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33. Informationsgang führte auf den Spuren der Grenzen rund um Gadheim – 50 Jahre Eingemeindung gaben den Anlass

Veröffentlicht am von Dieter Gürz

Rund 60 Teilnehmer waren beim knapp sechs Kilometer langen Informations- und Grenzgang der Gemeinde Veitshöchheim dabei – Feldgeschworene gewährten spannende Einblicke in ihr jahrhundertealtes Ehrenamt – Bürgermeister Jürgen Götz erinnerte an 50 Jahre Eingemeindung Gadheims – Zahlreiche Stationen führten von der Gemarkungsgrenze über Gadheim, den St. Markushof und den EU-Mittelpunkt bis zum geplanten Aussiedlerhof und ins „Gebrannte Hölzlein“


Ein Grenzgang aus besonderem Anlass

Tue Recht, fürchte Gott und scheue niemand“ – mit diesem alten Leitspruch eröffnete Bürgermeister Jürgen Götz den 33. Informationsgang der Gemeinde Veitshöchheim. Rund 60 Teilnehmer hatten sich am Samstagmorgen eingefunden, um sich auf eine knapp sechs Kilometer lange Tour entlang der Veitshöchheimer und Gadheimer Gemarkungsgrenzen zu begeben.

Der diesjährige Rundgang stand ganz im Zeichen eines besonderen Jubiläums: Vor 50 Jahren wurde Gadheim nach Veitshöchheim eingemeindet. So lag es nahe, diesmal nicht nur über Grenzen zu sprechen, sondern ihnen buchstäblich zu folgen.

Die Route führte entlang der Grenzen zu Würzburg-Oberdürrbach, Rimpar und Güntersleben. Fachkundige Begleiter waren die Feldgeschworenen-Obmänner aus Veitshöchheim und Gadheim sowie ein Vertreter des Amtes für Digitalisierung, Breitband und Vermessung Würzburg.

Götz begrüßte unter anderem die Feldgeschworenen-Obmänner Karl Wolf und Johannes Römert, den Oberdürrbacher Obmann Otto Keupp, den Günterslebener Obmann Roman Hubert Döppler sowie Jochen Müller vom Amt für Digitalisierung, Breitband und Vermessung Würzburg. Ein besonderer Dank des Bürgermeisters galt Rathausmitarbeiter Klaus Kaiser für Vorbereitung und Planung des Informationsgangs.


Warum sich Gadheim vor 50 Jahren für Veitshöchheim entschied

Bevor es weiter an die Grenzsteine ging, erinnerte Götz daran, warum das Verhältnis zwischen Gadheim und Veitshöchheim überhaupt zum Leitthema des Tages geworden war.

1249 wurde Gadheim erstmals urkundlich erwähnt. Der Ort gehörte ebenso wie Güntersleben, Veitshöchheim und Oberdürrbach zum Benediktinerkloster St. Stephan. 1579 verkaufte das Kloster seinen Besitz an Fürstbischof Julius Echter von Mespelbrunn. Gadheim gelangte gemeinsam mit Oberdürrbach in den Besitz des Juliusspitals.

Ab 1781 bildeten Gadheim und Oberdürrbach eine eigene Gemeinde. Aus dem Jahr 1829 ist ein Großbrand überliefert, dem zwei Höfe zum Opfer fielen. 1840 lebten 58 Menschen in Gadheim, bis 1925 stieg die Einwohnerzahl auf 66 Personen in zehn Wohngebäuden. Von 1927 bis 1956 bestand im Ort eine von der Familie Hennig betriebene Gastwirtschaft.

Die entscheidende Zäsur kam 1976. Als Oberdürrbach nach Würzburg eingemeindet wurde, entschied sich die große Mehrheit der Gadheimer dagegen, diesen Weg mitzugehen. Stattdessen schloss sich der Ort Veitshöchheim an. Gadheim hatte damals 108 Einwohner und eine Fläche von 341 Hektar.

Ein gewichtiger Grund für diese Entscheidung: Die Stadt Würzburg plante nach den beim Informationsgang geschilderten historischen Angaben auf rund 50 Hektar des Gadheimer Ortsgebietes eine größere Wohnbebauung. Diese hätte die landwirtschaftlich geprägte Struktur des kleinen Ortes massiv verändert.

