aktualisiert: Statt Abriss nun denkmalgeschützt: Gemeinde verkauft Handwerkerhaus aus dem 16./17. Jahrhundert in der Unteren Maingasse
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Handwerkerhaus in Veitshöchheim: Vom drohenden Abriss zum geschützten Denkmal
Das historische Anwesen Untere Maingasse 53 blickt auf fast 400 Jahre Geschichte zurück. Nun steht es kurz vor dem Verkauf.
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Ein Haus mit fast 400 Jahren Geschichte steht in Veitshöchheim vor einer neuen Zukunft: Das Anwesen Untere Maingasse 53 an der Ecke zur Mühlgasse, das seit rund zehn Jahren leer steht, soll verkauft werden. Einen potenziellen Käufer gibt es nach Angaben der Gemeinde bereits. Für den früheren Eigentümer Kurt Adelmann ist das historische Gebäude allerdings weit mehr als ein Baudenkmal: Er lebte dort rund acht Jahrzehnte – von seiner Geburt bis zu seinem Auszug im hohen Alter.
Besonders ins Auge fällt das Haus Besuchern, die mit den Personenschiffen in Veitshöchheim ankommen und anschließend durch den Altort gehen.
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Kurt Adelmann verbringt seinen Lebensabend im Seniorenheim St. Hedwig und ist auch mit 90 Jahren noch sehr belesen. Wegen eines Augenleidens liest er heute mit der Lupe und deshalb nur noch sehr langsam. Besonders angetan hat es ihm das Buch „Kirche in Trümmern? Krieg und Zusammenbruch 1945“ von Professor Dr. habil. Heinrich Fleckenstein. Der Geistliche war von 1943 bis 1946 Pfarrer in Veitshöchheim; bei ihm ging Adelmann zur Kommunion.
Adelmann verkaufte das Anwesen vor rund zwei Jahren an die Gemeinde. Zuvor hatte es nach seinen Angaben weitere Interessenten gegeben. Den Ausschlag gab schließlich das Interesse des Kulturamts, das in dem Haus ein historisches Gemeindearchiv unterbringen wollte. Aus diesem Vorhaben wurde jedoch nichts.
Wie aus dem Halbjahresbericht der Hochbaureferatsleiterin Sabine Greiner zum Haushalt 2026 hervorgeht, konnte für das Gebäude kein wirtschaftlich tragfähiger Nutzungszweck gefunden werden. Deshalb soll die Liegenschaft nun weiterverkauft werden. Zur künftigen Nutzung macht die Gemeinde vor der notariellen Beurkundung keine Angaben.
Für Adelmann war das Haus über Jahrzehnte Lebensmittelpunkt und zugleich Schauplatz eines Alltags, der aus dem heutigen Veitshöchheimer Ortsbild weitgehend verschwunden ist. Der unverheiratete Adelmann lebte lange Zeit auf engstem Raum mit seinen Eltern Alfons und Elisabeth sowie den Großeltern Johann und Anna unter einem Dach.
Sein Großvater war Küfer bei der LWG und begeisterter Anhänger König Ludwigs II., sein Vater arbeitete im Nebengebäude als Schuster. Im kleinen Stall im Hof hielt die Drei-Generationen-Familie Hühner, Ziegen und zwei Schweine zum Schlachten. Später arbeitete Adelmanns Vater als Pfleger im Hofgarten, Kurt selbst beim Fernmeldeamt.
Auch sein langjähriges kommunalpolitisches und lokalhistorisches Engagement ist eng mit seiner Heimatgemeinde verbunden. 33 Jahre lang gehörte Adelmann bis 2002 dem Gemeinderat an. Im CSU-Ortsverein ist er mit 64 Jahren Mitgliedschaft das dienstälteste Mitglied. Besonders am Herzen lag ihm die Bewahrung des historischen Ortsbilds. So unterstützte er die Ortschronistin Vera Struchholz tatkräftig bei der Restaurierung der Martinskapelle. Bei der Altortsanierung kämpfte er mit Erfolg vehement dafür, dass anstelle der von ihm abgelehnten Imlau-Flächensanierung die Öttl-Objektsanierung zum Tragen kam. Auch für die Wiederherstellung der Kaskade im Hofgarten setzte er sich ein, konnte sich mit diesem Anliegen jedoch nicht durchsetzen.
Das Gebäude selbst reicht weit weiter zurück. Bei dem zweigeschossigen Haus mit steilem Satteldach handelt es sich um ein historisches Handwerker- und Ackerbürgerhaus aus dem späten 16. oder frühen 17. Jahrhundert.
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Das massiv errichtete Erdgeschoss besitzt eine charakteristische abgeschrägte Gebäudeecke.
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Das Obergeschoss ist auf der Rückseite als Fachwerk ausgeführt. Zum Anwesen gehört ein ebenfalls historischer Stall im Hof. Das Gebäude dokumentiert die historische Bau- und Lebensweise im alten Ortskern und gilt als Zeugnis der Handwerkskultur der Renaissancezeit. Erst in jüngerer Zeit wurde die Liegenschaft unter Denkmalschutz gestellt.
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Seine heutige Bedeutung verdankt das Anwesen auch einem Kapitel der Veitshöchheimer Altortsanierung. Ursprünglich sollte das Gebäude abgerissen und durch einen Neubau ersetzt werden. Dieser sollte sich auch auf das angrenzende Grundstück erstrecken.
Die Gemeinde hatte die Fläche erworben, die dortige Bausubstanz abgebrochen und das Grundstück anschließend an Kurt Adelmann verkauft. Für einen Neubau auf beiden Grundstücken lag bereits ein entsprechender Bauplan vor. Adelmann nahm von dem Vorhaben jedoch Abstand und kam seiner Bauverpflichtung nicht nach, sodass das an ihn verkaufte Grundstück nach einigen Jahren an die Gemeinde zurückfiel. Seither wurde die Fläche als Parkplatz genutzt. Vor zehn Jahren war Adelmann dann zur Betreuung seiner Tante in deren Haus im Sendelbachtal gezogen.
Die Satzung zur Altortsanierung aus dem Jahr 1981 wurde im März 2012 aufgehoben. Das Adelmann-Haus blieb erhalten – und sollte damit eine Entwicklung nehmen, die ursprünglich so nicht vorgesehen war.
Vor rund zwei Jahren erwarb die Gemeinde schließlich die historische Liegenschaft von Kurt Adelmann und führte notwendige Sicherungsmaßnahmen durch. Eine eigene wirtschaftlich sinnvolle Nutzung ließ sich jedoch nicht finden. Nun soll das Haus verkauft werden.
Für das Gebäude beginnt damit ein weiteres Kapitel seiner langen Geschichte. Für Adelmann bleibt es das Haus, in dem er acht Jahrzehnte seines Lebens verbrachte und in dem sich ein Stück des früheren Veitshöchheimer Alltags bewahrt hat.
Fotos: Dieter Gürz