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Jugendbegegnung mit Greve: Teil 2 - Erinnerungskultur, Demokratie und fränkische Lebensart verbinden

Veröffentlicht am von Dieter Gürz

Fünf Tage Begegnung, Geschichte, Demokratie und europäische Freundschaft: Beim Gegenbesuch aus Greve in Chianti vom 1. bis 5. Oktober ging es um weit mehr als touristische Eindrücke. Nach der ersten Begegnung im Frühjahr in der Toskana setzten nun 17 italienische Jugendliche und ihre Veitshöchheimer Gastgeber das gemeinsame Projekt in Deutschland fort. Veitshöchheim, Nürnberg und Würzburg wurden zu Lern- und Begegnungsorten – mit einem besonderen Schwerpunkt auf Erinnerungskultur und der Frage, was junge Menschen aus der Geschichte für Demokratie, Frieden und Europa lernen können.


Wiedersehen fünf Monate nach der Begegnung in Greve

Im Frühjahr hatten 27 Jugendliche aus Veitshöchheim mehrere Tage in der italienischen Partnergemeinde Greve in Chianti verbracht (siehe nachstehender Link auf Bericht vom 4. Mai 2026). Fünf Monate später folgte der Gegenbesuch.

Insgesamt 27 Gäste aus Italien, darunter 17 Jugendliche, Vertreter der Partnergemeinde und Musiker der Kapelle „Giuseppe Verdi“ aus Panzano, kamen nach Veitshöchheim. Zwei ursprünglich vorgesehene Jugendliche konnten die Reise nicht antreten.

Nach der Ankunft am Donnerstagabend trafen sich Gäste und Gastgeber zum gemeinsamen Abendessen im Ratskeller. Die italienische Delegation bezog für die Dauer des Aufenthalts Quartier im Hotel Weißes Lamm.


Freitag: Ganz im Zeichen der Erinnerungskultur

Nürnberg: Geschichte dort vermitteln, wo sie sichtbar wird

Erstes Ziel war das ehemalige Reichsparteitagsgelände in Nürnberg.

Die Veitshöchheimer Dolmetscherin und Partnerschaftsbeauftragte Sieglinde Winter-Denk zeigte sich im Rückblick besonders beeindruckt von der rund 90-minütigen englischsprachigen Führung. Mit dem Gästeführer habe die Gruppe besonderes Glück gehabt: Der Deutsche hatte lange im englischsprachigen Ausland gelebt und konnte die historischen Zusammenhänge entsprechend fundiert und sprachlich hervorragend vermitteln.

Winter-Denk kannte das Nürnberger Dokumentationszentrum bereits von einem früheren Besuch und stellte deutliche Veränderungen fest. Die neue Präsentation beleuchte die Zeit des Nationalsozialismus aus sehr unterschiedlichen Perspektiven – von der politischen Entwicklung und der NS-Ideologie bis zum Leben der Menschen und der Verfolgung verschiedener gesellschaftlicher Gruppen.

Thematisiert wurden unter anderem die Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden, Sinti und Roma sowie das menschenverachtende nationalsozialistische Rassenbild.

Die 90 Minuten hätten einen umfassenden Einblick gegeben, so Winter-Denk. Zugleich sei der Wunsch geblieben, noch einmal zurückzukehren und sich Bilder, Texte und Dokumente in Ruhe anzusehen.


FKG-Schüler erklären auf Italienisch

Eine Besonderheit des Nürnberger Besuchs war die aktive Beteiligung von Schülern des Friedrich-Koenig-Gymnasiums, die von Christiane Zenner vorbereitet worden waren. Etwa sechs Schüler hatten eigene Beiträge zum Reichsparteitagsgelände ausgearbeitet und ergänzten unter anderem am Zeppelinfeld die Führung mit historischen Erläuterungen.

Dabei stellten sie sich einer besonderen Herausforderung: Obwohl sie sich erst im ersten Lernjahr Italienisch befinden, trugen sie ihre vorbereiteten Texte vor der gesamten deutsch-italienischen Gruppe auf Italienisch vor.

Das kam bei den Gästen aus Greve besonders gut an. Beim ersten Teil der Jugendbegegnung im Frühjahr hatten italienische Jugendliche ihrerseits Beiträge auf Deutsch präsentiert.

So wurde ein Grundgedanke des Projekts ganz praktisch umgesetzt: Jugendliche vermitteln Geschichte an Jugendliche – und versuchen dabei sogar, die Sprache des Partners zu sprechen.


Würzburg zwischen Stadtentdeckung und Erinnerung

Am Nachmittag führte der Weg zurück nach Unterfranken nach Würzburg.

