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Kulturreferent des Veitshöchheimer Gemeinderates: NIKOLAUS FEY eignet sich nicht als Namenspatron für eine Straße - Dazu auch die Meinung von Marc Zenner

Veröffentlicht am von Dieter Gürz

Nach Nikolaus Fey benannt ist in Veitshöchheim der rund 400 Meter lange Straßenzug von der Kreuzung am ehemaligen Ulsamer-Markt bis zur Einmündung in die Günterslebener Straße an der Christuskirche

Zur Diskussion um den fränkischen Dichter Nikolaus Fey aus Lohr

Viele nach Nikolaus Fey benannten Straßen werden derzeit umbenannt, wegen seinen nationalsozialistischen Verstrickungen. Auch in Veitshöchheim macht man sich derzeit Gedanken. Was ist dran an diesen Vorwürfen? Dieser Frage geht der Kulturreferent im Veitshöchheimer Gemeinderat, der Musiklehrer Bernhard von der Goltz nach:

Nikolaus Fey, der Heimatdichter:

Im Vorwort zum Liederbuch „Fränkische Lieder“ (erstellt im Auftrag des Bezirks Unterfranken, 1979) ist zu lesen:

„Seit 1938 singen die Windsheimer Mundartsänger mit großem Erfolg die zwei- und mehrstimmigen Weisen, die ihr langjähriger Dirigent Ernst A. Englert zu den Mundartgedichten von Nikolaus Fey geschrieben hat. Bei unzähligen Heimatabenden, welche der bekannte fränkische Mundartdichter Nikolaus Fey gestaltete, waren die Windsheimer aus dem Hafenlohrtal dabei. Es war ein glücklicher Zufall, dass sich die beiden Franken – der Dichter und der musikalisch begabte Lehrer – trafen und eng befreundeten….Mundartsprechen heißt, zu einer bestimmten Gemeinschaft, zu einem Volksstamm gehören. Die Weisheit eines Menschenschlages, innerste Gefühle und Lebenserfahrungen lassen sich am ehesten in Mundart ausdrücken…Nikolaus Fey (geb. 1881) hat das in Hochsprache kaum Ausbeutbare -  innigste Liebesbeziehungen, fröhlich Vergnügtes genauso wie das Leidvolle und Schmerzhafte in mundartliche Lyrik fassen können…“

In den 70er Jahren wurde Nikolaus Fey gefeiert als „Künder fränkischer Geschichte und Lebensart, als Mahner zur Besinnung inmitten einer gleichgültigen Umwelt, als ein Gestalter fränkischen Volkstums in bisher unübertroffener Poesie und Prosa….Ein wandernder  Missionar für die Sache Frankens“ (M.Schulter). Fey selbst sagt: „Meine dichterische Aufgabe sehe ich darin, durch das Gestalten in der Mundart das Eigentümliche des fränkischen Stammes, vor allem die Seele des Volkes in ihrer spielerischen Fülle des sonnigen, gemütstiefen, aber auch geistvoll ernsten und charakterstarken Wesens zu erfassen“.

Sein bekanntestes Werk ist wohl das Freilichtspiel „Florian Geyer“, das von 1925 bis heute sich großer Popularität erfreuen kann (https://wuerzburgwiki.de/wiki/Florian-Geyer-Spiele_(Giebelstadt).

Das, wofür ihn so viele Menschen in Franken lieb(t)en, kommt in dem Lied „Mein Frank´n“ schön zum Ausdruck, das in der unterfränkischen Chorszene sehr beliebt ist:

„Du, mein Franken herrlis Land, siech ich muaß dirsch sog:
Immer liaber ho ich dich, hetz mit jed´n Tog.
Ümmer mehr nu ziecht´s mei Harz zu die blaua Höäh.
O mei Aang (Augen) warn nix mehr sot, denn du bist sou schöä.

Bist im Frühjahr gar sou schöä, wennst di wieder streckst
Wenn en Nebel von dr blöäst un die Aangauf mechst.
Wenn in Tal und auf dr Höäh alles blüht und lacht
Und die Sunna auf dr Bäch wieder Sprüngli macht…..(4 weitere Strophen)“

Nikolaus Fey – der Blut- und Boden Dichter

Unter dem Eindruck der nationalen Euphorie war es für Nikolaus Fey ein kleiner Schritt in Richtung Blut und Boden-Dichtung. Der Lohrer  Schüler Phillip Steinheim thematisierte in einer Arbeit über Dr. Stadler und Nikolaus Fey zum Bundeswettbewerb Geschichte seinerzeit das Leben von Nikolaus Fey, wofür er einen ersten Preis erhielt. Die folgenden Zitate entstammen dieser Arbeit:

