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Eine beispielhafte dramatische Rettungsaktion einer durch eine Nilgans verletzten Stockente mit ihrem Nachwuchs im Veitshöchheimer Hofgarten

Veröffentlicht am von Dieter Gürz

Die Veitshöchheimerin Brigitte Wegner ist noch voller Adrenalin, wenn sie erzählt, was sie am Fronleichnamstag erlebt hat. Die Anwohnerin der Oberen Maingasse sah, wie eine Entenmutter mit ihren neun Jungen, vom Main kommend die Gasse hinauf in den Hofgarten und dort zum kleinen See spazierte. Kaum im Wasser angekommen, näherte sich mit Drohgebärden eine Nilgans. Als die Entenmutter sich vor ihre Jungen begab, um sie zu schützen, wurde sie von der Nilgans gepackt, unter Wasser gedrückt und von ihr mit dem Schnabel behackt. Wie Brigitte Wegner feststellen musste, hat die Stockente am Kopf aus den Augen geblutet, ist nur noch im Kreis geschwommen.

Sie hat sofort ihren Mann Roland angerufen, der mit einem Käscher kam und die Ente mit ihren Jungen einfing. Nachdem das Tierheim in Würzburg ablehnte, brachten sie die Enten in ihren Garten und umgaben sie zum Schutz mit einem Zaungeflecht.

Brigitte Wegner umsorgte die Entenfamilie, kochte ihnen Eier und stellte ihnen eine Wasserschale hin, wo die Jungen sogleich badeten und sich total fit fühlten.
Doch da war ja noch das blutende Auge der Entenmutter. Das Tierheim in Würzburg hatte ihnen ein Tierarzt in Kitzingen empfohlen, der jedoch sagte, die Behandlungkosten müssten  sie selber zahlen. Die Wegners konnten dann mit der verletzten Ente im Käfig die örtliche Tierarztpraxis Konrad aufsuchen, die ihr Medikamente verabreichte.

Das Ehepaar Wegner hatte nun Angst, die Tiere über Nacht draußen ungeschützt gegen Greifvögel in ihrem Garten zu lassen. Nach einem erneuten Anruf im Tierheim war dieses nun mit einer Einlieferung der Entenfamilie einverstanden.

Die Nilgänse sind den Wegners ein Dorn im Auge. Wie sie berichten, war dies nicht der erste Vorfall im Hofgarten. Brigitte Wegner: "Die jagen alles, was sich ihnen in den Weg stellt. Wenn Leute die Enten füttern, werden diese von den Nilgänsen weggejagt." Einmal hatte sie beobachtet, dass eine Ente ihr Nest in einem Baum am Rande des kleinen Sees im Hofgarten hatte. Ihr Schwager hatte noch gesehen, dass ihre sechs Jungen ins Wasser purzelten. Am nächsten Morgen lagen alle tot im Wasser. Wegner: "Das kann nur die Nilgans gewesen sein, die sie getötet und im Wasser liegen gelassen hat, denn Greifvögel hätten sie mitgenommen."

Eine Population der Nilgänse ist auch in Veitshöchheim zu beobachten, hier aktuell ein Foto vor der Schiffsanlegestelle.

Die Stockenten haben seitdem Probleme, ihren Nachwuchs durchzubekommen. Man sieht kaum noch Junge.

Wie in einer Abhandlung auf NABU BAWÜ zu lesen ist, gelten Nilgänse als besonders aggressiv. Weiter heißt es:

Erklärt wird dieses Verhalten mit ihrer Herkunft: In Afrika müssen sich Nilgänse gegen verschiedene Beutegreifer verteidigen. Das Gänseverhalten unterscheidet sich deutlich von dem uns vertrauteren „braven“ Verhalten der Enten. Möglicherweise fallen uns Nilgänse auch mehr auf, da sie größer und ruffreudiger sind.
Aggressionen zeigen Nilgänse nur in ganz bestimmten Situationen:
- bei Nahrungskonkurrenz, vor allem an Fütterungen
- zum Schutz von Nest oder Jungvögeln sowie
- bei Unterschreiten eines Individualabstandes von 30 bis 50 Zentimetern zu anderen Tieren.

