Veröffentlicht am von Dieter Gürz
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Ein geschichtsträchtiger Ort ist wieder offen für Besucher: Die um 1930 errichtete ehemalige Ausflugsgaststätte in Veitshöchheim wurde umfassend saniert.
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Zu einem besonderen Genusserlebnis lud die Tourist-Information Veitshöchheim am Samstag, 9. Mai 2026, erstmals zum „Wein-Spaziergang am Sonnenschein“ mit dem frisch zertifizierten Weingästeführer Franz Erich Kollroß ein. Dabei erhielten die 17 Teilnehmer bei sonnigem Wetter entlang dem Weinlehrpfad oberhalb des Birkentals spannende Einblicke in Weinbau, Natur und Geschichte der Region.
Treffpunkt war um 15 Uhr am Talbergweg, dem Einstieg in den Wein-, Natur- und Kulturlehrpfad der Gemeinde.
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„Die Weinberge hinter Ihnen sind unsere Weinberge“, erklärte Kollroß zu Beginn der Führung mit Blick auf das Waldhaus der Familie Geiger-Kollross oben am Waldrand, dem Ziel der etwa zwei Kilometer langen Route mit einem Höhenunterschied von rund 48 Metern.
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Unterwegs boten sich eindrucksvolle Panoramablicke über das Maintal bis zur ICE-Brücke Margetshöchheim
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und nach Erlabrunn mit vorgelagertem Badesee.
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Unterwegs wurden die Teilnehmer an der Klüpfel-Hütte mit einem Begrüßungssekt verwöhnt.
Während der Wanderung vermittelte Kollroß Wissenswertes über die lange Weinbautradition Veitshöchheims. Bereits im Jahr 779 ist hier Weinbau urkundlich nachgewiesen. Die heutigen Lagen „Veitshöchheimer Sonnenschein“ und „Veitshöchheimer Wölflein“ umfassen zusammen rund 20 Hektar Rebfläche.
Deutlich größer war die Weinbaufläche noch im Jahr 1830: Damals erstreckten sich die Weinberge auf rund 185 Hektar. Frühere Lagen wie „Loden“, „In der Setz“, „Sommerleite“ oder „Winterleite“ prägen bis heute zahlreiche Flurnamen und Straßenzüge im Ort.
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Ein besonderer Schwerpunkt des Rundgangs lag auf dem 2009 eröffneten Wein-, Natur- und Kulturlehrpfad, der im Rahmen des Bundeswettbewerbs „Entente Florale“ entstand. Auf 14 Informationstafeln werden dort Themen wie Geologie, Biodiversität, Weinbaugeschichte, Klima und Kulturlandschaft anschaulich erläutert.
Neben dem Weinbau spielte auch die einzigartige Natur rund um die Veitshöchheimer Weinberge eine zentrale Rolle. So informierte Kollroß über die oberhalb des Lehrpfades gelegenen Biotopflächen, Trockenmauern und die hohe Artenvielfalt der sogenannten Waldsäume.
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Der Lehrpfad bietet zudem Ausblicke auf die Ruine Ravensburg, die Staustufe sowie die großflächigen Streuobstwiesen zwischen Margetshöchheim und Erlabrunn. Auch der größte Schwarzkiefernbestand Mitteleuropas auf den gegenüberliegenden Mainhängen wurde thematisiert.
Aktuell blüht entlang des Weges oben am Waldrand der seltene Diptam, auch „Brennender Busch“ genannt, der bereits seit 1936 unter Naturschutz steht.
Der gebürtige Mittelfranke Kollroß aus Spalt lebt seit mehr als 50 Jahren im Raum Würzburg und wohnte in den 1990er-Jahren selbst in Veitshöchheim im Schenkenfeld. Später zog die Familie nach Thüngersheim, der Heimat seiner Frau, die aus einem Weingut stammt.
„Das ist auch einer der Aspekte meiner Weinaffinität“, berichtete Kollroß. Seine Ausbildung zum zertifizierten Weinerlebnisführer absolvierte er bei der LWG im Lehrgang 2025 von Februar bis Oktober. Inhalte waren unter anderem Weinbau, Kellerwirtschaft, Sensorik, Biodiversität, Weinkultur und Weintourismus. Weinerlebnisführer gelten als wichtige Botschafter ihrer Region und schlagen die Brücke zwischen Winzern, Gastronomie, Weinbaugemeinden und Gästen.
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Höhepunkt der Veranstaltung war die Einkehr im „Waldhaus am Sonnenschein“. Eigentümerin Ulrike Geiger-Kollroß hat die um 1930 errichtete ehemalige Ausflugsgaststätte in aussichtsreicher Lage oberhalb des Birkentals umfassend renoviert, nicht zuletzt unter Anleitung ihres Sohnes Philipp, der als Landschaftsarchitekt im interdisziplinären Team der Auktor Ingenieur GmbH in Würzburg arbeitet (beide im Bild).
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Das Haus war einst ein beliebtes Ziel für Spaziergänger und Wanderer mit tollem Ausblick auf den Main, bekannt im Ort vor allen auch für seine hervorragenden Essen am Sonntagmittag. Zunächst wurde es von Josef Feineis bis 1967, später bis 1975 von Richard Geiger betrieben. Danach stand das Gebäude über vier Jahrzehnte leer.
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Mit großem Engagement entschloss sich die Besitzerin, das historische Anwesen vor dem Verfall zu bewahren und ihm neues Leben einzuhauchen. Nach vielem Hin und Her konnte eine Wasserleitung verlegt und genehmigte das Landratsamt die Abwasserbeseitigung über eine abflusslose, absolut dichte Grube nach DIN 1986 Teil 30. Voraussetzung war weiter der Abschluss eines Entsorgungsvertrages mit einem Fachbetrieb zur regelmäßigen Leerung per Saugwagen.
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So kann das Waldhaus nun an die Tradition fränkischer Heckenwirtschaften anknüpfen und zugleich den stark frequentierten Weinlehrpfad erg änzen.Derzeit erfolgt die Bewirtung im gemütlichen Gastraum aber noch ausschließlich für geschlossene Gruppen bis zu 25 Teilnehmern.
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Erstmals kam nun die Wandergruppe im stilvoll renovierten Waldhaus in den Genuss einer Weinverkostung. Präsentiert wurde von der Familie Kollroß eine Auswahl von vier regionalen Weinen, die in entspannter Atmosphäre verkostet wurden.
Mit der neuen Veranstaltung verbindet die Tourist-Information Veitshöchheim Naturerlebnis, Weinkultur, Regionalgeschichte und Genuss auf gelungene Weise – und dürfte damit viele Freunde fränkischer Lebensart ansprechen.
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