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Historisches Foto weckt Erinnerungen an die zerstörte Kaskade im Veitshöchheimer Hofgarten

Veröffentlicht am von Dieter Gürz

Ein wiederentdecktes Bild führt zurück zu einem der größten Kulturverluste Veitshöchheims

Es ist nur ein altes Schwarz-Weiß-Foto – und doch erzählt es ein bedeutendes Stück Veitshöchheimer Geschichte. Der ehemalige Kulturreferent des Gemeinderates Bernhard von der Goltz hat dieser Tage Veitshöchheim News eine historische Aufnahme der längst verschwundenen Kaskade an der östlichen Hofgartenmauer entlang der Echterstraße überlassen. Er selbst erhielt das Bild von einer Bekannten.

Die Fotografie zeigt ein Bauwerk, das über anderthalb Jahrhunderte zu den herausragenden Sehenswürdigkeiten des Veitshöchheimer Hofgartens gehörte.

Heute erinnern nur noch einige Säulen an dieses außergewöhnliche Kunstwerk.

Das wiederentdeckte Foto bietet deshalb Anlass, die Geschichte der Kaskade und die seit Jahrzehnten immer wieder geführte Diskussion über ihre mögliche Wiederherstellung erneut in Erinnerung zu rufen. Hilfestellung leisteten dabei die seit 1993 erstellten, auf einer Festplatte gespeicherten Presseberichte.

Teil I befasst sich mit der Geschichte der Kaskade und ihre Zerstörung 1945.

Im Teil 2 folgt die Geschichte der Wiederaufbauinitiativen – von der Gründung des „Freundeskreises Kaskade Veitshöchheim“ 1997 über die Vorstöße von Christian Will, Manfred Ach, Gerhard Hartmann und Dr. Martina Edelmann bis zu Markus Söders Besuch beim Bayerischen Schlössertag 2014 und der bis heute offenen Frage einer Rekonstruktion.

Teil 3  ruft anschließend an hand der Aufzeichnungen von Pfarrer Professor Dr. Heinrich Fleckenstein die dramatischen letzten Kriegstage in Veitshöchheim, die Bombenangriffe auf den Rangierbahnhof sowie die kampflose Übergabe des Ortes am 6. April 1945 in Erinnerung.


TEIL 1

Eine der bedeutendsten Wasserkünste des Hofgartens

Foto Gundermann  aus der Zeit 1920 bis 1935

Als Fürstbischof Adam Friedrich von Seinsheim in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts den Veitshöchheimer Hofgarten großzügig erweitern ließ, entstand eine der schönsten Rokokogartenanlagen Europas. Zu ihren Glanzpunkten zählte neben dem Parnass die zwischen 1772 und 1773 errichtete Kaskade an der östlichen Gartenmauer.

Mit der Planung wurde der Würzburger Bauamtmann Johann Philipp Geigel beauftragt. Für die kunstvollen Stuckarbeiten zeichnete Materno Bossi verantwortlich, während die lebensgroßen Sandsteinfiguren aus der Werkstatt des berühmten Hofbildhauers Johann Peter Wagner stammten.

Entstanden war weit mehr als ein künstlicher Wasserfall. Die Anlage verband Architektur, Bildhauerkunst und Wasserspiel zu einem eindrucksvollen Gesamtkunstwerk. Gleichzeitig bildete sie den architektonischen Abschluss der Mittelachse des Hofgartens und setzte eine natürliche Quelle wirkungsvoll in Szene.


Neptun beherrschte das monumentale Bauwerk

Im Mittelpunkt der klassizistischen Tuffsteinarchitektur stand der Meeresgott Neptun. Ihn umgaben zwölf Quell- und Naturgottheiten, die den Ursprung des Wassers symbolisierten. Von hier aus begann der Lauf des Wassers durch den gesamten Hofgarten.

Die Kaskade erstreckte sich über rund 32 Meter entlang der Gartenmauer. Vor der eigentlichen Grotten- und Nischenarchitektur erhoben sich 42 Säulen, die der Anlage ihre beeindruckende räumliche Wirkung verliehen.

