Nach 36 Jahren ist Schluss: Josef Dürr gibt sein Amt als Gadheimer Feldgeschworener an Sohn Andreas weiter
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Generationswechsel bei den Gadheimer Feldgeschworenen: Josef Dürr (re. mit Ehefrau) scheidet mit 85 Jahren aus dem aktiven Dienst aus. Sein Nachfolger kommt aus der eigenen Familie: Sohn Andreas Dürr (2.v.l.) übernimmt seine Nachfolge als Feldgeschworener. Mit im Bild Bürgermeister Jürgen Götz und der Gadheimer Feldgeschworenen-Obmann Johannes Römert (li.)
Gemeinderat nahm Wechsel zur Kenntnis
Josef Dürr hatte sein Ausscheiden aus Alters- und Gesundheitsgründen erklärt. Daraufhin wählten die Gadheimer Feldgeschworenen Andreas Dürr einstimmig zu seinem Nachfolger. Dieser nahm die Wahl an.
Eine Bestätigung durch den Gemeinderat ist nicht erforderlich. Nach Ziffer 17 der Feldgeschworenenordnung ist das Gremium jedoch über Veränderungen in der Siebenergemeinschaft zu informieren.
So nahm der Veitshöchheimer Gemeinderat am 15. September 2026 sowohl den Rücktritt von Josef Dürr als auch das Ergebnis der Nachwahl zur Kenntnis.
Andreas Dürr schwört auf das Siebenergeheimnis
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Zu den Besonderheiten des jahrhundertealten Ehrenamtes gehört die Vereidigung. Andreas Dürr leistete den in der Bayerischen Feldgeschworenenordnung vorgeschriebenen Eid:
„Ich schwöre Treue dem Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland und der Verfassung des Freistaates Bayern, Gehorsam den Gesetzen, gewissenhafte und unparteiische Erfüllung meiner Amtspflichten, Verschwiegenheit und zeitlebens Bewahrung des Siebenergeheimnisses – so wahr mir Gott helfe.“
Nach der Vereidigung wünschte Bürgermeister Jürgen Götz dem neuen Feldgeschworenen alles Gute für seine verantwortungsvolle Aufgabe. Beruflich ist der 39jährige als Mechatroniker und Betriebsratsvorsitzender der Würzburger Milchwerke GmbH tätig.
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Eine Aufnahme aus dem März 2015: Der damalige Landrat Eberhard Nuß zeichnete Josef Dürr für 25 Jahre Tätigkeit als Feldgeschworener aus. Mehr als ein Jahrzehnt später und inzwischen 85 Jahre alt beendet der Gadheimer nun seinen aktiven Dienst. Ganz verabschieden kann sich ein „Siebener“ von seinem Amt allerdings nicht: Feldgeschworener bleibt Josef Dürr auf Lebenszeit.
In den Jahrzehnten, in denen Josef Dürr als Feldgeschworener unterwegs war, hat sich in dem kleinen Weiler viel verändert. Über einige Stationen berichtet er noch heute mit Leuchten in den Augen.
Ein für Gadheim besonders bedeutsames Ereignis war 1993 die Eröffnung des St. Markushofs auf einem rund 10.000 Quadratmeter großen Areal.
Mit vermessen hat Josef Dürr auch das kleine Wohngebiet, das Ende der 1990er Jahre am Ortseingang von Gadheim erschlossen wurde. Mit dem Baugebiet wurde seinerzeit insbesondere für Nachkommen Gadheimer Familien die Möglichkeit geschaffen, in ihrem Heimatort zu bauen und wohnen zu bleiben.
Für einen Feldgeschworenen wie Josef Dürr bedeutete eine solche Erschließung ganz praktische Arbeit: Wo neue Grundstücke entstehen, müssen Grenzen bestimmt, sichtbar gemacht und dauerhaft gesichert werden.
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Ein Höhepunkt in der jüngeren Geschichte des Weilers folgte Jahrzehnte später – und bescherte Gadheim internationale Aufmerksamkeit. Nach dem Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union zum 1. Februar 2020 wurde der geografische Mittelpunkt der EU neu bestimmt. Das Ergebnis führte ausgerechnet auf einen Acker in der Gemarkung Gadheim. Seine Koordinaten: 9°54'07" östliche Länge - 49°50'35" nördliche Breite. Damit lag plötzlich der geografische Mittelpunkt der Europäischen Union in jener kleinen Gemarkung, deren Grenzen Josef Dürr über Jahrzehnte hinweg mitbetreute.
Der Generationswechsel bei den Feldgeschworenen fällt in ein besonderes Jubiläumsjahr. Vor 50 Jahren kam Gadheim im Zuge der Gebietsreform zu Veitshöchheim. Bis dahin gehörte der Weiler zu Oberdürrbach. Seit der Eingemeindung im Jahr 1976 besitzt Veitshöchheim zwei Gemarkungen – und dementsprechend auch zwei eigenständige Feldgeschworenengemeinschaften. Die Größenverhältnisse unterscheiden sich deutlich: Die Veitshöchheimer Gemarkung umfasst rund 735 Hektar, die Gadheimer etwa 341 Hektar.
