Nach 14 Jahren und 35 Jahren in der Touristik: Günther Girster schließt sein Reisebüro am Hofgarten endgültig Ende 2026
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Eine Ära in der Würzburger Straße geht zu Ende: Das Reisebüro am Hofgarten hat seine Geschäftsräume bereits Ende April 2026 geschlossen.
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Inhaber Günter Girster, der inzwischen 70 Jahre alt ist, wird das von ihm gegründete Unternehmen noch bis zum Jahresende online weiterführen und alle noch laufenden Buchungen abwickeln. Ab 1. Januar 2027 nimmt er keine neuen Buchungen mehr an. Nach insgesamt 35 Jahren in der Touristik zieht sich Girster damit endgültig aus dem Reisebürogeschäft zurück.
Vom „White Spot“ zum etablierten Reisebüro
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Als Günter Girster und Julia Gerhart, heute Eiring (hinten), im Sommer 2012 das Reisebüro am Hofgarten gründeten, gab es in Veitshöchheim mit seinen knapp 10.000 Einwohnern kein einziges Reisebüro. Die beiden erkannten darin eine Marktlücke – einen „White Spot“, wie sie es damals nannten.
Fündig wurden sie in der Würzburger Straße 2. Im ehemaligen Quelle-Shop von Irene Schwarz entstand direkt gegenüber dem Eingang zum Hofgarten das neue Reisebüro.
Die Idee war von Anfang an, persönliche Reiseberatung vor Ort mit den Möglichkeiten der digitalen Reisewelt zu verbinden. Das Konzept ging auf.
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Schon zum fünfjährigen Bestehen berichtete Girster von zahlreichen Stammkunden. Der gute Ruf verbreitete sich vor allem durch Mundpropaganda. Kunden kamen längst nicht mehr nur aus Veitshöchheim, sondern auch aus den umliegenden Gemeinden. Über 14 Jahre entwickelte sich das Reisebüro zu einem festen Bestandteil des örtlichen Geschäftslebens.
Vom Urlaubstraum bis zur Weltreise
Das Angebot war breit gefächert: klassische Pauschalreisen, individuelle Urlaubsreisen, Familien- und Wellnessreisen, Skiurlaube, Kreuzfahrten, Fernreisen und Busreisen gehörten ebenso dazu wie zeitweise organisierte Gruppenreisen.
Reisegruppen führte das Reisebüro unter anderem in den Spreewald, die Uckermark, nach Polen, Mallorca und Israel. Auch für Vereine bot die professionelle Organisation Vorteile, etwa bei der organisatorischen und haftungsrechtlichen Abwicklung.
Girster und Eiring wollten dabei mit dem Vorurteil aufräumen, ein Reisebüro müsse zwangsläufig teurer sein als eine Internetbuchung. Die Preise sollten sich an den Online-Angeboten orientieren – ergänzt um persönliche Beratung und einen Ansprechpartner, wenn Probleme auftraten.
Gerade dieser persönliche Kontakt wurde von vielen Kunden geschätzt. Auch die veröffentlichten Kundenbewertungen zeichnen ein überwiegend positives Bild. Gelobt wurden insbesondere die freundliche und geduldige Beratung, die schnelle Kommunikation und die individuelle Berücksichtigung der jeweiligen Reisewünsche.
Das Reisebüro war für manche Kunden deshalb mehr als eine reine Buchungsstelle. Es war auch ein kleiner Treffpunkt für einen persönlichen Austausch und ein Gespräch über den nächsten Urlaub.
14 Jahre voller Reisen – und voller Krisen
Dass sich das kleine Reisebüro so lange behaupten konnte, war keineswegs selbstverständlich. Die Tourismusbranche wurde in den vergangenen Jahren von einer ganzen Reihe von Krisen erschüttert.
Die Insolvenzen von Air Berlin und Germania waren ebenso Herausforderungen wie der Zusammenbruch der Thomas Cook AG im Jahr 2019. Dann kam die Corona-Pandemie mit Reiseverboten, geschlossenen Grenzen, ausgefallenen Flügen und der aufwendigen Rückabwicklung bereits gebuchter Reisen.
Gerade in dieser Zeit zeigte sich für Girster, welche Bedeutung ein persönlicher Ansprechpartner haben kann.
„Wir haben dann die ganzen Krisen abgewickelt, sei es damals Thomas Cook“, erinnert er sich. Viele Kunden seien im Reisebüro gelandet, obwohl sie ihre Reise ursprünglich gar nicht dort gebucht hatten. Veranstalter waren teilweise nicht erreichbar, Online-Anbieter mit der Situation überfordert.
„Der Kunde sieht nicht den Reiseveranstalter in Verpflichtung und Haftung, sondern er sieht in erster Linie das Reisebüro“, erklärt Girster. Das Reisebüro sei für den Kunden der Ansprechpartner, der sich um das Problem kümmern müsse.
Teilweise stellte das Reisebüro sogar Reisegutscheine aus, damit Kunden möglichst schnell wieder buchen konnten, obwohl das Geld des Veranstalters noch gar nicht eingegangen war.
