Overblog Alle Blogs Top-Blogs Reisen & Veranstaltungen
Edit post Folge diesem Blog Administration + Create my blog
MENU

560 Gäste in den Mainfrankensälen: Kfz-Innung begeisterte mit Rhetorik, Hackern und Humor

Veröffentlicht am von Dieter Gürz

Volles Haus in den Mainfrankensälen: 560 Gäste kamen zum Jahresforum der Kfz-Innung Unterfranken nach Veitshöchheim.

Beste Stimmung und jede Menge Stoff zum Nachdenken: Beim Jahresforum der Kfz-Innung Unterfranken erlebten 560 Gäste in den Mainfrankensälen Veitshöchheim einen ebenso informativen wie unterhaltsamen Abend. Rhetorik-Trainer René Borbonus zeigte, wie Worte ihre Wirkung entfalten. IT-Comedian Tobias Schrödel führte dagegen höchst anschaulich vor Augen, wie schnell Hacker zuschlagen können – und welche Rolle Künstliche Intelligenz dabei inzwischen spielt.


Veitshöchheim wurde zum Treffpunkt der unterfränkischen Kfz-Branche

So voll erlebt man die Mainfrankensäle nicht alle Tage: Rund 560 Gäste waren der Einladung der Kfz-Innung Unterfranken zu ihrem Jahresforum gefolgt. Unternehmer, Führungskräfte und Mitarbeiter aus Autohäusern und Kfz-Werkstätten nutzten den Abend nicht nur, um zwei außergewöhnliche Referenten zu erleben, sondern auch zum persönlichen Austausch.

Schon beim Imbiss zu Beginn im Foyer wurde deutlich: Das Jahresforum ist inzwischen weit mehr als eine Vortragsveranstaltung. Man kennt sich, begrüßt alte Bekannte, knüpft neue Kontakte und spricht darüber, was die Branche bewegt.

Seit 2016 veranstaltet die Kfz-Innung Unterfranken dieses besondere Forum. Nur die Coronajahre 2020 und 2021 sorgten für eine Zwangspause. Nun stand bereits die neunte Auflage auf dem Programm.


Roland Hoier: Ein Abend zum Genießen und Mitnehmen

Entsprechend zufrieden blickte Obermeister Roland Hoier aus Veitshöchheim in den voll besetzten Saal.

Seine Vorstellung von einem gelungenen Jahresforum brachte er auf einen einfachen Nenner: „Wir wollen hier nicht Zahlen und Statistiken wälzen, sondern einen Abend lang genießen, lachen und Impulse für uns persönlich mitnehmen.“

Und dafür hatte die Innung zwei Referenten verpflichtet, die unterschiedlicher kaum sein könnten – und dennoch eines gemeinsam haben: Beide verstehen es, Wissen so zu vermitteln, dass ihr Publikum gerne zuhört.


René Borbonus: Wenn Worte plötzlich Bilder erzeugen

Den Anfang machte René Borbonus. Für den bekannten Rhetorik-Trainer war Veitshöchheim kein unbekanntes Terrain. Nach seinen Vorträgen zu „Respekt“ und „Klarheit“ stand er bereits zum dritten Mal auf der Bühne des Jahresforums.

Diesmal lautete sein Thema: „Die Kraft der Rhetorik“.

Und Borbonus demonstrierte gleich selbst, worauf es dabei ankommt. Eine gute Rede müsse nicht mit komplizierten Formulierungen glänzen. Im Gegenteil: Wer Menschen erreichen wolle, müsse verständlich, konkret und glaubwürdig sein.

Vor allem Geschichten könnten Botschaften transportieren, die im Gedächtnis bleiben. Fünf Kriterien nannte Borbonus für eine erfolgreiche Geschichte: Sie sollte einfach, konkret, glaubwürdig und unerwartet sein – und Emotionen auslösen.


Zeigen kann stärker sein als erklären

Wie wirkungsvoll Kommunikation sein kann, demonstrierte Borbonus mit zahlreichen Beispielen. Statt etwas nur mit vielen Worten zu beschreiben, könne es manchmal wesentlich stärker sein, etwas tatsächlich zu zeigen.

Auch sein Publikum bezog er immer wieder mit ein.

Schon eine einfache Abstimmungsfrage könne Zuhörer aus der passiven Rolle holen. Wer selbst die Hand hebt, beschäftigt sich automatisch mit der gestellten Frage. Aus Zuhörern werden Beteiligte.

