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Tango, Leidenschaft und südamerikanische Lebensfreude - WüBrass begeistert beim Sommerkonzert im ausverkauften Synagogenhof

Veröffentlicht am von Dieter Gürz

Einen Abend voller Tango, südamerikanischer Rhythmen und virtuoser Blechbläserklänge erlebten die 130  Besucher beim 4. wiederum wie eine Woche zuvor ausverkauften Sommerkonzert im Synagogenhof des Jüdischen Kulturmuseums.  Heute  am 23. August gastierte das Würzburger Blechbläserensemble WüBrass mit seinem Programm „Tango und Passion – Südamerika in Brass“.

Seit inzwischen 18 Jahren gehören die Konzerte im Synagogenhof zum musikalischen Sommer in Veitshöchheim. Das Programm war dabei stets abwechslungsreich: Klassik, Jazz, Blues, Folk, fränkische Volksmusik sowie mittelalterliche und orientalische Klänge sorgten in den vergangenen Jahren für musikalische Überraschungen.


Fünf Blechbläser, ein außergewöhnlicher Klang

WüBrass, in Würzburg beheimatet, hat sich der Vielseitigkeit des „Symphonic Brass“ verschrieben. In der Besetzung mit zwei Trompeten, Horn, Posaune und Tuba zeigten die Musiker eindrucksvoll, wie facettenreich, samtig und zugleich kraftvoll Blechblasinstrumente klingen können.

Zur Besetzung gehörten dieses mal  Henry Martinez (links) und Victor Reichert (rechts) an den Trompeten, Zhaoheng Hu am Horn, Sinan Merdan an der Tuba und Jonathan Knoch an der Posaune.

Mit virtuoser Leichtigkeit und großer dynamischer Bandbreite führte das Quintett das Publikum durch unterschiedliche musikalische Welten.


Von Bizet bis Piazzolla

Den Auftakt bildete die „Ouverture“ aus der Carmen-Suite von Georges Bizet. Damit war zugleich die Brücke zwischen europäischer Klassik und den später folgenden südamerikanischen Rhythmen geschlagen.

Mit „La Cumparsita“ von Gerardo Matos Rodríguez folgte einer der bekanntesten Tangos überhaupt. Das 1917 entstandene Werk war ursprünglich als Karnevalsmarsch für einen studentischen Umzug in Uruguay gedacht und entwickelte sich später zum weltweit bekannten Tango-Klassiker.


Mexikanische Lebensfreude und melancholischer Tango

Mit „Cielito Lindo“ von Quirino Mendoza y Cortés kam mexikanische Folklore ins Programm. Das 1882 komponierte Lied zählt bis heute zu den bekanntesten Melodien Mexikos und gilt als musikalisches Symbol mexikanischer Identität.

Ganz anders war die Stimmung bei „Oblivion“ von Astor Piazzolla. Die melancholische Komposition zeigte die lyrische Seite des Tango Nuevo. Piazzolla verband darin klassische Elemente mit Jazz und dem traditionellen Tango und schuf einen schwebenden, nachdenklichen Klang.


Brasilianische Rhythmen vor der Pause

Besonders viel südamerikanisches Temperament brachte das Medley „Três do Brasil“ in der Bearbeitung von Hans Zellner. Darin wurden drei Klassiker der brasilianischen Musik miteinander verbunden: „Mas Que Nada“ von Jorge Ben, „The Girl from Ipanema“ von Antônio Carlos Jobim und „Brazil“ von Ary Barroso.

Das Ergebnis war ein rhythmisch abwechslungsreicher Auftritt, bei dem die fünf Musiker die klanglichen Möglichkeiten ihres Instruments voll ausschöpften.

Nach diesem musikalischen Ausflug nach Brasilien ging es für zehn Minuten in die Pause.


Zurück nach Sevilla

Den zweiten Konzertteil eröffnete erneut Georges Bizet mit dem „Interlude“ aus der Carmen-Suite. Das ruhige und melodische Zwischenspiel bildete einen wirkungsvollen Kontrast zum temperamentvollen ersten Teil.

