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„Weißt du noch?“ – Thomas Struchholz lässt Veitshöchheimer Zeitzeugen erzählen

Veröffentlicht am von Dieter Gürz

Neues Buch erscheint am 16. November 2026 – 16 Interviews und eine Vielzahl historischer Bilder und Dokumente auf 144 Seiten – Thomas und Rita Struchholz investierten fast 480 Arbeitsstunden – Auflage auf nur 300 Exemplare begrenzt


Geschichte besteht nicht nur aus Jahreszahlen, Gebäuden und großen Ereignissen. Sie lebt vor allem in den Erinnerungen der Menschen. Genau dort setzt das neue Buch des Veitshöchheimers Thomas Struchholz an. Unter dem Titel „Veitshöchheimer Zeitzeugen erzählen“ erscheint am 16. November 2026 ein 144 Seiten starkes Werk, in dem 16 Zeitzeugen und ihre Geschichten im Mittelpunkt stehen.

Wenn persönliche Erinnerungen zu Ortsgeschichte werden

Mit zahlreichen historischen Fotografien, privaten Dokumenten und persönlichen Erinnerungsstücken zeichnet Struchholz ein vielschichtiges Bild Veitshöchheims und seiner Vergangenheit. Dabei geht es nicht allein um die großen Veränderungen des Ortes, sondern ebenso um das alltägliche Leben, persönliche Erlebnisse und jene kleinen Begebenheiten, die in offiziellen Chroniken oftmals keinen Platz finden.


„Weißt du noch?“ – kaum eine andere Frage vermag Erinnerungen so unmittelbar zurückzuholen. An die Kindheit, die Schule, den ersten Beruf, an Menschen, die längst nicht mehr leben, an schwierige Jahre, lustige Begebenheiten und an einen Alltag, der heute manchmal aus einer anderen Welt zu stammen scheint.

Genau solche Erinnerungen hat Thomas Struchholz für sein neues Buch „Zeitzeugen Veitshöchheim“ gesammelt.

Das Ergebnis soll keine weitere klassische Ortschronik sein. Es ist vielmehr ein Buch über Menschen und ihre Erinnerungen – und damit über Veitshöchheim aus Blickwinkeln, die in amtlichen Dokumenten und Archiven kaum zu finden sind.

Und wer eines haben möchte, sollte die Auflagenhöhe im Blick behalten: Mehr als 300 Exemplare werden nicht gedruckt.


„Weißt du noch?“ wurde zum Leitmotiv

In seinem einleitenden Kapitel beschreibt Struchholz, wie ihn die Frage „Weißt du noch?“ selbst beschäftigte und schließlich zum Leitgedanken seiner Arbeit wurde.

Den gedanklichen Anstoß fand er bei der Lektüre eines Textes von Anne Frank. Dabei ging es ihm nicht darum, die Lebensumstände miteinander zu vergleichen. Vielmehr faszinierte ihn, wie Erinnerungen trotz schwieriger äußerer Umstände bewahrt werden und wie stark sich darin Hoffnung und Zuversicht ausdrücken können.

Ähnliches, so Struchholz, habe er während seiner Gespräche immer wieder erlebt.

Seine Zeitzeugen berichteten von einer Welt, in der die Lebensumstände vielfach wesentlich einfacher und materiell bescheidener waren als heute. Trotzdem sei die Erinnerung an diese Zeit erstaunlich häufig positiv geprägt gewesen.

Manche Erzählungen aus Kindertagen seien geradezu aus seinen Gesprächspartnern herausgesprudelt.

Und manchmal musste der Interviewer dann kaum noch fragen.


Kindheit, Schule, Beruf – und die Menschen von nebenan

Die Gespräche drehen sich keineswegs ausschließlich um die großen Ereignisse der Geschichte.

Gerade das Alltägliche interessiert Struchholz: Kindergarten und Schule, Ausbildung und Beruf, Familie und Nachbarschaft – und jene Veitshöchheimer Zeitgenossen, die einem früher im täglichen Leben begegneten und von denen manche durch eine Anekdote nun ihren Platz in der Ortsgeschichte erhalten.

Darin liegt der besondere Reiz des Buches.

Geschichte wird nicht rückblickend allein anhand von Jahreszahlen erzählt. Die Menschen erzählen selbst, was sie erlebt haben.

