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Lange Kriminacht am Gymnasium Veitshöchheim - Teil 1: Einleitung und „Nuit fatale“ - Das Publikum wird selbst zum Ermittler

Veröffentlicht am von Dieter Gürz

Theaterleidenschaft, die weit über den Unterricht hinausgeht

Mit einer rund dreieinhalbstündigen Kriminacht setzte die Theatergruppe der Mittelstufe des Gymnasiums Veitshöchheim einen eindrucksvollen Schlusspunkt unter das vielfältige Kulturprogramm des Schuljahres. Unter der Regie der seit Februar pensionierten Lehrerin Irmgard Ellinger, die dank eines Vertrags weiterhin die Theaterarbeit an der Schule leitet, sowie ihrer ehemaligen Schüler Richard Baudach, Mona Hiete und Toni Vorndran präsentierten 24 Nachwuchsschauspieler zwei völlig unterschiedliche Kriminalstücke. Jeweils zwölf Schülerinnen und Schüler standen auf der Bühne und sorgten für einen ebenso spannenden wie unterhaltsamen Theaterabend.

Der Ständige Stellvertreter des Schulleiters Gunnar Leuner begrüßte die zahlreichen Besucher und erinnerte daran, dass nach Oberstufentheater, Band- und Chorkonzert sowie den Auftritten von Brassband und Streichorchester nun das Mittelstufentheater den Abschluss der Juli-Veranstaltungen bilde.

Besonders würdigte er den außergewöhnlichen Einsatz der jungen Schauspieler. Wenn er freitagnachmittags die Schule verlasse, sei die Theatergruppe häufig noch beim Proben. Auch an Wochenenden oder nach langen Lehrerkonferenzen werde weitergearbeitet. Daran erkenne man, wie sehr die Jugendlichen für das Theater brennen. Umso mehr freue er sich, dass die Theatergruppe diesmal sogar zwei Stücke auf die Bühne bringe.


"Drama Queens und Kings"

Auch Irmgard Ellinger zeigte sich erfreut, ihre Theaterarbeit trotz ihres Ruhestands fortsetzen zu können. Die Möglichkeit, weiterhin mit der Gruppe arbeiten zu dürfen, sei für sie ein großes Geschenk. Die inzwischen auf 24 Mitglieder angewachsene Theatergruppe habe bereits zum dritten Mal in Folge ein abendfüllendes Programm einstudiert. Deshalb sei schnell klar gewesen, dass auch diesmal wieder zwei Stücke gespielt werden sollten.

„Niemand wollte nur einen Baum oder eine Bank spielen“, sagte Ellinger schmunzelnd. Deshalb habe sie bewusst zwei Produktionen ausgewählt, damit alle Jugendlichen tragende Rollen übernehmen konnten. Die Besetzung sei sorgfältig überlegt worden. Gemeinsam mit ihrem Regieteam habe sie für jede Figur den passenden Darsteller gesucht.

In beiden Aufführungen standen zudem mehrere  Schüler erstmals auf einer Theaterbühne. Während der monatelangen Probenarbeit wurden sie von erfahrenen Mitgliedern früherer Theatergruppen unterstützt. Zwei intensive Theaterwochenenden und zahlreiche lange Probenfreitage gehörten ebenso zur Vorbereitung wie viele zusätzliche Stunden außerhalb des Unterrichts.

Ein besonderer Dank galt ihren ehemaligen Schülern Richard Baudach, Mona Hiete und Toni Vorndran. Sie investierten neben Beruf, Studium, Familie und eigenen Theaterprojekten unzählige Stunden in die Probenarbeit und begleiteten die Jugendlichen mit großem Engagement. Für Ellinger sei diese vertrauensvolle Zusammenarbeit etwas ganz Besonderes und der schönste Beweis dafür, dass der „Theatervirus“ im positiven Sinne ansteckend sei.


"Nuit fatale": Das Publikum wird selbst zum Ermittler

Den Auftakt des Abends bildete der interaktive Krimi „Nuit fatale“ von Lena Fox, der die Zuschauer mitten in die Goldenen Zwanziger versetzte. Im Mittelpunkt steht das Restaurant "Der Tempel", in dem ein verbotener exotischer Fisch serviert wird, der bereits mehrere Todesfälle verursacht hat.

Mit viel Tempo, pointierten Dialogen und zahlreichen überraschenden Wendungen entwickelte sich der Mitmachkrimi zu einem kurzweiligen Auftakt, bei dem das Publikum bis zuletzt auf falsche Fährten gelockt wurde. Die zwölf jungen Schauspieler überzeugten mit großer Spielfreude, sicherem Timing und viel Humor.

„Uns hat besonders gereizt, einmal einen interaktiven Krimi zu spielen“, erläuterte Ellinger. Anders als bei klassischen Kriminalstücken sollte das Publikum selbst ermitteln und durch seine Abstimmung den Fortgang der Handlung beeinflussen. Deshalb studierte die Theatergruppe zwei unterschiedliche Schlussfassungen ein. Ellinger. „Bei der Premiere am Mittwoch verfehlte das Publikum die richtige Lösung nur um sechs Stimmen.“

Anisha Kirchgäßner verkörperte den zwielichtigen Restaurantbesitzer Kurt Wilhelm. Der Besitzer des noblen Restaurants „Der Tempel“, wird brutal erschossen.  Hinter dem Mord verbergen sich dunkle Geheimnisse rund um das Restaurant.  

Emily Wilms überzeugte als ebenso schlagfertige wie verletzliche Kriminalkommissarin Kitty LaBelle.

