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Mit 19 und 21 Jahren: Zwei Veitshöchheimer entwickeln KI-System für Immobilienmakler

Veröffentlicht am von Dieter Gürz

Fabian Müller und Paul Schäfer (v.l.) gründen in Veitshöchheim ihr Start-up LeadFlow. Ihre Software analysiert Kaufanfragen von Immobilieninteressenten, bewertet deren Dringlichkeit und Passung und erstellt individuelle Antwortvorschläge für Makler. Jetzt soll das System an erste Testkunden gehen.


Eine Idee aus der Freizeit

19 und 21 Jahre alt, Abiturienten beziehungsweise Studenten – und schon auf dem Weg zum eigenen Unternehmen: Die Veitshöchheimer Fabian Müller und Paul Schäfer wollen mit ihrem Start-up LeadFlow künstliche Intelligenz in den Arbeitsalltag von Immobilienmaklern bringen.

Die Idee dazu entstand zunächst bei Fabian Müller. Der 19-Jährige beschäftigte sich bereits während seiner Schulzeit in seiner Freizeit intensiv mit künstlicher Intelligenz. Im Winter des vergangenen Jahres begann er sich mit der Frage auseinanderzusetzen, wie KI sinnvoll in den beruflichen Alltag integriert werden kann. Daraus entwickelte sich zunächst die Idee für eine Software im Bereich Lead Management.

„Am Anfang ist man da schon eher ein Beginner und weiß noch nicht so ganz, wie das Ganze funktioniert“, beschreibt Müller seinen Einstieg. Programmierkenntnisse hatte er zunächst kaum. Er arbeitete sich mit Hilfe von KI, YouTube-Tutorials und kostenlosen Lernangeboten Schritt für Schritt in die Materie ein.


Aus einer Idee wird ein gemeinsames Projekt

Paul Schäfer und Fabian Müller kennen sich aus Veitshöchheim und tauschten sich unter anderem beim Sport über die Idee aus. Schließlich entstand der Gedanke, das Projekt gemeinsam weiterzuentwickeln.

Die Aufgaben teilten die beiden von Anfang an nach ihren Stärken auf: Müller kümmert sich vor allem um die technische Entwicklung und die KI, Schäfer bringt sein betriebswirtschaftliches Wissen ein.

Paul Schäfer ist 21 Jahre alt. Er machte 2023 sein Abitur am Gymnasium Veitshöchheim und studierte anschließend BWL mit Schwerpunkt Gesundheitsmanagement an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg. Sein duales Studium schloss er in diesem Jahr erfolgreich ab.

Fabian Müller ist 19 Jahre alt und machte 2026 sein Abitur am Gymnasium Veitshöchheim. Im Oktober beginnt er sein Studium E-Commerce an der Technischen Hochschule Würzburg-Schweinfurt.


Warum gerade Immobilienmakler?

Die Wahl der Immobilienbranche war das Ergebnis von Recherchen nach einem Bereich, in dem ein konkretes Problem mit Hilfe der neuen Technologie gelöst werden kann.

Immobilienmakler erhalten täglich zahlreiche Anfragen per E-Mail. Gerade im hektischen Arbeitsalltag können einzelne Anfragen dabei längere Zeit unbearbeitet bleiben.

LeadFlow soll hier ansetzen. Das System verbindet das E-Mail-Postfach eines Maklers mit der Software und analysiert eingehende Nachrichten. Die Anfragen werden anhand verschiedener Kriterien bewertet und nach ihrer Relevanz eingeordnet.

Die Grundidee der Gründer: Bei der Vermittlung einer Immobilie kann eine schnelle Reaktion entscheidend sein.


Wie aus der Idee der Name LeadFlow wurde

Auch der Name des Start-ups ist eng mit dem Produkt verbunden. „Lead“ steht für die eingehende Kundenanfrage, „Flow“ für den Ablauf, den diese Anfrage im System nimmt. Eine Mail kommt beim Makler an, wird von LeadFlow analysiert und bewertet und anschließend mit einem passenden Antwortvorschlag versehen. Am Ende muss der Makler die Antwort nur noch prüfen und freigeben.

Der Name beschreibt damit zugleich das Ziel der beiden Gründer: Anfragen sollen nicht mehr liegen bleiben, sondern möglichst schnell und strukturiert vom Eingang bis zur Antwort durchlaufen.


Die KI schreibt nicht einfach irgendeine Antwort

Der entscheidende Punkt bei LeadFlow ist die Kombination aus Bewertung und personalisierter Antwort.

