60 Jahre Bundeswehrstandort Veitshöchheim – Bürgermeister Götz würdigt „Partnerschaft auf Augenhöhe“
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Mit einem herzlichen Grußwort würdigte heute in den Mainfrankensälen Bürgermeister Jürgen Götz beim Festakt zum 60-jährigen Bestehen der Balthasar-Neumann-Kaserne die enge Verbundenheit zwischen Bundeswehr und Gemeinde Veitshöchheim. Dass das Jubiläum ausgerechnet am 12. November, dem Gründungstag der Bundeswehr, gefeiert werde, verleihe der Veranstaltung „eine ganz besondere Bedeutung“, so Götz. „Die Geschichte unseres Standorts ist untrennbar mit der Geschichte der Bundeswehr verbunden – mit ihren Werten, ihrem Wandel und ihrem Dienst für Frieden und Freiheit.“
Der Bürgermeister dankte Brigadegeneral André Abed für dessen Begrüßung und sprach allen 220 Anwesenden – Soldaten, Ehemaligen, Vertretern aus Politik, Kirche und Gesellschaft sowie den Bürgern – seine Anerkennung aus: „Ihr Kommen zeigt, welch festen Platz die Bundeswehr seit sechs Jahrzehnten in unserer Gemeinde und in der Region einnimmt.“ Besonders hob Götz hervor, dass die Feier auf Initiative von General See zustande gekommen sei.
In seinem Rückblick zeichnete Götz die Entwicklung des Standorts nach: Nachdem Anfang der 1960er-Jahre die Entscheidung für den Bau der neuen Kaserne auf den Flächen rund um die Schleehöfe gefallen war, mussten vier dort lebende Familien umgesiedelt werden. Zugleich entstanden in der Gartensiedlung und entlang der Günterslebener Straße 216 neue Wohneinheiten, um Soldaten und zivile Beschäftigte unterzubringen – 54 davon im Rahmen eines gemeindlichen Wohnungsbauprogramms. Auch die Infrastruktur wurde angepasst: „Die Eichendorffschule, die heuer ebenfalls ihr 60-jähriges Jubiläum feiert, und der Kindergarten in der Kuratie entstanden damals ebenso wie das Geisbergbad – alles Projekte, die durch Bundesfinanzhilfen ermöglicht wurden“, so Götz.
Aus alten Gemeinderatsprotokollen gehe hervor, dass die Verhandlungen mit der Wehrbereichsverwaltung München und der Oberfinanzdirektion Nürnberg „nicht immer einfach“ gewesen seien. Grundstücke seien zu Preisen gehandelt worden, über die man heute nur staunen könne – etwa 1,20 Mark pro Quadratmeter. Dennoch habe die Gemeinde, so Götz, „trotz der Zuschüsse selbst viel Geld in den Standort investiert und die notwendigen Rahmenbedingungen geschaffen“. Die Kaserne habe die Entwicklung Veitshöchheims maßgeblich positiv beeinflusst: Die Einwohnerzahl sei zwischen 1964 und 1969 von 5.035 auf 6.515 gestiegen. „Heute können wir mit Fug und Recht sagen: Es hat sich für beide Seiten gelohnt – eine klassische Win-win-Situation.“
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Auch persönlich verbindet Götz viel mit der Balthasar-Neumann-Kaserne: Er leistete 1990/91 seinen Grundwehrdienst beim Sanitätsbataillon 12, das zu den ersten Einheiten des Standorts gehörte.
Als Zeitzeuge schilderte er am Nachmittag im Kleinen Saal im Interview mit Presseoffizier Karsten Dyba seine Erfahrungen mit der Truppe:
„Ich wurde zur Bundeswehr, wie es zu dieser Zeit noch üblich war, einberufen. Nachdem ich damals Vorsitzender des Musikvereins in Veitshöchheim war, wollte ich natürlich gern in der Region bleiben, um dieses Amt weiter ausführen zu können. Der damalige Bürgermeister sorgte dafür, dass ich in die Balthasar-Neumann-Kaserne in Veitshöchheim kam. Damals hatte ich die Wahl zwischen dem Dienst als Sanitäter oder als Fernmelder, und so trat ich am 1. Oktober 1990 meinen Dienst beim Sanitätsbataillon 12 an. Drei Tage später fand die Wiedervereinigung statt. Kurz darauf wurde der Wehrdienst dann von 15 Monaten auf zwölf Monate verkürzt.