Doch eine solche Frage müsse gut vorbereitet sein: Das Ergebnis sollte zumindest grob vorhersehbar, die Frage einfach zu beantworten und trotzdem nicht plump sein.


Humor ja – aber mit Fingerspitzengefühl

Auch Humor gehört für Borbonus zu einer gelungenen Rede. Doch nicht jeder Witz funktioniert bei jedem Publikum.

Sprachwitz kann Nähe schaffen, zu dunkler oder unpassender Humor dagegen Menschen auf Distanz bringen.

Entscheidend sei deshalb ein Gespür für Situation und Publikum.

Ebenso wichtig: der Schluss einer Rede. Denn während manches aus der Mitte eines Vortrags schnell vergessen wird, bleibt der letzte Eindruck besonders lange hängen.

Ein guter Redner überlässt seinen letzten Satz deshalb nicht dem Zufall.


Ein Plädoyer für mehr Zuversicht

Borbonus beließ es nicht bei rhetorischen Techniken. Er warb auch dafür, den Blick stärker auf positive Entwicklungen zu richten.

Gerade in Deutschland werde häufig zuerst darüber gesprochen, was nicht funktioniere. Dabei gebe es weltweit zahlreiche Entwicklungen und Fortschritte, die Anlass zu Zuversicht böten.

Seine Botschaft: Wer gute Stimmung und Zuversicht verbreitet, kann selbst zum Multiplikator werden.

Nachdenkliche Momente, Sprachwitz und immer wieder herzhaftes Lachen im Saal – Borbonus zeigte eindrucksvoll, weshalb ihn die Innung bereits zum dritten Mal nach Veitshöchheim geholt hatte.


Dann ging es direkt ins Darknet

Nach der Rhetorik folgte ein Themenwechsel, der kaum größer hätte sein können.

„Jetzt gehen wir ins Darknet.“

Mit Tobias Schrödel betrat ein Mann die Bühne, der sich selbst als Deutschlands ersten IT-Comedian bezeichnet und Cybersecurity mit Unterhaltung verbindet.

Sein Programm unter dem bekannten Titel „Ich glaube, es h@ckt“ machte schnell deutlich: Cyberkriminalität ist längst keine abstrakte Gefahr mehr, die ausschließlich große Konzerne betrifft.

Auch Autohäuser und Werkstätten verfügen über umfangreiche Kunden-, Fahrzeug- und Unternehmensdaten – und sind damit potenzielle Ziele.


Ein falscher Klick kann reichen

Wie kommen Angreifer überhaupt in ein Firmennetzwerk?

Schrödel zeigte, dass dafür keineswegs immer hochkomplizierte Hackerangriffe erforderlich sind. Oft beginnt alles mit einer E-Mail.

Eine täuschend echte Nachricht, eine minimal veränderte Internetadresse, ein unbedachter Klick – und schon kann die Tür geöffnet sein.

Besonders eindringlich wurde der Vortrag beim Thema Ransomware. Dabei verschlüsseln Angreifer Daten und verlangen anschließend Geld für deren Freigabe.

Noch gefährlicher wird es, wenn zuvor große Datenmengen gestohlen wurden und die Täter zusätzlich mit deren Veröffentlichung drohen.

Schrödels Konsequenz: Technische Schutzmaßnahmen sind wichtig – mindestens ebenso wichtig ist jedoch die Wachsamkeit jedes einzelnen Mitarbeiters.


Was im Darknet mit gestohlenen Daten passiert

Für gespannte Aufmerksamkeit sorgte Schrödels Ausflug ins Darknet.

Er erklärte, wie dieses Netzwerk über Tausende Knoten funktioniert und warum die beteiligten Rechner möglichst wenig voneinander wissen. Gleichzeitig räumte er mit einem verbreiteten Missverständnis auf: Das Darknet sei nicht allein für Kriminelle geschaffen worden.

Die zugrunde liegende Anonymisierung könne beispielsweise Menschen in repressiven Staaten Schutz bieten.

Die andere Seite zeigte Schrödel ebenfalls: gestohlene Daten, Zugangsdaten und illegale Angebote, die dort gehandelt oder veröffentlicht werden.

Anhand realer Beispiele verdeutlichte er, welche Dimensionen Cyberangriffe mittlerweile erreichen können.

Spätestens da dürfte mancher Gast im Saal gedanklich bereits seine eigenen Passwörter überprüft haben.


Das Passwort gehört nicht ins Word-Dokument

Bei Passwörtern wurde Schrödel sehr praktisch.