Kreative Ideen in der Corona-Zeit
Die Corona-Pandemie traf die Reisebranche besonders hart. Die Stornierungswelle bedeutete für die Reisebüros viel Arbeit, gleichzeitig brachen die Provisionen weg. Mit dem Teil-Lockdown kam der Reiseverkehr nahezu vollständig zum Erliegen. Auch das Reisebüro am Hofgarten war ohne Auslandsgeschäft und Kreuzfahrten massiv betroffen. Durch Kurzarbeit und die Inanspruchnahme staatlicher Überbrückungshilfen kam Günter Girster zunächst einigermaßen über die Runden.Gleichzeitig suchte er nach Möglichkeiten, die Räume seines Reisebüros für andere Zwecke zu nutzen.
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Es entwickelte sich eine Zusammenarbeit mit dem Weltladen in Güntersleben und der Fairtrade-Steuerungsgruppe der Gemeinde. Im Reisebüro wurden fair gehandelte Produkte angeboten und damit eine zusätzliche Einkaufsmöglichkeit für die Bürger geschaffen. Das Reisebüro öffnete dafür dreimal wöchentlich seine Ladentür. Die fairen Produkte konnten darüber hinaus auch nach dem Click-&-Collect-Prinzip bestellt werden und anschließend im Reisebüro abholen.
Damit war das Reisebüro am Hofgarten zuletzt nicht nur Anlaufstelle für Reisebuchungen, sondern auch Verkaufsstelle für fair gehandelte Waren und ein Teil des örtlichen Fairtrade-Engagements.
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Da der Reiseverkauf während dieser Zeit nur sehr eingeschränkt möglich war, entwickelte Girster als Vorsitzender des Verkehrs- und Gewerbevereins nach der Absage des Weihnachtsmarktes eine ungewöhnliche Idee: Er stellte die Räume des Reisebüros in der Würzburger Straße kostenlos Anbietern des ausgefallenen Weihnachtsmarktes als Verkaufsfläche zur Verfügung.
Damit der Verkauf rechtmäßig durchgeführt werden konnte, wurde die Gewerbeanmeldung um den Bereich „Einzelhandel“ erweitert und ein entsprechendes Hygienekonzept erstellt. Ein getrennter Ein- und Ausgang, eine Begrenzung auf maximal vier Kunden sowie ein medizinisch anerkannter Luftfilter sorgten für zusätzliche Sicherheit.
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Sieben Hobby-Aussteller, die ursprünglich am Weihnachtsmarkt teilnehmen wollten, nutzten die Gelegenheit, ihre während der Corona-Zeit gefertigten Waren doch noch anzubieten. Zum Sortiment gehörten unter anderem Bilder und Karten, Schmuck, Strickwaren, Beton-Dekorationen und selbst hergestellte Produkte wie Weihnachtsmarmeladen.
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Auch die Fairtrade-Steuerungsgruppe Veitshöchheim beteiligte sich an dieser Verkaufsaktion. Das übliche Sortiment des Weltladens mit Kaffee, Tee, Reis, Gewürzen, Nüssen und Schokolade wurde um Geschenkideen für Groß und Klein erweitert. Damit wurde das Reisebüro während der Pandemie zeitweise zu einer kleinen Verkaufs- und Ausstellungsfläche für regionale Hobbyanbieter und fair gehandelte Produkte – eine Initiative, die erneut zeigte, dass Girster sein Geschäft auch als Teil des örtlichen Gemeinschaftslebens verstand.
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Zum zehnjährigen Bestehen 2022 zog Geschäftsführerin Julia Gerhart (nun Eiring) dennoch eine positive Bilanz. Das Unternehmen habe „klug gewirtschaftet“ und zugleich in moderne Technologien investiert. Gerade in der Corona-Zeit habe sich gezeigt, welchen Vorteil persönliche Ansprechpartner haben können.
Fünf Auszubildende erfolgreich ausgebildet
Auch bei der Ausbildung setzte das Unternehmen Akzente. Insgesamt fünf Auszubildende absolvierten ihre Ausbildung erfolgreich im Reisebüro am Hofgarten. Eine davon, Franziska Sohler, blieb dem Unternehmen anschließend über mehrere Jahre erhalten. Doch gerade bei der Suche nach qualifiziertem Nachwuchs hat sich die Situation in den vergangenen Jahren dramatisch verändert.
„Du brauchst qualifiziertes Personal“
Für Girster ist der zunehmende Personalmangel heute der entscheidende Grund dafür, dass es nicht mehr weitergeht. „Die Touristik allgemein wird immer komplexer bzw. umfangreicher“, sagt er. Das Angebot werde immer vielfältiger. Gleichzeitig kämen gerade die Kunden ins Reisebüro, die eine qualitative Beratung suchten, weil ihre Buchung kompliziert sei.
„08/15 kannst du im Internet buchen“, meint Girster. Im Reisebüro hingegen seien die Anforderungen an die Mitarbeiter deutlich höher. „Und darum brauchst du qualifiziertes Personal.“
Genau dieses Personal sei heute aber kaum noch zu finden.
