Blues unter weißblauem Himmel: 150 Gäste zum Abschluss der Sommerkonzerte im Synagogenhof
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Der Synagogenhof des Jüdischen Kulturmuseums in Veitshöchheim bot am Sonntagabend bei lauen Temperaturen und einem weiß-blauen Himmel wieder jene unvergleichliche Atmosphäre, die ihn seit 2008 zur Heimat der Sommerkonzert-Reihe von Profimusiker Rainer Schwander und dem Kulturamt der Gemeinde gemacht hat. Zum sechsten und letzten Konzert der Saison fanden sich über 150 Gäste ein, um die stimmgewaltige Würzburger Blues-Sängerin Linda Schmelzer zu erleben.
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Die Blues-Sängerin, die seit Jahren zu den prägenden Stimmen der Region gehört, trat in reduzierter Besetzung auf. Gemeinsam mit Jochen Volpert (Gitarre), Chui Lang (Bass) und Stefan Schön (Schlagzeug) formte sie ein Quartett, das dem Publikum einen intensiven Abend bescherte.
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Wer die „weiße Frau mit dem schwarzen Timbre“ schon einmal gehört hat, weiß, was ihn erwartet: eine Power-Bluesstimme, die unter die Haut geht – mal laut, mal leise, heiter oder traurig, stets tief aus der Seele sprudelnd. Schmelzer berührt und bewegt ihre Zuhörer mit jeder Nuance. „The Blues is my passion and my voice is my instrument“, sagt sie über sich selbst.
Begeisternde Rezensionen erhielt sie bereits für ihr Album Pearls, das sie mit elf Mitwirkenden live im Würzburger Studio Nassau produzierte und 2022 unter dem Label „Timezone“ veröffentlichte.
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Für den Auftritt im Synagogenhof brachte sie drei ihrer „Musikerjuwelen“ mit und formte mit ihnen ein auf Quartettgröße reduziertes Ensemble.
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Allen voran Jochen Volpert, seit über 40 Jahren eine feste Größe in der deutschen Blues- und Jazzszene. Der Gerbrunner Gitarrist hat im Laufe seiner Karriere zehn Alben veröffentlicht und sich mit zahlreichen Live- und Studioprojekten einen Ruf als virtuoser Stilgrenzengänger erspielt. Bereits mehrfach war er bei der Veitshöchheimer Sommerkonzert-Reihe zu hören: 2017 begeisterte er gemeinsam mit Sängerin Carola Thieme mit Jazz, Blues und Soul vom Feinsten. 2020 entführte er in der Christuskirche mit seinem Quartett das Publikum in die goldene Ära der Bluesgitarristen der 70er-Jahre. Auch diesmal überzeugte Volpert mit emotionsgeladenen Soli, rebellisch und zugleich voller Gefühl. Seine wahre Leidenschaft gehört dem Blues, auch wenn er mühelos durch verschiedene Musikstile wandert.
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Am Bass sorgte Chui Lang, deutscher Rockpreisträger und Funk-Spezialist, für einen satten Groove-Teppich, auf dem sich Gesang und Gitarre frei entfalten konnten.
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Für die rhythmische Präzision stand Stefan Schön, der schon 2020 in der Christuskirche an Volperts Seite gespielt hatte. Damals verlieh sein reduziertes Schlagzeugspiel dem Konzert eine intime Note, diesmal trieb er im Synagogenhof das Quartett mit kraftvollem, aber feinfühligem Spiel voran.
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Gleich zu Beginn setzte die Sängerin mit dem Starttitel aus ihrem aktuellem Album Pearls „Move Over“ der US-amerikanischen Rock- und Bluessängerin Janis Lyn Joplin ein stürmisches Zeichen. Obgleich der erste weibliche Rockstar 1970 im Alter von 27 Jahren an einer Überdosis Heroin verstarb, wird sie heute als eine Vorreiterin für Frauen in der Musikbranche angesehen. Nicht minder verausgabte sich Schmelzer im Anschluss bei B.B. Kings „Why I sing the Blues“ (1983), in dem sie mit ihrer kraftvollen Stimme die von King angeprangerte Unterdrückung Schwarzer zum Ausdruck brachte.
Ihr Gespür für jazzige Zwischentöne zeigte sich in dem Jazzrocksong „It’s Probably Me“ (1992), einem unglaublichen Song von Sting, Eric Clapton und Michael Kamen mit der Message "Es liegt an mir!"
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Unter die Haut ging „Damn Right I Got the Blues“ (1991) des 89jährigen Grammy-Preisträgers George Buddy Guy, der erst im Vorjahr seine Tourneetätigkeit beendete und ganze Gitarristen-Generationen wie Eric Clapton und Jimi Hendrix beeinflusste. Tief in die Tradition des elektrischen Blues entführte das Publikum mit Sonny Landreths „Congo Square" (1985) nach New Orleans, der mit seinem modifizierten 12-taktigen Moll-Blues und tollen Schlagzeugsolos einen einzigartigen Klang erzeugt.
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Mit John Lennons „Jealous Guy“ (1971) über einen eifersüchtigen Typen erreichte Schmelzers Stimme ungeahnte Höhen, begeisterte Volpert mit höchst virtuosem Gitarrenspiel.
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Mit dem Refrain "Night and day" sang das Publikum mit beim Rhythm-and-Blues-Klassiker „Night Time Is the Right Time" von Nappy Brown aus dem Jahr 1957, der durch spätere Versionen von Ray Charles, die Creedence Clearwater Revival und The Anmimals populär wurde.
Viel Applaus gab es auch für "A Chevrolet" (1971) von Taj Mahal mit tollen akustischen Gitarrenklängen.
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Den Höhepunkt bildete Bob Dylans berühmtes „All Along the Watchtower“ (1968), das als apokalyptische Allegorie auf eine Welt in der Krise interpretiert wird. Jimi Hendrix' gespielte elektrisierende Version mit ihrer treibenden Gitarre verlieh dem Song eine neue Dimension und machte seine Themen Chaos und Unvermeidlichkeit noch greifbarer und fesselnder.
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Mit James Browns „It’s a Man’s World“ (1966) spannte Schmelzer den Bogen weiter, bevor sie sich in der Zugabe mit dem Blues-Feeling von Etta James’ Ballade „I’d Rather Go Blind“, von Rod Stewart 1972 gecovert, endgültig in die Herzen des Publikums sang.
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So entstand für das Publikum ein mit viel Beifall nach jeder Nummer bedachtes intensives Konzerterlebnis, das zwischen Clubatmosphäre und Freiluftbühne oszillierte – mal nah und intim, mal voller Energie, stets getragen von der spürbaren Freude am Zusammenspiel.
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Mit diesem Auftritt endete die diesjährige Sommerkonzert-Reihe, die seit 17 Jahren die unterschiedlichsten Stilrichtungen an den besonderen Ort bringt – von Klassik und Jazz über Folk und fränkische Volksmusik bis hin zu orientalischen und mittelalterlichen Klängen.
Kulturamtsleiterin Karen Heußner zog ein positives Fazit: „Wir wollten von Anfang an Musik in ihrer ganzen Vielfalt an diesem besonderen Ort hörbar machen – und auch nach all den Jahren gibt es immer wieder neue Überraschungen. Es ist schön zu sehen, wie treu unser Publikum ist und wie dieser Hof jedes Mal aufs Neue mit Leben erfüllt wird.“
Sie bedankte sich bei allen Gästen für ihre langjährige Unterstützung und blickt bereits mit Vorfreude auf die nächste Saison.
Fotos Dieter Gürz
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