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Lesen lernen mit Leichtigkeit: Kerstin Bertsch aus Veitshöchheim gibt Intensivtrainings bei Lese-Rechtschreib-Schwäche – mit erstaunlichen Erfolgen

Veröffentlicht am von Dieter Gürz

 „Kerstin, du hast unser Leben verändert.“ Worte wie diese sind keine Seltenheit für Kerstin Bertsch. Die Lerncoachin aus Veitshöchheim begleitet seit Anfang 2023 Kinder – und auch Erwachsene – mit Lese-Rechtschreib-Schwäche (LRS) durch ein ungewöhnlich intensives und wirksames Förderprogramm.

Innerhalb von nur sieben Tagen machen die Teilnehmenden dabei oft enorme Fortschritte. Und viele Familien, die sich zuvor jahrelang erfolglos durch Therapien und Trainings gearbeitet haben, schöpfen neue Hoffnung.

Bertsch ist seit knapp fünf Jahren als Lerncoach tätig, ursprünglich, um die eigenen Kinder besser unterstützen zu können. Während der Pandemiezeit entdeckte sie ihre Begeisterung für das Thema Gedächtnistraining neu und ließ sich bei Gedächtnistrainer Markus Hofmann professionell ausbilden. Bald wurde daraus ihr berufliches Herzensthema – sie wollte auch anderen Kindern helfen, mit smarten Techniken effektiver zu lernen.

Es folgte die Ausbildung zur Life-Kinetik-Trainerin – einer Trainingsform, die Bewegung mit kognitiven Reizen kombiniert. Doch etwas fehlte noch.

„Ich wurde von Eltern gerufen, um ihre Kinder zum Lernen zu motivieren“, erzählt Bertsch. „Aber bei manchen merkte ich: Ich komme gar nicht weiter, weil sie noch nicht richtig lesen oder schreiben konnten.“ Immer häufiger stieß sie auf dieses grundlegende Problem – und beschloss, sich gezielt darauf zu spezialisieren. Sie absolvierte eine Zusatzausbildung bei LRS Deutschland und bietet seither auch Ferienkurse in Veitshöchheim an, die sich ganz der gezielten Förderung von Kindern mit LRS widmen.

Die Kurse laufen sieben Tage am Stück – mit maximal drei Kindern gleichzeitig, ohne Diagnosenachweis, auf Wunsch auch mit Schulbefreiung. Und sie finden nicht in Schul- oder Therapieräumen statt, sondern ganz bewusst bei Bertsch zuhause – am Esstisch, in entspannter Atmosphäre. „Ich wollte weg vom starren Schulsetting. Keine festen Pausen, kein steriler Raum. Kinder sollen sich hier wohlfühlen – das macht einen riesigen Unterschied“, sagt sie.

Und tatsächlich: Kinder, die mit gesenktem Kopf und innerlich blockiert zum ersten Tag kommen, verlassen das Haus oft am letzten Kurstag mit strahlenden Augen. Sie können plötzlich lesen, Wörter schreiben – und wieder an sich glauben.

Bertsch berichtet von einem Zehnjährigen, der mit seinen Eltern über 600 Kilometer von der Nordseeküste angereist war. In Diktaten produzierte er anfangs unleserliche Buchstabensalate – „aus einem Wort wie ‚Auto‘ machte er ein wirres Konstrukt aus zehn Buchstaben“, erinnert sie sich. Am dritten Tag flossen bei der Mutter Tränen der Rührung – weil ihr Sohn plötzlich fehlerfrei diktierte.

Mittlerweile hat Bertsch rund 30 Kinder aus ganz Deutschland betreut. Auch Azubis und Erwachsene sind in ihren Kursen willkommen. Die Methode von LRS Deutschland kombiniert klare Strukturen mit viel Bewegung und Lebensnähe. Life-Kinetik-Übungen sorgen für die nötige Gehirnaktivierung. Denn für Bertsch ist klar: „Lese- und Rechtschreibschwierigkeiten haben ganz viel mit Gehirnentwicklung zu tun. Deswegen kann man hier mit den richtigen Impulsen so viel erreichen.“

Ein Ansatz, der sich offenbar herumspricht. Immer mehr Eltern nehmen lange Anfahrten in Kauf, um ihrem Kind den Weg zu mehr Leichtigkeit beim Lesen und Schreiben zu ermöglichen. Manche bekommen von ihren Schulen sogar die Genehmigung, den Intensivkurs während der regulären Unterrichtszeit zu besuchen.

Bertsch betont: LRS ist keine Frage der Intelligenz. „Viele Kinder mit LRS sind hochintelligent, sie verarbeiten Sprache nur anders.“ Leider stoßen diese Kinder oft auf Unverständnis – bei Lehrkräften, im Freundeskreis, sogar im eigenen Umfeld. Die Folge: Scham, Rückzug, Frust. Aufklärung sei deswegen ein zentrales Anliegen ihrer Arbeit. Deshalb bietet sie auch Vorträge für Schulen, Institutionen und Firmen an.

Denn auch Erwachsene profitieren von ihrem Ansatz. „Wenn Buchstabenflut zum Albtraum wird, wirkt sich das auf alle Lebensbereiche aus – vom Bewerbungsschreiben bis zum Mailverkehr im Beruf“, sagt sie. Umso wichtiger sei es, sich auch als Erwachsener nicht zu schämen, sondern Hilfe zu suchen.

„Ich wünsche mir so sehr, dass noch viel mehr Menschen erfahren, wie viel sich in kurzer Zeit verändern lässt“, sagt Bertsch. Das Echo der Eltern gibt ihr recht: „Unser ganzes Familienleben war vorher auf Üben, Üben, Üben reduziert – jetzt ist endlich wieder Platz für schöne Dinge.“

Foto: Sven_s Bildwerke-9120-1

 

Kerstin Bertsch ist auch Mitautorin des im Oktober 2024 erschienenen Buches „Bock auf Schule“, Herausgeberin Alexandra Renkawitz, das als Gemeinschaftsprojekt mit elf befreundeten Lerncoaches aus einer spontanen Idee bei einem Treffen heraus entstanden ist.  In ihrem Kapitel spricht Bertsch über Lernmotivation und gibt Tipps dazu.

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