Feierlich eröffneter Obstschaugarten der LWG Veitshöchheim zeigt, was im Hausgarten möglich ist: Von Apfel bis Banane
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Feierliche Eröffnung des neuen Obstschaugartens der LWG im Thüngersheimer Versuchsbetrieb "Stutel: Gemeinsam durchschnitten (von links) LWG-Präsident Dr. Jörg Hirsche, Thüngersheims Bürgermeister Marcel Walter, Tamara Ditzel vom Bezirksverband für Gartenbau und Landespflege Unterfranken, Karl-Ludwig Rostock, Präsident des Bayerischen Erwerbsobstbau-Verbandes und Johannes Schmitt vom Landesverband Bayern im Bund deutscher Baumschulen das rote Band und gaben damit die rund 1.000 Quadratmeter große Anlage offiziell frei.
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Äpfel und Birnen, Kirschen und Beeren, aber auch Feigen, Granatäpfel und sogar eine Banane: Der neue Obstschaugarten der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG) im Obstbauversuchsbetrieb „Stutel“ in Thüngersheim bietet eine bemerkenswerte Pflanzenvielfalt.
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Am Mittwoch, 14. Oktober 2026, wurde die rund 1.000 Quadratmeter große Anlage im Beisein von Vertretern aus Politik, Obstbau, Baumschulwesen und Gartenbau feierlich eröffnet. Das Besondere daran: Der Garten wurde maßgeblich von Auszubildenden geplant und gestaltet. Er soll zeigen, wie sich moderner Obstanbau, Artenvielfalt und naturnahe Gartengestaltung auch auf kleinen privaten Grundstücken miteinander verbinden lassen.
Auszubildende verwirklichen ihre eigenen Gartenideen
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Moderation der Eröffnung durch Claudia Taeger, stellv. Leiterin des Institut für Erwerbs- und Freizeitgartenbau der LWG
Bereits im vergangenen Jahr begannen Konstantin Pintschovius und Nico Marques Gistel, damals beide Auszubildende zum Gärtner in der Fachrichtung Obstbau, mit den Planungen am Reißbrett. Gemeinsam mit ihren Ausbildern und dem Team des Versuchswesens entwickelten sie eine Anlage, die bewusst anders gestaltet wurde als die stärker auf den Erwerbsobstbau ausgerichteten Versuchsflächen.
Statt langer Plantagenreihen entstand ein abwechslungsreicher Hausgarten mit Pergola, Terrasse, Hochbeeten, Spalierobst, Beerensträuchern und unterschiedlichen Baumformen. Auch Obstgehölze in Pflanzgefäßen gehören zum Konzept.
Bei der Auswahl der Pflanzen flossen die Ergebnisse der LWG-Sortenversuche und die Empfehlungen der Fachleute ein. Entscheidend waren neben Geschmack und Erntezeit auch die Widerstandsfähigkeit gegenüber Krankheiten, die Eignung für private Gärten und die Verfügbarkeit im Handel.
Konstantin Pintschovius hat seine Ausbildung im Sommer 2026 bereits erfolgreich abgeschlossen. Seit September sind neben Nico Marques Gistel drei weitere Auszubildende im Obstbau tätig, die den Garten künftig pflegen und mit eigenen Ideen weiterentwickeln sollen.
LWG-Präsident Dr. Jörg Hirsche: Ein Garten zum Wohlfühlen und Naschen
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Bei der Eröffnung würdigte LWG-Präsident Dr. Jörg Hirsche besonders das Engagement der Nachwuchsgärtner. Mit ihrem Projekt hätten sie weit mehr als eine reine Sortenschau geschaffen.
Die Anlage solle Besuchern praktische Antworten auf Fragen geben, die sich bei der Gestaltung des eigenen Gartens stellen: Welcher Obstbaum passt auf mein Grundstück? Wie groß werden Buschbäume und Hochstämme? Welche Früchte eignen sich für Kübel, Hochbeete oder kleine Gartenflächen?
Hirsche betonte, dass die Landesanstalt neben ihrer Forschung für den Erwerbsgartenbau auch die Aufgabe habe, Erkenntnisse für den Freizeitgartenbau nutzbar zu machen.
