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Interview über 130 Jahre hinweg: Thomas Struchholz lässt das Tagebuch von 1896 erzählen

Veröffentlicht am von Dieter Gürz

Ein außergewöhnliches Kapitel aus „Veitshöchheimer Zeitzeugen erzählen“ – Zeichnungen und Aufzeichnungen von Herrn Rüger werden zum Gesprächspartner

Wie führt man ein Interview mit einem Menschen, der vor rund 130 Jahren durch Veitshöchheim spazierte, zeichnete und seine Beobachtungen in einem Tagebuch festhielt? Thomas Struchholz hat für sein neues Buch „Veitshöchheimer Zeitzeugen erzählen“ eine ungewöhnliche Antwort gefunden: Er macht das historische Tagebuch von Herrn Rüger aus dem Jahr 1896 zum Gesprächspartner.

Das „Tagebuchinterview“ gehört zu den außergewöhnlichsten Beiträgen des neuen, 144 Seiten umfassenden Buches, das am 16. November 2026 erscheint. Neben 15 weiteren Zeitzeugen-Geschichten verbindet Struchholz darin Fragen aus der Gegenwart mit handschriftlichen Aufzeichnungen, Aquarellen und Skizzen aus dem ausgehenden 19. Jahrhundert.

Im Vordergrund dieses Beitrags steht dieses besondere Interview über die Grenzen der Zeit hinweg: Was sah Herr Rüger 1896 in Veitshöchheim? Was hielt er für bemerkenswert? Welche Orte waren ihm eine Zeichnung wert – und was ist davon heute noch vorhanden?


Ein Tagebuch wird zum Zeitzeugen

Grundlage des ungewöhnlichen Interviews ist ein erhalten gebliebenes Tagebuch mit Zeichnungen, Aquarellen, Skizzen und handschriftlichen Einträgen aus dem Jahr 1896. Struchholz führt gewissermaßen ein Gespräch mit diesem historischen Dokument: Fragen aus heutiger Sicht treffen auf Bilder und Aufzeichnungen eines Mannes, der Veitshöchheim und seine Umgebung aufmerksam beobachtete.

Herr Rüger hielt fest, was ihm auf seinen Wegen begegnete und was ihn persönlich interessierte. Hofgarten, Main, Friedhof, Forsthausareal, Gebäude, Denkmäler, Wappen und Ausflugsziele finden sich auf seinen Seiten. Manche Motive sind heute noch wiederzuerkennen, andere haben sich grundlegend verändert oder sind verschwunden.

Thomas Struchholz folgt diesen Spuren, vergleicht damalige Ansichten mit der Gegenwart und ordnet sie in die Veitshöchheimer Ortsgeschichte ein. Was 1896 als persönliche Erinnerung entstand, ist heute ein bemerkenswertes historisches Zeitdokument.


Der Hofgarten vor 130 Jahren

Einige Zeichnungen widmen sich dem Veitshöchheimer Hofgarten. Auch das Wohnhaus der Familie Rüger lag nach den im Buch wiedergegebenen Recherchen in unmittelbarer Nähe des Hofgartens. Dieser gehörte damit offenbar zu seinem täglichen Lebensumfeld.


Ein verschwundener See mitten in Veitshöchheim

Besonders spannend ist Rügers Darstellung des damaligen Forsthausareals der Kgl. Lehranstalt Veitshöchheim mit See vor dem Martinsbrunnen.


Der Main als Verkehrsweg

Auch das Mainufer findet sich im Tagebuch. Eine auf den 1. August 1896 datierte Zeichnung zeigt den Fluss und die gegenüberliegende Landschaft. Rüger hielt dabei auch den damaligen Verkehr auf dem Wasser fest. Schiffe wurden früher auf dem Main mit langen Seilen flussaufwärts gezogen. Diese historische Methode nannte man Treideln oder auch Leinreiten. Am Ufer gab es extra angelegte Wege, die sogenannten Treidelpfade oder Leinpfade. 


Spaziergang zur Ravensburg

Rügers Wege führten ihn auch in die nähere Umgebung. Mehrere Zeichnungen zeigen Mauerreste und Ansichten der Ravensburg. Sein Tagebuch wird damit zugleich zu einem kleinen Reise- und Skizzenbuch des ausgehenden 19. Jahrhunderts.


Der Friedhof als Stück Ortsgeschichte

Auch der damalige Friedhof beschäftigte Rüger. Zu sehen sind unter anderem Martinskapelle, Grabstätten und Kreuze. Die Zeichnungen dokumentieren eine Gestaltung, die sich in mehr als einem Jahrhundert erheblich verändert hat.


Wappen, Gebäude und verschwundene Details

Rügers Blick galt auch den kleinen Dingen. Er zeichnete Wappen und kunstvolle Steinmetzarbeiten, darunter die farbige Darstellung eines prächtigen Wappens auf einem Sockel.


Eine von 16 Veitshöchheimer Zeitzeugen-Geschichten

Das Kapitel über Herrn Rüger ist eine von 16 Zeitzeugen-Geschichten, die Thomas Struchholz für sein neues Buch zusammengetragen hat. Eine Vielzahl historischer Fotografien, persönlicher Dokumente und Erinnerungen ergänzt auf 144 Seiten die Berichte der Zeitzeugen.

„Veitshöchheimer Zeitzeugen erzählen“ erscheint am 16. November 2026.

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