Eiserne Hochzeit im Veitshöchheimer Schenkenfeld: Marianne und Elemer Sarköcy feiern am 2. März 65 gemeinsame Jahre
„Man muss tolerant sein": Ehepaar Sárközy seit 65 Jahren verheiratet
Marianne und Elemer Sárközy feiern ihre Eiserne Hochzeit. Dabei blicken sie auf ein bewegtes Leben voller Umbrüche zurück.
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Ein seltenes Jubiläum dürfen am Montag Marianne und Elemer Sarköcy begehen: Die seit 1975 in Veitshöchheim lebenden Eheleute feiern im großen Familienkreis mit sieben Enkelkindern ihre Eiserne Hochzeit. Kennengelernt haben sich der am 6. März 95 Jahre alt werdende Elemer und die 90-jährige Marianne im Frühjahr 1960 im Palmengarten Frankfurt (Foto re.). Nur knapp ein Jahr später, am 2. März 1961, gaben sie sich im Römer das Jawort.
Das Foto vorne links zeigt das Paar anlässlich der Silbernen Hochzeit vor 40 Jahren mit seinen fünf Kindern Brigitte, Claudia, Ralf, Robert und Yvonne. Robert verunglückte 2003 im Alter von 40 Jahren tödlich – einer der schwersten Schicksalsschläge im Leben der Familie.
Kindheit zwischen Trümmern
Trotz mancher „Nackenschläge“ blicken die Jubilare dankbar auf ein erfülltes Leben zurück. Sie leben noch immer in ihrem vor über 50 Jahren im Schenkenfeld erbauten Eigenheim – mit Unterstützung des Hauswirtschaftsdienstes der Sozialstation St. Stephanus und „Essen auf Rädern“.
Marianne Sarköcy, gebürtige Würzburgerin, ist geistig noch rege. Das tägliche ausführliche Lesen der Main-Post gehört für sie seit Jahrzehnten zum festen Ritual. Wenn sie aus ihrem Leben erzählt, sprudeln die Erinnerungen. 1945 wurde das Elternhaus der Familie im Würzburger Stadtteil Grombühl zerbombt, als sie gerade mal zehn Jahre alt war. Bis 1949 lebten sie beengt in einem kleinen Gartenhäuschen in Oberdürrbach. Nach der Mittleren Reife an der Handelschule arbeitete sie zehn Jahre als Versicherungsangestellte, ehe sie nach der Hochzeit 1961 zu ihrem Mann nach Frankfurt zog.
Ein Leben mit der Musik
Ganz anders verlief die Jugend ihres Mannes. Elemer Sarköcy wurde in Mannheim geboren. Sein Vater, der ungarische Meistergeiger Elemer Sárközy, war mit seinem Orchester europaweit auf Tournee. Ein geregelter Schulbesuch war für den Sohn kaum möglich. Stationen führten ihn unter anderem an die Oberrealschule im ostpreußischen Elbing. Nach dem Einmarsch der Roten Armee im Februar 1945 floh er mit seinem Vater nach Bad Kissingen.
Dort besuchte er die Musikhochschule und spielte anschließend als Violinist im Orchester des Vaters. 1956 wanderte dieser nach New York aus. Der Sohn blieb in Frankfurt, beendete mit 35 Jahren seine Musikerlaufbahn und arbeitete fortan in einer Kanzlei für Rückerstattungs- und Entschädigungsfälle im Rahmen der Wiedergutmachung nationalsozialistischen Unrechts.
Neuanfang in Franken
1965 zog das Paar nach Würzburg zu Mariannes Vater. Elemer fand eine Anstellung bei der Deutschen Bundesbahn im Wartungsdienst für Bahndrehscheiben, wo er bis zu seiner Pensionierung 1994 tätig war. Marianne widmete sich fast drei Jahrzehnte der Erziehung der zwischen 1961 und 1977 geborenen fünf Kinder. Ab 1989 arbeitete sie elf Jahre als Altenpflegerin im Seniorenheim der Stiftung Bürgerspital zum Hl. Geist und engagierte sich auch nach ihrer Verrentung weiter ehrenamtlich in der Pflege.
Gemeinsame Leidenschaft fürs Reisen
Gefragt nach dem Geheimnis ihrer langen Ehe, antwortet Marianne Sarköcy ohne Zögern: „Man muss tolerant sein und auch nachgeben können.“ Besonders stolz sei sie auf ihre Kinder.
Eine wichtige Rolle spielte stets die gemeinsame Reiselust. Elemer war das Unterwegssein von Kindheit an gewohnt, und auch seine Frau fand Gefallen daran. Viele ausgedehnte Radtouren führten das Paar durch Europa. Auf zahlreichen Kreuzfahrten lernten sie bis 2010 – mit Ausnahme Australiens – nahezu alle Kontinente kennen.
In späteren Jahren griff Elemer Sarköcy wieder zur Geige. Er gestaltete Festgottesdienste in der Veitshöchheimer Vituskirche musikalisch mit und spielte bis zu seinem 78. Lebensjahr zehn Jahre lang bei den Veitshöchheimer Streichern, die er mitbegründet hatte.
Am Montag wollen Marianne und Elemer Sarköcy ihr Familienglück genießen, sind dankbar für 65 gemeinsame Jahre und ein bewegtes Leben zwischen Musik, Neuanfang und großer Reiselust, lässt sich Marianne noch die Haare stylen, bevor gegen Mittag der Bürgermeister und die stellvertretende Landrätin Karen Heußner zur Gratulation kommen.
Foto Dieter Gürz