Betriebsbesuch bei Michaelis: Veitshöchheimer Umwelttechnik-Unternehmen plant Anlage zur Phosphor-Rückgewinnung
Bei seinem regelmäßigen Besuch regionaler Unternehmen machte Landrat Thomas Eberth diesmal Station bei der Michaelis GmbH & Co. KG in Veitshöchheim. Gemeinsam mit Bürgermeister Jürgen Götz sowie Vertretern aus Wirtschaft, Wissenschaft und Verwaltung informierte er sich bei Inhaber Bernhard Grimm und dessen Sohn Achim Grimm über die Entwicklung des international tätigen Umwelttechnik-Unternehmens und dessen Zukunftspläne. Mit dabei waren auch sePura-Geschäftsführer Dieter Leimkötter.
Im Bild v. l. n. r.: Thomas Eberth, Achim und Bernhard Grimm, sePura-Geschäftsführer Dieter Leimkötter und Jürgen Götz (Foto: Christian Schuster).
Im Mittelpunkt des Besuchs standen ein Rundgang durch Produktion und Betriebsgelände sowie die Pläne für eine neue Verwertungsanlage zur Rückgewinnung von Phosphor aus Klärschlammasche.
Vom neu angesiedelten Betrieb zum internationalen Spezialisten
Wer heute durch die Werkstore von Michaelis im Veitshöchheimer Gewerbegebiet tritt, sieht groß dimensionierte Stahlelemente, Anlagenteile und Fertigungstechnik. In den Hallen werden individuelle Anlagen geplant, gefertigt und vormontiert.
„Vielfalt und passgenaue Lösungen sind unsere größten Stärken“, sagt Inhaber Bernhard Grimm.
Michaelis hat sich auf maßgeschneiderte Anlagen zur Abfallverbrennung, Wärmenutzung und Abluftreinigung spezialisiert. Die patentierte Paddelofen-Technologie ermöglicht die thermische Verwertung unterschiedlicher Abfälle. Nach Unternehmensangaben wurden weltweit bereits mehr als 500 Anlagen realisiert; rund 90 Prozent davon im Ausland.
Das Unternehmen bietet Komplettlösungen vom Engineering über Fertigung und Montage bis zur Inbetriebnahme und zum Service.
2005: Start in Veitshöchheim
Die Entwicklung am Standort Veitshöchheim begann 2005. Bernhard Grimm, Diplomingenieur und langjähriger Verfahrenstechniker, hatte das 1938 in Düsseldorf gegründete Unternehmen übernommen und verlegte den Firmensitz nach Veitshöchheim.
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Bei der Vorstellung des Unternehmens im Juli 2005 gegenüber Bürgermeister Rainer Kinzkofer verwies Grimm unter anderem auf die attraktiven Standortbedingungen. Zunächst bezog Michaelis Räume in der Schleehofstraße 12.
Der Start war bereits auf Wachstum ausgelegt: Grimm beschäftigte sechs Mitarbeiter – drei Ingenieure, einen Techniker und zwei kaufmännische Angestellte. Mittelfristig waren 20 Arbeitsplätze und eine eigene Fertigung geplant.
Schon damals waren weltweit mehr als 300 Michaelis-Abfallverbrennungssysteme im Einsatz. Je nach Kundenanforderung konnten sie mit Wärmenutzung und Abluftreinigung kombiniert werden.
2008 bis 2014: Ausbau des Standorts
Die Expansion am Standort ging schnell voran.
2008 erwarb Grimm ein Gewerbegrundstück an der Rudolf-Diesel-Straße und errichtete zunächst Bürocontainer. 2009 folgte die Genehmigung für eine eigene Produktionshalle.
Einen weiteren großen Schritt machte das Unternehmen 2014 mit dem Erwerb des ehemaligen Betriebsgeländes der Demag Technica an der Daimlerstraße. Die zusätzlichen Produktions- und Büroflächen schufen Raum für weiteres Wachstum.
Bürger erhalten Einblicke
Wie stark sich Michaelis in Veitshöchheim entwickelte, konnten auch die Bürger bei zwei Informationsgängen der Gemeinde erleben.
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Beim Besuch 2012 erhielten rund 80 Teilnehmer von Bernhard Grimm Einblicke in die Fertigung der Spezialöfen und die internationalen Einsatzgebiete.
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Inzwischen hatte sich Michaelis auf dem Gebiet des dezentralen Müllverbrennungs-Spezialofenbaus zu einem international erfolgreichen Unternehmen entwickelt. Weltweit waren bereits mehr als 500 Michaelis-Abfallverbrennungssysteme im Einsatz.
Im Oktober 2015 stand das Unternehmen erneut auf dem Programm.