Erkennt das System beispielsweise eine besonders relevante Anfrage, erstellt es automatisch einen Antwortentwurf. Dabei soll die KI nicht einfach eine allgemeine Standardantwort formulieren. Sie berücksichtigt die Informationen aus der Anfrage und erkennt auch fehlende Angaben.

Fehlen beispielsweise wichtige Informationen, kann das System gezielt Rückfragen formulieren.

Die Gründer wollen damit vermeiden, dass jeder Interessent dieselbe austauschbare KI-Antwort erhält. Nach ihren Angaben soll sich die vorgeschlagene Nachricht vielmehr am jeweiligen Makler und an der konkreten Anfrage orientieren.


Der Makler behält die Kontrolle

Eine automatische Kommunikation mit Kunden wollen die beiden Gründer ausdrücklich nicht.

Die KI erstellt den Vorschlag – abschicken muss ihn der Makler selbst. Der Makler erhält eine Benachrichtigung, kann die Antwort überprüfen, verändern und anschließend freigeben.

„Die KI soll den Makler nicht ersetzen, sondern nur als Unterstützung gelten“, erklären die Gründer.

Auch der weitere Kontakt lässt sich über das System begleiten. So können beispielsweise Termine hinterlegt werden. Nach einem erfolgten Treffen kann der Makler einen Lead als erledigt markieren und archivieren.


Fabian brachte sich Programmieren selbst bei

Besonders bemerkenswert ist der technische Werdegang von Fabian Müller. Als er mit der Entwicklung begann, hatte er nach eigener Aussage praktisch keine Programmierkenntnisse.

Seit Februar arbeitet er an der Software – zunächst parallel zu den Abiturvorbereitungen. Nach eigenen Angaben investierte er im Durchschnitt rund 15 Stunden pro Woche in die Entwicklung.

Unterstützung erhält er dabei von KI-Systemen, die inzwischen auch beim Programmieren helfen können. Müller nutzt dafür unter anderem einen sogenannten Coding Agent. Dadurch könne er Software deutlich schneller entwickeln, als dies ohne entsprechende Werkzeuge möglich wäre.

Aus dem anfänglichen Lernen ist inzwischen ein funktionierendes Produkt entstanden: LeadFlow ist nach Angaben der Gründer einsatzbereit und könnte an erste Testkunden herausgegeben werden.


Jetzt beginnt der Roll-out

In der kommenden Woche wollen die beiden Gründer mit der Gewinnung erster Immobilienmakler beginnen.

Zunächst wollen sie sich auf die Region Würzburg konzentrieren. Geplant sind unter anderem Anschreiben an Makler. Gleichzeitig hoffen Schäfer und Müller auf Kontakte über Berichte und soziale Medien.

Sollte die direkte Ansprache per Post nicht ausreichen, wollen sie Makler auch telefonisch kontaktieren oder persönlich besuchen. Später soll LeadFlow bundesweit angeboten werden.

Interessierte Immobilienmakler sollen die Software zunächst einen Monat kostenlos testen können. Im Gegenzug wünschen sich die Gründer vor allem Rückmeldungen aus der Praxis.


Drei Preismodelle geplant

LeadFlow soll über verschiedene Abonnements finanziert werden. Die Modelle unterscheiden sich unter anderem danach, wie viele Leads bearbeitet werden können.

Das günstigste Modell soll nach Angaben der Gründer bei 199 Euro  pro Monat liegen und 25 Anfragen umfassen. Für größere Mengen sind weitere Modelle vorgesehen.

Dabei sollen nicht beliebige E-Mails das Kontingent belasten. Spam und andere Nachrichten, die keine tatsächliche Kundenanfrage darstellen, sollen vom System erkannt und nicht als Lead gezählt werden.


Die Gründung erfolgt in Veitshöchheim

Auch formal nimmt das Projekt jetzt Gestalt an. Das Unternehmen soll als UG gegründet werden und seinen Sitz in Veitshöchheim haben.

Der offizielle Firmenname lautet LeadFlow FP, wobei „FP“ für Fabian und Paul steht. Nach außen treten die Gründer unter dem Namen LeadFlow auf.

Den Notartermin haben die beiden bereits absolviert. Nach ihrer Einschätzung soll die Eintragung ins Handelsregister Anfang kommender Woche erfolgen.