Und manchmal erzählen sie dabei Dinge, die ansonsten vermutlich mit ihnen verloren gegangen wären.


Manchmal kam im Interview auch eine „kleine Bombe“ zum Vorschein

Wie viel Arbeit hinter einem solchen Zeitzeugenbericht steckt, sieht der spätere Leser den fertigen Seiten kaum an.

Struchholz arbeitete bei den Interviews bewusst ohne vorgefertigten Fragenkatalog. Das Gespräch sollte spontan bleiben. Zuhören, nachfragen, das nächste Thema erkennen und gleichzeitig genügend Gespür dafür entwickeln, wann eine Erinnerung vertieft werden sollte – so beschreibt er seine Vorgehensweise.

Anschließend begann die eigentliche Textarbeit.

Eine zentrale Rolle übernahm dabei seine Frau Rita Struchholz. Sie übertrug die teilweise im schnellen fränkischen Sprachfluss geführten Interviews in Schriftform.

Bei einem zweistündigen Gespräch konnten daraus nach Angaben des Autors schnell 16 bis 20 DIN-A4-Seiten Rohtext werden.

Danach wurde markiert, gekürzt, neu diktiert, wieder geschrieben und korrigiert.

Und dann kam der entscheidende Moment: Der Zeitzeuge bekam seinen Text selbst zu lesen.

Dabei konnte es durchaus vorkommen, dass jemand plötzlich bemerkte, im Gespräch eine kleine verbale „Bombe“ hinterlassen zu haben, die er nun doch nicht veröffentlicht sehen wollte.

Andere wiederum blieben bei ihrer Aussage nach dem Motto: So war es – und so kann es auch gedruckt werden.


Kein Interview ohne Zustimmung des Zeitzeugen

Ein Prinzip war für Struchholz dabei nicht verhandelbar: Kein Zeitzeuge sollte sich mit dem veröffentlichten Text unwohl fühlen.

Änderungswünsche wurden berücksichtigt. Anschließend folgten weitere Korrekturen, die Auswahl und Bearbeitung der Bilder und schließlich ein Layoutentwurf.

Erst danach wurde die endgültige Freigabe von Text und Bild eingeholt.

Dieses Verfahren hatte Struchholz bereits bei seiner großen Veitshöchheimer Ortschronik angewandt.

Denn das jetzige Buchprojekt hat eine Vorgeschichte, die bis weit vor 2026 zurückreicht.


Schon die große Chronik von 2012 setzte auf Zeitzeugen

2012 erschien Struchholz’ monumentales Werk „Veitshöchheim – Eine Chronik aus Franken“.

Bereits damals spielten persönliche Erinnerungen eine wichtige Rolle. 52 Zeitzeugen-Interviews fanden Eingang in die Chronik und ergänzten die historische Darstellung durch persönliche Schilderungen, Details, Humor und Lokalkolorit.

Das Buch brachte es auf 836 Seiten und mehr als 1.300 Abbildungen.

Seine Entstehung führte seinerzeit allerdings auch zu heftigen Diskussionen über Auflagenhöhe, Kosten und die Zahl der Bücher, die von der Gemeinde erworben werden sollten.

Die Geschichte endete nicht mit der damaligen Auseinandersetzung: Am 16. Juli 2013 beschloss der Gemeinderat mit 13 gegen zehn Stimmen, für die im Haushalt vorgesehenen 20.000 Euro weitere 506 Exemplare zu erwerben. Zugleich wurde festgelegt, die Chronik künftig unter anderem zu bestimmten Jubiläen als Präsent der Gemeinde zu überreichen.


Doch nach der Chronik war noch Material übrig

Mit dem Erscheinen der Chronik war die Zeitzeugenarbeit nicht beendet.

Interviews, die seinerzeit nicht mehr aufgenommen werden konnten, lagen weiterhin fertiggestellt vor. Einige der damals befragten Menschen waren inzwischen verstorben. Für Struchholz wurde damit immer deutlicher, dass dieses Material veröffentlicht und dauerhaft bewahrt werden sollte.

Er führte weitere Gespräche und sammelte zusätzliche historische Aufnahmen und Dokumente.

