„Europa hat dort eine Zukunft, wo Menschen aufeinander zugehen“ – Jugend aus Greve zu Gast in Veitshöchheim
/image%2F1394268%2F20261004%2Fob_dfd57c_01-empfang-rathaus-1-ba-rgermeister-ga.jpg)
Fünf Tage lang, vom 1. bis 5. Oktober, ist eine rund 30-köpfige Delegation aus Veitshöchheims italienischer Partnergemeinde Greve in Chianti zu Gast in Veitshöchheim. Am Tag der Deutschen Einheit stand mit dem offiziellen Empfang im Rathaus und dem anschließenden Besuch des geografischen Mittelpunktes der Europäischen Union in Gadheim ein besonderer Höhepunkt des Gegenbesuchs auf dem Programm. Bürgermeister Jürgen Götz und Greves Sindaco Paolo Sottani stellten dabei die Jugend, die Erinnerungskultur und die Zukunft Europas in den Mittelpunkt. In Gadheim wurde die europäische Freundschaft schließlich auch musikalisch hörbar – mit deutschen und italienischen Musikern und einem Bürgermeister, der selbst zum Saxophon griff.
Gegenbesuch nach der Begegnung in der Toskana
Der fünftägige Aufenthalt vom 1. bis 5. Oktober ist der Gegenbesuch zur Jugendbegegnung im vergangenen Frühjahr in Greve in Chianti. Rund 30 Gäste aus der Toskana sind dazu nach Veitshöchheim gekommen, darunter 19 Jugendliche, Vertreter der Partnergemeinde und sechs Musiker der Kapelle „Giuseppe Verdi“ aus Panzano.
Ihr Quartier bezog die italienische Delegation zentral in Veitshöchheim im Hotel Weißes Lamm.
Nach der Ankunft am Donnerstag und einem ersten gemeinsamen Abend im Ratskeller begann am Freitag das umfangreiche Begegnungsprogramm. Im Mittelpunkt der fünf Tage stehen Erinnerungskultur, Demokratie, europäische Verständigung und vor allem die persönliche Begegnung junger Menschen aus beiden Partnergemeinden.
Am Samstagvormittag, dem Tag der Deutschen Einheit, folgte einer der offiziellen Höhepunkte: der Empfang im Veitshöchheimer Rathaus.
„Erinnerungskultur ist eine Haltung“
/image%2F1394268%2F20261004%2Fob_661af0_01-empfang-rathaus-1-ba-rgermeister-ga.jpg)
Herzlich begrüßte Bürgermeister Jürgen Götz die Jugendlichen aus Greve in Chianti sowie seinen Amtskollegen Paolo Sottani und die weiteren Gäste. Sieglinde Winter übernahm die Übersetzung zwischen Deutsch und Italienisch.
Götz erinnerte daran, dass Geschichte dabei nicht nur rückwärtsgewandt betrachtet werden dürfe.
„Erinnerungskultur ist eine Haltung“, betonte der Bürgermeister. Sie bedeute hinzusehen und hinzuhören.
Gerade am Tag der Deutschen Einheit erinnerte Götz daran, dass die deutsche Teilung eine Folge des Zweiten Weltkriegs gewesen sei. Heute könnten junge Menschen über Grenzen hinweg reisen, leben, lernen, arbeiten und Freundschaften schließen.
Das sei keine Selbstverständlichkeit.
Die Jugendlichen sollten deshalb ihre Erfahrungen aus diesen Tagen mit nach Hause nehmen und in ihren Familien und Freundeskreisen weitererzählen.
Seit über 30 Jahren immer wieder neue Impulse
/image%2F1394268%2F20261004%2Fob_185977_01-empfang-rathaus-1-ba-rgermeister-ga.jpg)
Seit mehr als 30 Jahren verbindet Veitshöchheim und Greve in Chianti eine lebendige Partnerschaft.
Entscheidend sei, so Götz, dass diese Verbindung immer wieder neue Impulse erhalte. Nur so könne eine Partnerschaft über Jahrzehnte lebendig bleiben.
Ein solcher neuer Impuls ist der aktuelle Jugendaustausch.