 

Nilgänse sind nicht grundsätzlich auf Krawall gebürstet, denn Aggression birgt ja auch die Risiken einer Eskalation oder Verletzung und kostet Energie. Aggressives Verhalten verläuft in zwei Stufen: erst drohen, dann kämpfen. Zum Drohverhalten gehören Kopf recken, Gefieder plustern, Schnabel öffnen, lautes Rufen, geöffnete Flügel und kurze Verfolgungen. Fruchten die Drohgebärden nicht, geht die Nilgans in den Kampf über, zu dem Beißen, Behacken und Untertauchen zählen. Gegenüber den meisten anderen Vogelarten verhalten sich Nilgänse neutral, gleichgültig und desinteressiert. Ausnahmen sind die bereits genannte Nahrungskonkurrenz, geringer Abstand oder Verteidigung des Nachwuchses. Damit unterscheiden sich Nilgänse kaum von anderen Wasservogelarten wie Höckerschwan, Blesshuhn oder Haubentaucher, die ähnliche Verhaltensmuster zeigen. Auf Gewässern gibt es offenbar eine „Hackordnung“, die von der Körpergröße bestimmt wird. Hier reiht sich die Nilgans bei den größeren Arten ein. Gegenüber kleineren Arten werden vor allem Attacken gegenüber Stockenten beobachtet.  In Einzelfällen kann es zur Tötung anderer, meistens kleinerer Wasservögel kommen.

Wenn Ruheplätze, Brutplätze und Nahrung knapp sind, sind Konflikte vorprogrammiert. Einzelvögel können sich schnell zu nahe kommen und aggressiv reagieren. Nilgänse sind auf Stadtgewässern eindeutig aggressiver, meistens gegenüber Artgenossen.

Nilgänse wurden durch uns Menschen in Mitteleuropa eingebürgert und wir offerieren ihnen vielerorts Lebensbedingungen, die ihren Ansprüchen sehr entgegenkommen. In unserer Umwelt sind sie mittlerweile etabliert. Wir werden uns mit dieser zunehmend häufigeren Vogelart arrangieren und weitere Erkenntnisse über sie gewinnen müssen. Vorurteile helfen uns dabei nur wenig weiter. Allerdings sind weitere Beobachtungen, Studien und Erfahrungen im Umgang mit dieser Vogelart notwendig. Nilgänse sind nicht aggressiver als andere Wasservogelarten auch.
- Schnabelbisse sind selten und treten nur am Brutplatz oder während der Jungenaufzucht auf.
- Nilgänse werden derzeit nicht als schädlich für andere Arten eingeschätzt.

Für alle Wasservögel gilt grundsätzlich:
- Respektieren Sie Wasservögel! Halten Sie zu Wasservögeln und zu Nilgänsen im Besonderen stets einen Abstand von mind. einem Meter ein.
- Nähern Sie sich nicht Nestern, brütenden Altvögeln oder flüggen Jungvögeln, die von Altvögeln begleitet werden.
- Auch wenn es Spaß macht: Füttern Sie bitte konsequent keine Wasservögel an Seen, Flüssen, Parkteichen oder im Freibad!

Fotos: Entenfamilie im Zaungehege: Brigitte Wegner - Nilgänse und Stockenten am Main: Dieter Gürz

Nilgans-Auszug Wikipedia

Konflikte in Deutschland

Die zunehmende Verbreitung der Nilgans zum Beispiel in Deutschland schafft Probleme. Insbesondere in urbanen Gebieten kann die Nilgans als Plage empfunden werden, da die Gänse aggressiv Liegewiesen und Radwege erobern können, wenn diese in ihrem Revier liegen, und sie so erholungssuchende Menschen stören. Ferner wird der Kot auf Liegewiesen als Problem empfunden. In Frankfurt am Main beispielsweise hat das Gesundheitsamt festgestellt, dass vom Kot der Nilgänse in öffentlichen Freibädern Gefahren für die Gesundheit insbesondere von Kleinkindern ausgehe. Die Stadtverwaltung hat daher entschieden, die Tiere abzuschießen.[17][18][19] Diese Vorgehensweise ist jedoch bei Wissenschaftlern umstritten. So spricht sich der Ornithologe Martin Kraft von der Philipps-Universität Marburg gegen die Tötungsaktion im Frankfurter Brentanobad aus und stellt das Gefährdungspotenzial von Nilganskot in Frage: „Solche Darmbewohner kommen überall und bei vielen Tierarten vor, auch bei den Vögeln“ und auch beim Menschen. Die gleiche Gefahr gehe also auch von Hunden, Katzen und sämtlichen anderen Tieren aus. Kraft weiter: „Der Kot ist ungefährlich, solange man ihn nicht kräftig durchkaut.“[20]

