„Goldene Hochzeit“: Gadheim und Veitshöchheim feiern 50 Jahre gemeinsamen Weg
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Mit einem ökumenischen Gottesdienst in der 725 Jahre alten Markuskapelle und einem anschließenden Festakt im St. Markushof feierten rund 70 Gäste das 50-jährige Jubiläum der Eingemeindung Gadheims nach Veitshöchheim. Dabei ging es nicht nur um den kommunalpolitischen Schritt von 1976, sondern vor allem um Heimat, Identität und das Miteinander der Menschen. Bürgermeister Jürgen Götz brachte die fünf gemeinsamen Jahrzehnte auf eine eingängige Formel: „1976 haben Veitshöchheim und Gadheim geheiratet. Heute feiern wir die Goldene Hochzeit.“
Auftakt in der 725 Jahre alten Markuskapelle
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Bewusst begann die Jubiläumsfeier mit einem ökumenischen Gottesdienst in der historischen Markuskapelle, die in diesem Jahr selbst auf ihr 725-jähriges Bestehen zurückblicken kann.
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Den Gottesdienst gestalteten der katholische Ortspfarrer Christian Nowak und sein evangelischer Kollege Johannes Riedel.
Unter den rund 70 Gästen waren neben Bürgermeister Jürgen Götz und Gemeinderäten auch Landrat Thomas Eberth, Domkapitular Clemens Bieber sowie die ehemaligen katholischen Ortspfarrer Robert Borawski und Herbert Neeser.
Warum man sich trotz der begrenzten Platzverhältnisse für das kleine Gotteshaus entschieden hatte, erklärte Nowak mit dem Begriff Identität: „Zur Identität unseres Lebens, zur Identität dieses Ortes gehört zweifelsohne und zuvorderst diese Kapelle, dieses kleine Gotteshaus, das allen so lieb ist.“ Auch der Glaube gehöre zur Identität der Heimat und des Ortes.
„Es geht um Menschen, um Zugehörigkeit, um Entwicklung“
Angesichts des ehrwürdigen Alters der Kapelle seien 50 Jahre nur eine vergleichsweise kurze Zeit. Doch hinter dem Jubiläum stehe weit mehr als ein Verwaltungsakt.
„Es geht nicht zuerst um eine Zahl und auch nicht nur um einen Beschluss auf einem Papier“, sagte Nowak. „Es geht um Menschen, um Zugehörigkeit, um Entwicklung. Es geht um Geschichte und um Heimat.“
Johannes Riedel dankte für das in fünf Jahrzehnten Gewachsene und „für alle, die sich gestern und heute für Gadheim engagieren, damit dieser Ort lebendig ist“.
In den Gebeten wurde der Generationen gedacht, die Gadheim geprägt und Gemeinschaft gestaltet haben. Zugleich richtete sich der Blick auf einen Ort, der sich verändert, ohne seine Geschichte und seine Wurzeln zu verlieren.
Gadheimer tragen die Fürbitten vor
Die von Gadheimern vorgetragenen Fürbitten verbanden Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Sie galten früheren Generationen, den heute im Ort Lebenden und allen, die sich in Kirche, Vereinen und Dorfgemeinschaft engagieren.
Mit Blick auf die kommenden Generationen baten sie um den Mut, „neue Wege zu gehen, ohne unsere Wurzeln zu vergessen“. Eine weitere Bitte brachte die Heimatverbundenheit auf den Punkt: „Segne Gadheim, segne unsere Heimat und alle Menschen, die hier leben und wirken.“
Eberth: Eigene Identität trotz Eingemeindung bewahrt
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Landrat Thomas Eberth erinnerte in seinem Grußwort an die Gebietsreform der 1970er Jahre. Mit der kommunalen Neuordnung im Würzburger Raum stellte sich damals auch die Frage, ob Gadheim zur Stadt Würzburg kommen oder im Landkreis bleiben sollte.
Solche Entscheidungen seien schwierig gewesen, weil Gemeindegrenzen unmittelbar Identität und Zugehörigkeitsgefühl berührten.
Dass die Gadheimer ihre eigene Prägung dennoch bewahrt hätten, zeige sich bis heute. „Ich glaube tatsächlich, dass sich die Gadheimer immer noch als Gadheimer empfinden“, sagte Eberth.
Zugleich habe sich die Zugehörigkeit zu Veitshöchheim bewährt. Damit sei letztlich erreicht worden, was die Gebietsreform beabsichtigte: funktionierende kommunale Strukturen, die für die Menschen da sind, ohne dass kleinere Orte ihre Identität verlieren.
Nach seinen Glückwünschen zum Jubiläum verabschiedete sich Eberth; am anschließenden Empfang konnte er nicht mehr teilnehmen.
