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Trio "Red Pack" begeistert beim ausverkauften Sommerkonzert im Synagogenhof

Veröffentlicht am von Dieter Gürz

Das Würzburger Trio Red Pack verwandelte den Synagogenhof des Jüdischen Kulturmuseums in Veitshöchheim in einen Konzertsaal. Das Sommerkonzert war mit 130 Besuchern bis auf den letzten Platz gefüllt. Von der ersten Minute an sprang der Funke über, klatschte, wippte und sang das Publikum mitunter auch mit.

Klaus Wolf an der Gitarre, Evangelos Fitros am Kontrabass und Matthias Ernst an der Klarinette sowie alle mit Gesang präsentierten sich als bestens eingespieltes Trio. Alle drei verfügen über eine professionelle musikalische Ausbildung und langjährige Bühnenerfahrung. 

Die drei Musiker spielen komplett unverstärkt und setzen auf unmittelbaren Kontakt zum Publikum. Ihre roten Lackleder-Haferlschuhe gehören ebenso zum Markenzeichen wie die ungewöhnliche Besetzung. Der Bandname ist eine augenzwinkernde Anspielung auf das legendäre amerikanische „Rat Pack“ um Frank Sinatra.

Gegründet wurde Red Pack vor rund 15 Jahren von Klaus Wolf, der organisatorische und technische Kopf im Hintergrund des Trios. In der Anfangszeit gehörte Saxophonist und Sänger Matthias Köhler zur Besetzung. Seit 2019 ist Matthias Ernst der Mann am Blasinstrument. Als „Mr. Clarino“ bringt er seine starke Jazz-Prägung in die Formation ein.  Der aus Griechenland stammende Evangelos Fitros ist seit vielen Jahren eine feste Größe der Würzburger Live-Musikszene und in verschiedenen Formationen aktiv. Sein präzises Spiel bildet das rhythmische Fundament von Red Pack.


Von Jazz und Swing bis Rock und Pop

Das Programm führte quer durch Jazz, Swing, Pop, Rock, Chansons, Schlager und internationale Klassiker. Den Auftakt machte das schwungvolle „Muppet Show Theme“, gefolgt von „All of Me“ von Louis Armstrong aus dem Jahr 1931, bei dem es bereits frühen Szenenapplaus für Fitros Schlagzeugspiel am Kontrabass gab. 

Mit „The Girl from Ipanema“ ging es musikalisch nach Brasilien. Klarinette und Gitarre sorgten für ein gefühlvolles Zusammenspiel, bevor „We No Speak Americano“ das Tempo deutlich anzog.

Für einen ersten Höhepunkt sorgte „Kriminal-Tango“ von Hazy Osterwald von 1959 mit Klaus Wolf am Gesang – inklusive augenzwinkerndem „Schuss“.

Danach wechselte die Stimmung bei Juliette Grécos „Seul ce soir“ ins Französische. Ernst setzte mit einem dahinschmachtenden Klarinettensolo einen besonders gefühlvollen Akzent. 

Danach folgte mit „Follow Me“ ein international erfolgreicher Hit des US-Musikers Uncle Kracker aus dem Jahr 2000.

Besonderen Applaus erhielt „Bei mir bistu shein“. Der Swingtitel aus dem Jahr 1932 wurde in den 1930er-Jahren durch die Andrews Sisters international bekannt. Ernst brillierte erneut auf der Klarinette, während Wolf mit seinem Gesang überzeugte.

Mit „Mrs. Robinson“ von Simon & Garfunkel ging es anschließend in die Popgeschichte. Das 1968 veröffentlichte Lied wurde durch den Film „Die Reifeprüfung“ weltbekannt. Ein rhythmisches Gitarrensolo von Wolf und der Gesang des Trios wurden begeistert beklatscht.

 Beim nächsten Stück animierte der Gitarisst das in zwei Hälfte geteilte Publikum zum Mitsingen des Grundtons "HOM".


Star Wars, Rock'n'Roll und romantische Töne

Mit der „Cantina Band“ aus „Star Wars“ bewies Red Pack Sinn für musikalische Überraschungen. Danach wurde es beim von Bill Haley zum Millionenseller gemachten Bluessong  „Shake, Rattle and Roll“ aus dem Jahr 1954 rockig und mitreißend.

Eine völlig andere Klangfarbe brachte „Black Orpheus“ aus dem brasilianisch-französischen Filmklassiker „Orfeu Negro“ des Jahres 1959. Die sehnsuchtsvolle Melodie bot Raum für ein ausdrucksstarkes Gitarrensolo und gefühlvolles Klarinettenspiel.