Ganz so einfach, wie eine Unternehmensgründung in sozialen Medien manchmal dargestellt werde, sei die Sache allerdings nicht, berichten die beiden. Neben dem eigentlichen Produkt müssten sich Gründer mit Rechtsform, Behörden, Handelsregister, Transparenzregister und weiteren formalen Anforderungen beschäftigen.

Unterstützung bekommen die beiden dabei unter anderem aus ihrem Hochschulumfeld. Ein Dozent Schäfers, der als Steuerberater tätig ist, hat bei den ersten Fragen zur Gründung beraten. Auch beim Thema Datenschutz können die Gründer auf Unterstützung aus seinem Hochschulumfeld zurückgreifen.


Geringe laufende Kosten

Finanziell starten die beiden sehr klein. Für Server und KI-Dienste fallen nach ihren Angaben derzeit zusammen etwa 50 Euro im Monat an. Hinzu kommen die einmaligen Kosten für Notar und Gründung.

Fabian Müller startet im Oktober gleichzeitig in sein E-Commerce-Studium. Ein Anspruch auf BAföG besteht nach seiner Aussage derzeit nicht. Beide wollen zunächst möglichst viel Zeit und Arbeit in den Aufbau von LeadFlow investieren.

Schäfer hat nach seinem Bachelor bewusst ein Gap Year eingelegt, bevor er einen Master beginnen will. Dadurch kann er sich im kommenden Jahr stärker dem Unternehmen widmen.


Auch der Datenschutz spielt eine Rolle

Weil LeadFlow auf die E-Mail-Postfächer der Makler zugreift, ist für die Gründer auch der Umgang mit den Daten ein wichtiges Thema.

Nach ihren Angaben werden die Daten auf Servern eines Anbieters verarbeitet, dessen Rechenzentren innerhalb der EU liegen. Als Anbieter nennen sie Contabo mit einem Rechenzentrum in Straßburg.

Gerade bei einer Software, die Kundenanfragen und damit teilweise persönliche Daten verarbeitet, dürfte der Datenschutz für potenzielle Nutzer eine zentrale Frage sein.


20 bis 50 Kunden wären im ersten Jahr ein Erfolg

Große Versprechungen wollen die beiden Gründer trotz ihrer ambitionierten Idee nicht machen. Ihr Ziel für das erste Jahr liegt bei 20 bis 50 Kunden.

Angst vor einem Scheitern haben sie nach eigener Aussage nicht. Sie gehen vielmehr mit Zuversicht an das Projekt heran.

Für Schäfer spielt dabei auch der Wunsch eine Rolle, Verantwortung zu übernehmen und konkrete Probleme zu lösen. Müller sieht einen Vorteil darin, bereits als Student ein Unternehmen aufzubauen: Man habe mehr Möglichkeiten und könne größere Risiken eingehen als später in einem festen Berufsleben.

Auch die Familien der beiden stehen nach ihren Angaben hinter dem Vorhaben.


Vom Hobby zum gemeinsamen Unternehmen

Dass ausgerechnet zwei junge Veitshöchheimer ein KI-Unternehmen aufbauen, hat dabei auch eine persönliche Seite. Beide sehen gerade die Kombination ihrer unterschiedlichen Stärken als Vorteil.

Fabian bringt die technische Entwicklung voran, Paul das betriebswirtschaftliche Wissen. Gemeinsam wollen sie ein konkretes Problem lösen, statt KI nur als Spielerei einzusetzen.

Und auch wenn LeadFlow nicht wie geplant durchstarten sollte, sehen die beiden darin keinen Beinbruch. Sie würden in jedem Fall Erfahrungen sammeln – fachlich, finanziell und persönlich.

Ihr Plan steht deshalb fest: Ausprobieren, verbessern, Kundenfeedback sammeln und weitermachen.


Und nach Feierabend? Sport statt Start-up

Ganz nebenbei bleibt für die beiden sogar noch Zeit für ihre Hobbys.

Paul Schäfer betreibt nach eigenen Angaben fünfmal pro Woche Kraftsport im Fitnessraum der TGV in der Dreifachsporthalle und geht gerne im Geisbergbad schwimmen. Fabian Müller trainiert zweimal pro Woche Kraftsport und spielt dreimal pro Woche Fußball.

Der 19-Jährige, der aus der Jugend des Sportvereins Veitshöchheim kommt, spielt in diesem Jahr erstmals in der Herrenmannschaft.

Unternehmer, Student, Sportler – für zwei Veitshöchheimer beginnt damit ein ungewöhnlich vielseitiger neuer Lebensabschnitt.

https://leadflow-immobilien.de/

kontakt@leadflow-immobilien.de

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