Über den drei großen Grotten befanden sich die Figurengruppen. In der Mitte thronte Neptun mit zwei Flussgöttern. Links schloss sich die Jagdgöttin Diana mit ihren Begleiterinnen an, rechts der Hirtengott Pan mit zwei Satyrn. Etwas abgesetzt ergänzten Apollo, Venus, Ceres und Pomona das Figurenprogramm.

Die Kaskade war damit weit mehr als ein dekoratives Gartenelement. Sie stellte das Wasser als lebensspendende Kraft in den Mittelpunkt und verband Mythologie, Architektur und Natur auf einzigartige Weise.


Ein Kleinod von europäischem Rang

Kunsthistoriker zählen die Veitshöchheimer Kaskade zu den außergewöhnlichsten Gartenarchitekturen des süddeutschen Rokoko. Ihre Verbindung aus künstlicher Ruinenarchitektur, Wasserspiel und monumentalem Figurenschmuck war im fränkischen Raum einzigartig.

Gemeinsam mit dem Parnass bildete sie den Höhepunkt der Wasserkünste des Hofgartens. Besucher, die die Mittelachse entlangschritten, blickten unmittelbar auf das monumentale Bauwerk. Es bildete den eindrucksvollen Abschluss der gesamten Gartenanlage.

Noch Jahrzehnte nach ihrer Entstehung wurde die Kaskade in Reisebeschreibungen, Zeichnungen und später auf zahlreichen Postkarten festgehalten. Historische Fotografien zeigen, welche Wirkung dieses Bauwerk bis weit ins 20. Jahrhundert hinein entfaltete.


Das Ende kam wenige Tage vor Kriegsende

Fast 170 Jahre überstand die Kaskade Kriege und politische Umbrüche. Erst in den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs wurde sie Opfer der Kampfhandlungen.

Am Karsamstag, dem 31. März 1945, griffen alliierte Bomber erneut die Bahnanlagen bei Würzburg-Zell und Veitshöchheim an. Ziel der Bombardierung war der unmittelbar hinter der Hofgartenmauer verlaufende Rangier- und Verschiebebahnhof.

Eine Bombe verfehlte ihr eigentliches Ziel und traf die Kaskade mit voller Wucht. Innerhalb weniger Sekunden wurde eines der bedeutendsten Kunstwerke des Hofgartens vollständig zerstört.

Von den monumentalen Sandsteinfiguren blieb nahezu nichts erhalten. Auch die Tuffsteinarchitektur zerbarst.

Nur einzelne Säulen sowie wenige Architektur- und Skulpturfragmente konnten später geborgen werden.


Nur noch wenige Zeugnisse erinnern an das Bauwerk

Wer heute den östlichen Bereich des Hofgartens besucht, entdeckt lediglich einige wieder aufgestellte Säulen und wenige originale Fragmente.

Eine Informationstafel zeigt ein historisches Foto der ehemaligen Kaskade und vermittelt einen Eindruck von ihrer einstigen Größe.

Die erhaltenen Reste werden heute sorgfältig in Veitshöchheim sowie in der Orangerie der Bayerischen Schlösserverwaltung in Würzburg aufbewahrt. Sie sind die letzten materiellen Zeugnisse eines Bauwerks, das über Generationen hinweg zu den prägenden Sehenswürdigkeiten des Hofgartens gehörte.

Doch die Zerstörung der Kaskade war nur ein Teil der dramatischen Ereignisse, die sich in den letzten Kriegstagen in Veitshöchheim abspielten. Zeitzeugenberichte schildern eindrucksvoll, wie Bombenangriffe, Artilleriebeschuss und schließlich die kampflose Übergabe an die amerikanischen Truppen den Ort im Frühjahr 1945 prägten (siehe Teil 3)

 

TEIL 2

Die Kaskade lebt in den Erinnerungen weiter – und in der Hoffnung auf eine Rückkehr

Bereits in den 1990er Jahren entstand eine neue Initiative

Mehr als fünf Jahrzehnte nach der Zerstörung der Kaskade erhielt das Thema neuen Auftrieb. Im Vorfeld der 900-Jahr-Feier Veitshöchheims im Jahr 1997 wollte Bürgermeister Rainer Kinzkofer die Aufmerksamkeit nicht nur auf die Geschichte der Gemeinde, sondern auch auf eines ihrer bedeutendsten verlorenen Kulturdenkmäler lenken.