Dass diese Entscheidung von vor 50 Jahren bis heute ganz konkrete Auswirkungen auf Grenzverläufe hat, zeigte sich schon wenige Schritte später.


Kurioser Grenzverlauf mitten durch die Kaserne

Die Gemarkungsgrenze zwischen Veitshöchheim und Würzburg und damit zugleich die Landkreisgrenze verläuft historisch bedingt mitten durch die Balthasar-Neumann-Kaserne. Durch die jüngste Bautätigkeit der Bundeswehr sei die Situation noch augenfälliger geworden.

Es ist wirklich sehr kurios“, sagte Götz. Die Grenze verlaufe beispielsweise mitten durch das neue Gebäude des Heeresmusikkorps. Der Gemeinderat hat deshalb beschlossen, bei der Regierung von Unterfranken eine Bereinigung des Grenzverlaufs zu beantragen.

Ziel sei eine klare Zuordnung entlang des Kasernenzauns: „Kaserne ist Veitshöchheim, Standortübungsplatz ist Würzburg“, brachte Götz die angestrebte Lösung auf eine kurze Formel.

Im Gegenzug würde Veitshöchheim eine entsprechende Teilfläche aus dem Standortübungsplatz an Würzburg abgeben. Damit war zugleich die passende Überleitung zu jenen Männern gegeben, die sich seit Jahrhunderten ganz praktisch mit solchen Grenzen beschäftigen.


Karl Wolf: Was machen eigentlich die „Siebener“?

Karl Wolf, Obmann der Veitshöchheimer Feldgeschworenen, stellte das traditionsreiche Ehrenamt vor.

Wir wollen zum einen etwas über die Geschichte der Feldgeschworenen sagen und zum anderen auch, welche Aufgaben wir haben – und vor allen Dingen, welche Aufgaben wir nicht machen dürfen“, erklärte Wolf.

Gerade Letzteres sei wichtig, weil Bürger immer wieder mit Anliegen an die Feldgeschworenen heranträten, für die diese rechtlich gar nicht zuständig seien.

Das Feldgeschworenenwesen besitzt eine jahrhundertealte Tradition. Die Feldgeschworenen überwachen Grenzzeichen und arbeiten eng mit dem Amt für Digitalisierung, Breitband und Vermessung zusammen. Einmal im Jahr werden die Grenzen kontrolliert.

2016 wurde das Feldgeschworenenwesen in das bundesweite Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes aufgenommen.

Wie stark diese Tradition insbesondere in Franken verwurzelt ist, verdeutlichte Wolf mit Zahlen. In Bayern gebe es rund 24.000 Feldgeschworene, davon etwa 14.000 in Franken.

Franken ist in diesem Bereich Vorreiter und hält die Tradition am höchsten“, sagte Wolf.

Neben „Feldgeschworene“ existieren zahlreiche alte Bezeichnungen. Am bekanntesten ist in Franken wohl der Begriff „Siebener“


Früher durfte ein Siebener kein „unverschämter Erdenwurm“ sein

Aus einer Gerolzhöfer Verordnung aus dem Jahr 1546 las Wolf vor, welche Voraussetzungen ein Feldgeschworener seinerzeit erfüllen sollte.

Er sollte unter anderem über 30 Jahre alt sein, kein „rachsüchtiger und unverschämter Erdenwurm“, kein Säufer, Spieler oder Schwärmer, sondern ein ruhiger und bei Streitigkeiten besonnener Mann sein. Auch Rechnen und Schreiben sollte er beherrschen.

Wolf kommentierte trocken: „Sie können sich vorstellen, was wir heute für Probleme haben, wenn wir einen neuen Feldgeschworenen suchen müssen.

Die Feldgeschworenen wählen ihren Obmann aus den eigenen Reihen. Neue Mitglieder werden dem Gemeinderat bekanntgegeben und anschließend vom Bürgermeister vereidigt. Dabei verpflichten sie sich unter anderem zu Unparteilichkeit und Verschwiegenheit – auch über das traditionsreiche Siebenergeheimnis.

