Veitshöchheim schließt Haushaltsjahr 2024 mit Überschuss ab
Jahresabschluss 2024 einstimmig festgestellt
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Bereits seinen 13. doppischen Haushaltsabschluss konnte Gemeindekämmerer Erich Müller (li.) am Dienstag dem Gemeinderat vorlegen. Müller geht Ende des Jahres in den Ruhestand. Sein Nachfolger Florian Bauer (re.) wurde bereits zum 1. Mai 2026 zur Einarbeitung eingestellt. Müller kam am 1.9.1986 zur Gemeinde Veitshöchheim, um sich als „Verwaltungsfachangestellter“ ausbilden zu lassen. Nach Ablegung der Fachprüfung II im Juli 1993, die vergleichbar mit dem Aufstieg in den gehobenen Dienst ist, trat Müller Anfang 2002 die Nachfolge des pensionierten Kämmerers Manfred Scholz an. Nach Fortbildung zum Verwaltungsbetriebswirt mit Abschluss im Dezember 2005 leitete er bislang einzigartig im Landkreis bei der Gemeinde die Einführung der kaufmännischen Buchführung, sprich Doppik, im Jahr 2011 ein.
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Der Gemeinderat hat den Jahresabschluss 2024 der Gemeinde Veitshöchheim einstimmig festgestellt. Trotz eines schwieriger gewordenen wirtschaftlichen Umfelds konnte die Kommune das Haushaltsjahr mit einem Überschuss von 412.244 Euro abschließen. Bürgermeister Jürgen Götz sprach von einem Ergebnis, das zeige, dass die Gemeinde weiterhin in der Lage sei, ihre Aufgaben zuverlässig zu erfüllen.
Die Bilanzsumme der Gemeinde beläuft sich zum 31. Dezember 2024 auf rund 107,7 Millionen Euro. Das Eigenkapital beträgt mehr als 64 Millionen Euro und macht knapp 60 Prozent der Bilanzsumme aus.
Veitshöchheim bleibt Sonderfall im Landkreis
Bei der Vorstellung des Zahlenwerks erinnerte Götz daran, dass Veitshöchheim als einzige Landkreisgemeinde die kommunale Doppik eingeführt habe. Neben dem Landkreis selbst arbeite nur Veitshöchheim mit diesem kaufmännischen Buchungssystem.
Der Bürgermeister würdigte dabei die Arbeit der Kämmerei. Nach personellen Ausfällen habe die Verwaltung in den vergangenen Monaten mehrere ausstehende Jahresabschlüsse aufgearbeitet. Mit dem nun vorliegenden Abschluss für 2024 sei man wieder auf dem Weg, die Rückstände vollständig abzubauen.
Große Investitionen prägen die Bilanz
Das Anlagevermögen der Gemeinde stieg im vergangenen Jahr auf rund 90,5 Millionen Euro. Verantwortlich dafür waren umfangreiche Investitionen von mehr als acht Millionen Euro.
Zu den größten Projekten zählten der Neubau des Seniorenwohnens in der Würzburger Straße, die Erweiterung der Kindertagesstätten Sandäcker und Kuratie, der Neubau des Kinderhorts Haus VI sowie Maßnahmen im Bereich der Feuerwehr. Hinzu kamen Investitionen in die Infrastruktur, darunter der Mainsteg sowie die Arbeiten an der Lindentalstraße und der Neuen Lände.
Zur Finanzierung wurde unter anderem ein Förderdarlehen über vier Millionen Euro aufgenommen. Der Schuldenstand erhöhte sich dadurch auf rund 12,5 Millionen Euro.
Pflichtaufgaben und freiwillige Leistungen gesichert
Nach Angaben der Verwaltung konnten sämtliche Pflichtaufgaben der Gemeinde im Jahr 2024 erfüllt werden. Gleichzeitig blieben auch die freiwilligen Leistungen weitgehend unangetastet.
So belasteten die Grund- und Mittelschule den Haushalt mit einem Defizit von rund 1,18 Millionen Euro. Für die Kinderbetreuung nach dem Bayerischen Kinderbildungs- und Betreuungsgesetz musste die Gemeinde mehr als 3,26 Millionen Euro aufbringen.
Daneben wurden Einrichtungen und Angebote wie Bücherei, Sing- und Musikschule, Geisbergbad sowie die Vereins- und Sportförderung weiterhin finanziert. Kürzungen seien nicht erforderlich gewesen.
Risiken für die kommenden Jahre
Sorgen bereiten der Gemeinde vor allem die wirtschaftliche Entwicklung und steigende Ausgaben. Im Rechenschaftsbericht werden eine mögliche Konjunkturabschwächung, schwankende Gewerbesteuereinnahmen sowie die Folgen internationaler Krisen als Risiken genannt.
Auch die Kosten für Kinderbetreuung, Personal und den Unterhalt gemeindlicher Gebäude und Straßen steigen kontinuierlich. Der finanzielle Spielraum werde dadurch künftig enger, heißt es im Bericht.
Dennoch kommt die Verwaltung zu dem Schluss, dass Veitshöchheim weiterhin in der Lage sei, die stetige Erfüllung seiner kommunalen Aufgaben sicherzustellen.