(Zitat):Bei der Machtübernahme Hitlers  schrieb Nikolaus Fey „Geleitworte an die Heimat“: „Die Heimat steht heute wieder im Leben als Sehnsucht und Ziel. Blut, Ahnengeist, Vätererbe, Überlieferung und Brauchtum rauschen in ihr wie neuerwachte Quellen. Am rechten Heimatkennen und am echten Heimatlieben muss sich die Sehnsucht entzünden zu Ehre und Treue, Freude und Stolz, zu Liebe für Land und Volk, zu Gott und Natur, und damit wird und wächst Sehnen und Streben, Wollen und Schaffen weltweit, nicht ins Internationale, aber ins Ewige. Und Ewigkeit will das tiefste Sehnen im Menschen, im deutschen vor allem.“

1934 kann Fey seiner Begeisterung Ausdruck verleihen, als Gauleiter Dr. Otto Hellmuth (einer der nationalsozialistischen Scharfmacher) zum Ehrenbürger ernannt wird. Fey schreibt: „Ehrenbürger, deine Treue, die Du trägst um unsere Heimat, Spessart, Rhön und Frankenland, wird uns Beispiel, sei uns Mahnung. Wenn Du rufst – und gält  es Blut und Gut zum Opfer – Lohr und Spessart kennt nur eins: Ein williges: Ja!“
Hellmuth – dessen Namen Lohr und Spessart stolzerfüllt den Seinen nennt – attestiert Fey in seinem Buch „Mitten durch Franken“:  „…Das vorliegende Buch will in der Sprache des Volkes, der fränkischen Mundart, den Franken ein Führer sein zu der Schönheit der Heimat, zu der Seele der Landschaft und zu der blut- und stammbedingten fränkischen Eigenart. Aus dem Urqell allen Volkstums, aus Blut und Boden, will es inneres Freuen strömen lassen zur Natur, Liebe und Stolz zur Heimat und aus ihnen Kraft und Willen zum Schaffen für Volk und Vaterland“.

Nikolaus Fey betreibt mit Gedichten Nazipropaganda. 1941 schrieb er in seinem Gedichtbändchen „Heemat, die Harz“ (vom Verfasser ins Hochdeutsche übertragen):

„Du spürst´s und trägs´ts und trägst´s in deinem Gemüt:
was ewiges liegt in deinem Geblüt.
Wenn du noch so lang und viel grübelst eine Ursach hat alles und ein Ziel:
…Vertrau Deinem Herzen, es spricht Recht,
wenn´s zu Dir sagt: Du bist kein Knecht,
keine unglückselige Kreatur,
wenn´s sagt, nach Anlag und Natur
hast Du ein Herr zu sein die Pflcht…
sorg, dass Deinem Blut der Stolz nicht fehlt
und drin, was leuchten kann, strahlt,
dass wir nicht ausgelöscht werden können,
wie Sonne und Sterne die immer brennen“…

„Dein Land, das weißt du, es ist in Not. Bub,  sei mit Herz und Willen Soldat. Wer kann ein Werk wie wir aufweisen? Keiner soll hungern, keiner soll frier´n. Bub, tu´s und denk oft drüber nach: Soldat bist du, für eine heilige Sach´. Und wäre im Krieg zu fallen dein Los – Soldatentod ist etwas Groß´. Fallen wirst Du nicht. Im Gegenteil, ich glaub dass Du froh und heil nach Hause kommst. Und das ist gewiss: Wenn Du heimkommst vom Feld, von der Welt bringst Du den größten Sieg.“

Nikolaus Fey wurde 1945 in seinem Entnazifizierungsprogramm als Aktivist (Gruppe 2) angeklagt. Die Spruchkammer Lohr stufte ihn am 26.4 1948 als Mitläufer ein. Fey wurde zu einer Sühnezahlung von 200 RM verurteilt.

Wie damit weiter verfahren wird, ist offen. Ein einfaches Vergessen und Ignorieren fände ich nicht gut. Eher ein aktives Erinnern – mit all seinen Licht- und Schattenseiten. Wir haben diese Geschichte und sollten dazu stehen. Nur - als Namenspatron für eine Straße eignet sich Fey nach meinem Dafürhalten nicht.

Bernhard v.d.Goltz, Kulturreferent

Kommentar des CSU-Fraktionssprechers Marc Zenner
Zum aktuellen Beitrag seines Kollegen von der Goltz übersandte Zenner per E-Mail seinen zum Thema Straßenumbenennung "Nikolaus-Fey-Straße" bereits am 25.2.2021 auf Facebook veröffentlichten Post:
 
"Auch in unserer Gemeinde verläuft seit 1972 eine Nikolaus-Fey-Straße, in der ich selbst sogar einmal mehrere Jahre gewohnt habe. Und auch bei uns sind Stimmen für eine Umbenennung der Straße laut geworden wegen Verstrickungen des Namensgebers im sog. "3. Reich".
 
