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Zeitenwende und Verantwortung: Staatsminister Florian Herrmann würdigt Bundeswehr beim Jubiläum in Veitshöchheim

Veröffentlicht am von Dieter Gürz

Mit einem eindringlichen Appell zur sicherheitspolitischen Wachsamkeit und klarer Unterstützung der Truppe hat Staatsminister Dr. Florian Herrmann beim Festakt zum 60-jährigen Bestehen der Balthasar-Neumann-Kaserne in den Mainfrankensälen gesprochen. Der Leiter der Bayerischen Staatskanzlei würdigte dabei nicht nur die Geschichte des Standortes, sondern betonte vor allem die Herausforderungen der Gegenwart:
„Die Zeitenwende ist Realität – sie verlangt, dass wir Verteidigung und Sicherheit wieder als zentrale Staatsaufgaben begreifen.“


Dreifaches Jubiläum in der Kaserne

Der Festabend in der Veitshöchheimer Balthasar-Neumann-Kaserne erinnerte an gleich drei Jubiläen: 70 Jahre Bundeswehr, 60 Jahre Standort Veitshöchheim und zehn Jahre 10. Panzerdivision in Veitshöchheim. Herrmann überbrachte die Grüße von Ministerpräsident Markus Söder und hob hervor, dass Bayern „immer schon Anwalt der Bundeswehr“ gewesen sei. Nirgendwo sonst, so der Minister, sei die Armee so fest in der Mitte der Gesellschaft verankert wie hier:
„Dass sich die Soldatinnen und Soldaten in Veitshöchheim so wohlfühlen, ist der Herzlichkeit und Wertschätzung der Menschen hier zu verdanken.“


Vom historischen Wagnis zur Erfolgsgeschichte

Rückblickend erinnerte Herrmann an die mutige Entscheidung zur Wiederbewaffnung 1955 – nur zehn Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Mit der Gründung der Bundeswehr sei eine Parlamentsarmee entstanden, „im Geist von Demokratie, Rechtsstaat und Freiheit“.
Diese Grundwerte, so der Staatsminister, seien auch heute aktueller denn je. Die Bundeswehr sei „eine Erfolgsgeschichte“ und habe entscheidend zur längsten Friedenszeit in der europäischen Geschichte beigetragen. „Wir können uns glücklich schätzen über acht Jahrzehnte friedlichen Zusammenlebens in Europa“, so Herrmann.


„Putin meint es ernst“ – die neue sicherheitspolitische Lage

Doch diese Ära der Gewissheiten sei vorbei. Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine habe die Sicherheitslage Europas „fundamental verändert“. Herrmann sprach von einer „Zeitenwende, die nicht nur militärisch, sondern auch mental stattfinden muss“.
„Putin meint es ernst. Wir müssen uns so aufstellen, dass es nie zu den Worst-Case-Szenarien kommt, vor denen die Nachrichtendienste warnen.“
Deutschland müsse seine Verteidigungsfähigkeit massiv stärken, forderte der Staatsminister: „Verteidigungsausgaben, Cybersicherheit, Bevölkerungsschutz – das alles darf sich nicht mehr nach der Kassenlage richten, sondern nach der Lage der Bedrohung.“


Bayern als sicherheitspolitischer Taktgeber

Bayern übernehme in diesem Prozess eine aktive Rolle. Mit einem Gesetz zur Förderung der Bundeswehr, dem Ausbau militärischer Infrastruktur und einer Taskforce für militärisches Bauen habe der Freistaat klare Weichenstellungen vorgenommen.
Auch der Wehrpflicht-Frage wich Herrmann nicht aus: „Wir brauchen eine neue Wehrpflicht, um den Aufwuchs der Bundeswehr auf 260.000 Soldaten und 200.000 Reservisten leisten zu können. Das ist Teil unserer NATO-Verpflichtungen und Voraussetzung für glaubwürdige Abschreckung.“

Zugleich betonte er die Bedeutung moderner Technologien und der bayerischen Sicherheits- und Rüstungsindustrie. Von Künstlicher Intelligenz über Robotik bis zur Drohnenabwehr reiche das Spektrum, das Bayern gezielt fördere. „Wir positionieren uns als sicherheitspolitischer Taktgeber“, sagte Herrmann. Ein neues Drohnenabwehrzentrum im Defense Lab Erding sei bereits in Planung.


„Ohne Sicherheit keine Freiheit“

Die Zeitenwende verlange, so Herrmann, auch ein neues Bewusstsein in der Bevölkerung: „Ohne Sicherheit keine Freiheit. Sicherheit ist die Voraussetzung dafür, dass Menschen ihr Leben in Freiheit gestalten können.“
In Bayern, meinte der Staatsminister, sei dieses Verständnis besonders stark ausgeprägt: „Wir wissen, dass die Bundeswehr und die Polizei keine Bedrohung der Freiheit sind, sondern ihre Garanten.“


Dank an die Soldatinnen und Soldaten

Zum Abschluss dankte Herrmann den Soldatinnen und Soldaten für ihren Dienst: „Soldat oder Soldatin zu sein, heißt nicht nur, bei Hochwasser Sandsäcke zu schleppen. Es heißt, bereit zu sein, für unser Land zu kämpfen – mit allen Konsequenzen. Dafür gebührt Ihnen unser aller Respekt.“

Mit langem Beifall endete die Rede des Staatsministers, die deutlich machte, dass sich die Bundeswehr – 70 Jahre nach ihrer Gründung – erneut im Umbruch befindet.
Oder, wie Herrmann es formulierte: „Dieses Jubiläum ist kein Rückblick, sondern ein Aufbruch in eine neue Zeit.“

Foto Dieter Gürz

Im Rahmen des Festaktes trug sich der Staatsminister in das Goldene Buch der Gemeinde Veitshöchheim ein, im Bild v.l.n.r MdL Björn Jungbauer, Generalmajor Jörg Thorsten See (Kommandeur 10. Panzerdivision) und Bürgermeister Jürgen Götz.

Foto StK

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