Veröffentlicht am von Dieter Gürz
Der Auftritt eines Orchesters ist immer ein besonderes Ereignis – ein eindrucksvolles Zeichen gelebter Gemeinschaft in Zeiten zunehmender Individualisierung. Das Orchester „Pizzicato“ der Evangelische Studentengemeinde Würzburg (ESG) bewies dies bei seinem Neujahrskonzert in der evangelischen Christuskirche Veitshöchheim auf beeindruckende Weise.
Rund 80 Musiker bilden den klangvollen symphonischen Apparat – vollständig besetzt bis hin zu Harfe und Pauken. Geleitet wird das Ensemble von Dimitra Maragoudakis. Die promovierte Musikwissenschaftlerin, die in Detmold, Berlin und Würzburg studierte und über „Stimmfächer im 19. Jahrhundert“ forschte, führte das Orchester mit klarem, präzisem Dirigat durch das anspruchsvolle Programm.
Dabei war die Konkurrenz an diesem Abend durchaus groß: Viele Veitshöchheimer verfolgten traditionell die Live-Übertragung von Fastnacht in Franken aus den Mainfrankensälen, zudem lockte die Eröffnungsfeier der Olympischen Winterspiele in Italien. Doch Skeptiker wurden eines Besseren belehrt: Rund 100 Zuhörer füllten den Kirchenraum, die ersten vier Bankreihen mussten sogar weichen, um allen Orchestermitgliedern Platz zu schaffen.
Das Programm ließ Klassikfreunde aufhorchen. Mit der farbenreichen „Pavane pour une infante défunte“ von Maurice Ravel begann der Abend entspannt und klangschön. Die Melodieführung wanderte durch die Register, fein instrumentiert und sensibel musiziert.
Es folgte das Doppelkonzert für Violine, Violoncello und Orchester von Johannes Brahms – ein Werk von dichter Verflechtung und romantischer Dramatik.
Die Solistinnen Gesine Kalbhenn-Rzepka (Violine) und Sabine Krams (Violoncello) positionierten sich publikumsnah vor dem Orchester und überzeugten mit technischer Souveränität und klanglicher Wärme. Kalbhenn-Rzepka arbeitete nach ihrem Studium mit namhaften Dirigenten wie Sir Colin Davis zusammen und gastierte bei renommierten Orchestern, darunter der Staatskapelle Dresden und dem WDR Sinfonieorchester. Krams studierte in Freiburg und Bloomington (USA), gewann zahlreiche Preise und ist stellvertretende Solocellistin am Frankfurter Opernhaus.
Beide gestalteten ihre anspruchsvollen Soloparts mit Leichtigkeit und sauberer Intonation – vor allem aber ließen sie das Publikum am dialogischen Ineinanderfließen der Stimmen teilhaben.
Nach der Pause – in der die Musikerinnen und Musiker selbst Erfrischungen ausschenkten – erklang die selten zu hörende 6. Sinfonie von Antonín Dvořák. Sie gilt als eines seiner folkloristischsten und zugleich typischsten Werke.
Das ESG-Orchester, überwiegend aus Studierenden bestehend, brachte hörbare Spielfreude und frische Energie ein. Zwar blieben kleinere Unsauberkeiten nicht ganz aus, doch schmälerten sie den insgesamt überzeugenden Eindruck kaum. Besonders im warmen, fast andächtigen zweiten Satz und im tänzerisch beschwingten dritten Satz entfaltete sich der Klangkörper eindrucksvoll.
Das heroisch-strahlende Finale wurde mit lang anhaltendem Applaus bedacht.
So wurde deutlich: Hier musizieren junge Menschen mit Leidenschaft und Hingabe – und schenken ihrem Publikum einen Abend voller romantischer Klangfülle und gemeinschaftlicher Begeisterung.
Fotos B. v.d.G.
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