Zu den außergewöhnlichsten Quellen gehörte ein Tagebuch aus dem Jahr 1896 mit künstlerisch ausgeführten Tuscheskizzen und Veitshöchheimer Ortsansichten (im Bild die rückwärtige Ansicht der heute noch vorhandenen Gebäude der Königlichen Lehranstalt in der Herrnstraße im Jahr 1896 mit dem Märzebrünnle unter der Baumkrone). Struchholz durfte das historische Material einsehen und reproduzieren.

Wie wertvoll diese Sicherung war, zeigte sich erst unter: Das Originaltagebuch wurde nach Angaben des Autors bei einer Nachlassentsorgung vernichtet. Die zuvor angefertigten Reproduktionen haben dadurch einen besonderen dokumentarischen Wert erhalten.

- Siehe dazu nachstehender Link auf  separaten Bericht -


2020 entstand die Idee für einen Ergänzungsband

Um 2020 nahm die Idee für eine eigenständige Veröffentlichung konkrete Formen an.

Das neue Buch sollte als Ergänzung zur Ortschronik von 2012 erscheinen – und deshalb auch hinsichtlich Format, Druck, Gestaltung und Verarbeitung an deren Qualitätsanspruch anknüpfen.

Struchholz sammelte weiter.

Im Frühsommer 2024 stellte er Bürgermeister Jürgen Götz das Projekt auszugsweise vor.

Zunächst wurde über eine wesentlich größere Auflage gesprochen. Nach den Unterlagen stand eine Größenordnung von 1.000 Exemplaren im Raum. Aufgrund der höheren Stückzahl hätte sich dabei ein erheblich niedrigerer Einzelpreis realisieren lassen.

Doch daraus wurde nichts.


Nach langen Gesprächen kam im August 2026 das Nein

Das Projekt zog sich hin. Im August 2026 legte Struchholz schließlich noch eine deutlich kleinere Alternative vor.

Danach sollten insgesamt 500 Exemplare hergestellt werden – 300 für die Gemeinde und 200 für den Autor. Durch die geringere Gesamtauflage erhöhten sich allerdings die Herstellungskosten. Für die Gemeinde standen nach den Unterlagen rund 8.600 Euro zur Entscheidung.

Am 18. August 2026 entschied der Ferienausschuss schließlich mit 5:4 Stimmen, dem Projekt nicht näherzutreten.

Da die Beratung nichtöffentlich erfolgte, können die konkreten Beweggründe der einzelnen Ausschussmitglieder aus den vorliegenden Unterlagen nicht abschließend dargestellt werden.

Struchholz berichtet zwar von Argumenten, die ihm anschließend aus dem Umfeld der Beratungen zugetragen worden seien – darunter Kritik an den Kosten und Fragen zur Herstellung. Dabei handelt es sich jedoch um seine Darstellung und nicht um eine öffentlich dokumentierte Begründung des Ausschusses.

Für den Autor hatte die Entscheidung jedenfalls eine klare Konsequenz:

Er macht es jetzt selbst.


Statt großer Auflage werden nur 300 Bücher gedruckt

Struchholz entschied sich, das Projekt in eigener Verantwortung zu realisieren und die Auflage auf nur 300 Exemplare zu begrenzen.

Damit steigt zwangsläufig der Stückpreis.

37,50 Euro kostet ein Exemplar.

Nach seinen Unterlagen versucht der Autor, einen Teil der notwendigen Finanzierung bereits über Vorbestellungen, Zusagen und Unterstützer abzusichern.

Sollten die 300 Bücher tatsächlich schnell ihre Abnehmer finden, wäre das Werk schon aufgrund dieser geringen Auflagenhöhe eine vergleichsweise seltene Veitshöchheimer Publikation.


Fast 480 Stunden Arbeit von Rita und Thomas Struchholz

Wie viel Arbeit in den 144 Seiten steckt, hat Struchholz diesmal mitgeschrieben.

Fast 480 Stunden kamen nach seiner Aufstellung allein bei ihm und seiner Frau Rita zusammen.

Interviews führen, Tonaufnahmen übertragen, Texte bearbeiten, Bilder scannen und aufbereiten, Korrekturen einarbeiten und die Vorarbeiten für das Layout erledigen – aus einem Gespräch wird eben nicht automatisch eine fertige Buchseite.