Bei einem Treffen im Rathaus im November 1996 entstand gemeinsam mit dem damaligen CSU-Landtagsabgeordneten Christian Will, dessen Nachfolger Manfred Ach, Gemeinderatsmitglied Kurt Adelmann und der Kulturreferentin Dr. Martina Edelmann die Idee, einen parteiunabhängigen „Freundeskreis Kaskade Veitshöchheim“ ins Leben zu rufen.

Ziel war es, die Rekonstruktion der historischen Anlage wieder auf die politische Tagesordnung zu setzen und gleichzeitig die Bevölkerung für dieses außergewöhnliche Kulturerbe zu sensibilisieren.


Ein Vortrag wurde zur Geburtsstunde des Förderkreises

Den Auftakt bildete am 14. April 1997 ein Vortrag der Archäologin Dr. Martina Edelmann in den Mainfrankensälen. Mehr als 110 Besucher informierten sich über Geschichte, Aufbau und kunsthistorische Bedeutung der Kaskade.

Anhand historischer Pläne, Fotografien, Rechnungen aus der Bauzeit, alter Beschreibungen sowie Tonmodelle aus der Werkstatt Johann Peter Wagners zeichnete sie das Bild einer Anlage nach, die einst zu den bedeutendsten Schöpfungen der fränkischen Rokokokunst gehörte.

Sie erläuterte den Aufbau der rund 32 Meter langen Anlage mit ihren 42 Säulen, den Grotten, den monumentalen Figurengruppen und ihrer Funktion als Quelle der Wasserkünste des Hofgartens.

Die Resonanz war groß. Noch am selben Abend erklärten mehr als 20 Besucher ihren Beitritt zum neu gegründeten Förderkreis.


Spenden sammeln und Grundlagen schaffen

Der Freundeskreis verfolgte mehrere Ziele. Zum einen sollten Spenden und Sponsorengelder eingeworben werden, um dem Freistaat die große Unterstützung in der Bevölkerung zu demonstrieren. Zum anderen sollte die wissenschaftliche Grundlage für eine mögliche Rekonstruktion geschaffen werden.

Dazu gehörte die Erfassung und Vermessung aller noch vorhandenen Architektur- und Skulpturreste ebenso wie die Auswertung historischer Quellen und Fotografien. Gleichzeitig wollte der Förderkreis die Öffentlichkeit über die ursprüngliche Gestaltung des Hofgartens informieren und die Diskussion über die Zukunft der Kaskade fördern.

Auch Veranstaltungen des Jubiläumsjahres 1997 – darunter die Nachtmusik im Hofgarten im Rahmen des Würzburger Mozartfestes

sowie das Rokokofest – sollten dazu beitragen, finanzielle Mittel für das Projekt zu gewinnen.


Hoffnung auf Unterstützung aus München

Die Initiatoren hofften auf eine Signalwirkung. Wenn sich vor Ort genügend Unterstützung und finanzielle Beteiligung zeigten, sollte auch der Freistaat Bayern zum Handeln bewegt werden.

Landtagsabgeordneter Manfred Ach sagte damals zu, sich für zusätzliche Mittel aus dem Kulturfonds einzusetzen. Christian Will übernahm den Vorsitz des Freundeskreises.

Trotz des großen Engagements blieb der erhoffte Durchbruch jedoch aus.


Immer wieder Thema der Landespolitik

Auch in den folgenden Jahren riss die Diskussion nicht ab.

1999 besuchte Kultusminister Hans Zehetmair den Veitshöchheimer Hofgarten. Dabei wurde vereinbart, zunächst alle verfügbaren Quellen zur Kaskade wissenschaftlich auszuwerten und die vorhandenen Fragmente vollständig zu dokumentieren.