Der neue Obstschaugarten soll deshalb zugleich Anschauungsobjekt, Lernort und Inspirationsquelle für Gartenbesitzer sein.
Bürgermeister Marcel Walter sieht Gewinn für die Region
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Thüngersheims Bürgermeister Marcel Walter hob in seinem Grußwort die enge Verbindung zwischen der Gemeinde und dem LWG-Versuchsbetrieb hervor. Während Thüngersheim vor allem durch den Weinbau bekannt sei, leiste die Landesanstalt auch im Obst- und Gartenbau wertvolle Arbeit, deren Bedeutung weit über die Gemeindegrenzen hinausreiche.
Besonders begrüßte Walter, dass die Forschungsergebnisse nun in einer für Gartenbesitzer unmittelbar verständlichen Form präsentiert werden. Statt nur über Obstsorten, Pflanzmethoden und Gartenplanung zu sprechen, könnten Besucher direkt erleben, welche Möglichkeiten es gebe.
Der Bürgermeister zeigte sich überzeugt, dass der neue Obstschaugarten das Interesse an den Führungsangeboten der LWG weiter steigern werde.
Obstbauverband fordert mehr Wertschätzung für heimisches Obst
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Karl-Ludwig Rostock, Präsident des Bayerischen Erwerbsobstbau-Verbandes, lenkte den Blick auf die Bedeutung regionaler Forschung und die wirtschaftlichen Herausforderungen des Obstbaus.
Gerade unter den trockenen klimatischen Bedingungen Frankens sei es wichtig, Sorten und Anbauverfahren unter realistischen regionalen Bedingungen zu erproben.
Rostock verwies auf die stark gestiegenen Produktionskosten und die schwierige Situation vieler heimischer Obstbaubetriebe. Gleichzeitig könne auch der private Obstanbau dazu beitragen, das Bewusstsein für den Wert regional erzeugter Lebensmittel zu stärken.
Für Hobbygärtner hatte er einen praktischen Hinweis: Nicht jede bekannte Supermarktsorte sei für den eigenen Garten die beste Wahl. Häufig seien robuste, pflegeleichtere Sorten geeigneter, die unter den jeweiligen Standortbedingungen zuverlässig wachsen.
Dabei erinnerte Rostock daran, dass Obstgehölze Kulturpflanzen seien, die auch bei naturnaher Bewirtschaftung regelmäßige Pflege benötigten.
Baumschulen setzen auf Obst für kleine Grundstücke
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Johannes Schmitt vom Landesverband Bayern im Bund deutscher Baumschulen bezeichnete den neuen Schaugarten als wichtigen Beitrag zur Vermittlung von Fachwissen.
Die Nachfrage nach Obstgehölzen sei weiterhin groß. Gleichzeitig würden Grundstücke kleiner und die Anforderungen an die Gartengestaltung vielfältiger. Obstbäume und Beerensträucher in Kübeln, auf Terrassen und in Hochbeeten gewännen deshalb an Bedeutung.
Der Schaugarten zeige unmittelbar, welche Möglichkeiten sich dafür bieten. Zugleich könnten neue Sorten vorgestellt und Erfahrungen gesammelt werden, bevor diese breiter in Baumschulen und Privatgärten Einzug hielten.
Junge Familien für Obst aus dem eigenen Garten begeistern
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Tamara Ditzel, Vertreterin des Bezirksverbandes für Gartenbau und Landespflege Unterfranken und Mitarbeiterin der Bayerischen Gartenakademie, betonte insbesondere den Nutzen für junge Familien.
Wer ein Haus baue und einen Garten anlege, beschäftige sich häufig erstmals mit dem Anbau von Obst und Beeren. Dabei gehe es nicht nur um die eigene Ernte, sondern auch darum, Kindern den Ursprung und den Wert von Lebensmitteln näherzubringen.
Ditzel warnte davor, sich bei der Gartenplanung ausschließlich auf Informationen aus sozialen Medien zu verlassen. Fachlich ungeeignete Pflanzen oder Fehler bei der Gestaltung könnten teuer werden und langfristig die Freude am Garten beeinträchtigen.
