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Kabarettabend der Biathlonfreunde Mainfranken in der Veitshöchheimer Grundschul-Aula: Weihnachten mit Streckenbach & Köhler – ein Abend zwischen Eskalation und Besinnlichkeit

Veröffentlicht am von Dieter Gürz

Weihnachten kann so schön sein. Oder so herrlich chaotisch. Dass beides möglich ist, bewiesen Streckenbach & Köhler am Donnerstagabend in der Aula der Grundschule Veitshöchheim. Rund 100 Gäste kamen auf Einladung der Biathlonfreunde Mainfranken zu einem Kabarettprogramm, das alles versprach – nur garantiert keine Stille Nacht. Schon der Titel „Adpfent, Adpfent – Wir schenken uns nix!“ ließ ahnen, dass Besinnlichkeit hier eine eigene Bedeutung haben würde.

Die Biathlonfreunde Mainfranken, 2023 von Stefan Raab gegründet, widmen sich eigentlich dem gemeinsamen Reisen zu internationalen Biathlonwettbewerben. Dass der Verein aber auch Kulturabende organisieren kann, zeigte dieser Abend eindrucksvoll. Raab begrüßte die Gäste und freute sich über den ausverkauften Saal: „Wir wollten einmal etwas völlig anderes machen – und wer passt da besser als Streckenbach & Köhler?“

Ein Einstieg voller kubanischer Weihnachtsfantasie

André Streckenbach begann das Programm mit einer Szene, die sofort das Tempo des Abends vorgab: Kaum auf der Bühne, holte er eine Dame aus der ersten Reihe zu einem improvisierten Rumba-Tanz.

Mit übertriebenem Latino-Pathos und gespielter Verführungskraft umrundete er sie singend – „Du süße Frau, hör mich jetzt an. Ich steh ja als moderner Mann“ – und steigerte das Ganze zu einer musikalisch-tänzerischen Eskalation über „die Insel der Bananen“.

Zwischen Flirtversuchen, Verrenkungen und kubanisch angehauchten Gesangslinien kommentierte er sogar das Mobiliar im Saal („Was ist das für ein Tisch eigentlich hier?“) und versuchte immer wieder, die Dame zu mehr tänzerischem Einsatz zu bewegen.

Als diese eher zurückhaltend blieb, konterte er trocken: „Du bist hier überhaupt nicht willig – also gar nicht.“ Der Saal lachte laut, zumal Streckenbach die Szene noch weiter überzeichnete, bevor er schließlich selbstironisch feststellte, er habe „wenigstens alle Opfer gefunden“.

Damit war das Publikum endgültig auf Betriebstemperatur – und es folgte ein Programm, das keine Pause zum Durchatmen ließ.

Die Top 5 der Weihnachtslieder – mit sehr freier Interpretation

Was nun folgte, war ein wilder Ausflug durch Streckenbachs persönliche „Top 5 Weihnachtslieder“.

Mit einer Mischung aus vokaler Selbstüberschätzung („Ich habe 84 Oktaven!“) und komödiantischer Präzision zelebrierte er englische Traditionals, misslungene Sprachakrobatik und absurde Improvisationen.

„Little Drummer Boy“ wurde zur Ratatata-Performance, „Jingle Bells“ zum Englisch-Desaster inklusive Diskussion über die richtige Darstellung eines Rentiers, das Pianist Alexander Köhler hilflos pantomimisch nachzustellen versuchte.

Zwischendurch präsentierte Streckenbach sein angeblich selbst komponiertes „Oh, du schöne Weihnachtszeit“, eine überhöht vorgetragene Ballade voller „La-la-la“-Koloraturen, die Köhler am Klavier mühsam zusammenhielt.

Auch ein Ausflug in die kulinarische Welt durfte nicht fehlen: Mit Mike-Krüger-Logik erklärte Streckenbach gentechnisch erweiterte Fantasie-Tiere wie den „Salakrokaisanophanten“ – Wissenschaft zweifelhaft, Humor punktgenau.

Nach der Pause: Absturz, Andacht und Alpenstimmung

Im zweiten Teil bewiesen die Künstler erneut ihre Vielseitigkeit. Streckenbach torkelte mit „Morgen fang ich ein neues Leben an und entsage mich vom Alkohol“ über die Bühne. Danach folgte der bitterböse Abgesang auf seinen imaginären Chef („Ich mag Sie nicht“), bevor er mit einem überraschend anrührenden „Ave Maria“ einen kurzen Moment der Ruhe schuf.

Köhler wiederum schlief bei „Stille Nacht“ demonstrativ am Klavier ein, nur um das Publikum anschließend zur Melodie aus „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ zum Mitsummen zu animieren.

Den emotionalen Höhepunkt bildete die Nummer 1 der Adventslieder: eine ausgelassene Parodie auf Andreas Gabalier. Bei „Leise rieselt der Schnee“ hielt es niemanden mehr auf den Sitzen – die Aula tanzte, sang und klatschte im Takt.

Frivole Zugabe und besinnlicher Schluss

Die Zugabe wurde dann noch einmal frivoler: Zu einer abgewandelten Version von Udo Jürgens’ „Aber bitte mit Sahne“ erklärte Streckenbach, nun könne „die angestaute Grunderotik endlich rausgestöhnt werden“. Das Publikum tobte.

Zum Abschluss wurde es wieder ruhig: Mit Annett Louisans „Alles erledigt“ verabschiedeten sich Streckenbach & Köhler leise und berührend. Der Applaus dauerte mehrere Minuten.

Ein gelungener Abend für den jungen Verein

Die Biathlonfreunde Mainfranken – gegründet 2023 von Stefan Raab, dem früheren Vorsitzenden des Sportvereins Veitshöchheim – haben ihren Schwerpunkt eigentlich auf Reisen zu Biathlon-Veranstaltungen. Als registrierter Fanclub der IBU erhält der Verein in der Regel Ticketkontingente, die Mitglieder oft vergünstigt nutzen können. Die Ziele reichen von Oberhof über Ruhpolding und Hochfilzen bis Antholz, Lenzerheide, Nove Mesto und den legendären Holmenkollen in Oslo.

Dass der Verein aber auch kulturelle Abende mit großem Unterhaltungswert bieten kann, bewies dieser Kabarettabend eindrucksvoll. Die Gäste gingen beschwingt nach Hause – und fühlten sich bestens beschenkt, obwohl Streckenbach & Köhler eigentlich „nix schenken“.

Fotos vor der Pause: Dieter Gürz - nach der Pause: Stefan Raab

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