Dort blieb zunächst Zeit, die Stadt zu entdecken. Unter dem Motto „Würzburg in Farben“ sollten die Jugendlichen mit der Kamera eigene Motive, Farben und Perspektiven finden.

Auch das lebhafte Treiben rund um die Alte Mainbrücke beeindruckte die italienischen Gäste. Einzelne Teilnehmer nutzten die freie Zeit zudem für einen Besuch des Doms.

Danach kehrte das Programm zur Erinnerungskultur zurück.

Am DenkOrt Deportationen vor dem Würzburger Hauptbahnhof übernahmen erneut Schüler des Friedrich-Koenig-Gymnasiums einen Teil der Vermittlung. Auch hier präsentierten sie vorbereitete Informationen teilweise auf Italienisch.

Der DenkOrt erinnert mit symbolischen Gepäckstücken an die jüdischen Bürger aus Würzburg und den unterfränkischen Gemeinden, die während der NS-Zeit deportiert wurden.

Damit wurde aus dem Geschichtsunterricht eine Begegnung an authentischen Orten – und aus den Jugendlichen wurden selbst Vermittler von Geschichte.

Am Abend kehrte die Gruppe nach Veitshöchheim zurück. Beim gemeinsamen Essen in den Mainfrankensälen klang der intensive Tag aus.


Samstag: Von Europa zur Demokratie

Der Samstagvormittag mit dem offiziellen Empfang im Rathaus, dem gemeinsamen Erinnerungsfoto im Hofgarten und dem Besuch des geografischen Mittelpunktes der Europäischen Union in Gadheim bildete einen eigenen Höhepunkt des Gegenbesuchs.

Dort musizierten deutsche und italienische Musiker gemeinsam, Bürgermeister Jürgen Götz griff selbst zum Saxophon und richtete an die Jugendlichen die Botschaft, nicht nur ein Foto vom EU-Mittelpunkt mitzunehmen, sondern vor allem die Idee, dass Europa dort eine Zukunft habe, wo Menschen aufeinander zugehen und Freundschaften über Grenzen hinweg bestehen.

Über diesen Vormittag berichtete Veitshöchheim News bereits ausführlich (siehe vorstehender Link).

Am Nachmittag wurde diese europäische Botschaft praktisch weitergeführt.

Demokratie-Workshops in den Mainfrankensälen

Wie wollen wir miteinander leben?

Bei Lego Serious Play beschäftigten sich die Teilnehmer am Nachmittag in den Mainfrankennsälen mit der Frage, wie eine Gesellschaft aussehen könnte, in der sie selbst gerne leben möchten. Aus den Modellen entwickelten sich Gespräche über Werte, Wünsche und unterschiedliche Vorstellungen von gesellschaftlichem Zusammenleben.

Ein weiteres Angebot thematisierte den Umgang mit Machtstrukturen. Spielerisch konnten die Jugendlichen erfahren, wie Regeln, Einfluss und unterschiedliche Ausgangspositionen das Verhalten innerhalb einer Gruppe verändern.

Auch Chancengleichheit wurde in einem Spiel aufgegriffen. Dabei wurde deutlich, dass Menschen nicht unter denselben Voraussetzungen starten und Chancen unterschiedlich verteilt sein können.

Nach Geschichte und Demokratie war am Samstagabend Parytime angesagt. Zum ungezwungenen Miteinander trafen sich  Veitshöchheimer Jugendzentrum die deutschen und italienischen Jugendlichen bei Karaoke, Essen, Getränken und weiteren gemeinsamen Aktivitäten.

Denn auch das gehört zu einem Jugendaustausch: Partnerschaft entsteht nicht nur bei Führungen und Workshops, sondern dort, wo junge Menschen miteinander reden, lachen, feiern und gemeinsame Erinnerungen schaffen.


Sonntagvormittag
Am Sonntagmorgen führte der rote Faden der Erinnerungskultur direkt nach Veitshöchheim.

Im Jüdischen Kulturmuseum mit der historischen Synagoge begrüßte Bürgermeister Jürgen Götz die italienischen Gäste.

Museumsleiterin Johanna Weiss führte die Gruppe durch die Anlage und vermittelte die Geschichte des jüdischen Lebens in Veitshöchheim.

Diese reicht über Jahrhunderte zurück.

Die Synagoge bildete einst das Zentrum des religiösen und gesellschaftlichen Lebens der jüdischen Gemeinde. Die nationalsozialistische Verfolgung setzte diesem Zusammenleben ein gewaltsames Ende.