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Nach dem Gottesdienst wechselte die Festgesellschaft in den benachbarten St. Markushof. Bürgermeister Jürgen Götz begrüßte dort neben der Geistlichkeit und den Gemeinderäten insbesondere Don-Bosco-Direktor Andreas Halbig, die Feldgeschworenen aus Veitshöchheim und Gadheim, Rudolf Hepf, der bereits 1976 dem Gemeinderat angehörte, Walter Dieck, Vorsitzender der Flurbereinigungsgenossenschaft Gadheim, sowie Würzburgs Altbürgermeister Adolf Bauer.
Sein besonderer Gruß galt den Gadheimern und den noch lebenden Zeitzeugen.
Götz: „50 Jahre gemeinsamer Weg“
„50 Jahre Gadheim und Veitshöchheim – 50 Jahre gemeinsamer Weg“, stellte Götz seine Festrede unter das Motto des Jubiläums. Es sei ein schöner Anlass, innezuhalten und vor allem jenen zu danken, die diesen Weg geprägt hätten.
Denn dass Gadheim seit dem 1. Juli 1976 zu Veitshöchheim gehört, war keineswegs selbstverständlich. Der damals rund 100 Einwohner zählende Weiler hätte im Zuge der Gebietsreform auch Würzburg zugeschlagen werden können.
Götz erinnerte an den Einsatz des damaligen Landtagsabgeordneten Christian Will, der sich für den Verbleib Gadheims im Landkreis und eine Lösung zugunsten Veitshöchheims eingesetzt hatte. Sein Dank galt ebenso dem damaligen Gadheimer Ortssprecher Edmund Kilian.
„Zum Glück sitzen wir heute hier gemeinsam in Gadheim und feiern dieses Jubiläum“, sagte Götz.
„Die Eingemeindung war keine Einbahnstraße“
Auch Veitshöchheim habe von der Verbindung erheblich profitiert. Ein Drittel der heutigen Gemeindefläche kam mit Gadheim hinzu. Dadurch entstanden unter anderem Entwicklungsmöglichkeiten für die Erweiterung des Gewerbegebietes und die eigene Wasserversorgung.
„Die Eingemeindung war keine Einbahnstraße“, stellte Götz fest.
Für die fünf gemeinsamen Jahrzehnte fand er ein anschauliches Bild: „1976 haben Veitshöchheim und Gadheim geheiratet. Heute feiern wir die Goldene Hochzeit.“
Wie in einer guten Ehe müsse man nicht immer einer Meinung sein: „Aber man muss zusammenhalten. Man muss miteinander reden. Und man muss wissen, dass man am Ende füreinander da ist.“
Dabei habe Gadheim seinen eigenen Charakter bewahrt. Die Gadheimer hätten nicht nur ihre Höfe und Häuser behalten, sondern auch ihre „Charakterköpfe“. Sie wüssten genau, was sie wollten – „und manchmal noch genauer, was sie nicht wollen“, scherzte Götz.
Adolf Bauer und der Glücksfall Schönbachhof
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Eine wichtige Weichenstellung für Gadheim erfolgte 1988. Würzburgs Altbürgermeister Adolf Bauer erinnerte daran, wie es ihm damals als bischöflichem Finanzdirektor gelang, den Schönbachhof für die Diözese Würzburg zu erwerben.
Die Diözese kam dabei dem ebenfalls interessierten „Universellen Leben“ zuvor. Das rund 10.000 Quadratmeter große Areal wurde dem Berufsbildungswerk für jugendfördernde Maßnahmen zur Verfügung gestellt.
Aus dem ehemaligen landwirtschaftlichen Anwesen entstand der nach der benachbarten Kapelle benannte St. Markushof – heute Ausbildungs-, Wohn- und Arbeitsort und ein prägender Bestandteil Gadheims.
Aus 40 Auszubildenden wurden 36 Bauabschnitte
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Don-Bosco-Direktor Andreas Halbig erinnerte daran, wie bescheiden die Planungen 1988 begonnen hatten: Zunächst sollten 40 junge Menschen im Zierpflanzenbau sowie Garten- und Landschaftsbau ausgebildet werden.
Seitdem wurden nach seinen Angaben 36 Bauabschnitte verwirklicht. Heute leben und arbeiten am St. Markushof 80 Auszubildende und 40 Teilnehmer der Berufsvorbereitung. Hinzu kommen 75 Wohnplätze und rund 45 Beschäftigte.
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Halbig dankte den Gadheimern für „ihre Offenheit, das gute Miteinander und die Akzeptanz“ und der Gemeinde für die „oft unbürokratische, vertrauensvolle Zusammenarbeit“.