Sie sollte den Fall lösen – doch stattdessen wird sie bewusstlos, blutverschmiert und mit der Tatwaffe in der Hand neben der Leiche aufgefunden. Die Hauptverdächtige ist somit ausgerechnet die Ermittlerin selbst, denn sämtliche Indizien sprechen gegen sie. Nach einem Schlag auf den Kopf hat sie das Bewusstsein und damit ihre Erinnerung an die dramatischen Ereignisse der vergangenen Nacht verloren.

Clement Canel spielte ihren Noch-Ehemann Joe Gruber, der trotz persönlicher Enttäuschungen alles daransetzte, Kittys Unschuld zu beweisen.

Den dramaturgischen Reiz der Inszenierung bildete Kittys allmählich zurückkehrende Erinnerung. Nach und nach fügten sich einzelne Bilder und Begegnungen zu einem Gesamtbild zusammen.

Immer wieder wurden Szenen der verhängnisvollen Nacht aus neuen Blickwinkeln leicht verdunkelt nachgespielt, wodurch sich das Puzzle Stück für Stück zusammensetzte. Den besonderen Reiz des Stückes machte seine Interaktivität aus.

Nach dem ersten Teil wurde schließlich das Publikum selbst zum Ermittler. Mit roten Stimmzetteln stimmten die Zuschauer darüber ab, wen sie für den Täter hielten. Erst danach wurde – abhängig vom Abstimmungsergebnis – die entsprechende Schlussfassung gespielt. Dieses Mitmachkonzept sorgte dafür, dass die Spannung bis zur letzten Szene erhalten blieb.

Neben der spannenden Krimihandlung reizte die Theatergruppe vor allem die bewusst komödienhafte Überzeichnung vieler Figuren. Humorvolle Dialoge und skurrile Charaktere lockerten das Geschehen immer wieder auf. Gleichzeitig griff das Stück historische Bezüge der 1920er Jahre auf.

Besonders Kitty LaBelle verkörperte mit ihrem selbstbewussten Auftreten und ihrem Streben nach Unabhängigkeit ein modernes Frauenbild, das sich deutlich von den damaligen gesellschaftlichen Rollenbildern abhob. Sie erlieh der Kriminalkommissarin  genau die richtige Mischung aus Schlagfertigkeit, Charme und Verzweiflung.

Im Laufe der Handlung geraten immer neue Personen unter Verdacht. Hinter der Fassade des Restaurants "Tempel" offenbaren sich Korruption, Erpressung und ein lukratives Geschäft mit einem verbotenen Fisch, der bereits mehrere Todesfälle verursacht hat. Die Zuschauer werden bis zuletzt über die Identität des Täters im Ungewissen gelassen. 

Theo Höfler gab den energischen Polizeichef Franz Hahn, der Kitty hartnäckig unter Druck setzte. 

Als Kitty LaBelle schließlich vom Polizisten Ben Ole Jung entsprechend dem Votum des Publikums verhaftet wird, scheint der Fall gelöst – doch erst die Schlusssequenz enthüllt die wahren Hintergründe und zeigt, wie eng Mord und die kriminellen Machenschaften im Restaurant miteinander verknüpft sind.

Als Mitwisserinnen des illegalen Fischhandels verkörperte  Ella Baier  die im Restaurant „Tempel“ arbeitende  Edith Masulke 8 (li.),  während Stella Roger als Köchin Frieda Mehlmann den umstrittenen exotischen Fisch verarbeitete. Beide streiten darüber, dass ihr illegaler Fischhandel endlich beendet werden müsse, weil dadurch immer wieder Gäste sterben. .

In der Rückblende gab dann auch Edith Masulke den tödlichen Schuss ab. In der Schlussszene gesteht sie, dass sie Kurt eigentlich nur bedrohen wollte, ihn dann aber erschoss. Sie rechtfertigt ihre Tat damit, dass Kurt sie immer weiter in die Machenschaften hineingezogen habe. 

  Edith präparierte die bewusstlose Kitty als Täterin.

Bürgermeister, Restaurantbesitzer, Angestellte und weitere Figuren schienen jeweils eigene Motive zu besitzen, sodass sich der Kreis der Verdächtigen ständig verändert. Zum Kreis der Verdächtigen gehörten so auch Kilian Sommer als korrupter Bürgermeister Erwin von Bach, und Freya Balzer als dessen Stenotypistin,

 Jan Weikert als Betreiber des „Stundenhotels“ Bruno Meyer und

Milou Schneider als junge Dame und Freundin des Bürgermeisters (re.).

Eliza Meyer (re.) vervollständigte das Ensemble als Kellnerin des Restaurants.

Mit viel Tempo, pointierten Dialogen, gelungenem Witz und zahlreichen überraschenden Wendungen gelang es dem Ensemble, das Publikum bis zur letzten Szene in Atem zu halten

Teil 2 - Im Orientexpress wird jeder zum Verdächtigen: siehe nachstehender Link (folgt noch)

 

Weitere Fotoimpressionen von Teil 1:

Text und Fotos Dieter Gürz
Text und Fotos Dieter Gürz
Text und Fotos Dieter Gürz
Text und Fotos Dieter Gürz
Text und Fotos Dieter Gürz
Text und Fotos Dieter Gürz
Text und Fotos Dieter Gürz
Text und Fotos Dieter Gürz
Text und Fotos Dieter Gürz
Text und Fotos Dieter Gürz
Text und Fotos Dieter Gürz
Text und Fotos Dieter Gürz
Text und Fotos Dieter Gürz
Text und Fotos Dieter Gürz
Text und Fotos Dieter Gürz
Text und Fotos Dieter Gürz

Text und Fotos Dieter Gürz

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