Bundestagsabgeordnete Hülya Düber informiert sich bei Biolandwirt Johannes Römert über den Ökolandbau
Am EU-Mittelpunkt über die Zukunft der Landwirtschaft diskutiert
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Wie lassen sich Klimaschutz, Ernährungssicherheit und wirtschaftliches Arbeiten in der Landwirtschaft miteinander verbinden? Antworten auf diese Fragen suchte die Bundestagsabgeordnete Hülya Düber bei einem Besuch am Mittelpunkt der Europäischen Union in Gadheim. Biolandwirt Johannes Römert führte die CSU-Politikerin über den von ihm angelegten Informationsrundweg und erläuterte anhand seiner Felder die Grundsätze und Herausforderungen der ökologischen Landwirtschaft.
Landwirtschaft zum Anfassen
Seit Mitte 2016 bewirtschaftet Johannes Römert gemeinsam mit dem landwirtschaftlichen Betrieb Baake in Veitshöchheim (ehemals Bernd Müller) als GbR-Betriebsgemeinschaft sämtliche Flächen nach den Bioland-Richtlinien. Auf rund 90 Hektar wachsen Luzernengras, Weizen, Dinkel, Winter- und Sommerhafer, Sojabohnen, Linsen, Lupinen und Zuckerrüben. Ergänzt werden die Anbauflächen durch Blühstreifen, die Lebensraum für Insekten schaffen.
An den Stationen des Rundwegs erklärte Römert, was den Ökolandbau von der konventionellen Landwirtschaft unterscheidet. Im Mittelpunkt standen Humusaufbau, Bodenleben, Grundwasserschutz, Biodiversität und die Frage, wie sich langfristig stabile Erträge erzielen lassen. „Wir wollen den Verbrauchern zeigen, was im Boden passiert und warum wir manche Dinge anders machen“, sagte der Biolandwirt.
Luzerne als Schlüssel für gesunde Böden
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Besonders ausführlich erläuterte Römert den Anbau von Luzerne und Kleegras. Wirtschaftlich bringe diese Kultur zunächst keinen direkten Erlös, sei aber das Herzstück des ökologischen Anbaus. Das Kleegras werde in einer regionalen Biogasanlage vergoren. Der dabei entstehende Gärrest werde anschließend wieder als Dünger auf die Felder ausgebracht. „So bleiben die Nährstoffe im Kreislauf und wir werden unabhängiger von Mineraldüngern“, erklärte Römert.
Die tief wurzelnde Luzerne verbessere die Bodenstruktur, fördere das Bodenleben und baue Humus auf. Gleichzeitig schütze sie vor Bodenerosion. Als Beispiel schilderte Römert, dass nach Starkregen auf benachbarten Feldern Erde abgeschwemmt worden sei, während Flächen mit mehrjährigem Kleegrasanbau stabil geblieben seien. „Das Kleegras stabilisiert den Boden und verbessert seine Wasserspeicherfähigkeit.“Nach Ansicht des Biolandwirts bietet die Kombination aus Luzernenanbau und Biogas großes Potenzial. „Wir erzeugen regional Energie, regional Dünger und halten die Wertschöpfung in der Region.“ Allerdings seien dafür bessere politische Rahmenbedingungen notwendig, damit der geschlossene Nährstoffkreislauf im Ökolandbau erhalten bleibe.
Wissenschaft bestätigt viele Erfahrungen
Zur Untermauerung seiner Ausführungen verwies Johannes Römert auf den seit 45 Jahren laufenden Schweizer DOK-Langzeitversuch. Dieser zeigt, dass ökologisch wirtschaftende Betriebe langfristig rund 85 Prozent der Erträge konventioneller Betriebe erzielen, gleichzeitig aber deutlich weniger Nährstoffe, Energie und Pflanzenschutzmittel einsetzen. Darüber hinaus werden positive Auswirkungen auf Humusgehalt, Bodenfruchtbarkeit, Artenvielfalt und Klimaschutz festgestellt.
Bio-Zuckerrüben stärken die Region
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An der Station zum Bio-Zuckerrübenanbau erläuterte Johannes Römert, dass die Kultur für seinen Betrieb ein wichtiger wirtschaftlicher Baustein sei. Die Rüben würden in Süddeutschland verarbeitet und seien eine regionale Alternative zu Bio-Rohrzucker aus Übersee. „Wir haben beim heimischen Bio-Zucker nur einen Marktanteil von knapp 20 Prozent. Der Rest wird importiert“, erklärte der Biolandwirt.
Ein Grund dafür seien die Produktionskosten. Während deutsche Betriebe hohe Umwelt- und Sozialstandards erfüllen müssten, würden importierte Erzeugnisse häufig unter deutlich günstigeren Bedingungen produziert. Besonders der hohe Arbeitsaufwand beim Bio-Zuckerrübenanbau stelle die Betriebe vor Herausforderungen.
Da Unkraut nicht chemisch bekämpft werde, sei Handarbeit durch Saisonarbeitskräfte unverzichtbar. Römert sprach sich deshalb für Rahmenbedingungen aus, die die Wettbewerbsfähigkeit heimischer Betriebe sichern. Es gehe dabei nicht um niedrigere Sozialstandards, sondern um steuerliche Entlastungen und weniger Bürokratie, damit regionale Betriebe im europäischen Wettbewerb bestehen könnten.
Zugleich hob Römert die Vorteile des regionalen Bio-Zuckers hervor. Kurze Transportwege, hohe Umwelt- und Sozialstandards sowie die vollständige Verwertung der Rübe – etwa durch die Nutzung von Rübenschnitzeln als Futtermittel und Carbokalk als Düngemittel – machten den heimischen Bio-Zucker aus seiner Sicht besonders nachhaltig.
Düber sucht den Austausch mit den Betrieben
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Für Hülya Düber war der Besuch Teil ihrer regelmäßigen Gespräche im Wahlkreis. „Ich bin bewusst auch außerhalb meiner fachpolitischen Themen unterwegs, weil ich Informationen direkt vor Ort haben möchte“, sagte die Bundestagsabgeordnete. Nachdem sie bereits mehrere konventionelle Betriebe besucht habe, habe sie nun auch die Perspektive eines Biolandwirts kennenlernen wollen.
„Ich habe heute sehr viel Input bekommen. Für meine parlamentarische Arbeit ist es wichtig, Themen und Herausforderungen aus unterschiedlichen Blickwinkeln geschildert zu bekommen“, erklärte Düber. Die Eindrücke aus Gadheim wolle sie auch in die Beratungen der CSU-Landesgruppe im Deutschen Bundestag einbringen. Ziel sei es, die Anliegen der Landwirtschaft aus der Region in die politischen Diskussionen einzubringen.
Schlusshock im Markushof
Beim gemeinsamen Imbiss auf dem Gelände des Markushofes wurden die Gespräche mit Oliver Alettsee und den anwesenden Biolandwirten fortgesetzt. Einig waren sich alle Beteiligten darin, dass der direkte Austausch zwischen Landwirtschaft und Politik notwendig ist, um praktikable Lösungen für eine nachhaltige und zugleich wirtschaftlich tragfähige Landwirtschaft zu entwickeln.
Text und Fotos Dieter Gürz
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