Die zuletzt noch im Reisebüro beschäftigte Julia Eiring schied Ende April aus und wechselte zur Würzburger Versicherung, wo sie nun im Bereich Reiseversicherung tätig ist. Eine weitere langjährige Mitarbeiterin, Franzi, zog nach ihrer Heirat nach Fulda und arbeitet inzwischen bei der Polizei.
Damit war das Reisebüro zuletzt nur noch mit Girster und Eiring besetzt. „Zu zweit kriegst du es schon gar nicht mehr hin – geschweige denn alleine“, beschreibt Girster die Situation.
Immer höhere Anforderungen an den Nachwuchs
Das Problem beginnt für Girster bereits bei der Ausbildung. Früher habe man noch Quereinsteiger entsprechend aufbauen können. Heute seien die Anforderungen wesentlich höher.
Auch die Berufsschulsituation habe sich verändert. Die entsprechende Klasse in Würzburg sei aufgelöst worden; Auszubildende müssten inzwischen zum 14tägigen Blockunterricht nach Nürnberg.
Hinzu komme ein immer größer werdender juristischer und organisatorischer Aufwand. „Du hast heute mittlerweile so viel juristischen Sachverstand, der notwendig ist“, sagt Girster. Jeder Reiseveranstalter habe andere Regelungen. Gleichzeitig müssten die Mitarbeiter auch mit Problemfällen, Stornierungen, Haftungsfragen und Krisensituationen umgehen können. Damit steige das Anforderungsprofil kontinuierlich.
Immer mehr Arbeit, aber keine höheren Provisionen
Girster sieht darin ein grundsätzliches Problem der Branche. Seit 35 Jahren seien die Provisionssätze im Reisevertrieb im Wesentlichen gleich geblieben. „Du arbeitest immer mehr, die Probleme werden immer mehr und die Provision ist immer gleich geblieben.“
Auch die Digitalisierung habe daran wenig geändert. Zwar seien viele Abläufe technisch einfacher geworden, gleichzeitig seien neue Anforderungen und rechtliche Fragen hinzugekommen.
Die Personalkosten stünden zudem zunehmend in einem schwierigen Verhältnis zu den Provisionseinnahmen.
Für einen kleinen Betrieb wie das Reisebüro am Hofgarten wird die Suche nach geeigneten Mitarbeitern und einer Nachfolge damit zu einer kaum lösbaren Aufgabe.
Die Entscheidung fiel nicht leicht
Dass Girster mit 70 Jahren irgendwann kürzertreten wollte, war nachvollziehbar. Doch das Alter allein sei nicht der Grund für die Schließung.
„Auf der anderen Seite war es wirklich schwer aufzuhören“, sagt er. Die Entscheidung sei bereits seit Ende vergangenen Jahres intensiv besprochen worden. Weihnachten sei schließlich der Zeitpunkt gewesen, an dem die endgültige Entscheidung fiel.
Auch eine Fortführung durch Julia Eiring allein sei keine realistische Perspektive gewesen. „Was mache ich dann?“, habe sie sich gefragt. Selbst zu zweit sei die Arbeit kaum noch zu bewältigen gewesen. Eine Nachfolge konnte nicht gefunden werden.
Ladengeschäft seit Ende April geschlossen
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Die Konsequenz ist nun vollzogen: Seit Ende April 2026 bleibt die Ladentür in der Würzburger Straße geschlossen. Das große Firmenschild an der Fassade ist verschwunden.
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Das 63,5 Quadratmeter große Ladengeschäft ist inzwischen zur Weitervermietung ausgeschrieben.
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Ganz beendet ist die Tätigkeit des Reisebüros allerdings noch nicht. Girster wickelt derzeit die Reisen ab, die für 2026 bereits gebucht sind. Auch neue Buchungen für dieses Jahr werden noch angenommen und anschließend vollständig abgewickelt.
„Ab 1. Januar nehme ich keine Buchung mehr an. Da ist ein kompletter Schnitt.“
Bis dahin sollen auch die Gutscheine erfasst und die Buchhaltung abgeschlossen sein. Danach ist das Kapitel Reisebüro endgültig beendet.
Ganz ohne Aufgaben wird es nicht gehen
Von einem klassischen Rentnerdasein will Girster, seit elf Jahren ehrenamtlicher Vorsitzender des Verkehrs- und Gewerbevereins Veitshöchheim, ohnehin nicht sprechen. „Eine Aufgabe habe ich mit dem Weihnachtsmarkt und dem Bremsermarkt“, sagt er. Dafür habe er nun wesentlich mehr Zeit.
Besonders der Veitshöchheimer Weihnachtsmarkt wird ihn besonders beschäftigen. Im heimischen Garten bastelt er bereits Holzsterne, die im vergangenen Jahr bei den Besuchern sehr gut angekommen seien.
Nachdem der Weihnachtsmarkt heuer auf vier Wochenenden ausgeweitet wird und auch der Innenhof stärker einbezogen werden soll, gebe es genügend Arbeit.
Auch über Weihnachten und Silvester sollen die Hütten stehen bleiben. Für die Silvesternacht haben Girster und weitere Helfer dem Bürgermeister zugesagt, freiwillig Wachdienste zu übernehmen.
Text und Fotos Dieter Gürz