Von den Philippinen bis nach Mexiko: Warum internationale Pflegekräfte gerne in Veitshöchheim arbeiten
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Der Fachkräftemangel stellt Pflegeeinrichtungen bundesweit vor große Herausforderungen. Auch das Caritas-Seniorenzentrum St. Hedwig in Veitshöchheim bekam die Auswirkungen deutlich zu spüren. Anfang 2024 waren von 94 verfügbaren Pflegeplätzen lediglich 76 belegt – nicht etwa wegen fehlender Nachfrage, sondern weil Pflegekräfte fehlten.
„Wartelisten und dringende Anfragen von Angehörigen gehörten zum Alltag“, erinnert sich Einrichtungsleiterin Barbara Bender. Selbst die Kurzzeitpflege konnte zeitweise nicht im gewünschten Umfang angeboten werden.
Hohe Nachfrage, zu wenig Personal
Die Situation in St. Hedwig steht beispielhaft für einen bundesweiten Trend. Viele Pflegeeinrichtungen kämpfen mit Personalmangel und steigenden Kosten. Zahlreiche Heime und ambulante Dienste mussten ihr Angebot in den vergangenen Jahren einschränken oder sogar ganz aufgeben.
Um die Versorgung langfristig sicherzustellen, setzt die Caritas verstärkt auf internationale Fachkräfte. Von den derzeit 78 Mitarbeitenden in St. Hedwig stammen inzwischen 26 aus sogenannten Drittstaaten. Sie kommen unter anderem aus Indien, den Philippinen, Kenia, China, Afghanistan und Mexiko.
Dank dieser Unterstützung konnte die Zahl der belegbaren Plätze wieder deutlich erhöht werden. Aktuell werden 87 Bewohner versorgt. Weitere Bewerber befinden sich derzeit im Anerkennungsverfahren.
Ein langer Weg nach Deutschland
Bis internationale Pflegekräfte in Deutschland arbeiten können, ist oft Geduld gefragt. Zwischen Anwerbung, Sprachkursen und der Anerkennung der Berufsabschlüsse vergehen häufig bis zu 20 Monate. Hinzu kommt die Suche nach geeignetem Wohnraum.
„Für alle internationalen Fachkräfte konnten wir Gottseidank bislang Wohnungen in Veitshöchheim finden“, berichtet freudig die Heimleitung.
Dass sich die Mühe lohnt, zeigen die Geschichten der Mitarbeitenden selbst.
„Für alte Menschen da sein wie für meine Oma“
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Die 35-jährige Pflegefachkraft Kristel Poblete kam von den Philippinen nach Deutschland. Bereits dort hatte sie einen Deutschkurs absolviert und wurde im Rahmen eines Caritas-Interviews auf die Möglichkeit aufmerksam, in Deutschland zu arbeiten.
Ihr Wunsch war es, neue berufliche und kulturelle Erfahrungen zu sammeln und ein anderes Arbeitsumfeld kennenzulernen – zuvor war sie in einer Kinderklinik sowie als Betriebskrankenschwester tätig.
Im Haus St. Hedwig schätzt sie besonders die Nähe zu den Bewohnern. „Es macht mich glücklich, wenn ich sie lachen sehe. Das gibt mir ein sehr gutes Gefühl, weil ich weiß, dass ich etwas für sie tun kann.“ Für sie ist die Arbeit mehr als ein Beruf. „Ich behandle die Bewohner wie meine eigene Oma. Ich möchte für sie da sein und sie gut versorgen.“
Auch das Arbeitsumfeld empfindet sie als sehr unterstützend. Kollegen helfen ihr beim Spracherwerb und im Arbeitsalltag, ebenso erfährt sie Rückhalt von den Vorgesetzten. „Der Pflegebereich macht mir Spaß, weil ich mich gut fühle, wenn ich anderen helfen kann.“
„Ich wollte immer nach Deutschland“
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Der 27-jährige Pflegefachmann Hector Elizalde Gonzaga aus Mexiko hatte schon lange den Wunsch, in Deutschland zu arbeiten. Über die Caritas informierte er sich intensiv im Internet. „Ich war positiv überrascht, was die Caritas ihren Mitarbeitenden bietet“, erzählt er. Über die Organisation Kolping wurden schließlich alle notwendigen Schritte für seine Einreise und Arbeitsaufnahme vorbereitet.
An seiner Arbeit in St. Hedwig schätzt er vor allem die Zusammenarbeit im Team. „Mir gefällt, dass ich mit Menschen aus verschiedenen Kulturen zusammenarbeiten kann. Außerdem lerne ich jeden Tag etwas Neues über die Pflege in Deutschland.“ Besonders wichtig sei für ihn die Unterstützung der Kollegen beim Erlernen der deutschen Sprache. „Hier arbeitet niemand allein. Wenn ich Hilfe brauche, bekomme ich sie.“
„Den Menschen Liebe und Herz schenken“
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Die 32-jährige Sandra Alvarado Reyes arbeitete zuvor in einem Krankenhaus in Mexiko. Ihr damaliger Arbeitgeber machte sie auf die Möglichkeit aufmerksam, bei der Caritas in Würzburg zu arbeiten.