2002 griff der SPD-Landtagsabgeordnete Gerhard Hartmann das Thema erneut auf. Er appellierte an Finanzminister Prof. Dr. Kurt Faltlhauser, die Rekonstruktion der Kaskade endlich in Angriff zu nehmen. Sollte ein originalgetreuer Wiederaufbau nicht möglich sein, regte Hartmann alternativ einen Künstlerwettbewerb für eine zeitgemäße Neugestaltung an.

Zur Begründung verwies er auf vergleichbare Restaurierungsprojekte in Bayreuth und München, für die der Freistaat erhebliche Mittel bereitgestellt hatte.

Das Finanzministerium lehnte den Vorstoß jedoch mit Hinweis auf die angespannte Haushaltslage ab. Neue Projekte seien derzeit nicht finanzierbar.

Hartmann zeigte sich mit dieser Antwort nicht zufrieden und verwies darauf, dass gleichzeitig an anderer Stelle Millionenbeträge für Kulturprojekte bereitgestellt würden. Für ihn blieb unverständlich, warum ausgerechnet eines der bedeutendsten Kunstwerke des Veitshöchheimer Hofgartens keine Perspektive erhielt.


Markus Söder zeigte sich gesprächsbereit

Auch beim Bayerischen Schlössertag im Juli 2014 wurde das Thema erneut angesprochen. Der damalige Finanz- und Heimatminister Markus Söder eröffnete die Veranstaltung im Veitshöchheimer Hofgarten und bezeichnete die Anlage als einen Garten von europäischem Rang. Er würdigte die umfangreichen Investitionen des Freistaats in den vergangenen Jahren – von der Erneuerung des Schlossparterres über die Pflege der Alleen bis zur Sanierung historischer Wasserläufe.

Bei einem Rundgang nutzten der neugewählte Bürgermeister Jürgen Götz und Kulturreferentin Dr. Martina Edelmann die Gelegenheit, sich erneut für eine Rekonstruktion der 1945 zerstörten Kaskade einzusetzen.

Söder zeigte sich nach den damaligen Berichten offen für das Anliegen. Konkrete Planungen oder Finanzierungszusagen folgten allerdings auch diesmal nicht.


Ein leeres Stück Garten erzählt Geschichte

Heute gehen jedes Jahr Tausende Besucher durch den Veitshöchheimer Hofgarten. Nur die wenigsten ahnen, dass sich an der östlichen Gartenmauer einst eines der eindrucksvollsten Bauwerke der gesamten Anlage befand.

Die wenigen erhaltenen Säulen und Fragmente lassen die Dimension des Verlustes nur erahnen. Umso wichtiger sind historische Fotografien wie jene Aufnahme, die Bernhard von der Goltz jetzt Veitshöchheim News zur Verfügung gestellt hat. Sie machen sichtbar, was längst verschwunden ist.


Die Diskussion bleibt aktuell

Die Voraussetzungen für eine Rekonstruktion sind heute günstiger als noch vor Jahrzehnten. Historische Pläne, Fotografien, wissenschaftliche Untersuchungen und die erhaltenen Fragmente liegen vor. Auch moderne Techniken der digitalen Rekonstruktion eröffnen neue Möglichkeiten, ein solches Projekt fundiert vorzubereiten.

Ob die Kaskade eines Tages tatsächlich wieder an ihrem ursprünglichen Platz entstehen wird, kann heute niemand vorhersagen. Sicher ist jedoch: Sie gehört zu den bedeutendsten Verlusten des Veitshöchheimer Hofgartens und damit zu den wichtigsten noch offenen Aufgaben der fränkischen Denkmalpflege.

Das jetzt wiederentdeckte historische Foto erinnert eindrucksvoll daran, was Veitshöchheim am 31. März 1945 verloren hat. Zugleich macht es deutlich, dass die Geschichte der Kaskade bis heute nicht abgeschlossen ist. Solange ihre Erinnerung lebendig bleibt, bleibt auch die Hoffnung bestehen, dass dieses außergewöhnliche Meisterwerk der Rokokogartenkunst eines Tages zumindest in Teilen wieder sichtbar werden könnte.