Götz dankte den zahlreichen Mitwirkenden, darunter Rebecca Hofmann, Pascal Mader, Helena Seck, Sieglinde Winter, Christiane und Marc Zenner, die Jugendlichen des Jugendzentrums sowie die Schüler des Friedrich-Koenig-Gymnasiums.
Sottani gratuliert Götz zur Wiederwahl
/image%2F1394268%2F20261004%2Fob_622159_01-empfang-rathaus-2-sindaco-sottani-1.jpg)
Greves Bürgermeister Paolo Sottani begann seine Ansprache mit einer persönlichen Gratulation an Jürgen Götz zu dessen Wiederwahl als Bürgermeister.
Das Wahlergebnis sei ein Beweis für das Vertrauen, das die Bürger von Veitshöchheim in Götz setzten. Darüber freue sich nicht nur Sottani persönlich, sondern auch das Partnerschaftskomitee von Greve in Chianti, das in diesen Tagen durch seine Vorsitzende Flavia Affortunati und Schatzmeister Gianni Bandinelli vertreten ist.
Aus der gemeinsamen Zeit an der Spitze ihrer beiden Gemeinden könne er mit Gewissheit sagen, dass die Partnerschaft durch immer neue Projekte weiter gestärkt worden sei.
Ein Berliner Moment, den beide Bürgermeister nicht vergessen werden
/image%2F1394268%2F20261004%2Fob_c4c103_01-empfang-rathaus-2-sindaco-sottani-3.jpg)
Besonders erinnerte Sottani an die Auszeichnung der Partnerschaft mit dem „Preis der Präsidenten für die kommunale Zusammenarbeit zwischen Italien und Deutschland“.
Im vergangenen November durften Sottani und Götz die Auszeichnung in Berlin persönlich aus den Händen von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Italiens Staatspräsident Sergio Mattarella entgegennehmen.
Für beide Bürgermeister sei dies ein außergewöhnlicher Moment gewesen, den sie wohl „für immer als einen der schönsten unserer Amtszeit in Erinnerung behalten werden“, sagte Sottani.
Die internationale Anerkennung würdigt eine Partnerschaft, die Schulen sowie kulturelle, musikalische und soziale Akteure beider Gemeinden einbezieht. Im Mittelpunkt stehen Jugend und intergenerationeller Dialog, bürgerschaftliches Engagement, Europa und Erinnerungskultur, Nachhaltigkeit sowie sozialer Zusammenhalt.
„Danke, danke, danke an euch alle!“
Besonders eindringlich wandte sich Sottani an die jungen Teilnehmer aus beiden Gemeinden.
Mit dem Jugendaustausch werde der Partnerschaft ein weiterer wichtiger Baustein hinzugefügt. Ohne die Bereitschaft der Jugendlichen aus Greve und Veitshöchheim, sich auf das Projekt einzulassen, wäre dies nicht möglich.
„Danke, danke, danke an euch alle!“, rief Sottani ihnen zu.
Der Austausch sei eine bedeutende Gelegenheit für Begegnung, Dialog sowie persönliches und gemeinschaftliches Wachstum – gegründet auf den Werten der Völkerfreundschaft, der europäischen Zusammenarbeit und des gemeinsamen historischen Gedächtnisses.
Das Ziel sei, jungen Menschen die Möglichkeit zu geben, historisches Gedächtnis kennenzulernen und zu würdigen sowie über Frieden, Demokratie und Menschenrechte nachzudenken.
Gerade die junge Generation müsse die Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart weitertragen.
Für Greve eine besonders lebendige Partnerschaft
Sottani machte zugleich deutlich, welchen Stellenwert Veitshöchheim für Greve in Chianti besitzt.
Für Greve sei die Verbindung mit Veitshöchheim die Städtepartnerschaft mit dem regsten Austausch und den meisten gemeinsamen Projekten.
/image%2F1394268%2F20261004%2Fob_ac50d9_01-empfang-rathaus-4-banda-1.jpg)
Wie breit die Freundschaft inzwischen aufgestellt ist, zeige sich auch an der Anwesenheit der Musiker der Kapelle „Giuseppe Verdi“ aus Panzano, die die Delegation erneut begleiteten.