Auch er griff humorvoll das Bild der Goldenen Hochzeit auf. Aus dem „stattlichen Veit von Höchheim“ und der „liebreizenden und schönen“ Gadheim sei trotz der üblichen Höhen und Tiefen „über die vielen Jahre eine Erfolgsgeschichte“ geworden.
Dieck: „Unsere Wünsche sind erfüllt worden“
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Die Bilanz aus Gadheimer Sicht zog Walter Dieck. In 50 Jahren habe man sich aneinander gewöhnt, Freundschaften geschlossen und Vertrauen aufgebaut.
„Man nimmt uns ernst mit unseren Anliegen“, sagte Dieck. Diese würden in der Regel schnell und unkompliziert erledigt – wobei er schmunzelnd ergänzte: „Ausnahmen gibt es natürlich auch.“
Seine Gesamtbilanz fiel positiv aus: „Unsere Wünsche zur Eingemeindung sind erfüllt worden.“
Gadheim und Veitshöchheim wüssten, was sie voneinander hätten. Für beide sei die Verbindung eine „Win-Win-Situation“. Sein Schlusssatz: „Gadheim mit Veitshöchheim – so lässt sich’s leben.“
Gadheim blieb Gadheim – und kam in die Mitte Europas
Eine Entwicklung, mit der 1976 niemand rechnen konnte, machte den kleinen Ortsteil Jahrzehnte später europaweit bekannt: Nach dem Brexit rückte der geografische Mittelpunkt der Europäischen Union nach Gadheim.
Für Götz ist dies zugleich ein Symbol für die vergangenen 50 Jahre: „Ein kleiner Ort kann Teil von etwas Größerem sein, ohne dabei seine eigene Identität zu verlieren.“
Oder noch kürzer: „Gadheim ist Gadheim geblieben – und trotzdem ein Teil von Veitshöchheim geworden.“
Zum Abschluss richtete der Bürgermeister den Blick nach vorne: „Zukunft entsteht dort, wo Menschen gemeinsam Verantwortung übernehmen.“
Als sichtbares und lebendiges Zeichen der Goldenen Hochzeit von Gadheim und Veitshöchheim stiftet die Gemeinde einen Hochstamm-Baum für den Gadheimer Dorfplatz.
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Der Bürgermeister stößt mit seinen Gästen auf 50 Jahre Gadheim an, bevor er das Buffet eröffnet.
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Erinnerungsfoto an das Jubiläum nach dem Gottesdienst
Fotos Dieter Gürz
1976 entschieden sich die Gadheimer für Veitshöchheim
Als Oberdürrbach 1976 nach Würzburg eingemeindet wurde, entschieden sich die Gadheimer mit großer Mehrheit dafür, sich der Gemeinde Veitshöchheim anzuschließen.
Mit Gadheim kamen damals 102 Einwohner und 341 Hektar Fläche zu Veitshöchheim. Die zusätzliche Fläche eröffnete der Gemeinde neue Entwicklungsmöglichkeiten. Unter anderem konnte das Veitshöchheimer Gewerbe- und Industriegebiet erweitert werden.
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Die Eingemeindung wurde 1976 ausgiebig gefeiert. Auf dem historischen Foto stoßen im Garten des damaligen Schönbachhofes von links Bürgermeister Erich Steppert, der Gadheimer Ortssprecher Edmund Kilian, Hans Stephan (3. Bürgermeister) und Josef Ries (2. Bürgermeister) auf die gemeinsame Zukunft an.
Berufsbildungswerk wächst weiter
Das Berufsbildungswerk Würzburg begleitet Jugendliche und junge Erwachsene zwischen 15 und 25 Jahren mit psychischen Beeinträchtigungen, Autismus-Spektrum-Störungen oder besonderem Förderbedarf im Bereich Lernen auf ihrem Weg in Ausbildung, Beruf und Gesellschaft.
Der steigende Platzbedarf führte in Gadheim zu weiteren Investitionen. Anfang 2014 wurde ein 1,8 Millionen Euro teures Internatsgebäude mit 24 Appartements sowie Gemeinschaftsräumen, Küchen und Betreuerzimmern eröffnet.
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Seit April 2025 stehen in einem weiteren Neubau zusätzliche 24 Appartements zur Verfügung. Kürzlich wurde davor ein weiterer Neubau mit zwölf Appartements fertiggestellt.
Heute werden in Gadheim rund 120 junge Menschen ausgebildet, mehr als 80 von ihnen leben im Internat.
Das Zusammenleben funktioniert hervorragend und ist von gegenseitigem Respekt und Selbstverständlichkeit geprägt. Die jungen Bewohner des Berufsbildungswerks gehören längst zum Gadheimer Alltag.