TEIL 3

Die letzten Kriegstage in Veitshöchheim: Als Bomben den Hofgarten verwüsteten

Pfarrer Heinrich Fleckenstein hielt das Geschehen für die Nachwelt fest

Wie dramatisch sich die letzten Tage des Zweiten Weltkriegs in Veitshöchheim abspielten, ist vor allem den Aufzeichnungen des damaligen Ortspfarrers Professor Dr. habil. Heinrich Fleckenstein zu verdanken. Der Geistliche wirkte von 1943 bis 1946 in der Pfarrei und dokumentierte wie viele seiner Amtsbrüder die Ereignisse der letzten Kriegswochen mit großer Genauigkeit.

Veröffentlicht wurden seine Erinnerungen im Jahr 2005 in dem vom Diözesanarchiv Würzburg herausgegebenen Buch „Kirche in Trümmern? Krieg und Zusammenbruch 1945“. Seine Schilderungen vermitteln ein eindrucksvolles Bild davon, unter welchem Druck die Bevölkerung in den letzten Kriegstagen stand.


Der Rangierbahnhof war das eigentliche Angriffsziel

Im Frühjahr 1945 gehörte der Rangier- und Verschiebebahnhof Würzburg-Zell/Veitshöchheim zu den wichtigen militärischen Zielen der Alliierten. Über die Bahnanlagen wurden noch immer Truppen und Nachschub transportiert. Deshalb geriet der Bereich mehrfach ins Visier alliierter Bomber.

Pfarrer Fleckenstein berichtet von zwei schweren Luftangriffen während der Karwoche 1945 – am Montag und am Karsamstag.

Die erste Angriffswelle am Montag verfehlte zunächst den Bahnhof und traf Weinberge, Felder sowie zwei Häuser hinter dem Friedhof. Die nachfolgenden Bombenteppiche gingen unmittelbar rechts und links des Bahnkörpers nieder. Zehn Wohnhäuser wurden zerstört, zahlreiche weitere beschädigt. Auch der Hofgarten blieb von den Druckwellen und Bombentreffern nicht verschont.

Im Ort kamen acht Einwohner ums Leben. Hinzu kamen 18 gefallene Soldaten.


Die Kaskade fiel dem Bombenangriff zum Opfer

Noch schwerer traf Veitshöchheim der Angriff am Karsamstag, dem 31. März 1945.

Während die meisten Bomben erneut den Bahnbereich treffen sollten, schlug eine Bombe unmittelbar im Bereich der östlichen Hofgartenmauer ein und vernichtete die Kaskade vollständig.

Innerhalb weniger Augenblicke verschwand eines der bedeutendsten Kunstwerke des Veitshöchheimer Hofgartens. Die monumentale Tuffsteinarchitektur brach zusammen, die Sandsteinfiguren wurden zerschmettert. Von der einstigen Anlage blieben nur wenige Fragmente zurück.

Gleichzeitig wurden im Ortsbereich drei Wohnhäuser vollständig zerstört, zahlreiche weitere schwer beschädigt. Fünf Menschen verloren an diesem Tag ihr Leben.


Tage und Nächte in den Kellern

Die Bevölkerung lebte inzwischen in ständiger Angst vor weiteren Angriffen.

Pfarrer Fleckenstein berichtet, dass sich die Menschen vom Karsamstag bis weit nach Ostern nahezu ununterbrochen in Kellern, kleinen Weinbergshäuschen oder den umliegenden Wäldern aufhielten.

Auch das Pfarrhaus blieb nicht verschont. Bereits am 26. März wurden fast sämtliche Fensterscheiben zerstört, das Dach verlor einen großen Teil seiner Ziegel. Im Pfarrgarten detonierte eine Bombe unmittelbar vor dem Hoftor und riss ein rund zehn Meter langes Stück der Umfassungsmauer ein.

