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Auf den Spuren der Götter und Fürstbischöfe – Führung durch den Rokokogarten begeisterte

Veröffentlicht am von Dieter Gürz


Sylvia Oelwein ließ Geschichte, Mythologie und Rokoko lebendig werden

Eine Reise durch mehr als 250 Jahre Gartenkunst und bis in die Welt der griechischen Mythologie unternahmen die Teilnehmer der Themenführung von Sylvia Oelwein durch den Veitshöchheimer Rokokogarten. Anlässlich des Ehrentags zum Geburtstag des Grundgesetzes führte die Gästeführerin ihre Besucher zu bekannten und weniger bekannten Plätzen der historischen Anlage und zeigte, dass sich hinter nahezu jeder Statue und jedem Weg eine tiefere Bedeutung verbirgt.

Bereits der Empfang vor dem Schloss machte deutlich, dass der Rokokogarten weit mehr ist als ein kunstvoll gestalteter Landschaftspark. Oelwein spannte den Bogen von der Entstehung der Anlage unter Fürstbischof Adam Friedrich von Seinsheim bis hin zu den Ideen, die seiner Gestaltung zugrunde liegen.

Dabei erinnerte sie auch an Luise von Schöning, die sich im 19. Jahrhundert für den Erhalt des Gartens engagierte und damit wesentlich dazu beitrug, dass die Anlage bis heute in ihrer Schönheit erhalten geblieben ist.


Mythologie als roter Faden

Im Mittelpunkt der Führung stand die griechische Mythologie, die sich wie ein roter Faden durch den gesamten Garten zieht.

Anhand der Figuren erläuterte Oelwein die Geschichten von Clio, der Muse der Geschichte, von Demeter und Persephone, von Apollon und Daphne sowie zahlreichen weiteren Gestalten der Antike. Dabei machte sie deutlich, dass die Figuren nicht nur dekorativen Charakter besitzen, sondern Teil eines durchdachten Gesamtkonzeptes sind.

Besonders eindrucksvoll war die sogenannte Dreieckszone, die Oelwein als symbolischen Lebensweg interpretierte. Hier stehe jede Figur für eine Lebensphase oder menschliche Erfahrung – von Lernen und Erkenntnis über Versuchung und Reife bis hin zum Streben nach Vollkommenheit. Immer wieder lud sie die Teilnehmer ein, die Anordnung der Figuren selbst zu deuten und ihre Beziehungen untereinander zu entdecken.


Musik, Genuss und höfisches Leben

Nicht nur die Mythologie, sondern auch das höfische Leben des 18. Jahrhunderts wurde während der Führung lebendig. So erfuhren die Besucher, dass die Pavillons einst Orte festlicher Mahlzeiten waren und an den kunstvoll gestalteten Quellplätzen Getränke gereicht wurden.

Auch Musik gehörte selbstverständlich zum Leben im Rokokogarten. Anschaulich schilderte Oelwein, wie Flötenklänge und andere Instrumente die Feste der Fürstbischöfe begleiteten und den Garten mit Leben erfüllten.

Ein weiterer Höhepunkt war das große Rondell, auf dem einst die elegante Contre Danse getanzt wurde. Mit viel Humor erklärte die Gästeführerin die Besonderheiten dieses Gesellschaftstanzes, der wegen seiner vergleichsweise ruhigen Bewegungen selbst nach einem guten Glas Frankenwein noch problemlos getanzt werden konnte.


Viele verborgene Botschaften

Während des Rundgangs lenkte Oelwein den Blick immer wieder auf Details, die Spaziergängern häufig verborgen bleiben. Die Besucher erfuhren von den Fabeltieren Jean de la Fontaines in der Heckenzone, vom ehemaligen Heckentheater, von verschwundenen Bauwerken wie dem Poseidontempel und von den zahlreichen Symbolen, die den Garten zu einem steinernen Bilderbuch machen.

Dabei wurde deutlich, dass die Anlage weit mehr ist als ein barocker Lustgarten. Natur, Architektur, Skulpturen und Mythologie verschmelzen zu einem Gesamtkunstwerk, das bis heute zum Entdecken und Nachdenken einlädt.


Garten mit neuen Augen gesehen

Am Ende der rund einstündigen Führung waren sich die Teilnehmer einig, dass sie den Rokokogarten künftig mit anderen Augen betrachten werden. Aus scheinbar bekannten Wegen, Hecken und Figuren waren Geschichten geworden – über antike Götter, menschliche Tugenden und die Ideenwelt des 18. Jahrhunderts. Sylvia Oelweins lebendige Erzählweise machte aus dem Spaziergang eine spannende Zeitreise, die eindrucksvoll zeigte, wie viel Geschichte und Symbolik in der Veitshöchheimer Gartenanlage verborgen liegt

Seit Jahrzehnten mit dem Rokokogarten verbunden

Dass Sylvia Oelwein die Geschichte und Symbolik des Rokokogartens so lebendig vermitteln kann, kommt nicht von ungefähr. Vielen Veitshöchheimern ist sie noch als federführende Organisatorin des großen Rokokogartenfestes im Jahr 1997 in Erinnerung. Unter dem Motto „Wandeln durch die Vergangenheit – Ein Park erwacht zum Leben“ wurde damals im Rahmen der 900-Jahr-Feier der Gemeinde die Welt des Rokoko eindrucksvoll wieder lebendig.

Mit Theater, Pantomime, Musik, historischen Tänzen, Lesungen, Begegnungen mit Persönlichkeiten der damaligen Zeit und kulinarischen Spezialitäten verwandelte sich der Hofgarten für ein Wochenende in eine Bühne des 18. Jahrhunderts. Das außergewöhnliche Fest lockte tausende Besucher an und fand weit über die Region hinaus große Beachtung.

Diese langjährige Beschäftigung mit der Geschichte des Rokokogartens spiegelt sich auch in Oelweins heutigen Führungen wider. Mit großer Sachkenntnis und viel Begeisterung verbindet sie historische Fakten, griechische Mythologie und die Gedankenwelt des Fürstbischofs Adam Friedrich von Seinsheim zu einer lebendigen Zeitreise, die den Veitshöchheimer Rokokogarten aus einer völlig neuen Perspektive erleben lässt.

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