Der Obstschaugarten biete die Möglichkeit, sich vor der eigenen Pflanzung fachkundig zu informieren und bewährte Lösungen direkt anzuschauen.
Mit Scherenschnitt und Weinrebe feierlich eröffnet
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Zum Abschluss des offiziellen Festaktes bat Claudia Taeger den LWG-Präsidenten und die Ehrengäste nach vorne. Gemeinsam durchschnitten sie das rote Band und gaben damit den neuen Obstschaugarten offiziell frei.
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Anschließend folgte eine symbolische Pflanzaktion: Die Ehrengäste setzten gemeinsam eine Weinrebe an einer Pergola in die Erde. Sie soll künftig ebenso wie die übrigen Gehölze wachsen und die Anlage bereichern.
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Bei der anschließenden Führung durch Oliver Degen (li.) und Nico Marques Gistel wurden die zahlreichen Besonderheiten des neuen Gartens vorgestellt.
Totholzweg als Lebensraum für Käfer, Wildbienen und andere Insekten
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Eine der auffälligsten Besonderheiten ist der Totholzweg, der sich durch den Garten zieht.
Dafür wurde der Boden etwa 40 bis 50 Zentimeter tief ausgehoben und mit Holzhäckseln aus eigenem Schnittgut aufgefüllt. Holzstämme aus den Beständen der LWG dienen als seitliche Einfassung.
Der federnde Untergrund sorgt für ein angenehmes Gehgefühl. Gleichzeitig erfüllt der Weg eine ökologische Funktion: Das Holz bietet Lebensraum für Käfer, Larven, Insekten und zahlreiche weitere Organismen.
Von der frühen Apfelsorte bis zur späten Herbsternte
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Ein Schwerpunkt des Schaugartens liegt auf der geschickten Auswahl und Anordnung der Obstsorten. Die beiden Spalierreihen mit Baumobst sind nach Kern- und Steinobst sowie nach den jeweiligen Reifezeiten gegliedert. Dadurch lässt sich nachvollziehen, wie durch eine passende Sortenkombination eine möglichst lange Ernteperiode erreicht werden kann.
Während der Führung wurden dazu konkrete Beispiele vorgestellt. Die frühe Apfelsorte „Allegro“ kann bereits etwa Mitte bis Ende Juli reifen. Weitere Sorten folgen im August und in den Herbstmonaten. Zu den späten Vertretern gehört „Mariella“, deren Früchte etwa Ende Oktober bis Anfang November erntereif werden können. Auch rotfleischige Apfelsorten gehören zum Sortiment und zeigen, wie vielfältig sich Äpfel hinsichtlich Aussehen und Fruchteigenschaften unterscheiden können.
Neben der Reifezeit spielen Geschmack, Robustheit und die Widerstandsfähigkeit gegenüber Krankheiten eine wichtige Rolle.
Feigen, Granatäpfel, Banane und andere Exoten
Dass der Schaugarten nicht nur klassische heimische Obstsorten präsentieren soll, zeigt sich an den zahlreichen ungewöhnlichen Pflanzen.
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Feigen, Granatäpfel und eine Banane gehören ebenso zur Anlage wie Sanddorn und Mandeln. Hinzu kommen unterschiedliche Beerensträucher, darunter Johannisbeeren, Himbeeren und Erdbeeren.
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An Pergolen und Rankbögen sollen künftig Kiwibeeren, Kiwis und Tafeltrauben gedeihen.
Die Auszubildenden wollten bewusst auch Neues ausprobieren und zeigen, welche Möglichkeiten sich mit wärmeliebenden oder weniger verbreiteten Obstarten eröffnen.
Dabei steht nicht ausschließlich der Ertrag im Vordergrund. Der Garten soll auch dazu anregen, Obstgehölze als gestalterische Elemente einzusetzen.
Hochbeete verbinden Obst, Gemüse und Blumen
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Besonders anschaulich wird das Konzept in den Hochbeeten und Pflanzgefäßen.