Heute fühlt sie sich in Veitshöchheim angekommen. „Ich kann hier alten Menschen helfen und sie motivieren, trotz ihrer Erkrankungen nicht aufzugeben und das Leben zu genießen“, sagt sie. Für sie sei die Pflege weit mehr als ein Beruf. „Ich möchte den Bewohnern meine Liebe und mein Herz schenken und für sie da sein. Das gibt meinem Leben Sinn.“
Unterstützung auf dem Weg zur Anerkennung
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Auch die philippinische Pflegefachkraft Grace Galvan kam durch persönliche Empfehlungen nach Deutschland. Ein Freund, der bereits für die Caritas in Nordrhein-Westfalen arbeitete, machte sie auf die Möglichkeiten aufmerksam.
Heute schätzt die 37-Jährige besonders die Unterstützung, die sie während ihres Anerkennungsverfahrens erhielt. „Sowohl die Mitarbeitenden der Caritas-Geschäftsstelle in Würzburg als auch das Team in St. Hedwig haben mich bei allem unterstützt.“
Besonders bereichernd sei für sie der tägliche Austausch mit Kollegen aus vielen Nationen. „Wir lernen gemeinsam die deutsche Sprache und unterstützen uns gegenseitig.“
„Deutschland bietet viele Möglichkeiten“
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Der 30-jährige John Lemuel Samaniego arbeitete bereits auf den Philippinen als Pflegefachkraft, bevor er nach Deutschland kam. Zunächst war er in einer Rehabilitationsklinik in Villingen-Schwenningen beschäftigt.
Der Wunsch, in Deutschland zu arbeiten, bestand schon lange. „Deutschland bietet viele Möglichkeiten – beruflich, aber auch persönlich“, sagt er. Auf das Seniorenzentrum St. Hedwig wurde er durch seine Mutter aufmerksam, die bereits dort arbeitet. „Sie hat mir gezeigt, welche Chancen Deutschland bietet und wie gut die Arbeitsbedingungen hier sind.“
An der Arbeit bei der Caritas schätzt er vor allem die gute Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben. „Die Work-Life-Balance ist sehr gut. Das sorgt für mehr Lebensqualität.“ Im Haus St. Hedwig fühlt er sich besonders durch das Arbeitsumfeld wohl. „Die Kollegen sind sehr hilfsbereit und freundlich. Außerdem gehen die Vorgesetzten auf Wünsche und Anliegen der Mitarbeitenden ein.“
Der Glaube gab den Ausschlag
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Vor knapp drei Jahren kam die heute 31-jährige Pflegefachkraft Rosa Isela Vilchis Gomez über das Kolping-Programm „Hallo Salud“ nach Würzburg. Dort absolvierte die Mexikanerin zunächst einen Sprachkurs, bevor ihr eine Stelle bei der Caritas angeboten wurde.
Für ihre Entscheidung spielte neben den beruflichen Perspektiven vor allem ein persönlicher Aspekt eine wichtige Rolle. „Für mich und meine Familie ist der katholische Glaube sehr wichtig. Deshalb war es für mich etwas Besonderes, bei der Caritas arbeiten zu können.“
Im Seniorenzentrum St. Hedwig habe sie von Anfang an große Unterstützung erfahren. „Gerade in der schwierigen Anfangszeit haben mir das Team von St. Hedwig und die Mitarbeitenden der Caritas-Entwicklungsgesellschaft sehr geholfen.“ Besonders schätzt sie die Zusammenarbeit im Team und den Austausch mit Kollegen aus unterschiedlichen Ländern. „Wir lernen voneinander und können gleichzeitig unsere Sprachkenntnisse verbessern.“
Die Unterstützung endete auch nach ihrer Ankunft nicht. Sowohl die Caritas-Entwicklungsgesellschaft als auch das Seniorenzentrum begleiteten sie auf dem Weg bis zur Anerkennung ihres Berufsabschlusses. Inzwischen blickt sie bereits auf den nächsten Karriereschritt: Seit April absolviert sie eine Weiterbildung zur Praxisanleiterin und möchte künftig neue Pflegekräfte auf ihrem Weg begleiten.
Internationale Vielfalt stärkt die Pflege
Die Geschichten von Kristel Poblete, Hector Elizalde Gonzaga, Sandra Alvarado Reyes, Grace Galvan, John Lemuel Samaniego und Rosa Isela Vilchis Gomez zeigen, wie vielfältig die Wege nach Veitshöchheim sind. Trotz unterschiedlicher Herkunftsländer verbindet sie ein gemeinsames Ziel: Menschen zu helfen und sich beruflich weiterzuentwickeln.
Für das Seniorenzentrum St. Hedwig sind internationale Fachkräfte längst unverzichtbar geworden. Sie sichern nicht nur die Versorgung der Bewohner, sondern bringen auch neue Perspektiven, Erfahrungen und kulturelle Vielfalt in den Arbeitsalltag ein.
Was als Antwort auf den Fachkräftemangel begann, ist heute ein Beispiel dafür, wie Integration, Teamgeist und professionelle Pflege erfolgreich zusammenwirken.
Fotos: Pflegekräfte Silvia Rothmann-Baer + Foto 1 Dieter Gürz