Nach so viel Geschichte wurde es praktisch: Was bedeutet Abmarkung eigentlich – und woran erkennt man draußen überhaupt eine Grenze?


Warum Grenzsteine bis heute wichtig sind

Die Abmarkung macht Grundstücksgrenzen in der Örtlichkeit sichtbar. Das ist nicht nur für Eigentümer wichtig, sondern beispielsweise auch bei Baumaßnahmen, Pflanzungen oder landwirtschaftlicher Nutzung. Eine ordnungsgemäß abgemarkte und mit dem Liegenschaftskataster übereinstimmende Grenze besitzt rechtliche Beweiskraft.

Grenzzeichen müssen dabei keineswegs immer die bekannten behauenen Steine sein. Möglich sind unter anderem auch Grenzpfähle, Rohre, Bolzen, Meißelzeichen und Grenznägel.

Die Feldgeschworenen dürfen unter bestimmten Voraussetzungen Grenzzeichen auswechseln, höher oder tiefer setzen, sichern, aufrichten sowie suchen und freilegen. Bei einem Abmarkungstermin müssen mindestens zwei Feldgeschworene beteiligt sein.

Wo all diese Grenzzeichen im großen Zusammenhang einzuordnen sind, zeigte Wolf anschließend anhand eines Plans der gesamten Gemeinde.


Von Zell über Würzburg bis Güntersleben: Karl Wolf erklärt die Gemeindegrenze

Die Veitshöchheimer Gemeindegrenze beginnt im Main an der Grenze zu Zell, zieht anschließend in Richtung Würzburg, über die Bahnlinie, am Schenkenfeld vorbei und durch den Standortübungsplatz. Von dort führt sie durch die Balthasar-Neumann-Kaserne und weiter in Richtung Oberdürrbach.

Im Dürrbachtal besitzt Veitshöchheim eine kurze Grenze zu Rimpar. Daran schließt sich die deutlich längere Grenze zu Güntersleben an, die bis in Richtung Leitensee führt. Über den Bereich am Eichbildstock und die Ravensburg geht es schließlich wieder hinunter zum Main.

Eine zusätzliche Linie auf dem Plan markierte die historische Trennung zwischen Veitshöchheim und Gadheim.

Wolf brachte dabei auch eine Idee für die Zukunft ins Spiel: „Das wäre mal eine Aufgabe, das für Wanderer zu erschließen – also mit Infotafeln, wo die Grenze verläuft.

Kaum hatte sich die Gruppe in Bewegung gesetzt, lieferte die Landschaft selbst das erste Anschauungsobjekt.


Ein Grenzstein mit zwei Wappen

Unterwegs stieß die Gruppe auf ein außergewöhnlich schönes Exemplar: einen Grenzstein mit dem Veitshöchheimer Ortswappen auf der einen und dem Würzburger Wappen auf der anderen Seite.

Der erst vor wenigen Jahren neu gesetzte Stein zeige besonders anschaulich, wie man sich einen klassischen Grenzstein vorstelle.

Natürlich sind die nicht mehr so edel wie dieser“, stellte Götz mit Blick auf die heute üblichen Grenzzeichen fest. Der Stein stehe allerdings auch an einer besonders prominenten Stelle, an der viele Menschen vorbeikommen.

Früher habe man sich bei der Gestaltung solcher Steine erheblich mehr Mühe gemacht. Heute wäre eine derart aufwendige Ausführung an jedem Grenzpunkt kaum noch bezahlbar.

Dass Grenzsteine früher nicht nur angeschaut, sondern mitunter höchst einprägsam „erlebt“ wurden, bewies die nächste Station.


Andreas Dürr und der Bürgermeister werden „gestaucht“

Eine jahrhundertealte Tradition durfte beim Grenzgang nicht fehlen: das „Stauchen“.

Dabei wird eine Person auf einen Grenzstein gesetzt beziehungsweise leicht darauf gestoßen. Der Brauch stammt aus einer Zeit ohne digitale Kataster und zentimetergenaue Satellitenvermessung. Die Dorfgemeinschaft musste sich wichtige Grenzpunkte möglichst dauerhaft einprägen.