Neben Erdbeeren und Beerenobst finden sich dort auch Paprika und Chili. Für die weitere Entwicklung wurden zusätzliche Kulturen wie Physalis und Pepino als mögliche Ergänzungen angesprochen.
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Bewusst werden Obst, Gemüse, Stauden und blühende Pflanzen miteinander kombiniert. Damit möchten die Verantwortlichen zeigen, dass ein Hausgarten nicht streng nach traditionellen gärtnerischen Fachbereichen getrennt werden muss.
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Gerade für kleinere Grundstücke, Terrassen und den Bereich des Urban Gardening ergeben sich dadurch vielfältige Gestaltungsmöglichkeiten.
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Das Naschgarten-Konzept steht dabei im Mittelpunkt: Möglichst viele Früchte sollen später direkt von Baum, Strauch oder Beet geerntet und verzehrt werden können.
Praktische Tipps zur richtigen Bewässerung
Auch die Wasserversorgung der Obstgehölze wurde bei der Führung ausführlich erläutert.
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Neben der überwiegend automatisierten Bewässerung über Tröpfchenschläuche werden im Schaugarten Bewässerungssäcke für junge Bäume gezeigt. Sie können während der Anwachsphase helfen, Wasser über einen längeren Zeitraum an den Wurzelbereich abzugeben.
Naturnahe Bewirtschaftung mit möglichst wenig Pflanzenschutz
Ein wesentliches Ziel der Anlage ist es, umweltschonende Anbaumethoden anschaulich zu demonstrieren. Standardmäßig wird im Obstschaugarten auf Pflanzenschutzmaßnahmen verzichtet. Düngung und Beikrautmanagement orientieren sich an den ökologischen Vorgaben des Versuchsbetriebs. Die Verantwortlichen wollen damit zeigen, dass sich ein attraktiver und ertragreicher Obstgarten mit einer naturnahen Bewirtschaftung verbinden lässt.
Ein Garten, der niemals fertig sein soll
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Eine Besonderheit des Projekts liegt in seiner langfristigen Ausrichtung. Der Obstschaugarten ist ausdrücklich nicht als abgeschlossene Anlage gedacht. Vielmehr sollen neue Pflanzen, Erkenntnisse aus Sortenversuchen und Ideen künftiger Ausbildungsgenerationen kontinuierlich einfließen.
Noch vorhandene Pflanzlücken können geschlossen, neue Obstsorten ausprobiert und bestehende Pflanzungen an das Wachstum der Gehölze angepasst werden.
Dabei spielt auch die fachübergreifende Zusammenarbeit eine wichtige Rolle. Kenntnisse aus Obstbau, Baumschule, Garten- und Landschaftsgestaltung sowie weiteren Bereichen des Pflanzenbaus fließen in das Projekt ein.
Für die Auszubildenden bietet die Anlage damit die Möglichkeit, nicht nur theoretisches Fachwissen zu erwerben, sondern Verantwortung für ein langfristiges Gartenprojekt zu übernehmen.
Forschung, Ausbildung und Freizeitgartenbau unter einem Dach
Der LWG-Versuchsbetrieb „Stutel“ in Thüngersheim umfasst insgesamt mehr als elf Hektar ökologisch bewirtschaftete Fläche.
Zu den Forschungsschwerpunkten gehören die Optimierung der Bewässerung im Erwerbsobstbau, Frostschutzmethoden, die Erprobung neuer Baumobstsorten sowie unterschiedliche Anbausysteme und Schnittmethoden. Hinzu kommen Gehölzsichtungen und ein großer Biodiversitätsgarten.
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Mit dem neuen Obstschaugarten ist nun ein weiterer Ort entstanden, an dem die Ergebnisse dieser Arbeit für den Freizeitgartenbau unmittelbar erlebbar werden.
Wer den Garten in einigen Jahren erneut besucht, dürfte eine deutlich veränderte Anlage vorfinden – mit gewachsenen Obstbäumen, neuen Sorten und weiteren Ideen der Auszubildenden.
Der neue Obstschaugarten kann nach vorheriger Anmeldung im Rahmen von Führungen besichtigt werden.
Fotos Dieter Gürz