„Leise Kraft des Papiers“ – Veitshöchheimerin Kathrin Feser eröffnet zweite Wechselausstellung im Literatur Hotel am Main
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Kunst, Literatur und Gastlichkeit – wie selbstverständlich verbinden sich diese drei Elemente im Literatur Hotel am Main. Am Mittwochnachmittag wurde dort die zweite Wechselausstellung des Hauses eröffnet: Die Veitshöchheimer Künstlerin Kathrin Feser zeigt bis zum 15. Februar 2026 eine Auswahl aus ihrem vielschichtigen Schaffen – Cut-Outs, Zeichnungen, digitale Collagen und Arbeiten aus mehreren Werkphasen, vom Frühwerk aus den 2000er Jahren bis zu ihren aktuellsten Arbeiten. Zahlreiche Kunstfreundinnen und einige langjährige Wegbegleiter der Künstlerin, folgten der Einladung zur Vernissage
„Eine Premiere – für das Hotel und für mich“
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Mit offenem Lächeln und spürbarer Begeisterung begrüßte Gastgeberin Dorothea von Droste die Anwesenden. Sie gab unumwunden zu, dass dies ihre erste eigenständig geleitete Ausstellungseröffnung sei.
„Ich habe noch nie eine Vernissage geleitet – aber heute fühlt es sich genau richtig an“, sagte sie. „Kathrin hat mich damals ganz nebenbei auf die Idee einer Wechselausstellung gebracht, ohne es zu wissen. Daraus ist unser Konzept entstanden.“
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Die Idee wuchs ganz unspektakulär, erzählte sie: Bei einem Gespräch mit Hoteldirektor Henning Wickel im Frühstücksraum fiel ihr plötzlich auf, wie „bereit“ die Wände für neue Impulse wirkten. Aus dieser Beobachtung wurde ein Plan. Nach dem Auftakt mit Walter Bausenwein folgt nun – „vollkommen selbstverständlich“ – Kathrin Feser als zweite Position in der jungen Reihe.
Von Droste entschied schließlich, die Präsentation auf das gesamte Erdgeschoss auszuweiten: Frühstücksraum, Bibliothek „Clara“, sowie der Flurgang, der nun als verbindendes Element fungiert.
„Kunst soll im ganzen Haus spürbar sein. Die Gäste sollen gleich beim Vorbeigehen neugierig werden“, so die Gastgeberin. „Deshalb sind Fesers aktuelle Werke nun im Gang zu sehen – und ihre ruhigen, erzählerischen Arbeiten dort, wo Menschen lesen, frühstücken oder verweilen.“
Eine Künstlerin zwischen Flüssen, Kontinenten und Medien
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Als die Künstlerin das Wort ergriff, brachte sie zunächst ein ehrliches, beinahe schelmisches „Vielen Dank, ich finde das wirklich kolossal toll!“ hervor. Die Wärme und freundliche Aufmerksamkeit im Raum schienen sie sichtlich zu berühren.
Sie erzählte dann von einem inneren Leitmotiv, das sich – oft unbewusst – durch ihr gesamtes Werk zieht: der Fluss.
„Ich habe in meinem Leben an vielen Flüssen gelebt: Main, Pegnitz, Tiber, Pazifik, Amalfiküste … Und dieser Fluss, dieses Weiterströmen, Wiederaufgreifen, Neuverbinden – das steckt in all meinen Arbeiten.“
Ihre Werke entstehen in einem Wechselspiel aus Kontrolle, Intuition, Rückgriff, Weiterentwicklung. Die ältesten der nun gezeigten Arbeiten stammen aus 2008; die jüngsten entstanden erst vor wenigen Wochen.
