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Aus „Dreschplatz“ wird „Erich-Steppert-Platz“ - Gemeinderat würdigt früheren Bürgermeister - NSDAP-Mitgliedschaft löst Debatte im Gemeinderat aus

Veröffentlicht am von Dieter Gürz

Der Dreschplatz gegenüber den Mainfrankensälen erhält den Namen „Erich-Steppert-Platz“. Der Gemeinderat beschloss die Umbenennung gegen die fünf Stimmen von Bündnis 90/Die Grünen. Zuvor hatte die von den Grünen recherchierte NSDAP-Mitgliedschaft des früheren Bürgermeisters Erich Steppert eine ausführliche Debatte ausgelöst. Ein Antrag der Grünen, die Entscheidung für weitere Nachforschungen zu vertagen, fand keine Mehrheit.

Steppert war am 1. September 1941 im Alter von 18 Jahren in die NSDAP eingetreten. Eine Ablichtung seiner Mitgliedskarte liegt Veitshöchheim News vor.


CSU beantragte Umbenennung des Dreschplatzes

Hintergrund des Antrags ist auch die derzeitige Neugestaltung der Neuen Lände. Vor den Mainfrankensälen entsteht von der Parkstraße bis zur Oberen Maingasse nach Auffassung der CSU eine Fläche mit hohem Aufenthalts- und Erholungswert. Im Zuge dieser Aufwertung sollte nach dem Willen der Fraktion auch der bisherige Name „Dreschplatz“ auf den Prüfstand.

Ausgangspunkt war ein Antrag der CSU-Fraktion vom 27. Juli 2026. Sie hatte vorgeschlagen, den im Zuge der Neugestaltung der Neuen Lände aufgewerteten Dreschplatz nach dem früheren Bürgermeister Erich Steppert zu benennen.

Die gemeindlichen Richtlinien über Ehrungen sehen vor, dass Persönlichkeiten, die sich um Veitshöchheim besonders verdient gemacht haben, durch die Benennung von Straßen, Plätzen und öffentlichen Gebäuden geehrt werden können.

Eine solche Würdigung früherer Bürgermeister hat in Veitshöchheim Tradition. So erinnert die Heidenfelderstraße an einen früheren Bürgermeister, der Rathausinnenhof trägt den Namen „Erwin-Vornberger-Platz“.

Die Verwaltung sah gegen die Umbenennung keine Einwände. Da es am Dreschplatz bis auf die Mainfrankensäle (Adresse Mainlände 1) keine direkten Anlieger gibt, entstehen auch keine Belastungen durch notwendige Adressänderungen.


Zwölf Jahre Bürgermeister in einer Zeit starken Wachstums

Erich Steppert, geboren am 13. November 1922 in Bamberg, kam im Januar 1957 als Kämmerer und leitender Verwaltungsbeamter nach Veitshöchheim.

Nach dem Tod von Bürgermeister Erwin Vornberger kandidierte Steppert 1974 mit Unterstützung der CSU für das Bürgermeisteramt. Vom 16. September 1974 bis 17. September 1986 stand er zwölf Jahre an der Spitze der Gemeinde. Bei seiner Wiederwahl 1980 erhielt er 75,7 Prozent der Stimmen.

In dieser Zeit wuchs Veitshöchheim von rund 7.500 auf nahezu 10.000 Einwohner. Von 1978 bis 1990 gehörte Steppert zudem dem Würzburger Kreistag an und übernahm Aufgaben in kommunalen Zweckverbänden.

Er starb am 14. September 2020 im Alter von 97 Jahren.


Mainfrankensäle schaffen unmittelbaren Bezug zum Platz

CSU-Fraktionssprecher Marc Zenner stellte bei der Begründung des Antrags insbesondere den unmittelbaren Bezug zwischen Steppert und dem Dreschplatz heraus: Direkt angrenzend stehen die Mainfrankensäle, die 1981 während Stepperts Amtszeit eingeweiht wurden. Das Projekt kostete damals rund acht Millionen DM.

In Stepperts Amtszeit fielen zahlreiche weitere kommunale Projekte: Kindergärten der Christuskirche und der AWO, Spielplätze, eine neue achtklassige Grundschule unter Erhalt der Vitusschule, die Freisportanlage mit Kampfbahn sowie die Sing- und Musikschule. Auch die Bayerische Kammeroper Veitshöchheim, die Sozialstation und Verbesserungen bei öffentlichem Nahverkehr und Müllabfuhr führte die CSU in ihrem Antrag an.

Im rund 20 Hektar großen neuen Industrie- und Gewerbegebiet siedelten sich Unternehmen an. 1976 kam Gadheim mit damals 102 Einwohnern und 341 Hektar Fläche zu Veitshöchheim.

Als weiteres Verdienst Stepperts wurde die Bewahrung des Altorts durch Objektsanierung anstelle einer großflächigen Flächensanierung genannt. Auch die Erhaltung der Synagoge als Kulturgut und die Weinbergsflurbereinigung fielen in seine Amtszeit.