Im Hauptort versehen sieben Feldgeschworene unter Obmann Karl Wolf ihren Dienst. Aufgrund der wesentlich kleineren Gemarkung besteht die Gadheimer Gemeinschaft dagegen aus vier Mitgliedern. Nach dem Generationswechsel sind dies: Obmann Johannes Römert (Feldgeschworener seit 2002), Andreas Dürr (neu), Thomas Kauppert (seit 2015) und Johannes Dieck (seit 2024).
Die Feldgeschworenen können auf eine außergewöhnlich lange Tradition zurückblicken. Bereits 1583 wurden unter Fürstbischof Julius Echter sogenannte „Feldschieder“ eingesetzt.
Das Feldgeschworenenwesen gilt als ältestes noch erhaltenes kommunales Ehrenamt Bayerns.
Damals sollten nur angesehene, ortskundige und als zuverlässig geltende Männer mit dieser Aufgabe betraut werden. Gewissenhaftigkeit, Unparteilichkeit, Ortskenntnis und das Vertrauen der Bevölkerung sind auch heute wesentliche Voraussetzungen für das Ehrenamt.
Warum Feldgeschworene trotz GPS noch gebraucht werden
Satellitenvermessung, digitale Karten und computergestützte Berechnungen haben die Vermessung grundlegend verändert. Überflüssig geworden sind die Feldgeschworenen dadurch keineswegs.
Sie kümmern sich um Bestand und Erhalt der Grenzzeichen, wirken bei Abmarkungen mit und unterstützen die Ämter für Digitalisierung, Breitband und Vermessung.
Vor allem ihre Ortskenntnis macht sie zu wichtigen Mittlern zwischen Grundstückseigentümern, Gemeinde und Vermessungsverwaltung.
Die Abmarkung macht Eigentumsgrenzen vor Ort sichtbar und trägt damit auch zum Grenz- und Nachbarschaftsfrieden bei.
Das Geheimnis unter dem Grenzstein
Eine jahrhundertealte Besonderheit ihres Ehrenamtes ist das Siebenergeheimnis.
Beim Setzen von Grenzsteinen können Feldgeschworene geheime Zeichen einbringen. Anhand dieser Zeichen lässt sich später erkennen, ob ein Grenzstein noch an seiner ursprünglichen Stelle steht oder möglicherweise verändert wurde.
Wie diese Zeichen aussehen und wie sie angeordnet werden, bleibt geheim. Die Feldgeschworenen verpflichten sich mit ihrem Eid zur lebenslangen Verschwiegenheit und Bewahrung des Siebenergeheimnisses.
Was die Feldgeschworenen selbst erledigen dürfen
Feldgeschworene dürfen auf Antrag eines Grundstückseigentümers bereits gesetzte Grenzzeichen suchen und aufdecken. Innerhalb eines gesetzlich festgelegten Rahmens können sie zudem bestimmte Abmarkungsarbeiten selbstständig und in eigener Verantwortung ausführen.
Zur Tradition gehören auch die Grenzgänge im Frühjahr und Spätherbst. Auf Feld- und Waldwegen werden Grenzzeichen kontrolliert und historische Grenzsteine in Augenschein genommen.
Gerade die großen, teilweise noch aus der Echterzeit stammenden Grenzsteine machen solche Rundgänge auch zu einem Stück lebendiger Heimatgeschichte. Immer wieder werden deshalb Schulklassen zu Gemarkungsgrenzgängen mitgenommen.
Wie Tradition und moderne Technik zusammenfinden, zeigte sich zuletzt im November 2024.
Damals erhielten die Veitshöchheimer und Gadheimer Feldgeschworenen ein neues GPS-Gerät, das die Gemeinde knapp 10.000 Euro kostete.
Seitdem erleichtert die moderne Technik das Auffinden und Setzen von Grenzsteinen erheblich. Wo Josef Dürr in den Anfangsjahren seiner Tätigkeit noch mit wesentlich einfacheren Hilfsmitteln auskommen musste, können seine Nachfolger heute satellitengestützt arbeiten.
Die besondere Stellung der „Siebener“ wurde auch über Bayern hinaus gewürdigt. Im Dezember 2016 wurde das „Feldgeschworenenwesen in Bayern“ in das Bundesweite Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes aufgenommen.
Damit wird eine Tradition gewürdigt, die seit Jahrhunderten von Ortskenntnis, Vertrauen und ehrenamtlicher Verantwortung lebt.
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In Gadheim geht diese Tradition nun von einer Generation auf die nächste über: Josef Dürr beendet mit 85 Jahren seinen aktiven Dienst – Sohn Andreas übernimmt. Das Siebenergeheimnis bleibt dabei selbstverständlich gewahrt.
Fotos (bis auf Archivfoto) Dieter Gürz