Der kleine Schmerz oder Schreck sollte gewissermaßen als „Denkzettel“ dafür sorgen, dass der Standort des Grenzsteins ein Leben lang im Gedächtnis blieb.

Beim Informationsgang durfte der neue Feldgeschworene Andreas Dürr diese alte Tradition kennenlernen.

Und damit es gerecht zuging, wurde anschließend auch Bürgermeister Jürgen Götz „gestaucht“.

Nach diesem Ausflug ins Brauchtum ging es wieder um die praktische Arbeit der Feldgeschworenen – und um die Erkenntnis, dass längst nicht jede Grenze durch einen Stein markiert wird.


Johannes Römert zeigt, was alles ein Grenzzeichen sein kann

Der Gadheimer Feldgeschworenen-Obmann Johannes Römert führte die Teilnehmer zu verschiedenen Grenzpunkten und demonstrierte die Bandbreite der Abmarkungen.

Grundsätzlich denkt man ja nur, dass die Abmarkungen mit Steinen gemacht werden“, sagte Römert.

Doch je nach Untergrund können andere Lösungen sinnvoller sein. So zeigte er beispielsweise ein im Boden eingelassenes Rohr mit Grenzmarkierung und später einen Grenznagel.

Zugleich erklärte Römert, welche Arbeiten Feldgeschworene selbst ausführen dürfen. Dazu gehören unter bestimmten Voraussetzungen das Auswechseln, Höher- oder Tiefersetzen und Aufrichten von Grenzsteinen sowie das Suchen und Freilegen vorhandener Grenzzeichen.

Von der Grenze fiel der Blick hinüber auf Gadheim – und damit auf eine Entwicklung, die das Dorf in jüngerer Zeit besonders geprägt hat.


Das Neubaugebiet brachte junge Familien nach Gadheim

Das Neubaugebiet wurde ab 1998 geplant und 2005 fertiggestellt.

Das hat uns Gadheimern gutgetan, da junge Familien dableiben konnten. Hat unser Dorfleben bereichert“, bilanzierte Römert.

Eine Besonderheit sei gewesen, dass die Gadheimer die Entwicklung weitgehend selbst in die Hand genommen hätten – von Planung und Vergabe bis zur Umlegung und Erschließung.

Römert erzählte an dieser Stelle auch ein Stück Familiengeschichte. Der Hof seiner Familie sei vor rund 90 Jahren nach Gadheim gekommen. Der Großvater seiner Frau sei auf dem Gelände der heutigen Kaserne enteignet worden und habe dafür Flächen bei Gadheim erhalten.

Also in der Zeit hat sich Gadheim verändert“, fasste Römert zusammen.

Wie sehr alte Geschichte und heutige Nutzung ineinandergreifen, wurde auf dem weiteren Weg besonders deutlich: Die historischen Grenzen halten sich weder an heutige Straßen noch an moderne Ackerzuschnitte.


Grenzen verlaufen sogar mitten durch Äcker

Mal markierte ein Nagel im Straßenbelag einen Grenzpunkt, mal zog sich die Grenze durch einen Wald oder entlang einer Hecke. Selbst landwirtschaftliche Flächen werden teilweise geteilt.

Römert erläuterte, dass ein Teil eines Ackers zur Gemarkung Güntersleben gehört, während der andere Teil Gadheim zugeordnet ist.

Auch alte Flurnamen haben sich erhalten. Ein Bereich trägt die Bezeichnung „Am Judenpfad“, ein anderer „Am Teufelsgraben“. Solche Namen zeigten, dass markante oder schwierige örtliche Verhältnisse schon früher eigene Bezeichnungen erhielten.

Doch nicht nur Feldgeschworene und Landwirte waren auf diesen Wegen unterwegs. Eine kleine historische Anekdote sorgte beim Marsch für Aufmerksamkeit.


Sogar Bundespräsident Karl Carstens wanderte hier entlang

Bundespräsident Karl Carstens kam 1984 auf einer seiner bekannten Wanderungen von Güntersleben über diesen Weg nach Gadheim. Dort habe ihm ein Männergesangverein ein Ständchen gebracht, erzählt der damalige Vorsitzende Rudi Hepf. Römerts augenzwinkernde Bilanz: „Also so einen hohen Besuch hatten wir auch schon.

