Gemeinderat Veitshöchheim tagte in Rekordzeit - Eschensterben, Stellplatzsatzung, Personalentscheidung und Spenden
Mit Ergebnissen der jährlichen Baumbeschau, einer neuen Stellplatzsatzung und zwei formellen Beschlüssen hat sich der Gemeinderat Veitshöchheim in seiner Sitzung am 10. Februar befasst. Es war zugleich die letzte Sitzung vor den Gemeinderatswahlen am 8. März – und wohl auch die kürzeste öffentliche Sitzung. Für die vier öffentlichen Tagesordnungspunkte benötigte Bürgermeister Jürgen Götz gerade einmal neun Minuten.
Ergebnis Baumbeschau: Eschensterben in Veitshöchheim
Baumfällungen sorgen in Veitshöchheim meist für Diskussionsstoff – wie zuletzt die Entfernung von fünf Platanen auf dem Dreschplatz Anfang der Woche. Deutlich geräuschloser verlief nun im Gemeinderat der Tagesordnungspunkt zur jüngsten Baumbeschau: Das Protokoll der Kontrolle gemeindeeigener Bäume vom 20. Januar 2026 wurde ohne Einwendungen durchgewunken. Anlass zur Debatte bestand auch nicht, denn der Großteil der als kritisch eingestuften Bäume – überwiegend durch Pilzbefall geschädigte Eschen und Birken – war zu diesem Zeitpunkt vom Bauhof bereits entfernt worden.
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Eile war geboten. Größere Rückschnitte, Rodungen oder Fällungen sind nur bis Ende Februar erlaubt. Ab 1. März beginnt die Brut- und Setzzeit, in der starke Eingriffe grundsätzlich untersagt sind. Zulässig bleiben dann lediglich schonende Pflege- und Formschnitte, sofern keine Nester beeinträchtigt werden. Ausnahmen sind nur bei akuter Gefährdung möglich und müssen mit der Unteren Naturschutzbehörde abgestimmt werden.
Wie in jedem Jahr wurden die gemeindlichen Bäume bereits im Herbst kontrolliert, auffällige Exemplare in der zweiten Januarhälfte nochmals vor Ort begutachtet. An der Begehung nahmen Bürgermeister Jürgen Götz, Umweltreferent Günter Thein, der externe Baumfachkundige Manfred Fischer, Baumkontrolleur Pascal Philipp sowie Bauhofleiter Thomas Remling teil. Fischer war bis zu seiner Pensionierung im Würzburger Gartenamt für Aufbau und Pflege des Baumkatasters mit mehr als 40.000 Stadtbäumen verantwortlich. Ein solches Kataster dient der Dokumentation und Nachverfolgung aller Kontrollen. Auch in Veitshöchheim sind inzwischen sämtliche Bäume in öffentlichen Grünanlagen digital erfasst und gekennzeichnet.
Aus Sicherheitsgründen mussten mehrere Bäume gefällt werden: eine Esche auf der Bockwiese, mehrere Bäume an der Mainlände sowie weitere Eschen und ein Apfelbaum am Fußweg zwischen Parkstraße und Oberer Maingasse hinter den Mainfrankensälen. Auch eine Birke in der Würzburger Straße war betroffen. Ursachen waren Pilzbefall, das Eschentriebsterben oder mangelnde Standsicherheit. In allen Fällen sind Nachpflanzungen vorgesehen.
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Eine Mehlbeere nahe der Kneippanlage musste ebenfalls wegen Pilzbefalls weichen.
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Eine Nachbepflanzung wird zu einem späteren Zeitpunkt durchgeführt, da noch eine geeignete Baumsorte für das Gebiet ausgewählt werden muss.
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Am Mainufer sorgte zudem ein Biber dafür, dass eine Pappel nicht erhalten werden konnte
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Besonders stark betroffen sind zahlreiche Eschen im Bereich zwischen Parkstraße und Mainfrankensälen (die im Bild soll noch gefällt werden). Das Eschentriebsterben, verursacht durch den Pilz Hymenoscyphus pseudoalbidus – auch „Falsches Weißes Stengelbecherchen“ genannt –, setzt den heimischen Beständen massiv zu. Seit dem Erstnachweis 2007 in Deutschland und 2008 in Bayern hat sich der Erreger in 22 Ländern Nord-, Ost- und Mitteleuropas ausgebreitet und ist inzwischen auch im Freistaat flächendeckend präsent. Die Krankheitsentwicklung zeigt sich zunehmend in Beständen aller Altersklassen.
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Auf der Wiese vor den Mainfrankensälen wurden bereits drei Ersatzbäume (Gleditschie) gepflanzt.
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Neben Fällungen standen auch Pflege- und Rückschnittmaßnahmen an. An mehreren Birken an der Mainlände – eine wurde bereits wegen Pilzbefalls und Trockenschäden entfernt –, an einer Robinie sowie an einem Ahorn im Speckertsweg wurden entsprechende Arbeiten durchgeführt. Die Bäume werden im Laufe des Jahres 2026 weiter beobachtet.
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Robinie auf dem Kinderspielplatz an der Mainlände
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Stadtbaum – ist das ein Leben?
Warum manche Bäume in Veitshöchheim schneller altern als andere
Wer durch Veitshöchheims Straßen oder Parks geht, nimmt sie oft kaum wahr – und doch sind sie unverzichtbar: die Gemeindebäume. Sie spenden Schatten an heißen Sommertagen, filtern Staub aus der Luft, sorgen für Feuchtigkeit und produzieren den Sauerstoff, den wir zum Atmen brauchen.