Die Pfarrkirche erlitt dagegen vergleichsweise geringe Schäden. Einige Fensterscheiben zerbarsten, mehrere Dachziegel wurden beschädigt.


Artilleriebeschuss kurz vor Kriegsende

Doch selbst nach den Luftangriffen kehrte keine Ruhe ein.

Am Donnerstag vor der Besetzung begann gegen elf Uhr ein zweistündiges Artilleriebombardement auf den Ort. Zahlreiche Wohnhäuser wurden erneut beschädigt. Eine auswärtige Flakhelferin kam auf offener Straße ums Leben.

Auch in der folgenden Nacht setzte sich der Beschuss fort. Besonders die Häuser in der Nähe der Bahnanlagen litten unter den Einschlägen.

Die Einwohner wussten inzwischen, dass sich amerikanische Truppen bereits auf der gegenüberliegenden Mainseite befanden. Gleichzeitig wurden die Forderungen der Bevölkerung nach einer kampflosen Übergabe immer lauter.


Mut zur Vernunft rettete den Ort

Während im benachbarten Margetshöchheim bereits weiße Fahnen gehisst worden waren, erhielten die verbliebenen deutschen Einheiten in Veitshöchheim noch den Befehl, den Ort bis zum letzten Mann zu verteidigen.

Wie später auch der Ortschronist Thomas Struchholz schilderte, wurde dieser Befehl jedoch nur noch halbherzig umgesetzt.

Am Freitag, dem 6. April 1945, setzten amerikanische Soldaten vom gegenüberliegenden Mainufer mit einem Schelch nach Veitshöchheim über. Beim stellvertretenden Bürgermeister Sebold begannen Verhandlungen über die Übergabe des Ortes.

An mehreren Häusern wehten inzwischen weiße Fahnen – für ihre Besitzer durchaus ein riskantes Zeichen. Noch immer bestand die Gefahr, von fanatischen Angehörigen der SS wegen angeblicher Feigheit erschossen zu werden.

Schließlich ergaben sich die verbliebenen deutschen Truppenteile nördlich der Eremitenmühle sowie südlich des Dorfes. Ihnen wurde freier Abzug ohne Waffen oder die Kapitulation angeboten.

Mit dieser Entscheidung blieb Veitshöchheim ein weiterer Beschuss erspart. Nach den späteren Schilderungen hätte die amerikanische Artillerie andernfalls den Ort vermutlich innerhalb kurzer Zeit unter schweres Feuer genommen.


Ein Neuanfang zwischen Not und Hoffnung

Am Nachmittag des 6. April 1945 war der Krieg für Veitshöchheim beendet.

Amerikanische Truppen besetzten unter anderem die Schule, die damalige Staatliche Lehranstalt für Obst-, Wein- und Gartenbau sowie mehrere Gasthäuser. In den folgenden Wochen verschärfte sich allerdings die Wohnungsnot erheblich. Neben den Einheimischen mussten zahlreiche ausgebombte Würzburger und Flüchtlinge untergebracht werden.

Trotz aller Entbehrungen zog Pfarrer Fleckenstein am Ende seiner Aufzeichnungen ein bemerkenswertes Fazit. Dankbar stellte er fest, dass Kirche, Pfarrhaus, Martinskapelle und Bilhildisheim trotz erheblicher Dach- und Fensterschäden keine irreparablen Zerstörungen erlitten hatten.

Sein Wunsch am Ende des Krieges wirkt auch mehr als acht Jahrzehnte später noch eindrucksvoll: Es möge gelingen, nicht nur die materiellen Schäden, sondern auch die weit größeren moralischen Folgen des Krieges nach und nach zu überwinden.

Die zerstörte Kaskade blieb jedoch ein sichtbares Mahnmal dieser letzten Kriegstage. Seitdem beschäftigt ihre mögliche Wiederherstellung Generationen von Kommunalpolitikern, Denkmalpflegern und engagierten Bürgern – eine Geschichte, die bereits wenige Jahrzehnte nach Kriegsende neue Impulse erhielt.

Fotos Dieter Gürz

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