Je näher die Gruppe Gadheim kam, desto stärker rückte neben der Geschichte auch der heutige Alltag auf den Wirtschaftswegen in den Mittelpunkt.


Walter Dieck appelliert an Radfahrer: Rücksicht auf große Maschinen

Beim Erreichen des Weilers Gadheim sprach Walter Dieck, Vorsitzender der Flurbereinigungsgenossenschaft, ein ganz praktisches Problem an: Begegnungen zwischen Radfahrern und landwirtschaftlichen Maschinen auf gemeinsam genutzten Wegen.

Wegen wiederkehrender Konflikte seien Piktogramme aufgebracht worden.

Wir können nicht so ohne Weiteres rechts oder links in die Felder ausweichen. Gerade wenn sie bestellt sind“, erklärte Dieck.

Seine Bitte an die Radfahrer lautete deshalb, landwirtschaftlichen Fahrzeugen genügend Raum zu geben. Traktoren mit Anbaugeräten seien breit, schwer und nicht so einfach zu rangieren wie ein Pkw.

Auch die Landwirte selbst müssten selbstverständlich vorsichtig sein. Dieck berichtete, dass er bei entgegenkommenden Radfahrern inzwischen langsam fahre, nötigenfalls anhalte und sie passieren lasse.

Gerade die Anbaugeräte seien oftmals noch breiter als der Schlepper selbst. Deshalb könne eine Begegnung insbesondere für weniger sichere Radfahrer gefährlich werden.

Nach diesem Appell an gegenseitige Rücksichtnahme genügte eine Drehung des Blicks, um zu verstehen, warum die Wege rund um Gadheim auch bei Radfahrern so beliebt sind.


„Unsere fränkische Toskana“

Dieck zeigte hinaus in die Landschaft: 

Hier ist unsere fränkische Toscana zu sehen, die wir hier haben. Ein herrlicher Anblick. Wir müssen also nicht nach Italien oder sonst wo hinfahren. Das haben wir hier in Gadheim.

Doch selbst bei diesem Panorama blieb das Tagesthema präsent. Von dem Aussichtspunkt ließ sich erneut der Grenzverlauf nachvollziehen.  Entlang des Waldes zieht sich die Gemarkungsgrenze zwischen Gadheim beziehungsweise Oberdürrbach und Güntersleben.

Römert ergänzte, dass diese Grenze zunächst rund 200 Meter am Wald entlangführt und anschließend quer durch den Wald verläuft. Dort treffen Gadheimer und Günterslebener Waldflächen aufeinander.

Vom offenen Landschaftsraum führte die Route nun mitten hinein in einen Ort, der die jüngere Entwicklung Gadheims ebenfalls maßgeblich mitprägt.


St. Markushof: Seit 1988 ein Teil Gadheims

Auf dem St. Markushof hatte das Thema Grenze zunächst eine andere Bedeutung: Hier war im Zuge der baulichen Erweiterungen auch eine Bebauungsgrenze verändert worden.

Der St. Markushof befindet sich seit 1988 in Gadheim. Auf dem Gelände stand früher der sogenannte Schönbachhof, ein landwirtschaftliches Anwesen. Nach dessen Verkauf entwickelte sich dort der heutige St. Markushof, der in den vergangenen Jahrzehnten kontinuierlich erweitert wurde.

Wie stark die Einrichtung gewachsen ist, ließ sich an den unmittelbar vor der Gruppe liegenden Neubauten ablesen.


Drei Internatshäuser und 75 Wohnplätze

Haus 1 ging 2014 in Betrieb und umfasst zwei Wohngruppen mit jeweils zwölf Plätzen, insgesamt also 24 Wohnplätze. Das Gebäude wurde in Holzständerbauweise errichtet und über ein Blockheizkraftwerk versorgt.

Haus 2 folgte 2025. Auch dort gibt es zwei Wohngruppen mit jeweils zwölf Plätzen. Das konventionell gemauerte Gebäude verfügt über Photovoltaik und Wärmepumpe.

