Veitshöchheim trauert um Ursula „Ursel“ Heidinger
/https%3A%2F%2Fimages.mgpd.de%2Fimg%2F114209205%2Fcrop%2Fc16_9-w1200%2F1102888669%2F1215339792%2F2020b.jpg)
Veitshöchheim trauert um Ursula „Ursel" Heidinger: Abschied von einer prägenden Persönlichkeit
Über Jahrzehnte prägte Ursula Heidinger die Seniorenarbeit in Veitshöchheim maßgeblich. Ihre Initiativen veränderten das soziale Leben. Ein Nachruf.
Link auf Mainpost-Online vom 12.5.2026
/image%2F1394268%2F20260511%2Fob_696d4b_2020a.jpg)
Veitshöchheim nimmt Abschied von einer Frau, die das gesellschaftliche, soziale und kulturelle Leben der Gemeinde über Jahrzehnte hinweg entscheidend mitgeprägt hat: Die langjährige Gemeinderätin, Seniorenreferentin und frühere Vorsitzende des Verkehrs- und Gewerbevereins Ursula „Ursel“ Heidinger ist am Freitag, 8. Mai 2026, im Alter von 84 Jahren verstorben.
Von der Vertreibung nach Veitshöchheim
Das Leben von Ursula Heidinger war geprägt von Tatkraft, Durchhaltevermögen und großem sozialem Engagement. Geboren wurde sie 1941 im Sudetenland. Bereits als Fünfjährige wurde sie 1946 gemeinsam mit ihren Eltern vertrieben. Aufgewachsen ist sie anschließend in Bad Mergentheim, wo sie die mittlere Reife erwarb.
Später arbeitete sie zunächst als Serviererin in Würzburg, bevor sie mit 40 Jahren noch einmal einen neuen beruflichen Weg einschlug und an der Hotelfachschule in Regensburg die Ausbildung zur Hotelkauffrau absolvierte. Danach übernahm sie die Geschäftsführung des neu erbauten „Hotels am Main“ in Veitshöchheim, das sie bis zu ihrer Pensionierung im Jahr 2003 mit viel Herzblut leitete. Während dieser Zeit bildete sie zudem sieben Lehrmädchen aus.
Drei Jahrzehnte im Gemeinderat
Hier in Veitshöchheim fand Ursula Heidinger schnell eine neue Heimat. Sie trat dem SPD-Ortsverein bei, um auch kommunalpolitisch etwas zu bewegen. Von 1990 bis April 2020 gehörte sie ununterbrochen dem Gemeinderat an und setzte sich dort mit großer Leidenschaft insbesondere für Senioren, Kultur, Tourismus und das gesellschaftliche Miteinander ein
/image%2F1394268%2F20260511%2Fob_e5e824_ob-6b8c70-01-verabschiedung-heidinger.jpg)
.Neben ihrer Tätigkeit als Gemeinderätin war sie unter anderem Seniorenreferentin, Referentin für Fremdenverkehr sowie stellvertretende Fraktionsvorsitzende der SPD. Darüber hinaus arbeitete sie in zahlreichen Ausschüssen mit und prägte viele Entwicklungen der Gemeinde nachhaltig mit (Foto Verabschiedung im Jahr 2020).
Herzblut für Seniorenarbeit
Besonders am Herzen lag Ursula Heidinger stets die Seniorenarbeit. 1996 gründete sie den Seniorenbeirat sowie den Senioren-Arbeitskreis der Gemeinde und blieb über Jahrzehnte dessen unermüdliche Triebfeder und „gute Seele“.
Mit großem persönlichem Einsatz stellte sie für ältere Mitbürger ein außergewöhnlich vielfältiges Angebot auf die Beine. Dazu gehörten Einkaufsfahrten, Wanderungen, Schifffahrten, Tages- und Mehrtagesreisen, Kaffeenachmittage sowie die beliebten Fisch- und Wildessen für Senioren. Alle drei Monate lud sie zu aufwendig vorbereiteten Schlemmer-Büffets in den Bacchuskeller ein, die sie gemeinsam mit Helfern mit viel Liebe selbst zubereitete.