Grüne stoßen auf NSDAP-Mitgliedschaft

Die Beratung nahm eine andere Wendung, als Grünen-Fraktionssprecherin Christina Feiler die NSDAP-Mitgliedschaft Stepperts zur Sprache brachte.

Ihre Fraktion habe sich vor einer öffentlichen Ehrung mit der Biografie des vorgesehenen Namensgebers beschäftigt. Dabei sei man auf die Mitgliedschaft gestoßen. Feiler betonte, dass die Grünen Stepperts Verdienste um Veitshöchheim anerkennen und sein Andenken nicht schmälern wollten. Man wisse jedoch zu wenig darüber, wie seine Parteimitgliedschaft einzuordnen sei.

Sie schlug deshalb vor, die Entscheidung zu vertagen und weitere Informationen einzuholen.

Auf Nachfrage von CSU-Gemeinderat Simon Kneitz nannte Martin Husch (Bündnis 90/Die Grünen) die von der Süddeutschen Zeitung zugänglich gemachte NSDAP-Mitgliederkartei als Ausgangspunkt der Recherche. Name, Geburtsdaten und weitere Angaben stimmten überein; als Eintrittsdatum sei der 1. September 1941 verzeichnet.

Husch verwies auf die frühere Auseinandersetzung um den historisch belasteten Namensgeber Nikolaus Fey. Man wolle vermeiden, erst nach einer Benennung festzustellen, dass wichtige Aspekte einer Biografie nicht berücksichtigt worden seien. Ein konkretes Fehlverhalten Stepperts behaupteten die Grünen nicht.


Kneitz: Steppert persönlich anders erlebt

CSU-Gemeinderat Simon Kneitz zeigte sich ebenso wie Bürgermeister Jürgen Götz und andere Kollegen im Gremium überrascht. Er habe von einer NSDAP-Mitgliedschaft Stepperts bislang nichts gewusst und ihn persönlich so erlebt, dass er keinen Anlass gehabt habe, dessen Integrität anzuzweifeln.

Er warnte davor, allein aufgrund der Parteimitgliedschaft einen Generalverdacht entstehen zu lassen. Steppert sei beim Eintritt erst 18 Jahre alt gewesen, weshalb sich auch die Frage nach den damaligen Umständen stelle. Zugleich verwies Kneitz auf Stepperts unbestrittene Leistungen für Veitshöchheim.

UWG-Fraktionssprecher Bernd Schäfer äußerte sich ähnlich. Er habe Steppert persönlich gekannt und eine hohe Meinung von ihm. Ob dieser sich als NSDAP-Mitglied etwas habe zuschulden kommen lassen, wisse er nicht.

Schäfer erinnerte auch an Stepperts Erzählungen über seinen Kriegseinsatz in Russland und eine schwere Kopfverletzung. Die UWG habe die Platzbenennung unterstützen wollen, wäre aber auch mit einer Vertagung einverstanden gewesen, falls sich dadurch weitere Erkenntnisse gewinnen ließen.


Götz stellt Möglichkeiten einer nachträglichen Prüfung infrage

Feiler warb nochmals für einen Aufschub. Die überraschende Information habe erkennbar Emotionen ausgelöst. Gerade weil kein konkretes Fehlverhalten bekannt sei, sollten zunächst weitere Informationen gesammelt werden.

Bürgermeister Jürgen Götz (CSU) fragte dagegen, wo eine solche Untersuchung konkret ansetzen solle. Steppert sei seit sechs Jahren tot, Zeitzeugen zu Vorgängen aus dem Jahr 1941 dürften kaum noch zu finden sein.

Götz verwies außerdem auf das Steppert 1988 verliehene Bundesverdienstkreuz und erwog, ob bei dem damaligen Auszeichnungsverfahren möglicherweise auch dessen Vergangenheit betrachtet worden sein könnte. Er machte zugleich deutlich, dass er nicht wisse, ob dies tatsächlich der Fall war.

CSU-Fraktionssprecher Marc Zenner verwies seinerseits auf den Umgang der Stadt Würzburg mit historisch belasteten Straßennamen. Eine bloße NSDAP-Mitgliedschaft sei dort nicht generell mit Fällen gleichgesetzt worden, bei denen weitergehende Erkenntnisse über die Tätigkeit eines Namensgebers während der NS-Zeit vorlagen. Den Fall Nikolaus Fey hielt er deshalb nicht für unmittelbar vergleichbar.


Vertagung scheitert – Umbenennung beschlossen

Der Antrag auf Vertagung erhielt die fünf Stimmen der Grünen und damit keine Mehrheit.

Anschließend beschloss der Gemeinderat gegen die fünf Stimmen der Grünen, den Dreschplatz in „Erich-Steppert-Platz“ umzubenennen.

Die Verwaltung wird die Namensänderung öffentlich bekannt machen, die Platzschilder beschaffen und das zuständige Vermessungsamt zur Fortschreibung des Liegenschaftskatasters verständigen.

Damit erinnert künftig ein Platz unmittelbar vor den Mainfrankensälen an den früheren Bürgermeister. 