In dieser Zeit fand der zweite Golfkrieg statt, in dem Kuwait von den US-Amerikanern befreit wurde. Im Januar 1991 wurde ich mit anderen Kameraden nach Rammstein abkommandiert. Dort haben wir verwundete amerikanische Soldaten, die dorthin ausgeflogen wurden, in Krankenhäuser transportiert. Wir Sanitäter haben die verwundeten Soldaten während des Transports in die US-Krankenhäuser nach Frankfurt, Nürnberg, Landstuhl und Würzburg versorgt. Da haben wir so einiges gesehen.
Ich möchte meine Zeit bei der Bundeswehr nicht missen. Wir hatten eine tolle Kameradschaft, und besonders blieb mir das internationale Rollstuhlfahrersportfestival in Krautheim in Erinnerung. Dort haben wir mit der Bundeswehr den Auf- und Abbau übernommen und bei den Wettkämpfen unterstützt. Grundsätzlich bin ich für ein gesellschaftliches Pflichtjahr für junge Menschen.“
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Die Beziehung zwischen Bundeswehr und Gemeinde beschrieb er als „aufgeschlossene Partnerschaft, die seit 60 Jahren gepflegt wird“. Viele Soldaten hätten sich in örtlichen Vereinen engagiert und das Gemeindeleben bereichert – etwa durch Konzerte, Tage der offenen Tür, Bürgerschießen, Standortbiwaks oder öffentliche Gelöbnisse. Legendär seien die Divisions- und Bataillonsbälle gewesen, die in den Anfangsjahren das Miteinander stärkten.
„60 Jahre Bundeswehr in Veitshöchheim – das ist auch ein Stück Zeitgeschichte“, betonte der Bürgermeister. Die Welt habe sich verändert, die Aufgaben seien andere geworden. „Doch eines ist geblieben: der Auftrag, für Frieden, Sicherheit und Freiheit einzustehen.“ In einer Zeit, in der diese Werte weltweit wieder in Frage gestellt würden, sei es umso wichtiger, Menschen zu haben, „die Verantwortung übernehmen – hier und im Einsatz, oft unter schwierigen Bedingungen“. Dafür sprach Götz im Namen der gesamten Gemeinde seinen „tief empfundenen Dank und seine Anerkennung“ aus.
Mit einem Augenzwinkern erinnerte Götz daran, dass Veitshöchheim „zwar nicht der Nabel der Welt – außer vielleicht an Fasching –, aber doch im Zentrum Deutschlands und Europas“ liege. Vielleicht habe diese zentrale Lage zum Erhalt des Standorts beigetragen. Entscheidend sei jedoch das „sehr gute Verhältnis zwischen Gemeinde, Region und Truppe“, das über Jahrzehnte gewachsen sei. Auch der Einsatz von Mandatsträgern und die Fürsprache hochrangiger Militärs hätten in kritischen Zeiten geholfen, den Standort zu sichern.
Die Entscheidung des Verteidigungsministeriums im Jahr 2011, Veitshöchheim als Standort eines Divisionsstabes zu erhalten, sei für die Gemeinde und die Region „ein wichtiges und erfreuliches Signal“ gewesen. Dass in den kommenden Jahren weiter in die Kaserne investiert werde, bestätige diese positive Entwicklung.
Zum Abschluss dankte Götz allen bisherigen Kommandeuren, Standortältesten und Verantwortlichen für die vertrauensvolle Zusammenarbeit in den vergangenen sechs Jahrzehnten. „Wir als Gemeinde werden auch künftig bestrebt sein, die engen Bindungen aufrechtzuerhalten und unsere Mitbürger in Uniform zu unterstützen, wo immer es möglich ist.“
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Als sichtbares Zeichen der Verbundenheit überreichte Götz dem Divisionskommandeur zum Jubiläum eine Steintafel mit dem Wappen der Gemeinde Veitshöchheim und der Inschrift: "In Verbundenheit mit Dank für Einsatz, Treue und Gemeindeschaft - Die Garnisionsgemeinde Veitshöchheim 12. November 2025".
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Fotos Dieter Gürz
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