Wechselausstellung im Literaturhotel am Main: Elisabeth Maseizik zeigt ihre farbenstarke Kunst bis 31. Mai
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Kunst, Literatur und Gastlichkeit – im Literaturhotel am Main gehen diese drei Elemente eine besondere Verbindung ein. Am Freitagabend wurde dort die dritte Wechselausstellung des Hauses eröffnet. Die Veitshöchheimer Künstlerin Elisabeth Maseizik präsentiert bis zum 31. Mai 2026 eine Auswahl aus ihrem vielschichtigen Schaffen.
Zu sehen sind Werke aus mehreren Werkphasen – vom Frühwerk "Freude"aus dem Jahr 2010 (links) bis hin zu ihren neuesten Arbeiten wie "Brückenschlagen" (rechts). Mit ihrer farbenstarken Handschrift erzählt Maseizik in ihren Bildern vom Lebensfluss, vom Loslassen und von Bewegung. Es ist eine Ausstellung, die verbindet, inspiriert und zugleich zum Innehalten einlädt.
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Zahlreiche Kunstfreunde sowie langjährige Wegbegleiter der Künstlerin, darunter auch Bürgermeister Jürgen Götz mit Familie, folgten der Einladung zur Vernissage und nutzten die Gelegenheit, die Werke in besonderer Atmosphäre kennenzulernen.
Gastgeberin Dorothea von Droste begrüßte die Gäste mit spürbarer Begeisterung. Die Ausstellung ist bewusst über mehrere Räume verteilt: im Frühstücksraum, in der Bibliothek „Clara“ sowie im Flur, der als verbindendes Element zwischen den Bereichen fungiert.
„Kunst soll im ganzen Haus spürbar sein. Die Gäste sollen gleich beim Vorbeigehen neugierig werden“, erklärte von Droste.
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Deshalb hängen aktuelle Werke im Gang, während ruhigere und erzählerische Arbeiten dort zu sehen sind, wo Menschen lesen, frühstücken oder verweilen.
Die Verbindung zwischen Hotel und Künstlerin besteht bereits seit vielen Jahren. „Elisabeth ist für mich eine richtige Freundin des Hauses“, sagte die Gastgeberin. Schon ihr Vater Max Weckesser habe vor rund fünfzehn Jahren das erste Bild von Maseizik gekauft. Seitdem haben sich im Haus mehrere Werke angesammelt.
Für die Ausstellung durfte von Droste selbst eine Auswahl im Atelier der Künstlerin treffen. „Elisabeth hat mir freie Hand gelassen – das war ein großes Vertrauen“, berichtete sie. Besonders begeistert zeigte sie sich von der Vielfalt der Arbeiten: Neben Acrylmalerei finden sich auch Werke, in denen Rost und andere Materialien eine Rolle spielen.
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Einige dieser Arbeiten wie die gerostete Stahlplatte links greifen sogar die Rostelemente im Garten des Hotels auf und schaffen so eine Verbindung zwischen Innen- und Außenraum.
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Ein Bild zog bei der Vernissage besondere Aufmerksamkeit auf sich: das großformatige Werk „Energie“, das im Frühstücksraum zu sehen ist. Es entstand wie alle Werke der Künstlerin spontan – ohne Vorzeichnung.
„Ich wollte Energie darstellen“, erklärte Maseizik. „Aber wie genau sich das entwickelt, zeigt sich erst während des Malens. Ich zeichne nie vor – das entsteht alles im Kopf und dann beim Arbeiten.“
Ein Besucher meinte beim Betrachten, die Linien erinnerten ihn an ein EKG. Für die Künstlerin ist genau diese Offenheit wichtig: Jeder Betrachter dürfe seine eigene Geschichte in den Bildern entdecken.
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Ein anderer Titel, „Traumwelt“, entstand – wie der Name vermuten lässt – aus einem Traum heraus. Die intensiven, teilweise unheimlichen Farben verleihen dem Bild eine geheimnisvolle Atmosphäre.
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Auch das Werk „Nichts in Schachteln packen“ regt zum Nachdenken an. Dahinter steht eine klare Botschaft: Viele Menschen verschließen ihre Erfahrungen und Gefühle symbolisch in Schachteln und setzen einen Deckel darauf. „Das ist nicht gut“, meint Maseizik. „Man muss alles in Bewegung lassen – auch dunkle und helle Zeiten.“
Elisabeth Maseizik wurde 1958 in Düsseldorf geboren. Schon früh entdeckte sie ihre Leidenschaft für die Malerei. Mit sechzehn Jahren erhielt sie ihren ersten Aquarellkasten und begann zu malen. Zunächst schlug sie jedoch einen anderen Berufsweg ein und arbeitete nach einer Ausbildung als Krankenschwester. Diese Zeit sensibilisierte sie stark für Menschen und ihre Umgebung.
Nach der Geburt ihrer beiden Kinder begann sie 1995 wieder intensiver zu malen, zunächst in Aquarellkursen, später in Seminaren zur Acryltechnik unter anderem bei Adi Holzer, Siggi Braun und Helmut Middendorf.
Seit 2001 betreibt sie ein eigenes Atelier in Veitshöchheim, zunächst neben der Vitusschule. Seit Sommer 2013 arbeitet die Berufsmalerin in ihrem Haus gegenüber dem Rokokogarten, wo sie nicht nur lebt, sondern auch ein Atelier und einen Ausstellungsraum mit Zugang von der Oberen Maingasse eingerichtet hat.
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Maseizik arbeitet hauptsächlich mit Acrylfarben, kombiniert diese jedoch mit unterschiedlichsten Materialien wie Pigmenten, wasserbasierten Ölfarben, Kohle oder Tinte. Ihre Werke entstehen auf Leinwand, Holz, Papier oder Acrylglas – manchmal auch auf ungewöhnlichen Fundstücken wie alten Balken, die sie mit Goldpigmenten und Schellack veredelt.
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Charakteristisch für viele ihrer Bilder sind schmale, lang gezogene Menschenkonturen. Diese abstrahierten Figuren erzählen kleine Geschichten und symbolisieren Begegnungen zwischen Menschen – Nähe und Distanz, Gemeinschaft und Einsamkeit.
Die Künstlerin selbst beschreibt ihre Arbeit als Spiel mit Farben, Linien und Formen. Darin verarbeitet sie Eindrücke aus Gedichten, Geschichten, Erlebtem und Erzähltem.
Oder, wie sie es selbst schlicht und treffend formuliert:
„Ich will malen.“
Die Ausstellung im Literaturhotel am Main kann noch bis zum 31. Mai 2026 besucht werden. Die Gastgeberin lädt ausdrücklich dazu ein, einfach vorbeizukommen – idealerweise ab dem späten Vormittag, wenn der Frühstücksbetrieb im Hotel beendet ist.
So wird das Literaturhotel für einige Wochen nicht nur zu einem Ort der Bücher und Begegnungen, sondern auch zu einem lebendigen Raum für Kunst. 🎨📚
Text und Fotos Dieter Gürz