Die musikalischen Kontakte gehören seit Jahrzehnten zu den tragenden Säulen der Partnerschaft.
Sottani dankte Sieglinde Winter, Gemeindejugendpfleger Pascal Mader und allen weiteren Mitwirkenden, die sich für die Verbindung zwischen beiden Gemeinden engagieren. Einen besonderen Dank richtete er an Bürgermeister Jürgen Götz dafür, dass dieser weiterhin an die Städtepartnerschaft glaube.
Die nächste Generation der Partnerschaft
/image%2F1394268%2F20261004%2Fob_d68a35_01-empfang-rathaus-3-maddalena-2.jpg)
Auch Maddalena von der Mittelschule in Greve brachte beim Empfang ihre Freude darüber zum Ausdruck, an einem weiteren gemeinsamen Projekt teilnehmen zu können.
Sottani unterstrich, wie wichtig es sei, dass die Jugendlichen ihre Erfahrungen weitergeben und damit auch andere junge Menschen für solche Begegnungen begeistern.
So ergänzten sich die Botschaften der beiden Bürgermeister: Während Götz hervorhob, dass eine seit mehr als 30 Jahren bestehende Partnerschaft immer wieder neue Impulse brauche, stellte Sottani die jungen Menschen in den Mittelpunkt, die diese Verbindung künftig weitertragen sollen.
Veitshöchheim auf Italienisch
Bevor es hinaus in den Ort ging, lernten die Gäste Veitshöchheim zunächst auf der Leinwand kennen.
/image%2F1394268%2F20261004%2Fob_da5662_01-empfang-rathaus-5-film-untertitel-i.jpg)
Die Gemeinde zeigte ihren Veitshöchheim-Film mit italienischen Untertiteln, sodass die Gäste Sehenswürdigkeiten, Geschichte und Besonderheiten ihrer deutschen Partnergemeinde in ihrer eigenen Sprache kennenlernen konnten.
Danach machte sich die deutsch-italienische Gruppe zu Fuß auf den Weg durch Veitshöchheim in Richtung Gadheim.
Marc Zenner führte die Gruppe und vermittelte unterwegs Wissenswertes über den Ort, seine Gebäude und seine Geschichte.
Erinnerungsfoto im Hofgarten
Ein gemeinsames Erinnerungsfoto durfte dabei nicht fehlen.
/image%2F1394268%2F20261004%2Fob_9443ac_00-foto-schlosstreppe-2.jpg)
Im Veitshöchheimer Hofgarten versammelten sich die Gäste aus Greve und ihre Veitshöchheimer Gastgeber zum Gruppenbild – ein passendes Motiv für eine Partnerschaft, die seit mehr als drei Jahrzehnten besteht und nun von einer neuen Generation weitergetragen wird.
Danach führte der Weg weiter nach Gadheim.
Gemeinsam musizieren am Mittelpunkt Europas
/image%2F1394268%2F20261004%2Fob_fb6f84_02-eum-1b.jpg)
Am geografischen Mittelpunkt der Europäischen Union angekommen, wurde es musikalisch.
/image%2F1394268%2F20261004%2Fob_50c386_02-eum-3-musik-1.jpg)
Musiker aus Veitshöchheim und die italienischen Gäste musizierten gemeinsam. Den Auftakt bildete der Marsch „Gruß an Würzburg“.
/image%2F1394268%2F20261004%2Fob_8551df_02-eum-3-musik-10.jpg)
Und Bürgermeister Jürgen Götz beließ es nicht beim Zuhören: Er griff selbst zum Saxophon und reihte sich unter die Musiker ein (rechts).
/image%2F1394268%2F20261004%2Fob_031706_02-eum-4-rede-bgm-1.jpg)
Anschließend erläuterte Götz den italienischen Gästen, wie Gadheim zu seiner außergewöhnlichen Stellung gekommen war.
Nachdem feststand, dass Großbritannien aus der Europäischen Union austreten würde, wurde der geografische Mittelpunkt der EU neu berechnet – und fiel nach Gadheim. Genau an dieser Stelle erinnert heute ein symbolischer Vermessungsstab an diese geografische Besonderheit.