1948 Mitbegründer der Kolpingsfamilie in Fladungen

Zu Stepperts Nachkriegsbiografie gehört auch sein langjähriges Engagement bei Kolping. Bereits 1948 gehörte er zu den Mitbegründern der Kolpingsfamilie in seiner Heimatstadt FladungenIm Januar 1993 trat er der frisch gegründeten Kolpingsfamilie Veitshöchheim bei. Beim Empfang im Bacchuskeller wurde Steppert im November 2017 als damals 95-jähriges ältestes Mitglied geehrt.

1946 gehörte er zu den Mitbegründern des CSU-Kreisverbandes Mellrichstadt.


Fotos Dieter Gürz

RECHERCHE & DOKUMENTATION

Was über Erich Stepperts NSDAP-Mitgliedschaft bekannt ist

Veitshöchheim News liegt eine Ablichtung der NSDAP-Mitgliedskarte Erich Stepperts vor. Darauf sind sein Name, das Geburtsdatum 13. November 1922, der Geburtsort Bamberg, der Beruf „Verw. Angest.“ und der Wohnort Fladungen verzeichnet.

Die Karte nennt außerdem die Ortsgruppe Fladungen, den Gau Mainfranken, die Mitgliedsnummer 8.885.640 und als Eintrittsdatum den 1. September 1941.

Steppert war damals 18 Jahre alt und bei der Stadtverwaltung Fladungen beschäftigt. Seine NSDAP-Mitgliedschaft ist damit dokumentiert.

Nicht aus der Karte hervor geht, aus welchen persönlichen Beweggründen Steppert der Partei beitrat oder welche Aktivitäten er als Parteimitglied entfaltete.


Wie wurde man NSDAP-Mitglied?

Die Süddeutsche Zeitung beschreibt in ihrem Hintergrundbeitrag „Wie man Parteimitglied wurde“ vom 24. Juni 2026 das Aufnahmeverfahren anhand der NSDAP-Mitgliederverwaltung.

Männer konnten ab dem 18. Geburtstag einen Antrag stellen. Grundvoraussetzung war ein eigenhändig unterschriebener Aufnahmeantrag. Der Aufnahmeschein lief durch die örtliche Parteiorganisation; der Ortsgruppenleiter musste sein Einverständnis dokumentieren. Nicht unterschriebene Anträge wurden grundsätzlich unbearbeitet zurückgesandt.

Die NSDAP betonte offiziell das Prinzip der Freiwilligkeit. Es dürfe weder Zwang noch Druck ausgeübt werden, auch die berufliche oder wirtschaftliche Stellung sollte keine Rolle spielen. Die SZ verweist jedoch darauf, dass die Praxis anders aussehen konnte. Nach 1945 habe es zahlreiche Berichte gegeben, wonach Parteifunktionäre Menschen unter Hinweis auf mögliche berufliche oder andere Nachteile zum Eintritt gedrängt hätten.

Damit lässt sich aus dem formalen Aufnahmeverfahren allein nicht auf das persönliche Motiv eines einzelnen Mitglieds schließen.


Zenner verweist auf die Verhältnisse im Gau Mainfranken

CSU-Fraktionssprecher Marc Zenner stellte Veitshöchheim News nach der Sitzung ergänzend Ergebnisse seiner Recherche zur damaligen Situation in Mainfranken zur Verfügung.

Stepperts Mitgliedskarte führt die Ortsgruppe Fladungen und den Gau Mainfranken. Zenner verweist darauf, dass die Region unter Gauleiter Otto Hellmuth, der gleichzeitig auch Regierungspräsident war, stark von den nationalsozialistischen Partei- und Verwaltungsstrukturen geprägt gewesen sei.

Nach Zenners Recherchen wurden gerade die jungen Jahrgänge von den NS-Organisationen intensiv erfasst. Er erwägt deshalb, ob auch die organisierte Überführung junger Menschen aus der Hitlerjugend in die NSDAP für die Einordnung von Stepperts Eintritt im September 1941 eine Rolle gespielt haben könnte.

Zenner nimmt zudem an, dass Stepperts damalige Tätigkeit als Verwaltungsangestellter von Bedeutung gewesen sein könnte. Er verweist auf den politischen und beruflichen Anpassungsdruck jener Zeit und hält es für denkbar, dass dieser auch auf einen jungen Verwaltungsangestellten gewirkt haben könnte.

Ob dies bei Steppert tatsächlich der Fall war, geht aus der vorliegenden Mitgliedskarte nicht hervor. Ebenso lässt sich daraus nicht feststellen, ob er aufgrund seiner Beschäftigung zum Parteieintritt gedrängt wurde oder bei einer Weigerung konkrete berufliche Nachteile hätte befürchten müssen.

Quellen

Ablichtung der NSDAP-Mitgliedskarte Erich Stepperts (Mitgliedsnummer 8.885.640); Süddeutsche Zeitung, Robert Probst: „Wie man Parteimitglied wurde“, 24. Juni 2026; SZ-Schwerpunkt „NSDAP-Mitgliederkartei“; ergänzende Recherche von Marc Zenner zur historischen Situation im Gau Mainfranken.

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