Prüfungsbericht liegt vor
Der Gemeinderat nahm außerdem den Bericht des Bayerischen Kommunalen Prüfungsverbandes über die überörtliche Rechnungsprüfung der Jahresabschlüsse 2020 bis 2023 zur Kenntnis.
Die Prüfung umfasste insgesamt 18 Feststellungen. Die zuständigen Fachbereiche der Verwaltung werden diese nun bis Ende September bearbeiten. Die Ergebnisse und die vorgesehenen Maßnahmen sollen dem Gemeinderat im Oktober vorgelegt werden. Anschließend werden die Beschlüsse an das Landratsamt Würzburg als Rechtsaufsichtsbehörde weitergeleitet.
Verwaltung entlastet
Nach Feststellung des Jahresabschlusses sprach der Gemeinderat auch die von Rechnungsprüfer Mark Zenner beantragte Entlastung für Bürgermeister und Verwaltung aus. Zuvor hatte der örtliche Rechnungsprüfungsausschuss die Jahresrechnung geprüft. Beanstandungen, die einer Entlastung entgegenstehen würden, lagen nicht vor.
Was ist die Doppik?
Als Bürgermeister Jürgen Götz bei der Vorstellung des Jahresabschlusses darauf hinwies, dass Veitshöchheim als einzige Gemeinde im Landkreis Würzburg bereits seit 2012 nach den Regeln der Doppik bucht, sorgte dies bei der neuen Grünen-Gemeinderätin Dr. Verena Delle Donne zunächst für eine Nachfrage, was Doppik bedeute. Tatsächlich ist das sogenannte „Neue Kommunale Finanzwesen“ vielen Kommunalpolitikern in Bayern bis heute nicht vertraut.
Das Haushaltsjahr 2012 bedeutet eine Zäsur für die gemeindliche Finanzpolitik. Denn als erste und bis heute einzige im Landkreis führte die Gemeinde Veitshöchheim freiwillig das in der Wirtschaft bewährte System der doppelten Buchführung ein. Die allermeisten Bundesländer haben entsprechend einem Entschluss der Innenministerkonferenz vom November 2004 bereits verbindlich das Doppik genannte „Neue Kommunale Finanzwesen“ eingeführt. Als eine der wenigen Ausnahmen hatte sich Bayern für ein Optionsmodell entschieden und die Einführung seinen Kommunen freigestellt. Denn die Doppik war auch in Veitshöchheim nicht umsonst zu haben und wer nach dem im Freistaat geltenden Konnexitätsprinzip anschafft, muss auch zahlen, was der Freistaat diesbezüglich nicht wollte.
Bereits 2005 hatte der Veitshöchheimer Gemeinderat den Grundsatzbeschluss gefasst, die Kameralistik hinter sich zu lassen. Das bisherige System konzentriert sich vor allem auf die Frage, ob die laufenden Einnahmen ausreichen, um die Ausgaben zu decken. Die Doppik geht deutlich weiter.
Hier werden nicht nur die Geldflüsse wie in der Kameralistik, sondern in der Bilanz auch der Ressourcenverbrauch durch die Darstellung und Veränderung des Vermögens sowie der Schulden abgebildet. Es müssen in der Ergebnisrechnung von Aufwand und Ertrag wie in der Wirtschaft die Abschreibungen und Pensionsrückstellungen erwirtschaftet werden.
"Mörderische" Umstellungsarbeiten
Die Umstellung war mit enormem Aufwand verbunden. Unterstützt von der externen Projektsteuerung arf wurden neue Kontenpläne entwickelt, Teilhaushalte eingerichtet und die bisherige kameralistische Buchführung in das neue System überführt.
Damals musste von Mitarbeitern das Vermögen mittels neuer Software der AKDB akribisch vollständig neu erfasst, der doppische Kontenrahmen mit der Bildung von 19 Teilhaushalten und 65 Produktkonten und eine Umschlüsselungsmatrix zur Überführung der kameralen Haushaltsstellen erstellt und die Budgetierung eingeführt werden. Die im Bauhof bereits eingesetzte Kosten-Leistungsrechnung wurde nach und nach in den folgenden Haushaltsjahren auf weitere Bereiche ausgedehnt werden. Die Umstellung bedeutete einen enormen Schulungsaufwand für die gesamte Verwaltung und auch für den Gemeinderat.
Großes Lob wurde damals dem Kämmerer Erich Müller und seinem Team zuteil. Nach Jahren der Vorbereitung konnte die Kämmerei 2011 die sehr umfangreichen Umstellungs- und Erfassungsarbeiten abschließen und ab Januar 2012 die Doppik mit ihren drei Komponenten Bilanz (Vermögensrechnung), Ergebnisrechnung (Gewinn- und Verlust) sowie Finanzrechnung (Cash Flow) im Echtbetrieb einführen.
Der aktuelle Jahresabschluss 2024 ist inzwischen bereits der 13. doppische Jahresabschluss der Gemeinde. Nach den Worten von Bürgermeister Götz ist Veitshöchheim damit nach wie vor ein „Sonderling“ im Landkreis. Die Doppik verursache zwar mehr Verwaltungsaufwand, ihre drei Komponenten ermöglichen aber einen wesentlich genaueren Blick auf die tatsächliche wirtschaftliche Lage und deutlich aussagekräftigere Informationen über die langfristige finanzielle Entwicklung der Gemeinde.
Foto Dieter Gürz