Erinnerung an eine historische Brexit-Nacht
/image%2F1394268%2F20261004%2Fob_5dd57b_02-eum-2-bgm-sindaco-1.jpg)
Götz erinnerte auch an die Nacht des 31. Januar 2020, als der Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union um Mitternacht vollzogen wurde.
Damals versammelten sich die Veitshöchheimer am EU-Mittelpunkt. Der Musikverein war dabei, die Europafahne wurde eingeholt und mit einem Trauerflor versehen.
Allen sei bewusst, so Götz, dass die besondere Stellung Gadheims eine „Ehre auf Zeit“ sei. Mit Veränderungen innerhalb der Europäischen Union könne sich auch deren geografischer Mittelpunkt wieder verschieben.
Der Bürgermeister verband dies mit einer Hoffnung: Sollte der Mittelpunkt eines Tages weiterwandern, dann möglichst deshalb, weil neue Länder der Europäischen Union beitreten.
„Europa hat dort eine Zukunft, wo Menschen aufeinander zugehen“
Dann richtete Götz eine Botschaft unmittelbar an die Jugendlichen aus Greve.
Sie sollten aus Gadheim nicht nur ein Foto vom geografischen Mittelpunkt mit nach Hause nehmen, sondern vor allem die Idee, „dass Europa dort eine Zukunft hat, wo Menschen aufeinander zugehen, Freundschaften über Grenzen hinweg bestehen“.
Passend dazu rief Götz:
„Viva l'amicizia italo-tedesca!“ – Es lebe die deutsch-italienische Freundschaft!
Und auch das folgende Musikstück hätte kaum besser gewählt sein können:
„Friends for Life“ – Freunde fürs Leben.
Frankenlied und Europahymne
/image%2F1394268%2F20261004%2Fob_1e3d4d_02-eum-3-musik-7.jpg)
Damit war die musikalische Begegnung noch nicht beendet.
Später erklang auch das Frankenlied, bevor mit der Europahymne ein symbolträchtiger Schlusspunkt gesetzt wurde.
Mehr als eine Stunde verbrachten die deutschen und italienischen Gäste am EU-Mittelpunkt. Es blieb Zeit für Gespräche, gemeinsames Musizieren und persönliche Begegnungen.
Anschließend führte die Wanderung über das Sendelbachtal, vorbei am NaturFreundehaus, zurück nach Veitshöchheim.
So wurde aus dem geografischen Mittelpunkt Europas für einen Vormittag tatsächlich ein Treffpunkt Europas.
Und das Bild von Jürgen Götz mit dem Saxophon zwischen deutschen und italienischen Musikern brachte die Botschaft des Tages auf seine ganz eigene Weise zum Ausdruck:
Europa lebt dort, wo Menschen gemeinsam etwas tun.
Der Empfang im Rathaus und der gemeinsame Vormittag am EU-Mittelpunkt waren nur ein Teil des umfangreichen Programms der Jugendbegegnung.
Bereits am Freitag beschäftigten sich die deutschen und italienischen Jugendlichen bei Besuchen in Nürnberg und Würzburg intensiv mit der Erinnerungskultur. Das weitere Wochenende steht unter anderem im Zeichen von Demokratie, jüdischer Geschichte, Jugendarbeit, Generationendialog, Musik und fränkischer Lebensart.
Über diese weiteren Programmpunkte und die Erlebnisse der Jugendlichen berichtet Veitshöchheim News in einem eigenen Beitrag nach Abschluss des Gegenbesuchs.
/image%2F1394268%2F20261004%2Fob_f2a5fa_01-empfang-rathaus-1-ba-rgermeister-ga.jpg)
/image%2F1394268%2F20261004%2Fob_ae0064_02-eum-3-musik-2.jpg)
/image%2F1394268%2F20261004%2Fob_05a62f_02-eum-3-musik-3.jpg)
/image%2F1394268%2F20261004%2Fob_5b5fcf_02-eum-3-musik-5.jpg)
/image%2F1394268%2F20261004%2Fob_6340b5_02-eum-3-musik-6.jpg)
/image%2F1394268%2F20261004%2Fob_b664a5_02-eum-3-musik-8.jpg)
/image%2F1394268%2F20261004%2Fob_a374c7_02-eum-4-rede-bgm-4.jpg)