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Die Teilnehmer konnten sich davon überzeugen, wie weit die Anlagen am eigenen Standort gefertigt und vormontiert werden. Grimm erläuterte zudem die vielfältigen Möglichkeiten, die bei der Verbrennung entstehende Energie für Warmwasser, Dampf, Heizluft, Kälte oder Strom zu nutzen.
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Bereits damals richtete sich der Blick über die reine Abfallentsorgung hinaus. Grimm beschrieb Abfall als mögliche Energie- und Rohstoffquelle und sprach auch die Möglichkeit an, Phosphor aus der Asche der Klärschlammverbrennung zurückzugewinnen.
Phosphor-Recycling gewinnt an Bedeutung
Die Idee hat inzwischen konkrete Formen angenommen. Mit der Novellierung der Klärschlammverordnung 2017 gewann die Rückgewinnung von Phosphor zusätzlich an Bedeutung. Phosphor ist ein wichtiger Pflanzennährstoff und wird insbesondere für die Herstellung von Düngemitteln benötigt. Gleichzeitig können Klärschlämme Schadstoffe enthalten.
Für bestimmte Kläranlagen gelten ab 2029 gesetzliche Pflichten zur Phosphorrückgewinnung. Damit wächst der Bedarf an Verfahren, die den wertvollen Rohstoff aus Klärschlammasche zurückgewinnen.
2026: Neue Anlage in Veitshöchheim geplant
Was 2015 noch als technische Möglichkeit diskutiert wurde, soll nun in Veitshöchheim umgesetzt werden.
Michaelis hat gemeinsam mit Dieter Leimkötter, Geschäftsführer des benachbarten Unternehmens sePura, die Firma Canaphos gegründet. Geplant ist eine neue Verwertungsanlage, in der künftig Phosphor aus der Asche von verbranntem Klärschlamm zurückgewonnen werden soll.
Vorgesehen ist eine Verarbeitungskapazität von bis zu 15.000 Tonnen Klärschlammasche pro Jahr. Der gewonnene Phosphor soll als Düngemittel für die Landwirtschaft genutzt und von Veitshöchheim aus vertrieben werden.
Das Projekt befindet sich derzeit in der Planungs- und Antragsphase. Weitere Anlagen in Deutschland sollen folgen. Nach Angaben der beteiligten Unternehmen könnten dadurch in Veitshöchheim mittelfristig rund 60 Arbeitsplätze entstehen und gesichert werden.
International tätig, regional verwurzelt
Heute beschäftigt Michaelis am Standort Veitshöchheim nach Unternehmensangaben 35 Mitarbeiter und erwirtschaftet einen Jahresumsatz von rund zehn Millionen Euro.
Damit verbindet das Unternehmen internationale Tätigkeit mit regionaler Wertschöpfung. Die Anlagen werden weltweit eingesetzt, zugleich blieb Veitshöchheim Firmensitz und Produktionsstandort.
Mit dem Wachstum steigt auch der Bedarf an Fachkräften. Gesucht werden unter anderem Maurer, Elektriker, Mechatroniker und Schlosser, aber auch Ingenieure und Informatiker.
„Innovationskraft, die hier zu Hause ist“
Für Landrat Thomas Eberth ist Michaelis ein Beispiel für die Stärke des Wirtschaftsstandorts im Landkreis Würzburg.
„Unternehmen wie Michaelis zeigen eindrucksvoll, welches Fachwissen und welche Innovationskraft im Landkreis Würzburg zu Hause sind“, sagt Eberth. „Wer weltweit Lösungen für Umwelt- und Energietechnik entwickelt und gleichzeitig hier vor Ort Arbeitsplätze schafft, stärkt unsere Region nachhaltig. Solche Betriebe sind ein wichtiger Baustein für unsere wirtschaftliche Zukunft.“
Auch die Entwicklung des Unternehmens selbst steht beispielhaft für den Wandel des Standorts: 2005 begann Michaelis in Veitshöchheim mit sechs Mitarbeitern und dem Ziel, eine eigene Fertigung aufzubauen. Über mehrere Expansionsschritte entwickelte sich der Betrieb zu einem international tätigen Umwelttechnik-Spezialisten.
Mit der geplanten Phosphor-Recyclinganlage kommt nun ein weiteres Zukunftsthema hinzu. Aus Klärschlammasche soll ein wertvoller Rohstoff für die Landwirtschaft gewonnen werden.
Damit setzt Michaelis seine Entwicklung konsequent fort: von der Abfallverbrennung über die Nutzung von Energie bis zur Rückgewinnung von Rohstoffen – international erfolgreich und zugleich fest in Veitshöchheim verwurzelt.
5 letzte Fotos Dieter Gürz - Textquellen: PM LRA Wü vom 10.8.26 und eigenes Archiv