Eine Besonderheit des Museums ist die bei Bauarbeiten entdeckte Genisa. Dort hatten sich neben religiösen Schriften auch zahlreiche Zeugnisse des Alltags erhalten. Sie geben heute einen unmittelbaren Einblick in das Leben einer jüdischen Landgemeinde.

Damit vermittelt das Museum eine für die Erinnerungskultur wichtige Botschaft: Jüdische Geschichte beginnt nicht mit dem Holocaust. Jüdische Familien waren über Jahrhunderte Teil der Veitshöchheimer Ortsgeschichte.

Nachstehend Link auf ausführlichen Bericht auf Veitshöchheim News vom 3. August 2019


Helena Seck führt zu den Stolpersteinen

Nach dem Museumsbesuch setzte die gemeindliche Kulturreferentin Helena Seck den historischen Rundgang in der Bahnhofstraße fort.

Vor mehreren Häusern erinnern dort Stolpersteine an jüdische Bürger, die während der NS-Zeit verfolgt, vertrieben und ermordet wurden. Seck machte deutlich, dass die kleinen Messingplatten den Opfern ihre Namen und ihre persönliche Geschichte zurückgeben. So lebten in der Bahnhofstraße 23 Julius und Fanny Freudenberger mit ihren vier Kindern. Die Kinder konnten Deutschland verlassen, die Eltern wurden 1942 deportiert und ermordet.

In der Bahnhofstraße 25 wohnten Ernst Kahn und Rosa Trepp. Ihre Tochter Ella konnte 1939 nach New York emigrieren, ihre Eltern wurden 1942 deportiert und ermordet.

Nur wenige Schritte weiter, in der Bahnhofstraße 27, lebten Emanuel und Jette Metzger. Auch aus dieser Familie konnten Kinder fliehen. Emanuel Metzger wurde 1942 deportiert und starb 1943 unter den katastrophalen Lebensbedingungen der Verfolgung.

Die Stolpersteine machen damit deutlich: Hinter den großen Opferzahlen stehen Menschen mit Namen, Familien, Wohnungen und persönlichen Lebensgeschichten.


Der „Koffer“ am Gernecksplatz schließt den Kreis der Erinnerungskultur

Von der Bahnhofstraße führte Helena Seck die italienischen Gäste weiter zum Gernecksplatz am Zugang zum Bahnhof.

Dort steht der Veitshöchheimer Beitrag zum unterfränkischen DenkOrt Deportationen – ein symbolisches Gepäckstück, das an die aus Veitshöchheim deportierten jüdischen Bürger erinnert  (siehe ausführlicher Bericht auf Veitshöchheim News vom 3. Mai 2023 - nachstehender Link).

Damit schloss sich unmittelbar der Kreis zum Freitagsbesuch in Würzburg.

Am zentralen DenkOrt vor dem Würzburger Hauptbahnhof hatten die Jugendlichen die symbolischen Gepäckstücke kennengelernt, die für die aus Unterfranken deportierten Menschen stehen. Gegenstücke befinden sich in den jeweiligen Herkunftsorten und verbinden so die Gemeinden mit dem zentralen Erinnerungsort in Würzburg.


Von Nürnberg über Würzburg nach Veitshöchheim

So entstand über die drei Orte hinweg ein nachvollziehbarer Bogen:

In Nürnberg beschäftigten sich die Jugendlichen mit der nationalsozialistischen Ideologie, dem Herrschaftssystem und den Gruppen der Verfolgten.

In Würzburg stand die Deportation der jüdischen Bevölkerung aus Unterfranken im Mittelpunkt.

Und in Veitshöchheim erhielten die historischen Zusammenhänge konkrete Namen, Adressen und Lebensgeschichten.

Die Jugendlichen standen vor den Häusern, in denen jüdische Familien gelebt hatten, und gingen schließlich zu jenem Erinnerungsort am Bahnhof, der symbolisch für Deportation und gewaltsame Trennung steht.

Die Verfolgung geschah nicht irgendwo weit entfernt. Sie geschah mitten in Städten, Dörfern, Straßen und Nachbarschaften.

Damit wurde genau das sichtbar, was die gesamte Jugendbegegnung vermitteln möchte: Erinnerungskultur besteht nicht nur aus Jahreszahlen und historischen Begriffen. Sie verbindet Geschichte mit konkreten Orten und Menschen – und stellt die Frage, welche Verantwortung daraus für Gegenwart und Zukunft erwächst.


Sonntagnachmittag

Generationen kommen in der Bücherei ins Gespräch

Nach dem Vormittag auf den Spuren jüdischen Lebens stand am Sonntagnachmittag ein weiterer Schwerpunkt der Jugendbegegnung auf dem Programm: der Dialog zwischen den Generationen.