Ein Passwort einfach in einem ungeschützten Dokument auf dem Computer zu speichern, sei denkbar schlecht. Ebenso problematisch sei es, für zahlreiche Dienste dasselbe Kennwort zu verwenden.

Die wichtigste Regel lautet deshalb: unterschiedliche und sichere Passwörter verwenden.

Doch selbst vermeintlich vertrauten Telefonnummern könne man heute nicht mehr bedenkenlos vertrauen. Absendernummern lassen sich manipulieren, Stimmen mit Hilfe von KI nachahmen.

Sein einfacher Tipp für verdächtige Anrufe: Gespräch beenden und über eine bekannte Telefonnummer selbst zurückrufen.


Was kann Künstliche Intelligenz wirklich?

Damit war Schrödel bei einem Thema angekommen, das derzeit nahezu jede Branche beschäftigt: Künstliche Intelligenz.

Mit verständlichen Beispielen erklärte er, was generative KI eigentlich macht. Sie arbeitet mit statistischen Zusammenhängen und erzeugt auf Grundlage des vorhandenen Kontextes eine wahrscheinlich passende Antwort.

Das Problem: Eine Antwort kann äußerst überzeugend klingen und trotzdem falsch sein.

Schrödel demonstrierte zugleich, wie leistungsfähig die Systeme bereits geworden sind. Bilder erzeugen, Musik komponieren oder Stimmen nachbilden – vieles, was noch vor wenigen Jahren nach Science-Fiction klang, ist heute innerhalb kürzester Zeit möglich.

Angst vor der Technologie allein sei dennoch der falsche Ansatz. Entscheidend seien die Menschen, die sie einsetzen, sowie die Leitplanken, die Betreiber in ihre Systeme einbauen.


Erst „Aha“, dann „Hahaha“

Das Besondere an Schrödels Vortrag war die Mischung. Cyberangriffe, Datendiebstahl und digitale Erpressung sind eigentlich alles andere als lustige Themen.

Doch der Fachinformatiker schaffte es, komplizierte technische Vorgänge verständlich zu erklären und gleichzeitig für zahlreiche Lacher zu sorgen.

So wechselten sich „Aha“- und „Hahaha“-Momente ab – ohne dass die Ernsthaftigkeit des Themas verloren ging.

Der kräftige Applaus im Saal zeigte, dass diese Mischung bei den Gästen ankam.


Premiumpartner und Innungsteam machen den Abend möglich

Ein Jahresforum dieser Größenordnung ist ohne Unterstützung nicht zu stemmen. Hoier dankte deshalb den Premiumpartnern der Kfz-Innung, die die Veranstaltung seit Jahren begleiten.

Sein Dank galt ebenso dem Team der Innung um Geschäftsführer Michael Frank, das für Organisation und Ablauf verantwortlich zeichnete.

Auch für das leibliche Wohl der 560 Gäste war gesorgt. So blieb vor dem Programm und Schluss im Foyer ausreichend Gelegenheit für das, was bei einem Branchentreffen mindestens ebenso wichtig ist wie die Vorträge: persönliche Gespräche.


Ein Abend, von dem mehr als zwei Vorträge bleiben

Nach mehr als drei Stunden Programm stand fest: Dieses Jahresforum war kein Abend mit trockenen Zahlenkolonnen.

Wie spreche ich so, dass andere mir zuhören? Wie schütze ich mein Unternehmen vor Cyberangriffen? Was kann KI – und wann sollte ich ihr besser nicht blind vertrauen?

René Borbonus und Tobias Schrödel lieferten darauf ganz unterschiedliche Antworten. Beide schafften es jedoch, ihre Themen so zu präsentieren, dass die Gäste etwas für ihren beruflichen und persönlichen Alltag mitnehmen konnten.

Genau das macht den Reiz des Jahresforums aus.


2027 wird Jubiläum gefeiert

Und die nächste Ausgabe wirft laut Obermeister Roland Hoier bereits ihre Schatten voraus. Am 30. September 2027 soll das Jahresforum der Kfz-Innung Unterfranken zum zehnten Mal stattfinden.

Nach 560 Gästen bei der diesjährigen Veranstaltung dürfte die Vorfreude auf das Jubiläum schon jetzt groß sein.

Bis dahin bleibt von diesem Abend in den Mainfrankensälen vor allem eine Erkenntnis: Man kann über ernste Herausforderungen sprechen, neue Dinge lernen und dabei trotzdem gemeinsam lachen.


Fotos Dieter Gürz

Kommentiere diesen Post