Haus 3 wurde 2026 in Betrieb genommen. Das kleinere Gebäude bietet zwei Wohngruppen mit jeweils sechs Plätzen und ein eigenes Wohnkonzept für Menschen aus dem Autismus-Spektrum. Auch hier kommen Photovoltaik und Wärmepumpe zum Einsatz. Die Finanzierung wurde teilweise durch Sternstunden e.V. unterstützt.

Ebenfalls 2026 ging ein neues Freizeithaus in Betrieb. Für 2027 ist zudem eine Freizeitfreifläche hinter Haus 2 geplant.

Bemerkenswert ist die Finanzierung der Investitionen: Sie mussten nach den beim Informationsgang vorgestellten Angaben über Einnahmen aus Tageskostensätzen, eine gute Belegung, wirtschaftliches Arbeiten der Zweckbetriebe, Eigenleistungen der Ausbildungsbetriebe sowie Darlehen erwirtschaftet beziehungsweise finanziert werden.

Mit Ausnahme der Unterstützung durch Sternstunden für Haus 3 und die Freizeitfreifläche habe es keine Zuschüsse der öffentlichen Hand gegeben.

Aktuell werden auf dem St. Markushof 80 Auszubildende in unterschiedlichen Berufen betreut. Hinzu kommen 40 Teilnehmer in der Berufsvorbereitung und 75 Wohnplätze. Die Ausbildung reicht vom Garten- und Landschaftsbau über Hochbau, Bäckerei und Konditorei bis zu Hotellerie, Küche, Hauswirtschaft und Gebäudereinigung.

Vom sozialen und baulichen Wandel Gadheims führte der Weg anschließend zu jenem Punkt, der den kleinen Ort weit über die Region hinaus bekannt gemacht hat – und an dem das Thema „Grenzen“ plötzlich eine europäische Dimension bekam.


Am EU-Mittelpunkt wird aus dem Grenzgang ein europäisches Thema

Am geografischen Mittelpunkt der Europäischen Union schlug Götz den Bogen von den Gemarkungsgrenzen zur europäischen Geschichte.

Unser Thema heute sind ja eigentlich Grenzen“, stellte der Bürgermeister fest. Der geografische EU-Mittelpunkt sei deshalb ein guter Anlass, auch darüber zu sprechen, dass die Europäische Union selbst Grenzen habe und die Frage, wo Europa ende und wer zur EU gehöre, eine politische und gesellschaftliche Frage bleibe.

Grenzen hätten sich in Europa über Jahrhunderte immer wieder verschoben. Der Schengen-Raum habe dagegen für viele Europäer Grenzen im Alltag nahezu unsichtbar gemacht. EU und Schengen-Raum seien allerdings nicht identisch.

Für Veitshöchheim sei Europa ganz konkret erfahrbar, sagte Götz. Grenzüberschreitende Zusammenarbeit, Handel, Tourismus, Arbeitsplätze und persönliche Beziehungen machten die europäische Integration auch auf kommunaler Ebene sichtbar.

Die Gemeinde unterhält vier Partnerschaften, davon drei im europäischen Ausland. Besonders verwies Götz auf die Partnerschaft mit Greve in Chianti und den Jugendaustausch.

Zum Abschluss formulierte er einen Gedanken, der zugleich das Leitmotiv des gesamten Informationsgangs aufgriff:

An einem Mittelpunkt denkt man normalerweise an einen Punkt. Europa aber ist kein Punkt auf der Landkarte. Europa ist der Raum zwischen seinen Grenzen – und die Menschen, die diese Grenzen täglich überwinden.

Nach diesem Blick über die kommunalen Grenzen hinaus kehrte die Gruppe wieder zu einem sehr konkreten örtlichen Vorhaben zurück.


Aussiedlung Geisberghof: Neuer Standort für Landwirtschaft und Pferdehaltung

Bei der geplanten Aussiedlung des Geisberghofs wurden den Teilnehmern die vorgesehenen Gebäude und die Dimensionen des landwirtschaftlichen Vorhabens erläutert.