Sie sprach über ihre „Hieroglyphen“ – frühe Tuschezeichnungen aus ihrer Studienzeit in San Francisco (hinten an der Wand) –
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über ihre Cut-Outs, bei denen sie „mit dem Messer zeichnet“,
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und über ihre digitalen Ping-Pong-Collagen, die während der Pandemie begannen:
„Ich beame mich mit diesen Arbeiten ein bisschen durch die Zeit. Ich nehme etwas Vergangenes, kommentiere etwas Gegenwärtiges und spiele mit etwas Zukünftigem.“
Die Ping-Pongs – ein Dialog der Bilder
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Eine besondere Würdigung erfuhren die Arbeiten aus ihrer Serie „Ping-Pong“, die der Kunsthistoriker und Künstler Marc Peschke in seinem Text detailliert analysiert. Seine Einordnung bietet eine kunsthistorische Tiefe, die viele Gäste sichtlich beeindruckte.
Peschke beschreibt Fesers Ping-Pongs als digitale Collagen in der Tradition des Dadaismus, Surrealismus und der Pop Art – zugleich aber vollkommen eigenständige, zeitgenössische Bildwelten. Sie bestehen aus Schichten von Fotografien, Fundstücken, Reisebildern und Zeichnungen, die im Computer zu neuen, poetischen Räumen verschmelzen.
„Ein Ping-Pong der Bilder“, schreibt Peschke.
„Ein Hin-und-Her-Springen zwischen Welten, Zeiten und Perspektiven.“
Diese Collagen, so betont er, seien zugleich verspielt und philosophisch, reich an Anspielungen und voller rätselhafter Energie.
Leise Linien – starke Präsenz
Neben den farbintensiven Ping-Pongs finden sich in Fesers Ausstellung vor allem zwei weitere künstlerische Sprachen:
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Papier wird geschichtet, ausgeschnitten, wieder zusammengefügt. Farben, Linien, Hohlräume und Überlagerungen treten in ein stilles Gespräch.
Feser beschreibt die Technik so:
„Ich zeichne mit dem Messer. Ich entferne, ich öffne, ich verstecke. Hinter vielen Bildern liegt noch ein anderes Bild – das nur ich kenne.“
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Tuschezeichnungen, aufgebaut aus unzähligen, sich kreuzenden Kreisformen, an denen Feser teils wochenlang arbeitet.
Die Kunsthistorikerin Anna Katharina Feldhaus nannte sie einmal „organische Kosmen, Metabilder voller Eigenleben“.
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Und tatsächlich: In der Bibliothek des Hotels wirken sie wie ruhige Planeten, die im Halbdunkel schweben.
Persönliche Momente und kleine Wunder
Mehrere Gäste nutzten den Nachmittag, um mit der Künstlerin ins Gespräch zu kommen – und Feser nahm sich Zeit für jede Frage. So ergab sich ein lebhafter Austausch über Arbeitsweisen, Inspirationen, Farben, Reisen und das Verhältnis von Zeichnung und digitaler Montage.
Ein besonders schönes Detail erzählte Dorothea von Droste fast nebenbei:
„Ein Hotelgast hat bereits ein Bild gekauft – noch bevor die Vernissage überhaupt begann. Das freut mich unendlich, denn diese Ausstellung soll Brücken bauen: zwischen regionaler Kunst und unseren Gästen.“
Ein Haus, das Kunst atmet
Die Vernissage zeigte eindrucksvoll, wie natürlich Kunst sich im Literatur Hotel entfalten kann. Es gibt keine starre Trennung zwischen Ausstellungsraum und Alltag – vielmehr fließt die Kunst durch die Räume, begleitet die Gäste beim Lesen, Teetrinken, Ankommen.
Genau das spiegelt auch die Haltung des Hauses wider:
Kunst ist hier nicht Dekoration, sondern Erfahrung.
Ausstellung – Daten & Kontakt
Kathrin Feser: Cut-Outs, Zeichnungen & digitale Collagen
3. Dezember 2025 – 15. Februar 2026
Literatur Hotel am Main, Veitshöchheim
Kontakt:
✉️ kathrinfeser5@gmx.de
📞 0152-34351400
🌐 www.circlefly.de
Eintritt frei.
Gäste können die Ausstellung täglich im Erdgeschoss des Hotels besuchen.
Fotos und Text: Dieter Gürz
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