In der Tat: Der Autor Nikolaus Fey hat nach bisher bekannten Quellen neben seinen Verdiensten um die Heimatdichtung und Mundart – Stichwort Florian Geyer Festspiele – auch als NS-Funktionär in der Propaganda gewirkt, hier in Mainfranken aber auch in Polen. Nach dem Krieg ist er soweit ersichtlich hierfür verurteilt, als Mitläufer eingestuft und für einige Zeit mit Berufsverbot belegt worden.
 
Nikolaus Fey ist als Person demnach aus der „sicheren Distanz“ der späteren moralischen und politischen Bewertung durchaus problematisch und absolut kein Vorbild. Wenn heute eine neue Straße benannt werden müsste, käme er mit Sicherheit nicht mehr in die nähere Auswahl. Es liegt mir auch fern, die Person Nikolaus Fey zu verteidigen.
 
Allerdings lässt mich grundsätzlich die Übereifrigkeit und teilweise moralische Überheblichkeit in der Frage von Straßenumbenennungen oder der Entfernung von Denkmälern nur mit dem Kopf schütteln - groteske Blüten inklusive.
 
Unsere Geschichte in Deutschland hat erfolgreiche, aber auch entsetzliche und dunkle Episoden. Sie alle prägen unsere Identität und sollten unser Handeln – praktisch und moralisch – heute zum besseren beeinflussen. Unsere Vergangenheit wird aber nicht besser und sie verschwindet nicht, wenn man sie mit aller Gewalt auszublenden versucht.
 
Wir sollten uns einmal fragen, was zu Ende gedacht, eigentlich weitere Konsequenzen wären:
Werden Richard-Wagner-Festspiele verboten und Plätze und Straßen umbenannt? Müssen Martin-Luther-Kirchen umbenannt werden? Fällt Bismarck in Ungnade? Wer ist als nächstes ein Problem?
Ich glaube, es gibt sogar noch negativere Auswirkungen: Man schafft damit eine analoge Blase der politischen Korrektheit.
 
Man kann einen Straßennamen nicht nur und ausschließlich als kritiklose Ehrung verstehen: Vielmehr kann man derartig problematische Straßennamen auch als „Stolpersteine der anderen Art“ begreifen, die zur Auseinandersetzung mit der Person und deren Leben anregen und dann vielleicht zum stillen Mahnmal werden.
 
Entfernt man das Andenken, dann mag das kurzfristig dem ein oder anderen moralische Befriedigung verschaffen, aber vielleicht hat man damit dann auch ungewollt in Wirklichkeit dem „Vergessen“ Vorschub geleistet.
 
Ich bin deshalb immer eher dafür, aufzuklären und die Bildung zu stärken! Dies kann mit einer Unterrichtsstunde in den örtlichen Schulen oder aber z.B. einer Tafel geschehen.
 
In jedem Falle aber, will ich keine Entscheidung gegen den Willen der betroffenen Bürger treffen, für die eine Umbenennung erheblichsten Aufwand bedeutet.
 
Eile ist nicht geboten. Wenn es CORONA zulässt, dann sollte eine öffentliche Veranstaltung zur fachlichen Auseinandersetzung mit Nikolaus Fey stattfinden und die Bürger sollten zu Wort kommen, insbesondere die betroffenen Bürger.
Dann wird im Gemeinderat eine wohl abgewägte Entscheidung zu treffen sein."

Fotos Dieter Gürz

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P
Allen, die meinen, sie müssten eine Straße mit einem Namen diesen Hintergrundes umbenennen kann ich nur sagen - dadurch wird die Geschichte dahinter nicht gelöscht. Ein Bibelwort fände ich auch passend: wer von euch ohne Schuld ist, werfe den ersten Stein. Damit will ich das Handeln eines Nikolaus Fey KEINESWEGS für gut befinden. Es ist aber traurig, dass es in dieser Zeit offenbar Menschen gibt, denen nichts hilfreicheres oder mitmenschlicheres einfällt, als sich über einen Straßennamen den Kopf zu zerbrechen. Haben diese Menschen keine anderen Sorgen? Aber vielleicht möchten diese "Denker" den Menschen - besonders den Senioren - durch den bürokratischen Wust helfen, den eine Umbenennung der Straßen nach sich zieht... Einfach mal drüber nachdenken, was wirklich wichtig ist im Leben....
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