Direkt daran schloss sich „La Virgen de la Macarena“ von Bernardino Bautista Monterde an. Das Stück ist eng mit der spanischen Tradition und der berühmten Marienprozession in Sevilla verbunden. Mit dem markanten Klang konnte insbesondere die Trompete wirkungsvoll in Szene gesetzt werden.


Ragtime trifft peruanischen Walzer

Mit der „Suite Americana Nº 1“ von Enrique Crespo ging die musikalische Reise anschließend von Nord- nach Südamerika. Die Suite verbindet unterschiedliche Tanzstile und enthält unter anderem Ragtime und den peruanischen Walzer.

Während der Ragtime mit seinen Synkopen für Schwung sorgte, erinnerte der „Vals Peruano“ mit seinem Dreivierteltakt an den klassischen europäischen Walzer – allerdings mit unverkennbar lateinamerikanischer Prägung.


Humor beim „Killer Tango“

Mit dem „Killer Tango“ von Sonny Kompanek zeigte WüBrass anschließend auch seine humorvolle Seite. Witz, musikalische Überraschungen und technische Virtuosität machten das Stück zu einem besonderen Höhepunkt des Abends.

Danach kehrte mit der „Habanera“ aus Bizets „Carmen“ ein weiterer weltbekannter Klassiker auf das Programm zurück. Der charakteristische Rhythmus des kubanischen Tanzes Habanera und die berühmte Melodie gehören zu den bekanntesten Themen der Opernliteratur.


„Libertango“ als großer Höhepunkt

Zum Ende des regulären Programms erklang Astor Piazzollas „Libertango“. Der Titel setzt sich aus den spanischen Begriffen „Libertad“ und „Tango“ zusammen und steht sinnbildlich für Piazzollas Entwicklung des Tango Nuevo.

Mit seinem markanten Rhythmus und der treibenden Melodie gehört „Libertango“ zu den bekanntesten und am häufigsten bearbeiteten Werken Piazzollas. WüBrass präsentierte den Klassiker mit kraftvollem Blechbläserklang und viel rhythmischer Energie.


Bizets Toreros als Zugabe

Ohne Zugabe wollten die Besucher das Quintett anschließend nicht ziehen lassen. WüBrass verabschiedete sich mit den „Toreadores“ aus der Carmen-Suite von Georges Bizet.

Der bekannte Toreromarsch bildete einen passenden und schwungvollen Abschluss eines Konzertabends, der Klassik, Tango und südamerikanische Lebensfreude miteinander verband.


WüBrass aus Würzburg

WüBrass ist ein professionelles Blechbläserensemble aus Würzburg. Die Musiker treten sowohl als Quintett als auch in größeren Besetzungen auf. Das Repertoire reicht von klassischer Musik und sinfonischen Bearbeitungen bis zu Tango, Weltmusik und Filmmusik.

Gegründet wurde das Ensemble von Henry Martinez, der als Trompeter auch im Kammerorchester Würzburg tätig ist. Martinez verfügt über langjährige Orchester- und Bühnenerfahrung und war unter anderem im Simón-Bolívar-Sinfonieorchester und im Nationalen Sinfonieorchester Teresa Carreño in Venezuela aktiv. Zudem ist er als Lehrer für Blechblasinstrumente tätig.

Auch Jonathan Knoch verbindet seine Konzerttätigkeit mit der musikalischen Ausbildung junger Musiker. Er begann bereits im Alter von fünf Jahren mit dem Posaunenunterricht und studierte später an der Hochschule für Musik Würzburg. Seit 2023 unterrichtet er an der Musikschule Höchstadt/Aisch, seit 2024 zusätzlich an der Musikschule im Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim.

am Horn: Zhaoheng Hu

 Tuba: Sinan Merdan 

 2. Trompete: Victor Reichert


Ein Abend mit musikalischer Vielfalt

Das Sommerkonzert zeigte einmal mehr, warum die Konzertreihe im Synagogenhof seit 18 Jahren zum festen Bestandteil des kulturellen Sommers in Veitshöchheim gehört. WüBrass verband an diesem Abend europäische Klassik mit Tango, brasilianischen Rhythmen, mexikanischer Folklore und spanischen Klängen.

Das Publikum erlebte einen abwechslungsreichen Konzertabend mit Leidenschaft, Virtuosität und viel musikalischer Spielfreude.

Fotos Dieter Gürz

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