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41 Jugendliche aus den USA zu Gast in Veitshöchheim – Austauschschüler erleben Politik, Kultur und Nachhaltigkeit hautnah

Veröffentlicht am von Dieter Gürz

Seit mehr als 35 Jahren bringt der Verein GIVE e.V. Jugendliche aus aller Welt nach Deutschland – nun führte ihr Weg auch nach Veitshöchheim. Am Samstag, 30. August, besuchten 41 amerikanische Austauschschüler des Parlamentarischen Patenschaftsprogramms (PPP) die Gemeinde und erlebten einen Tag voller Eindrücke aus Politik, Kultur und Nachhaltigkeit (im Bild nach einer Wanderung am EU-Mittelpunkt im Ortsteil Gadheim).

Das PPP ist ein Stipendienprogramm des Deutschen Bundestages in Zusammenarbeit mit dem US-Kongress. Jedes Jahr verbringen junge US-Amerikaner zehn Monate in deutschen Gastfamilien, besuchen Schulen und fungieren als Juniorbotschafter. Umgekehrt reisen deutsche Jugendliche für ein Jahr in die USA. Derzeit absolvieren die 15- bis 18-Jährigen einen vierwöchigen Sprach- und Orientierungskurs in der Jugendherberge Würzburg. Geleitet wird das Camp von der Veitshöchheimer Medienpädagogin Antje Lenz, die Unterricht, Ausflüge und das pädagogische Team koordiniert.

Nachhaltigkeit praktisch erlebt

Am Vormittag besuchten die Jugendlichen die Ausgabestelle des Vereins KostBar Veitshöchheim e.V. im Berufsförderungswerk.

Vorsitzende Doris Winkler berichtete, dass in Deutschland jährlich rund elf Millionen Tonnen Lebensmittel im Müll landen. Umso beeindruckter waren die Gäste, dass der Verein seit seiner Gründung 2023 bereits acht Tonnen Lebensmittel gerettet hat.

Die 17-jährige Kayla Githens aus Montana zeigte sich erstaunt: „Wir waren überrascht, wie viele Produkte noch gut sind, obwohl sie nicht mehr verkauft werden dürfen.“ In den USA gebe es nur vereinzelt kirchliche Initiativen, hier werde zudem aktiv die Umwelt geschont.

Gunnar Morgan (17) aus dem Bundesstaat Washington schilderte dagegen, wie seine Familie auf der eigenen Farm fast autark lebt – Überschüsse landen dort bei Tieren oder auf dem Kompost.

Praktisch durften die Jugendlichen selbst mithelfen: Gemeinsam bereiteten sie aus geretteten Kartoffeln knusprige Chips mit Quark zu.

Besuch am EU-Mittelpunkt und politische Begegnung
 

So gestärkt machten sich dann alle auf den Weg zum EU-Mittelpunkt, der seit dem Brexit Großbritanniens am 31.1.2020 im Veitshöchheimer Ortsteil Gadheim liegt. 

 

Politik hautnah

Danach ging es den Berg hinab zum Naturfreundehaus. Hier stand ein Gespräch mit Molina Klingler, frisch gewählte Stadträtin der Grünen in Würzburg, auf dem Programm. Sie berichtete über ihr Engagement in Natur- und Artenschutz, Familienpolitik und Integration. „Im Stadtrat möchte ich mich besonders für Frauen, Familien und mehr Chancengleichheit einsetzen“, sagte die 36-Jährige.

Die Schüler schätzten den offenen Austausch – eine Erfahrung, die viele aus ihrer Heimat so nicht kennen.

„In den USA haben wir selten Gelegenheit, so direkt mit Politikerinnen zu sprechen“, meinte die 18-jährige Ana Popovice aus Alaska (rechts) die fließend Deutsch spricht und an der Universität Gießen studieren möchte.

Geschichte im Jüdischen Kulturmuseum

Am Nachmittag führte der Weg in den historischen Ortskern, wo die Gruppe das Jüdische Kulturmuseum besuchte. Dort erfuhren sie von der langen und bewegten Geschichte der jüdischen Gemeinde. „Es war bewegend zu sehen, wie jüdisches Leben hier Teil des Alltags war – und dann fast ausgelöscht wurde.

Wir müssen uns daran erinnern, damit so etwas nie wieder passiert“, sagte der 16-jährige Nico Caruso aus Kalifornien. Bedauert wurde lediglich, dass das Museum keinen digitalen englischen Führer anbietet.

Bedauert wurde von den Jugendlichen, dass es für das JKM keinen digitalen Führer auf englisch gibt.

Der Aufenthalt in Würzburg endet für die Jugendlichen am 4. September 2025. Dann geht es für alle mit dem Zug für zehn Monate zu den Gastfamilien über ganz Deutschland verteilt vom Allgäu bis Hamburg.

Leider hatte Antje Lenz seit April vergeblich nach Gastfamilien hier in Veitshöchheim und Umgebung gesucht.

Gastfamilien dringend gesucht

Dabei würden Beispiele zeigen, wie bereichernd ein solcher Austausch sein kann: Im vergangenen Jahr lebte der US-Schüler Jeramie Kim aus Oregon in Veitshöchheim, besuchte das Gymnasium und brachte sich engagiert in die Schülerzeitung ein.

GIVE e.V. vermittelt ganzjährig Jugendliche aus den USA in deutsche Familien. „Ob Großfamilie, Alleinerziehende oder Paar ohne Kinder – wichtig sind Geduld, Toleranz und die Bereitschaft, das Gastkind in den Alltag zu integrieren“, betont Antje Lenz.

Umgekehrt können deutsche Jugendliche über GIVE ein High-School-Jahr in einem dieser Länder verbringen.

Weitere Informationen und Kontaktdaten finden Interessierte auf der Website von GIVE e.V. (nachstehender Link).

Fotos Dieter Gürz

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