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Eine Kaserne im Wandel: Millioneninvestitionen sichern den Bundeswehr-Standort Veitshöchheim

Veröffentlicht am von Dieter Gürz

Beim heutigen Festtag „60 Jahre Balthasar-Neumann-Kaserne“ in den Mainfrankensälen führte der Presseoffizier der 10. Panzerdivision Oberstleutnant Karsten Dyba (rechts) Podiumsgespräche mit Zeitzeugen  - sowohl mit aktiven und vor allem mit ehemaligen Soldaten, die in Veitshöchheim dienten . Den Auftakt machte Torben Fedder (links),  Infrastrukturoffizier beim Kasernenkommandanten, der über die Veränderungen und Neubauten in der BNK aus dem Nähkästchen plauderte.                                                    


Als 1962 die Balthasar-Neumann-Kaserne auf dem Schenkenfeld entstand, war sie ein Symbol des Aufbruchs in der jungen Bundesrepublik. Heute, 60 Jahre später, steht die Kaserne erneut für Wandel – diesmal mit einem massiven Modernisierungsprogramm, das den Standort langfristig sichern soll. In den vergangenen Jahren wurde kräftig investiert, und auch die nächsten Projekte stehen bereits fest.


Von der 12. zur 10. Panzerdivision

Oberstleutnant Dyba führte zunächst durch Geschichte und Gegenwart der Anlage. Die Kaserne war einst als Standort der 12. Panzerdivision gegründet worden – in einer Zeit, in der nach dem Wiederaufbau noch zahlreiche Kasernen in Deutschland entstanden.

Die Wahl fiel auf Veitshöchheim, weil die Stadt Würzburg nach dem Krieg kaum nutzbare Kasernenflächen besaß. Zwischen 1962 und 1966 entstand auf dem Schenkenfeld ein kompletter Militärstandort mit Stabsgebäuden, Unterkünften und Übungsplätzen – eine typische NATO-Kaserne der 60er Jahre, gebaut „vom Reißbrett“, wie Hauptmann Torben Fedder, heutiger Infrastrukturoffizier, erläuterte.

Nach den Truppenreduzierungen der 1990er Jahre war der Fortbestand zeitweise ungewiss, nachdem die 2002 mit 14.500 Heeres-Soldaten neu aufgestellte Divison Luftbewegliche Divisonen mit Sitz des Stabes in Veitshöchheim im Juni 2014 außer Dienst gestellt wurde, ihre Truppenteile nach und nach ebenfalls aufgelöst oder an andere Verbände übergeben wurden.

Mit der Verlegung der 10. Panzerdivision von Sigmaringen nach Veitshöchheim im gleicheh Jahr 2014 begann ein neues Kapitel. Seither wird der Standort konsequent modernisiert – mit einem Investitionsvolumen von inzwischen mehr als 50 Millionen Euro.


Neue Gebäude, moderne Standards

Besonders sichtbar wurde der Wandel mit dem Bau eines neuen Unterkunftsgebäudes für 16,5 Millionen Euro. 252 Einzelzimmer, zwei barrierefreie Räume sowie moderne Sanitär- und Kommunikationsausstattung bieten heute zeitgemäßen Komfort, den Fedder augenzwinkernd als „Hotelstandard“ bezeichnet (Foto BW Volker Schöppel von der Übergabe im Februar 2021),

Auch eine neue Sporthalle mit modernster Ausstattung wurde errichtet – für rund eine halbe Million Euro. Sie steht in freien Zeiten nicht nur den Soldaten, sondern auch örtlichen Vereinen und Tanzgruppen zur Verfügung – eine kleine, gelebte Verbindung zwischen Bundeswehr und Gemeinde.

Ein weiterer Meilenstein ist das neue Gebäude für das Heeresmusikkorps Veitshöchheim. Rund zehn Millionen Euro flossen in die „Veitshöchheimer Philharmonie“, wie Fedder sie nennt – mit zwei hochmodernen Probensälen, Aufnahmestudio und Büros. Damit verfügt das Musikkorps über Arbeitsbedingungen, die bundesweit Maßstäbe setzen.


Großprojekte im Bau und in Planung

Nahezu fertiggestellt ist das neue Sanitätszentrum, das Anfang 2025 bezogen werden soll. Es ersetzt das bisherige Sanitätsversorgungszentrum, bietet doppelt so viel Platz und beherbergt sowohl den kurativen Bereich als auch Ausbildungsräume. Unweit davon entsteht ein neues Waffenkammergebäude.

Im kommenden Jahr folgen der Bau eines Wirtschafts- und Betreuungsgebäudes sowie eines neuen Stabsgebäudes für den Divisionsstab, das künftig alle Abteilungen unter einem Dach vereint. Hinzu kommen eine komplett neue Kasernenwache mit Zufahrt sowie ein den Sicherheitsstandards angepasstes Zaunsystem rund um das Gelände.

Das Fernmeldebataillon 10 erhält eine neue Ausbildungs- und Technikhalle, in der Fahrzeuge und Kommunikationssysteme gewartet und erprobt werden können. Parallel dazu werden das Wärme- und Wasserleitungsnetz der gesamten Kaserne erneuert.

Ein neues Heizkraftwerk auf Hackschnitzelbasis soll künftig für nachhaltige Energieversorgung sorgen.


Blick nach vorn: Drei neue Unterkunftsgebäude

Mit Blick auf die mögliche Wiedereinführung des Wehrdienstes denkt die Bundeswehr bereits weiter. Auf dem zweiten Exerzierplatz sollen ab 2027 drei neue Unterkunftsgebäude in Schnellbauweise entstehen – mit Kompanieräumen im Erdgeschoss und Unterkünften darüber, ausgelegt für künftige Rekrutenjahrgänge.

„Wenn die jungen Leute am 1. Juli vor dem Tor stehen, müssen wir vorbereitet sein“, sagt Hauptmann Fedder. Für ihn steht fest: „Hier oben wird in den nächsten Jahren kein Stein auf dem anderen bleiben.“ Die Grundstruktur der Kaserne soll zwar erhalten bleiben, doch Gebäude, Leitungen, Dächer und Straßen werden Stück für Stück erneuert oder ersetzt.


Ein Standort mit Zukunft

Auch Bürgermeister Jürgen Götz, selbst einst Sanitätssoldat in Veitshöchheim (im Bild mit dem Präsidenten des Traditonsverbandes der 12. Panzerdivision Oberstleutnant a.D. Wolfgang Hagedorn)  zeigte sich beim Jubiläum beeindruckt vom Modernisierungstempo. „Die Bundeswehr ist hier längst wieder ein wichtiger Teil unserer Gemeinde – wirtschaftlich, sozial und menschlich“, betonte er.

So wird aus dem Traditionsstandort der 1960er Jahre Schritt für Schritt eine moderne Garnison der Zukunft – mit klarer Perspektive, starken Wurzeln und einer engen Verbindung zu Veitshöchheim.


 Fotos Dieter Gürz

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