Hommage an die Frauen im Jazz: Jessicats begeistern beim ersten Sommerkonzert im Synagogenhof
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Seit 18 Jahren gehören die Sommerkonzerte im Synagogenhof zu den kulturellen Höhepunkten des Veitshöchheimer Sommers. Mit Klassik, Jazz, Blues, Folk, fränkischer Volksmusik sowie mittelalterlichen und orientalischen Klängen bietet das Kulturamt Jahr für Jahr ein abwechslungsreiches Programm. Auch in diesem Sommer verwandelte sich der historische Innenhof der ehemaligen Synagoge wieder in einen stimmungsvollen Konzertort. Bei idealen sommerlichen Wetterbedingungen genossen rund 80 Besucher den Konzertabend unter freiem Himmel. Mit dem Würzburger Jazz-Trio Jessicats stand diesmal eine Formation auf der Bühne, die musikalische Qualität mit einem außergewöhnlichen Konzept verbindet.
Eine Hommage an Jazz-Komponistinnen
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Victoria Pohl (Klavier), Carolin Heuser (Saxophon und Bassklarinette) sowie Sabrina Damiani (Kontrabass) gründeten das Trio 2021 während ihres Studiums an der Hochschule für Musik Würzburg. Dass sich daraus eine reine Frauenformation entwickelte, war keine bewusste Entscheidung, sondern ergab sich ganz selbstverständlich aus dem gemeinsamen Musizieren.
Inzwischen verfolgen die drei Musikerinnen eine klare künstlerische Idee: Ihr gesamtes Programm widmet sich ausschließlich Werken von Jazz-Komponistinnen. Neben eigenen Kompositionen interpretieren sie Stücke bedeutender Musikerinnen wie Tomeka Reid und Carla Cook und setzen damit ein musikalisches Zeichen für Künstlerinnen, deren Werke im Jazz häufig noch immer zu wenig Beachtung finden.
Debütalbum bildet das Konzertprogramm
Im Mittelpunkt des Abends stand das aktuelle Debütalbum „Jessicats“, das die Formation derzeit auf ihrer Release-Tour präsentiert. Die zehn gespielten Titel entsprachen der Album-Tracklist und zeigten eindrucksvoll die große stilistische Bandbreite des Trios.
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Bereits das eröffnende „Etoile“, eine Komposition von Carolin Heuser, überzeugte mit lyrischen Melodien und feiner Dynamik.
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Es folgte „Portrait Of A Moment“ von Victoria Pohl, das persönliche Eindrücke eines Erasmus-Aufenthalts musikalisch verarbeitet. Mit viel Gefühl entwickelte sich das Stück von ruhigen Klangflächen zu intensiven improvisierten Passagen.
Raffinierte Arrangements und viel Raum für Improvisation
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Besonders eindrucksvoll gelang „Ornithol“, ebenfalls aus der Feder von Victoria Pohl. Inspiriert von Charlie Parkers legendärem „Ornithology“ entstand eine eigenständige Komposition mit Walzercharakter, bevor Saxophon und Klavier das Thema in virtuosen Soli immer weiterentwickelten.
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Mit „Love's Lullaby“ der amerikanischen Cellistin und Komponistin Tomeka Reid bewiesen die Jessicats ihre Experimentierfreude. Durch den Wechsel vom ursprünglichen 6/8- in einen 5/4-Takt erhielt das Stück eine neue rhythmische Spannung, ohne seinen lyrischen Charakter zu verlieren.
Auch „Getting Kicked Out“, eine weitere Eigenkomposition von Carolin Heuser, begeisterte das Publikum. Die Musikerin verarbeitet darin den Auszug aus einer Wohnung nach sechs Jahren und verwandelt persönliche Erfahrungen in ausdrucksstarke Jazzmusik.
Die Handschrift jeder Musikerin ist hörbar
Von den zehn Titeln des Albums stammen sieben aus eigener Feder. Victoria Pohl steuerte mit „Portrait Of A Moment“, „Ornithol“ und „Salida“ drei Kompositionen bei. Carolin Heuser ist Urheberin von „Etoile“ und „Getting Kicked Out“, während Sabrina Damiani mit „Crane Dance“ und „Blues for Emily“ zwei melodisch geprägte Werke zum Album beitrug.
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Ergänzt wird das Programm durch „Love's Lullaby“ von Tomeka Reid und „Don't Cross the Coss“ von Carla Cook. Den Abschluss bildet „Sad As I CAN Be“, ein traditionelles Stück, das die Jessicats mit einem eigenen Arrangement neu interpretieren.
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Dabei wird die musikalische Persönlichkeit jeder einzelnen Musikerin deutlich hörbar. Victoria Pohl überzeugt mit rhythmischer Raffinesse und harmonischer Tiefe sowie einem feinen Gespür für melodische Entwicklungen. Carolin Heuser beeindruckt durch ihren warmen, wandelbaren Saxophonton und ausdrucksstarke Improvisationen zwischen lyrischer Zurückhaltung und kraftvoller Bebop-Energie. Sabrina Damiani bildet mit ihrem zugleich erdigen und melodischen Kontrabassspiel das stabile Fundament des Trios und setzt immer wieder eigene solistische Akzente.
Blindes Verständnis auf der Bühne
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Dass die drei Musikerinnen seit Jahren gemeinsam musizieren, war während des gesamten Konzerts spürbar. Das Zusammenspiel wirkte nahezu selbstverständlich, musikalische Ideen wurden spontan aufgegriffen und weiterentwickelt. Improvisationen entstanden aus dem Moment heraus und verliehen jedem Stück eine eigene Dynamik. Auffallend war dabei die große stilistische Bandbreite – von lyrisch-feinen Passagen über swingende Grooves bis hin zu temperamentvollen Soli mit viel Raum für musikalische Überraschungen.
Zwischen den einzelnen Titeln führten die Musikerinnen mit charmanter und humorvoller Moderation durch den Abend. Sie erläuterten die Entstehung ihrer Kompositionen, berichteten über persönliche Hintergründe und gaben Einblicke in die oft unterschätzte Rolle von Komponistinnen in der Geschichte des Jazz.
Begeisterter Applaus im Synagogenhof
Mit lang anhaltendem Applaus bedankte sich das Publikum für einen Jazzabend auf höchstem musikalischen Niveau. Die Jessicats bewiesen eindrucksvoll, dass zeitgenössischer Jazz sowohl anspruchsvoll als auch zugänglich sein kann. Mit ihrem Debütalbum und ihrer Hommage an die Werke bedeutender Jazz-Komponistinnen verleihen sie einem oft übersehenen Kapitel der Jazzgeschichte eine ebenso persönliche wie überzeugende Stimme. Das Publikum im Synagogenhof dankte es den drei Musikerinnen mit großem Beifall und mehreren Zugaben.