung am 15. September 2026 beantragte die Fraktion, die Entscheidung über die Namensgebung zu vertagen, um weitere Nachforschungen zu ermöglichen. Dieser Antrag fand keine Mehrheit. Anschließend beschloss der Gemeinderat gegen die fünf Stimmen der Grünen die Umbenennung des Dreschplatzes in „Erich-Steppert-Platz“. 

Zum damaligen Bericht von Veitshöchheim News

Nun Hinweis auf einen Zeitzeugenbericht aus dem Jahr 2012

Im Nachgang zu diesem Bericht wurde Veitshöchheim News nun auf eine Quelle zur Biografie Erich Stepperts aufmerksam gemacht. In der von Thomas Struchholz im Juli 2012 veröffentlichten Veitshöchheim-Chronik kommt der 1922 geborene spätere Bürgermeister selbst als Zeitzeuge zu Wort.

Steppert berichtet darin über seine Jugend und Ausbildung, seinen frühen Eintritt in den öffentlichen Dienst, seine Erlebnisse als Soldat während des Zweiten Weltkriegs und über die unmittelbaren Nachkriegsjahre.

Nach seinen Erinnerungen wurde er als zweiter Sohn einer Eisenbahnerfamilie in Bamberg geboren und verbrachte seine Kinderjahre in Schweinfurt und Fladungen. Seine Schulausbildung in Meiningen unterbrach er durch seinen frühzeitigen Eintritt in den öffentlichen Dienst. Dadurch, so Steppert rückblickend, habe er sich auch den Reichsarbeitsdienst erspart.

NSDAP-Eintritt am 1. September 1941 – Einberufung im Oktober

Eine zusätzliche zeitliche Einordnung dieser Erinnerungen ermöglicht die im Zuge der aktuellen Diskussion bekannt gewordene NSDAP-Mitgliederkarte.

Auf der Karte ist Erich Steppert mit dem Geburtsdatum 13. November 1922, Geburtsort Bamberg, dem Beruf „Verw. Angest.“ und dem damaligen Wohnort Fladungen verzeichnet. Als Mitgliedsnummer ist 8.585.640 und als Eintrittsdatum der 1. September 1941 eingetragen. Steppert war damals 18 Jahre alt.

Das Bundesarchiv erläutert, dass in den NSDAP-Mitgliederkarteien unter anderem Name, Geburtsdaten, Beruf, Datum der Aufnahme in die Partei, Mitgliedsnummer und Veränderungen des Mitgliedschaftsstatus erfasst wurden.

Nur kurze Zeit nach dem auf der Karte vermerkten Eintritt in die NSDAP beginnt jener Abschnitt seines Lebens, über den Steppert 2012 in der Veitshöchheim-Chronik selbst ausführlich berichtete:

„Im Oktober 1941 erfolgte meine Einberufung zur Infanterie.“

Über seinen einen Monat zuvor datierten Eintritt in die NSDAP berichtete Steppert in diesen Jugenderinnerungen dagegen nicht.

Steppert berichtet ausführlich über seine Kriegserlebnisse

Seine anschließende Zeit als Soldat schilderte Steppert in der Chronik ausführlich. 1942 sei seine Einheit als „allererster Ersatzzug“ nach Russland geschickt worden. Er erinnerte sich an die extreme Kälte im Februar. Es sei dort so kalt gewesen, dass die Stiefel neben dem Bett angefroren seien.

Als Infanteristen mit Sturmgepäck seien sie teilweise 70 Kilometer am Tag marschiert und hätten neue Stellungen beziehen müssen.

Im November 1942 wurde Steppert nach seinen Angaben erstmals schwer verwundet und erlitt einen Brustdurchschuss. Eine weitere schwere Verwundung folgte im Februar 1945 durch einen Lungendurchschuss. Als er wieder zu sich gekommen sei, habe er neben lauter Toten gelegen. Erst jemandem, der bemerkte, dass er noch lebte, habe er seine Rettung zu verdanken gehabt. Dass er nach stundenlangem Liegen im Freien nicht verblutet sei, bezeichnete Steppert noch 2012 als ein „wahres Wunder“.

1945 wurde er nach seiner eigenen Darstellung als Leutnant der Reserve aus amerikanischer Kriegsgefangenschaft entlassen.

Nach 1945: „Aus innerer Überzeugung“ Mitbegründer der CSU

Unmittelbar anschließend schilderte Steppert in der Chronik seinen beruflichen und gesellschaftlichen Neubeginn nach Kriegsende. Seine Arbeit habe er sofort wieder aufnehmen können.

Über sein politisches Engagement in der Nachkriegszeit sagte er:

„Aus innerer Überzeugung habe ich bereits 1946 den Kreisverband der CSU in Mellrichstadt und 1948 die Kolpingsfamilie in Fladungen mitbegründet.“

In seiner Freizeit engagierte er sich nach eigener Darstellung beim Fußball und Wandern sowie als Senior der Kolpingsfamilie beim Neubau eines Jugendheimes und bei der Gründung einer Theatergruppe.

1952 heiratete er Hildegard Höhn aus Rimpar. Nach einer langjährigen Tätigkeit in der Verwaltung kam Steppert im Januar 1957 nach Veitshöchheim, um die ausgeschriebene Stelle des geschäftsleitenden Beamten und Kämmerers anzutreten. Später wurde er Bürgermeister der Gemeinde. Er starb am 14. September 2020 im Alter von 97 Jahren.

NSDAP-Mitgliedschaft in den Jugenderinnerungen nicht erwähnt

Vor dem Hintergrund der aktuellen Diskussion um die Benennung des Dreschplatzes in Erich-Steppert-Platz erhält der Zeitzeugenbericht aus dem Jahr 2012 zusätzliche Bedeutung. Er dokumentiert, wie Steppert selbst im hohen Alter auf seine Jugend, die Kriegsjahre und seinen politischen Neubeginn nach 1945 zurückblickte.

Dabei fällt auf: Während Steppert seine Einberufung im Oktober 1941, seinen Einsatz in Russland, seine schweren Verwundungen und schließlich seine Aktivitäten nach Kriegsende schilderte, findet die auf den 1. September 1941 datierte NSDAP-Mitgliedschaft in diesen Erinnerungen keine Erwähnung.

Die Mitgliederkarte sollte aber nicht mit weitergehenden Aussagen über Stepperts damaliges Verhalten verbunden werden, die aus ihr nicht hervorgehen. Über Beweggründe für den Eintritt oder Art und Umfang einer möglichen Betätigung innerhalb der NSDAP gibt die vorliegende Karte für sich genommen keinen Aufschluss.

Eine ergänzende Information zur aktuellen Debatte

Der jetzt bekannt gewordene Zeitzeugenbericht aus der Veitshöchheim-Chronik liefert eine zusätzliche Quelle zu genau jener Lebensphase, die durch die Diskussion in den Blick gerückt ist.

Quelle des Zeitzeugenberichts: Veitshöchheim-Chronik von Thomas Struchholz, Juli 2012.

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