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Dass Bäume in der Gemeinde besondere Herausforderungen haben, weiß Manfred Fischer wie kein Zweiter. Der Gartenbautechniker aus Veitshöchheim war bis zu seiner Pensionierung im Gartenamt der Stadt Würzburg für den Aufbau des Baumkatasters und die Sicherheit von über 40.000 Bäumen zuständig. Heute bringt er sein Fachwissen als Teilnehmer der jährlichen Baumbeschau der gemeindeeigenen Bäume in Veitshöchheim ein – und erklärt, warum manche Bäume schneller altern als andere.
(Auf dem Foto ist Fischer mit der Main-Center-Chefin Andrea Mehlig Ende Mai 2023 auf dem Randstreifen des Parkplatzes zur Kreisstraße hin zu sehen, die auf seine Initiative hin die kahlen Flächen in einen Blühstreifen umwandeln ließ).
In Parks oder freier Landschaft können Bäume sich Jahrzehnte, manchmal über hundert Jahre entwickeln. Auf engem Straßenraum oder vor Gebäuden sieht das anders aus: Rückstrahlhitze von Asphalt und Fassaden, Trockenheit, verdichteter Boden durch Fußgänger oder Autos und Rindenschäden durch Bauarbeiten oder parkende Fahrzeuge setzen ihnen zu. Unsachgemäße Kronenschnitte, Leitungen im Kronenbereich oder Schädlinge verschärfen das Problem.
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Damit Bäume nicht plötzlich zur Gefahr werden, führt die Gemeinde ein Baumkataster. Die kleinen Nummernplaketten an vielen Stämmen zeigen: Hier wird regelmäßig kontrolliert. Viele Schäden sind für das bloße Auge unsichtbar. Erst gezielte Untersuchungen zeigen, ob ein Baum noch standfest ist – auch wenn er grüne Blätter trägt.
Eine fachgerechte Pflanzung ist entscheidend: Die Baumgrube sollte mindestens anderthalbmal so groß wie der Wurzelballen sein – etwa 1,2 bis 1,5 Meter Durchmesser. Oft stehen den Wurzeln jedoch nur kleine Baumscheiben zur Verfügung. Das reicht nicht aus, und Wurzeln dringen unter Gehwege oder Straßen – Aufwölbungen sind die Folge.
Nicht jeder Baum eignet sich für die Gemeinde: Buchen vertragen keine Bodenverdichtung, andere Arten leiden besonders unter Trockenheit. Deshalb suchen Fachleute zunehmend nach widerstandsfähigen, teils auch nicht heimischen Arten, die den schwierigen Bedingungen standhalten.
Manchmal müssen Bäume trotz bester Pflege entfernt werden – aus Sicherheitsgründen oder weil Wurzeln Gehwege heben. Im privaten Bereich kommen Sorgen vor Sturmschäden oder Laubfall hinzu. Viele Gemeinden haben deshalb eine Baumschutzsatzung erlassen, die klare Kriterien für Genehmigungen zur Baumfällung festlegt.
„Jeder gefällte Baum ist ein Verlust“, betont Fischer. Ersatzpflanzungen gleichen ihn erst nach Jahren aus. Deshalb ist eine Mischung aus jungen und älteren Bäumen entscheidend: Die Sicherheit geht vor – aber die Gemeinde darf nicht grüner werden ohne Bäume zu verlieren.
Vorstehende Fotos Dieter Gürz
Hintergrund für die Neuregelung ist die Novelle der Bayerischen Bauordnung durch das Erste Modernisierungsgesetz. Ab 1. Oktober 2025 entfällt die bisher staatliche Pflicht zur Herstellung von Stell- und Spielplätzen, die Verantwortung liegt nun bei den Kommunen. Der Bayerische Gemeindetag empfiehlt aus Gründen der Rechtssicherheit den Neuerlass entsprechender Satzungen.
Die bisherige Stellplatzsatzung von 1994 wird daher aufgehoben. Die neue Fassung orientiert sich am Mustersatz des Bayerischen Gemeindetags und wurde nach Rücksprache mit dem Bauamt des Landratsamtes Würzburg präzisiert.
Kernpunkte: Wohngebäude erhalten 1,5 Stellplätze pro Wohneinheit, bei Mehrfamilienhäusern wird analog gerechnet. Im Altortbereich gelten flexible Ausnahmeregelungen, fehlende Stellplätze können nachgewiesen oder abgelöst werden. In Neubaugebieten sind Stellplätze grundsätzlich auf dem eigenen Grundstück nachzuweisen. Die Satzung tritt nach ihrer Bekanntmachung in Kraft.
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Das Gremium bestellte auf Empfehlung des Werkausschusses den in der Finanzverwaltung der Gemeinde tätigen Niklas Ille mit sofortiger Wirkung zum neuen kaufmännischen Werkleiter des Eigenbetriebs „Versorgungsbetriebe Veitshöchheim“.
Die Entscheidung wurde notwendig, da Kämmerer Erich Müller Ende des Jahres in den Ruhestand geht. Sein Nachfolger als Kämmerer wurde bereits zum 1. Mai 2026 eingestellt.
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Erich Müller feierte im Vorjahr sein 40. Dienstjubiläum. Er übernahm Anfang 2002 die Funktion des Kämmerers als Nachfolger von Manfred Scholz.
Einstimmig genehmigte der Gemeinderat außerdem die Entgegennahme von Spenden und Zuwendungen im Haushaltsjahr 2025. Ohne private Spenden beläuft sich die Gesamtsumme auf 16.035 Euro. Die nicht öffentlichen privaten Zuwendungen wurden aus Datenschutzgründen gesondert nichtöffentlich behandelt.