Geplant ist neben einem eingeschossigen Wohnhaus ein umfangreicher Gebäudekomplex für Landwirtschaft und Pferdehaltung.

Im östlichen Bereich soll ein Pferdestall mit Paddock entstehen. Als Paddock wird ein Auslauf unmittelbar am Stall beziehungsweise vor den Pferdeboxen bezeichnet. Er ermöglicht den Pferden Bewegung, Frischluft und Sozialkontakte.

Allein der vorgesehene Pferdestall mit Paddock erreicht nach den vorgestellten Planungen eine Grundfläche von 77 mal 24 Metern.


Reithalle, Maschinenhalle und Lager für Heu und Stroh

Zwischen Wohngebäude und Pferdestall sind zwei weitere große Baukörper vorgesehen: eine Maschinenhalle mit 70 mal 23 Metern sowie eine Reithalle mit 67 mal 22 Metern.

Im nordwestlichen Bereich des Grundstücks, hinter dem geplanten Wohnhaus, soll außerdem eine 27 mal 18 Meter große Halle zur Lagerung von Heu und Stroh entstehen.

Damit erhielten die Teilnehmer unmittelbar vor Ort einen Eindruck von den Dimensionen der geplanten Aussiedlung und davon, wie sich der landwirtschaftliche Betrieb künftig in die Flurlandschaft einfügen soll.

Vom künftigen Erscheinungsbild der Flur ging es weiter zu der Frage, wie Grundstücke und Gebäude überhaupt vermessen, dokumentiert und rechtssicher im Kataster geführt werden. Damit schloss sich der Kreis zu den Ausführungen der Feldgeschworenen vom Beginn des Rundgangs.


Jochen Müller: Warum GPS den Grenzstein nicht ersetzt

Am Waldrand des „Gebrannten Hölzleins“ schlug Jochen Müller vom Amt für Digitalisierung, Breitband und Vermessung Würzburg die fachliche Brücke zwischen den historischen Grenzzeichen und der modernen Vermessung.

Als Vermessungsrat und kommissarischer Leiter des Fachbereichs Katasteraußendienst des ADBV erläuterte er, warum selbst moderne Satellitentechnik die amtliche Grenzfeststellung nicht ersetzen kann. Viele Grundstücksgrenzen seien vor 100 oder 150 Jahren mit den damaligen Messmethoden erfasst worden und ließen sich deshalb nicht einfach anhand heutiger GPS-Koordinaten rekonstruieren.

Wir haben in Bayern kein Koordinatenkataster, dass man sagt: Ich gehe raus und stecke eine Koordinate hin“, erklärte Müller.

Gerade in alten Flurlagen oder im Wald könne ein per GPS ermittelter Punkt vom historisch maßgeblichen Grenzpunkt deutlich abweichen. Entscheidend seien deshalb die beim Vermessungsamt vorhandenen Unterlagen. Feldgeschworene können vorhandene Grenzzeichen suchen und kontrollieren, einen verschwundenen Grenzpunkt jedoch nicht eigenmächtig neu bestimmen.

Müller stellte dabei einen wichtigen Grundsatz heraus: „Wir als Vermessungsamt legen keine Grenzen fest, sondern wir stellen Grenzen fest, die schon vorhanden sind.

Bei neuen Grundstücksgrenzen – etwa bei einer Grundstücksteilung – geben die Eigentümer den gewünschten Verlauf vor, den das Vermessungsamt anschließend vermessungstechnisch umsetzt. Wer dagegen einen fehlenden Grenzpunkt wiederherstellen lassen möchte, muss dies beantragen.


„Trotz aller Digitalisierung sind Menschen vor Ort wichtig“

Damit führte Müllers Vortrag wieder zurück zu den Feldgeschworenen, die den Informationsgang von Beginn an begleitet hatten. Für ihre ehrenamtliche Arbeit fand er deutliche Worte:

Die Ausübung eines lebenslangen Ehrenamtes ist keine Selbstverständlichkeit. Trotz aller Digitalisierung, die wir auch in unserem Namen haben, sind Menschen vor Ort wichtig.

Die Feldgeschworenen seien für die Bürger vertraute Ansprechpartner und zugleich ein wichtiges Bindeglied zur Vermessungsverwaltung.