Mit Elvis Presleys Liebeslied „Can't Help Falling in Love“ wurde es anschließend romantisch. Der Klassiker von 1961 lud zum Mitsingen ein und bildete einen ruhigen Gegenpol zu den temperamentvolleren Nummern.

Danach nahm Red Pack wieder Fahrt auf. „Disco Partizani“ von Shantel brachte rasante Balkan- und Clubrhythmen in den Synagogenhof. Klaus Wolf hielt es dabei nicht mehr auf seinem Platz. Er sorgte mit seinem Ausflug ins Publikum  für lachende Gesichter.

Bei der weltbekannten Swingversion„Just a Gigolo“ aus dem Jahr 1928, von Louis Armstrong 1956 gecovert, übernahm Wolf erneut den Gesangspart.

Evangelos Fitros setzte am Kontrabass markante rhythmische Akzente und unterstrich seine Rolle als musikalisches Fundament des Trios.


Vier Zugaben für ein begeistertes Publikum

Der Schlussapplaus wollte kein Ende nehmen. Das Publikum holte Red Pack gleich mehrfach zurück auf die Bühne – insgesamt gab es vier Zugaben.

Den Auftakt machte der temperamentvolle „Klarinettenmuckl“, bei dem Matthias Ernst seine Virtuosität noch einmal eindrucksvoll unter Beweis stellte.

Mit „Für mich soll's rote Rosen regnen“ von Hildegard Knef wurde es anschließend ruhig und gefühlvoll.

Danach sorgte „Stayin' Alive“ von den Bee Gees wieder für Disco-Stimmung.

Zum Abschluss durfte „Buona Sera“ nicht fehlen. Der Klassiker aus den 1950er-Jahren, der vor allem durch Louis Prima bekannt wurde, animierte das Publikum noch einmal zum Mitklatschen.


Matthias Ernst – „Mr. Clarino“ mit besonderer Verbindung zu Veitshöchheim

Für Veitshöchheim war der Abend zugleich ein Wiedersehen mit einem Musiker, der die örtliche Konzertlandschaft seit vielen Jahren prägt. Matthias Ernst war bereits 2013 gemeinsam mit Banjostar Sean Moyses in der Bücherei im Bahnhof zu erleben. Auch bei früheren Sommerkonzerten im Synagogenhof, im Kastaniengarten am Main und beim Altortfest stand er auf der Bühne.

Mit den Main City Stompers, dem Djangology-Quartett, dem Franconia Jazz Ensemble und weiteren Formationen hat Ernst über viele Jahre musikalische Spuren in Veitshöchheim hinterlassen.

Seine klassische Ausbildung am Hermann-Zilcher-Konservatorium in Würzburg bildete die Grundlage für seine spätere intensive Beschäftigung mit Jazz, Swing und New Orleans. Heute ist er unter anderem mit seiner eigenen Clarino Jazzband aktiv und gibt sein musikalisches Wissen als Lehrer weiter.

Auch an diesem Abend zeigte Ernst, weshalb er in der Region einen hervorragenden Ruf genießt. Rasante Läufe, lyrische Melodien und feinste Nuancen gingen scheinbar mühelos ineinander über. Seine technische Brillanz blieb dabei stets im Dienst der Musik.


Auch Klaus Wolf ist mit Veitshöchheim verbunden

Eine enge Verbindung zu Veitshöchheim hat auch Klaus Wolf. Der gebürtige „Ascheberger“ lebte rund 20 Jahre in der Gemeinde und wohnt heute in Oberdürrbach nur wenige hundert Meter Luftlinie von der Veitshöchheimer Schleehofstraße entfernt.

Wolf studierte Musik mit Hauptfach Gitarre und ist seit 1982 als Profimusiker tätig. Seit 1988 betreibt er zudem ein eigenes Tonstudio. Hauptberuflich arbeitet er als Sachverständiger für Schallschutz und Akustik.


Drei Musiker, rote Schuhe und viel Nähe zum Publikum

Der Auftritt im Synagogenhof zeigte eindrucksvoll, dass ein gelungener Konzertabend nicht zwingend eine große Bühne, Lautsprecher und aufwendige Technik braucht.  Und die Gemeinde als Veranstalter hatte Glück. Wie schon eine Woche zuvor blieb der prognostizierte Regen bis auf einige Tropfen aus.

Red Pack machte über 90 Minuten lang den Synagogenhof zum Outdoor-Konzertsaal

Fotos Dieter Gürz

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