Auswirkungen auf die heimische Vogelwelt in Europa

Die Verbreitung der anpassungsfähigen und aggressiven Nilgans kann Auswirkungen auf die heimische Vogelwelt, insbesondere auf andere Wasservögel haben, zum Beispiel lokale und vereinzelte Verdrängung. Nilgänsen wird ein ausgeprägtes Aggressionsverhalten zur Brutzeit gegenüber anderen Wasservögeln zugeschrieben. Genauere Untersuchungen haben gezeigt, dass von aggressivem Verhalten andere Nilgänse und Entenvogelarten mit einem Gewicht von 1.000 bis 3.000 Gramm betroffen sind. Dabei hängt die Aggressionsbereitschaft von der Vogeldichte am Gewässer und nicht vom Futterangebot ab. Attacken von Nilgänsen betreffen fast nur die Stockente. Attacken auf Junge führende Stockenten enden manchmal mit dem Tod von Stockentenküken. Hingegen wurden Junge führende Reiherenten und Teichhühner nicht attackiert.[21] Auch sind Fälle bekannt, in denen Nilgänse Weißstorchennester, Wanderfalkenhorste und Schleiereulennistplätze übernommen haben und dabei diese Arten am Brüten hinderten.[22][23][24][25] Eine Bekämpfung wurde vereinzelt nicht empfohlen.[26]

26. März 2018, Süddeutsche Zeitung

Tiere - Frankfurt am Main:Stadt Frankfurt startet Modellprojekt gegen Nilgänse

Frankfurt/Main (dpa/lhe) - Nilgänse in Scharen nerven auf Frankfurter Grünflächen und gefährden die Menschen mit ihrem Kot. Mit einem Modellprojekt will die Stadt Frankfurt die unbeliebten Tiere nun vertreiben. Begonnen wird mit dem "Modellprojekt Nilgans-Management" heute im Ostpark. Dort soll unter anderem ein Schutzzaun aufgestellt werden. Hinweisschilder informieren die Besucher künftig über die Maßnahmen und das Fütterungsverbot, teilte die Stadt mit.

Im Frankfurter Brentanobad waren die Gänse im Winter sogar zum Abschuss freigegeben. Ein Jäger in türkisfarbener Kleidung, die die Tiere an die Bademeister erinnern sollte, hatte sechs Gänse erlegt.

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E
Sehr geehrter Herr Gürz.
Tja - durch Schaden wird man klug!
War doch abzusehen, dass solche Wassertiertragödien in den Hofgartengewässer passieren werden. Doch wie sehr wurden diese Nilgansbiester hier im Dorfe hochgejubelt - als seltene und hochwillkommene Spezies begrüsst. (u.a. auch in Ihrem -blog), obwohl seit Jahren bereits die umliegenden Anwohner der Erlabrunner-Staustufe schlimme, unangenehme Erfahrungen mit diesen eingewanderten Wasservögel gemacht haben und noch immer machen. Schellenten, Haubentaucher, Tafelenten etc. alle diese Entenarten sind kaum mehr zu beobachten in dieser Staustufengegend. Die Nilgänse haben sie attakiert, verjagt, getötet.
Gute Wünsche
Elisabeth Schilling-Küng
Antworten
D
Liebe Frau Schilling-Küng, ich habe nur festgestellt, dass die jungen Nilgänse sich prächtig entwickelt haben und ein beliebtes Fotoobjekt bei den Touristen waren - oder wollen Sie diese Fakten bestreiten