Das verdient unseren vollen Respekt“, unterstrich Müller, der voraussichtlich zum Jahresbeginn 2027 die Position des ständigen Vertreters der Amtsleitung übertragen bekommt.

Nach diesem Dank an die „Siebener“ wartete kurz vor dem Ziel noch einmal ein Grenzstein, an dem sich Orts- und Besitzgeschichte unmittelbar ablesen ließen.


Ein „JSp“-Grenzstein erinnert an das Juliusspital

In Höhe der Sporthalle der TGV machte Johannes Römert auf einen Stein mit der Inschrift „JSp“ aufmerksam. Die Buchstaben erinnern an das Juliusspital und damit an die früheren Besitzverhältnisse in diesem Gebiet.

Römert schlug zugleich noch einmal den Bogen zur Eingemeindung von 1976. Hätte sich Gadheim seinerzeit für Würzburg entschieden, wäre die Stadtgrenze heute an dieser Stelle verlaufen.

Auch das Naturfreundehaus befindet sich nach seinen Erläuterungen auf der Gemarkung Oberdürrbach-Gadheim.

Ich denke, dass da die Gadheimer eine weise Entscheidung getroffen haben. Sonst wäre es für Veitshöchheim eng geworden“, sagte Römert.

Die Buchstaben „JSp“ boten Götz zugleich den Anlass, noch ein Stück jüngerer Veitshöchheimer Geschichte anzufügen.


109 Hektar „Gebranntes Hölzlein“ für 2,8 Millionen Euro erworben

Die Gemeinde habe 1997 rund 109 Hektar des Waldes „Gebranntes Hölzlein“ für etwa 2,8 Millionen Euro vom Juliusspital erworben, berichtete der Bürgermeister.

Damit habe Veitshöchheim seinerzeit viel Geld in die Hand genommen, um selbst Einfluss auf Waldpflege und Walderhalt nehmen zu können.

Der Wald habe dabei nicht nur eine ökologische Bedeutung, sondern sei gerade für die Gartensiedlung ein wichtiger Bestandteil der Naherholung.

Die Investition zeige, so Götz sinngemäß, dass die Gemeinde bereits in der Vergangenheit erhebliche Mittel in den Erhalt und die Pflege von Waldflächen gesteckt habe.

Von hier war es schließlich nicht mehr weit bis zum Ziel – und nach fast sechs Kilometern durfte aus dem Informationsgang ein geselliger Abschluss werden.


Nach sechs Kilometern wartete der Schlusshock

Auf dem Gelände des SV Veitshöchheim endete der 33. Informationsgang dort, wo nach zahlreichen Grenzsteinen, historischen Rückblicken und vermessungstechnischen Erläuterungen die Grenzen für diesen Tag keine Rolle mehr spielten.

Mit einem kleinen präsent bedankte sich der Bürgermeister bei den drei neben ihm Vortragenden Johannes Römert, Jochen Müller und Karl Wolf.

Im Zelt der ClubFans Veitshöchheim, die am späten Nachmittag ihr 50-jähriges Bestehen feierten, wartete auf die Teilnehmer der Schlusshock mit Leberkäse, Schnitzel, Salaten, veganen Speisen und Getränken sowie auch Kaffee und Kuchen.

Damit schloss sich nach knapp sechs Kilometern auch inhaltlich der Kreis eines Informationsgangs, der das Jubiläum „50 Jahre Eingemeindung Gadheim“ mit einem auf den ersten Blick eher nüchternen Thema verbunden hatte – und gerade dadurch viel Ortsgeschichte sichtbar machte.

Denn die Grenzen rund um Veitshöchheim und Gadheim sind weit mehr als Striche auf Karten. Sie erzählen von der jahrhundertealten Geschichte beider Orte, von Eigentum und Landwirtschaft, von kommunalen Entscheidungen und persönlichen Lebensgeschichten. Und sie erzählen von den Feldgeschworenen, die dafür sorgen, dass man auch in Zeiten von Satelliten, GPS und digitalem Kataster noch weiß, wo der eine Grund endet und der andere beginnt.

Fotos Dieter Gürz

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