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Gemeinde fordert Rückbau der Dachflächenfenster beim Ersatzbau des "Würzburger Hofes" - EG-Nutzung noch unklar

Veröffentlicht am von Dieter Gürz

waldbroel kirchstraße Straßenfront

Ist dem Bauherrn das Geld ausgegangen? Dies ist eine sehr häufige Frage, über die an den Veitshöchheimer Stammtischen  immer wieder debattiert und spekuliert wird angesichts der Tatsache, dass es  schon seit über einem halben Jahr nicht mehr mit dem im Rohbau stehenden Ersatzbau des "Würzburger Hofes" in der Ortsmitte gegenüber dem Rathaus weitergeht. Mit einem Tekturplan des Bauprojekts hatte sich nun auch der Hauptausschuss der Gemeinde in seiner Sitzung am Dienstag zu befassen. Dabei ging es um die entgegen der Baugenehmigung Ende April 2014 eingebauten drei Dachflächenfenster und um Fragen der Fassadengestaltung.


Gemeinde fordert Rückbau der Dachflächenfenster

Wie Bürgermeister Jürgen Götz in der Sitzung vortrug, sind nach der Ortsgestaltungssatzung der Gemeinde Dachflächenfenster nicht zulässig. Der planende Architekt Thorsten Götz habe den Einbau damit begründet, dass es sich um Dachliegefenster mit Rauchabzug handele und diese für den Brandschutz notwendig seien, dieser höher einzustufen sei als die Ortsgestaltungssatzung. Gleichwohl sah sich das Gremium nicht in der Lage, dem im November vorgelegten Befreiungsantrag zu entsprechen.

waldbroel kirchstraße EG Gewerberaum Innenhofansicht

Wie es hieß, seien auf der Westseite des Gebäudes Dachgauben für eine Studionutzung eingebaut worden und Dachflächenfenster somit  für die erforderliche Belichtung nicht notwendig. Um Bezugsfälle zu vermeiden, komme  auch eine Duldung nicht in Frage, so lautete der dazu einstimmig gefasste Beschluss. Eine eventuell für den Brandschutz notwendige Entrauchung sei planerisch auch ohne Dachflächenfenster zu lösen.


Ausschuss macht Vorgaben für die Fassadengestaltung

 

kirchstraße17FassadeGenehmigung  OstansichtKirchstraße   

Fassadenansicht laut Baugenehmigung vom 26. März 2012

Etwas mysteriös war dann für die Sitzungsbesucher der Punkt "Fassadengestaltung". Wie der Bürgermeister berichtete, fand in der zweiten  Maihälfte mit dem Bauherrn ein Ortstermin statt, da neben den Dachflächenfenstern auch andere  Bauteile wie die Öffnungen im Erdgeschoss abweichend von der Baugenehmigung ausgeführt wurden, also eckig statt mit runden Bögen.  Damals kam man überein, dass die Rundbögen hinsichtlich Größe und Abstände nach Plangenehmigung und die dort dargestellten Sockel- und Fenstergewände nicht in Form von Naturstein sondern als vorgesetztes Fassadenprofil aus Leichtbaustoffen ausgeführt werden. Eine Erläuterung der Ausführung und nähere Einzelheiten sollten der Gemeinde im Zuge der Gesamtfassadenplanung gesondert vorgelegt werden.

Auf Nachfrage der Gemeinde hatte dann der Architekt im Oktober erklärt, dass eine abschließende Konzeption noch nicht vorliegt.

kirchstraße17Fassadeinvino 2  kirchstraße17Fassadeinvino  

„Aufgrund des öffentlichen Drucks“, so der Architekt, legte er dann im November 2014 diese Ansichten als eine „aktualisierte“ jedoch noch nicht abschließende Planung mit dem Hinweis vor, dass die Nutzung für das Erdgeschoss noch nicht feststeht. Insofern war es verwirrend für die Ratsmitglieder, sich mit der auf eine Vinothek abgestimmten Fassadengestaltung auseinanderzusetzen.

In der Sitzung stellte daher der Bürgermeister fest, dass eine abschließende Entscheidung von Seiten der Gemeinde über die Fassadengestaltung ohne Nutzungskonzept nicht getroffen werden kann.

Gleichwohl traf das Gremium dann doch einstimmig zur Fassadengestaltung Festlegungen,  die der Bauherr unabhängig von der künftigen Nutzung bei der weiteren Planung zu berücksichtigen hat:

  • Bei Fassadengestaltung einschließlich der Ausführung von Werbeanlagen sind die Vorschriften der Ortsgestaltungsatzung strikt einzuhalten.
  • Das Zufahrtstor ist gebäudebündig zur Straße hin auszuführen.
  • Fenster- und Torrundungen sowie Sprossenfenster und Sockel sind entsprechend der erteilten Baugenehmigung auszuführen.
  • Gesimse, Rundungen, Leibungen und Sockel sind „erhaben“ auszuführen, deren Materialart, Profiltiefe und Farbgebung (auch der Fassade) mit dem Landesamt für Denkmalpflege abzustimmen.