Unter der Leitung von Gemeindejugendpfleger Pascal Mader und Büchereileiterin Dr. Astrida Wallat kamen in der Bücherei im Bahnhof junge und ältere Menschen aus beiden Partnergemeinden zusammen. Dabei ging es nicht um Vorträge, sondern um Begegnung, Gespräche und unterschiedliche Erfahrungen mit Italien, Deutschland und der jahrzehntelangen Partnerschaft.

Mader und Wallat hatten dazu gezielt Veitshöchheimer eingeladen, die einen besonderen Bezug zu Italien besitzen.


Persönliche Verbindungen nach Italien

Eine von ihnen war die ehemalige Gymnasialdirektorin Anne-Marie Greving, die sich seit vielen Jahren intensiv mit deutsch-italienischer Geschichte und insbesondere mit der Geschichte der Kinder der Villa Emma beschäftigt. Dabei geht es um jüdische Kinder und Jugendliche, die während des Zweiten Weltkriegs in Italien Zuflucht fanden und durch die Hilfe der Bevölkerung gerettet werden konnten.

Auch die Veitshöchheimer Künstlerin Kathrin Feser kennt Italien aus eigener Lebenserfahrung. Sie lebte mehrere Jahre dort, unter anderem in Rom und an der Amalfiküste. Zugleich ist ihre Familie eng mit der Partnerschaft verbunden: Ihre Mutter Ilse Feser hatte sich über 26 Jahre mit großem Engagement und viel Kreativität für die Verbindung zwischen Veitshöchheim und Greve in Chianti eingesetzt.

Mit Dr. Petra Kohnen und Sven Ruttor, dessen Frau Italienerin ist, stellten sich außerdem zwei Mitglieder des „Circolo di Conversazione in Italiano“ vor. Die italienische Kommunikationsrunde trifft sich regelmäßig, um in zwangloser und geselliger Atmosphäre Italienisch zu sprechen und die Sprachkenntnisse zu vertiefen.
So wurde bereits bei der Vorstellungsrunde deutlich, wie vielfältig die persönlichen Verbindungen zwischen Veitshöchheim und Italien inzwischen sind.


Memorykarten bringen Deutsche und Italiener zusammen

Danach sorgten Pascal Mader und Astrida Wallat dafür, dass sich die Teilnehmer nicht einfach zu den Menschen setzten, die sie ohnehin schon kannten.

Mit Hilfe gezogener Memorykarten wurden Italiener und Deutsche auf acht gemischte Gruppen verteilt.

An den Tischen wartete anschließend ein abwechslungsreiches Pub-Quiz mit neun kniffligen Fragen aus verschiedenen Kategorien rund um Deutschland und Italien.

Damit wurde aus dem Generationenaustausch schnell ein gemeinsames Rätseln, Diskutieren und Erklären.


Was zeichnet Greve in Chianti besonders aus?

Natürlich durfte dabei auch die Städtepartnerschaft selbst nicht fehlen.

Eine der Quizfragen lautete: „Was zeichnet Greve in Chianti besonders aus?“

Die richtige Antwort war „Cittaslow“.

Doch mit dem Ankreuzen der richtigen Lösung war es nicht getan. Einer der italienischen Gäste erläuterte den deutschen Teilnehmern anschließend, was hinter dieser Auszeichnung und der Idee von Cittaslow steckt.

Genau darin zeigte sich der eigentliche Sinn des Nachmittags: Nicht eine Generation erklärte der anderen die Welt und nicht Deutsche erklärten Italien oder Italiener Deutschland. Die Teilnehmer brachten ihr jeweiliges Wissen und ihre persönlichen Erfahrungen ein und lernten voneinander.


Partnerschaft besteht aus persönlichen Geschichten

Nach den intensiven Eindrücken zur Erinnerungskultur am Vormittag setzte der Nachmittag damit einen bewusst anderen Akzent.

Nun standen nicht Verfolgung und Deportation, sondern persönliche Verbindungen, Sprache, gemeinsames Wissen und jahrzehntelange Erfahrungen mit Italien im Mittelpunkt.

Dabei wurde zugleich deutlich, wie eine mehr als 30 Jahre alte Städtepartnerschaft weitergegeben werden kann: Menschen wie Ilse Feser haben sie über Jahrzehnte mit aufgebaut, andere halten heute durch Sprache, Kultur und persönliche Kontakte die Verbindung lebendig – und beim aktuellen Jugendaustausch kommt eine neue Generation hinzu.

So wurde der in Berlin ausgezeichnete intergenerationelle Dialog in der Bücherei ganz praktisch mit Leben gefüllt.