/image%2F1394268%2F20260511%2Fob_6d824b_20230216-ob-af5207-seniorenfasching-1.jpg)
Legendär waren ihre „Matjes nach Hausfrauenart“, die bei den Faschingsveranstaltungen des Senioren-Arbeitskreises längst Kultstatus erreichten (Foto aus dem Jahr 2023).
Noch mit über 80 Jahren organisierte sie Woche für Woche Einkaufsfahrten für Senioren und plante Ausflüge nach Dinkelsbühl, Worms, Coburg, Schwäbisch Hall, an den Gardasee oder an den Neusiedler See. Jeden Mittwoch führte sie Wandergruppen durch die fränkische Landschaft mit anschließendem gemütlichen Beisammensein.
Auch die Integration der Bewohner des örtlichen Caritas-Altenheims in das Gemeindeleben lag ihr am Herzen. Zudem initiierte sie ein monatliches Internet-Café für Senioren in der Bücherei im Bahnhof.
Dabei kamen ihr ihre gastronomischen Fähigkeiten zugute. Ihre Veranstaltungen waren nicht nur organisatorisch bestens vorbereitet, sondern stets auch mit viel persönlicher Wärme, Herzlichkeit und Liebe zum Detail gestaltet.
Initiatorin zahlreicher Traditionsveranstaltungen
Auch das öffentliche Leben Veitshöchheims trug über Jahrzehnte ihre Handschrift. Ursula Heidinger war 1992 Mitbegründerin des Verkehrsvereins Veitshöchheim e.V., später Verkehrs- und Gewerbeverein, dessen Vorsitzende sie bis 2008 war.
Sie initiierte im Mai 1992 den ersten Markttag an der Mainlände, aus dem sich der bis heute beliebte Freitagsmarkt entwickelte. Ebenso geht die erste Altortweihnacht auf ihre Initiative zurück. Über viele Jahre organisierte sie zudem das weit über die Ortsgrenzen hinaus bekannte Altortfest sowie die traditionelle letzte Fuhre der Winzer. Nach ihrem Ausscheiden als Vorsitzende fand das legendäre Altortfest nicht mehr statt.
Hohe Auszeichnung für jahrzehntelanges Engagement
Für ihr jahrzehntelanges ehrenamtliches und kommunalpolitisches Engagement wurde Ursula Heidinger mehrfach ausgezeichnet, so bereits 2007 beim Neujahrsempfang der Gemeinde.
/image%2F1394268%2F20260511%2Fob_39f39a_2020.jpg)
Eine besondere Würdigung erhielt sie 2020 mit der Verleihung der Kommunalen Verdienstmedaille in Bronze des Freistaates Bayern.
/image%2F1394268%2F20260511%2Fob_817b13_image-1394268-20200912-ob-d60dbb-kvmb.jpg)
Regierungspräsident Eugen Ehmann überreichte ihr die Auszeichnung im Beisein von Landrat Thomas Eberth, Bürgermeister Jürgen Götz und MdL Volkmar Halbleib. In der Laudatio wurde hervorgehoben, dass ihr Engagement „weit über das gewöhnliche Maß eines Gemeinderatsmitgliedes hinausging“.
Ein Leben für die Gemeinschaft
Bis zuletzt blieb Ursula Heidinger aktiv, voller Ideen und mit großem Herzblut für ihre Heimatgemeinde im Einsatz. Mit ihrer Herzlichkeit, ihrer Tatkraft und ihrem unermüdlichen ehrenamtlichen Engagement hat sie Generationen von Menschen begleitet und bereichert. Ihr Name bleibt untrennbar mit zahlreichen sozialen, kulturellen und gesellschaftlichen Initiativen in Veitshöchheim verbunden.
/image%2F1394268%2F20260511%2Fob_8661b8_heidingerursula70.jpg)
Die Gemeinde Veitshöchheim und viele Weggefährten werden Ursula „Ursel“ Heidinger ein ehrendes Andenken bewahren.Zur Erinnerung: Am 12. Juli 2011 stieß Ursula Heidinger (vorne 3.v.r.) nach der Gemeinderatssitzung bei einem Umtrunk vor dem Rathaus mit Ratskolleginnen und -kollegen auf ihren 70. Geburtstag an.
Fotos Dieter Gürz + Verleihung Verdienstmedaille Angelika Cronauer