Recherchen zum Bauprojekt

wuerzburgerHofPerspektive-hinten.jpg

Mit  einer Investitionssumme von über vier Millionen Euro, war es die größte private Baumaßnahme der letzten Jahre im Veitshöchheimer Altort, die die Waldbröl Bauprojekt GmbH auf dem 1311 Quadratmeter großen Grundstück nach Abbruch der alten Bausubstanz des Würzburger Hofes im April 2013 in Angriff nahm.

abbruchWueHof 00 19.4.13 10.25 Uhr 06 Straße wieder gerei abbruchWueHof 00 19.4.13 10.25 Uhr 03 Staub verzieht sich abbruchWueHof 01 19.4. von hinten um acht uhr abbruch 00

Fotos vom Abbruch

Mitte November 2013 feierte Ingenieur Hanns-Rainer Waldbröl zusammen mit Bauleuten und den Käufern der elf Wohnungen im rückwärtigen, zur Vitusschule orientierten Westriegel nach halbjähriger Bauzeit das Richtfest.

waldbroel kirchstraße Hintergebaeude Gartenansicht waldbroel kirchstraße Hintergebaeude Innenhof 2 waldbroel kirchstraße DGPH Blick

Der Westriegel ist zwischenzeitlich bis auf Restarbeiten fertiggestellt und von einigen Käufern auch schon bezogen. Die mit Aufzug erreichbaren Wohnungen haben  eine sehr hohe Wohnqualität. Von der Dachwohnung hat man einen einmaligen Blick auf die gesamte Hangbebauung Margetshöchheims.  Rechts ein Teilaspekt der Aussicht bis zur Landschaftserhebung in Erlabrunn.

WueHofKirchstraße1 
Der im Jahr 1874 erbaute und vor Abbruch elf Jahre leer stehende Gasthof „Würzburger Hof“ sollte in einem zweiten Bauabschnitt durch  einen Neubau mit Rekonstruktion der alten Straßenfassade  ersetzt werden. Es bestand seitens der Denkmalpflege Einverständnis, die bisherige Toreinfahrt  spiegelversetzt auszuführen.


Geplante Vinothek zu kostspielig

waldbroel kirchstraße EG Gewerberaum

Beim Richtfest des Westriegels hatte der Bauherr noch angekündigt, dass der Ostriegel zur Kirchstraße hin mit vier Wohnungen und einer 107 Quadratmeter großen Gewerbeeinheit  bis Oktober 2014 fertig sein soll.

Aber noch befindet sich das Gebäude im Rohbauzustand, obwohl laut Reinhard Müller, Käufer der Gewerbeeinheit, alle Einheiten längst verkauft sind mit der Vorgabe eines Fertigstellungstermins zum 31. Dezember 2014. Angeblich hatte bisher die als Generalunternehmerin tätige Baufirma Kress zeitliche Probleme mit ihren den weiteren Ausbau vornehmenden Subunternehmern.Ihm habe aber nun der Firmenchef zugesichert, dass es weitergehe.

kirchstraße17Fassadeinvino 1 waldbroel kirchstraße EG Gewerberaum Rundriss
Dem ehemaligen Eigentümer des Hotel-Cafés Müller schwebte ursprünglich vor, hier in der dazu prädestinierten Lage in der Ortsmitte eine Vinothek einzurichten, in der Wein und Kunst eine Verbindung eingehen und künftig auch Vernissagen und Ausstellungen über die Bühne gehen können.  Er hatte dazu deutschlandweit und auch in Österreich ähnliche Einrichtungen unter die Lupe genommen und sich durch den renommierten Würzburger Architekten Reinhard May bereits eine fertige Planung einschließlich Fassadengestaltung (siehe Darstellung) ausarbeiten lassen. Der Architekt plante in Verbindung mit dem Fränkischen Weinbauverband auch die  Vinothek/Weinprobierstube im ehemaligen Residenzladen in München.

Der in Pension gegangene 62jährige Konditor und Hotelier hatte vor, die Vinothek zusammen mit einem jungen Winzer noch einige Jahre zu führen und die Führung dann an diesen abzugeben. Wie er beim Pressegespräch sagte, sei seine Suche jedoch erfolglos gewesen. Wenn er noch jünger sei, hätte er das Projekt auch alleine durchgezogen. So aber gab er diese Absicht aufgrund der hohen Ausbaukosten  wieder auf.


Gewerblicher Mieter gesucht

Müller ist nun auf der Suche nach einem Mieter für die Gewerbeeinheit. Vorstellbar sei auch eine gastronomische Nutzung mit Öffnung zur Straße hin. Ein Fettabscheider sei bereits eingebaut. Er sei als Eigentümer für alles offen, so auch für ein Ladengeschäft, ein Eiscafé, eine kleine Metzgerei oder notfalls auch eine Praxis. Anbieten würde sich wegen des ebenerdigen, zur Straße hin zu öffneten Zugangs auch, hier eine Touristikinformation einzurichten. 

 

 

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