Fränkische Küche in der „Romy“

Parallel zum Generationenaustausch in der Bücherei wurde es bei einem weiteren Angebot ganz praktisch – und kulinarisch. In der Eventlocation „Romy“ in der Wiener Botschaft von Thomas Seitz trafen sich deutsche und italienische Jugendliche zu einem gemeinsamen Kochkurs.  Nach einem Gläschen Sekt zur Begrüßung wurde in entspannter Atmosphäre eifrig geschnippelt, gerührt und natürlich auch geratscht.

Dass dabei so manchem beim Zwiebelschneiden die Tränen kamen, gehörte zum gemeinsamen Kocherlebnis dazu.

Die kulinarische Regie übernahm Gemeinderat Marc Zenner gemeinsam mit seiner Frau Christiane Zenner, Lehrerin am Friedrich-Koenig-Gymnasium. Auf dem Speiseplan standen typisch fränkische Spezialitäten: Mostsuppe mit Müller-Thurgau-Wein als Grundlage, Schmalzbrote und Obazda.

Die selbst zubereiteten Spezialitäten waren zugleich als Vorspeisen für das später von einem Caterer gelieferte Buffet beim Abschlussabend im Bacchuskeller bestimmt.

So lernten die italienischen Gäste Franken an diesem Nachmittag nicht nur kennen, sondern konnten es im wahrsten Sinne des Wortes schmecken.

Und während gemeinsam Gemüse und Zwiebeln geschnitten, Brot bestrichen und gekocht wurde, erfüllte sich ganz nebenbei ein wesentliches Ziel des Jugendaustauschs: miteinander etwas tun, ins Gespräch kommen und sich dabei besser kennenlernen.


Abschluss im Bacchuskeller

Am Sonntagabend klang dann die fünftägige Begegnung bei einem gemeinsamen Abschlussabend im Bacchuskeller mit einem Buffet und Live-Musik aus. Damit spielte auch zum Abschluss jene Sprache eine wichtige Rolle, die seit Jahrzehnten zu den stärksten Bindegliedern zwischen Veitshöchheim und Greve in Chianti gehört: die Musik.


Viele Orte – ein gemeinsamer Gedanke

Nürnberg und Würzburg, Rathaus und EU-Mittelpunkt, Jugendzentrum, Synagoge und Stolpersteine, DenkOrt, Bücherei und „Romy“:

Die Orte der Jugendbegegnung könnten unterschiedlicher kaum sein. Und doch verbindet sie ein gemeinsamer Gedanke.

Es geht darum, Geschichte zu verstehen, Demokratie nicht als selbstverständlich anzusehen und Europa durch persönliche Begegnungen mit Leben zu füllen.

Bemerkenswert ist dabei, dass die Jugendlichen nicht nur Zuhörer und Teilnehmer waren. Schüler des Friedrich-Koenig-Gymnasiums wurden in Nürnberg und Würzburg selbst zu Vermittlern von Geschichte – und wagten dies sogar in der Sprache ihrer italienischen Gäste.

So entsteht Begegnung auf Augenhöhe.


Eine Partnerschaft wird an die nächste Generation weitergegeben

Seit mehr als 30 Jahren verbindet Veitshöchheim und Greve in Chianti eine Partnerschaft, die von Schulen, Musikern, Vereinen, Jugendpflege, engagierten Bürgern und den beiden Gemeinden getragen wird.

Der aktuelle Jugendaustausch fügt dieser Geschichte ein neues Kapitel hinzu.

Am Montag heißt es Abschied nehmen. Nach dem Frühstück tritt die italienische Delegation die Heimreise nach Greve in Chianti an.

Was von den gemeinsamen Tagen bleibt, sind nicht nur Fotos und Programmpunkte. Es sind Erfahrungen, Begegnungen und möglicherweise neue Freundschaften.

Denn der Wert einer Partnerschaft zeigt sich nicht allein in Urkunden und Auszeichnungen. Er zeigt sich, wenn Jugendliche gemeinsam historische Orte besuchen, wenn deutsche Schüler italienischen Jugendlichen auf Italienisch Geschichte erklären, wenn über Demokratie diskutiert, gemeinsam gekocht und musiziert wird.

Europa entsteht nicht nur in Brüssel, Berlin oder Rom. Europa entsteht auch in Greve und Veitshöchheim – überall dort, wo Menschen einander kennenlernen, gemeinsam Geschichte aufarbeiten und Freundschaften über Grenzen hinweg entstehen lassen.

Fotos Dieter Gürz bis auf die vom Bürgermeister zugesandten Fotos vom Ausflug in Nürnberg

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