Hinzu kam professionelle Unterstützung.

Das gestalterische Grundkonzept greift auf das Layout der Chronik von 2012 zurück. Struchholz nennt hier Reinhold Schöberl, der bereits damals wesentliche Vorarbeiten geleistet hatte und nun auch das Lektorat übernahm.

Christian Schuster kümmerte sich um das fertige Layout und die Bildaufbereitung, Dieter Körner von Bonitasprint um die drucktechnische Umsetzung.

Einen besonderen Dank richtet Struchholz zudem an seine Familie – und vor allem an seine Frau Rita, ohne deren umfangreiche Schreibarbeit das Projekt nach seinen eigenen Worten kaum zu bewältigen gewesen wäre.


Warum macht man sich so viel Arbeit?

Diese Frage sei ihm während des Projekts immer wieder gestellt worden, schreibt Struchholz in seinem einleitenden Kapitel.

Warum all diese Interviews? Warum hunderte Stunden Arbeit? Warum alte Bilder suchen, Texte schreiben, korrigieren und wieder korrigieren?

Seine Antwort fällt erstaunlich kurz aus:

Weil Veitshöchheim seine Heimat ist.

Genau daraus erklärt sich für ihn auch der Sinn des Zeitzeugenprojekts.

Erinnerungen verschwinden, wenn niemand sie festhält. Menschen sterben. Fotos werden weggeworfen. Dokumente landen bei Haushaltsauflösungen im Müll. Geschichten, die jahrzehntelang innerhalb einer Familie oder eines Ortes weitererzählt wurden, können innerhalb einer Generation verloren gehen.

Ein gedrucktes Buch kann sie bewahren.


16 Interviews, 144 Seiten und historische Bilder

„Zeitzeugen Veitshöchheim“ umfasst 144 Seiten im Format 25,3 x 32 Zentimeter.

Das Buch erscheint als hochwertiger Festeinband mit Fadenheftung.

Im Mittelpunkt stehen die 16 Interviews, ergänzt um historische Fotografien, Dokumente und Erinnerungsstücke.

Dabei geht es nicht nur um spektakuläre Ereignisse.

Gerade die kleinen Geschichten können zeigen, wie Veitshöchheim einmal war: Schule und Beruf, Nachbarschaft und Familie, Sorgen und Hoffnungen – aber ebenso Streiche, Eigenheiten und Begebenheiten, über die man Jahrzehnte später noch lachen kann.

Geschichte bekommt dadurch Gesichter und Stimmen.


Und am Ende steht wieder die Frage: „Weißt du noch?“

Struchholz verbindet mit seinem Buch auch die Hoffnung, dass die Erinnerungen seiner Gesprächspartner mehr hinterlassen als historische Informationen.

In seinem Vorwort schreibt er von Heiterkeit, Zuversicht und Hoffnung auf ein schönes Morgen, die der Leser aus den Erinnerungen anderer Menschen mitnehmen möge.

Vielleicht ist genau das der Kern dieses ungewöhnlichen Buchprojekts.

Dass jemand beim Blättern ein altes Foto entdeckt.

Einen Namen wiedererkennt.

Eine Geschichte liest, die er selbst einmal gehört hat.

Und plötzlich sagt:

„Weißt du noch?“


„Zeitzeugen Veitshöchheim“ erscheint am 16. November

Das Buch erscheint am 16. November 2026 und kann ab sofort vorbestellt werden.

„Zeitzeugen Veitshöchheim“ von Thomas Struchholz

16 Zeitzeugen-Interviews
144 Seiten
Format 25,3 x 32 cm
Festeinband mit Fadenheftung
Auflage: nur 300 Exemplare
Preis: 37,50 Euro

Bei einer Bestellung ab zehn Exemplaren gibt es 5 Prozent Rabatt. Bei Zahlung innerhalb von sieben Tagen werden zusätzlich 2 Prozent Skonto gewährt.

Vorbestellungen bei Thomas Struchholz

Telefon: 0170 / 7828400

Bestellungen werden Montag bis Freitag von 8 bis 12 Uhr entgegengenommen.

Angesichts der auf 300 Exemplare begrenzten Auflage empfiehlt sich für Interessenten eine frühzeitige Vorbestellung.

Fotos Dieter Gürz

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